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Gefährliches Halbwissen

Tag: Türkei

Eine Stadt – Zwei Kontinente

Zisternen

Zisternen

Die erste Etappe unserer Weltreise liegt hinter uns. Über das Osterwochenende sind wir nach Istanbul geflogen und haben dort drei sehr schöne Tage verbracht. Es fing damit an, dass wir mitten in der Nacht (2.30 Uhr) aufstehen mussten und nach Budapest gefahren sind. So waren wir dann halb 10 Uhr in Istanbul. Wir sind auf der asiatischen Seite von Istanbul gelandet und mussten erstmal mit dem Bus in die Stadt fahren. Am “schnellsten” ging das mit dem Expressbus E10. Der kam aber mitten in den Morgenstau und brauchte somit auch eine Stunde, bis er am Hafen ankam.

Von dort aus setzten wir auf den europäischen Teil von Istanbul über. Die Fahrt war herrlich, bei schönstem Sonnenschein hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Blaue Moschee, die Hagia Sophia und Topkapi. Obwohl es sonnig war, hatten wir keine berauschenden Temperaturen – 12°C waren für den ersten Tag vorhergesagt. Und wie es sich für eine Hafenstadt gehört – mit viel Wind verbunden. Vom Hafen der europäischen Seite liefen wir hoch zur Hagia Sophia, denn in unmittelbarer Nähe dazu lag unser Hostel. Wie ich später festgestellt habe – eine Querstraße neben dem “Four Seasons”, also sehr exklusive Lage.

Die Blaue Moschee

Die Blaue Moschee

Die exklusive Lage machte sich schon beim Einchecken bemerkbar. Das Hostel war überbucht und hatte keinen Platz mehr für uns und wollte uns 4 in 3-Bett-Zimmer stecken. Natürlich wäre noch ein viertes Bett dazugekommen, aber dann wäre jegliche Bewegung im Raum unmöglich gewesen. Wir ließen dem Personal Zeit zum Überlegen und liefen ein bißchen durch die Stadt und besuchten die Zisternen. Ein Versuch in die Blaue Moschee zu kommen scheiterte daran, dass wir dort gerade waren, als Gebetszeit war.

Als wir abends wieder im Hostel eingetroffen sind, hatte sich auch die Bettensituation geklärt. Uns wurde ein Doppelstockbett ins Zimmer gestellt und damit hatten wir vier Betten. Uns wurde angekündigt, dass wir eventuell am nächsten Abend in unser gebuchtes 4-Betten-Zimmer umziehen dürfen. Und so fielen wir schon gegen 20 Uhr in einen wohlverdienten Schlaf.

Hagia Sophia innen

Hagia Sophia innen

Da es erst ab 8.30 Uhr Frühstück gab, konnten wir in Seelenruhe ausschlafen und nach einem stärkenden Frühstück uns auf Entdeckungsreise begeben. Erste Station war die Hagia Sophia, die äußerlich zwar schon beeindruckend ist, aber das Innere noch weitaus schöner ist. Nach der Hagia Sophia folgten eigentlich sämtliche Moscheen, die es auf der europäischen Seite zu sehen gab. Jede einzigartig und doch relativ gleich. Jedes Mal war Pflicht, die Schuhe auszuziehen und die Damen mussten sich ein Kopftuch umbinden. Zum Nachmittag machten wir noch eine Rundfahrt auf dem Bosporus, wo es uns angesichts der kühlen Temperaturen, frisch um den Kopf wehte.

Als wir am Abend wieder ins Eurasia-Hostel zurückkehrten, waren unsere gesamten Sachen bereits ins neue Zimmer umgezogen und wir konnten es uns in einem größeren Zimmer gemütlich machen. Furchtbar war nur das knarrende Bett, was jede Bewegung unmöglich machte, ohne den Rest der Schlafenden aufzuwecken. So standen wir am nächsten Morgen auf und mussten feststellen, dass es in der Nacht geregnet hatte. Auch der gesamte letzte Tag war trübe und grau. Wir besuchten noch Topkapi und versuchten auf den Galata Kulesi zu kommen, aber die Schlange davor war sehr lang und angesichts des trüben Wetters hätten wir ohnehin keine schöne Aussicht gehabt.

Hagia Sophia

Hagia Sophia

Zum späten Nachmittag setzten wir dann wieder auf den asiatischen Teil über. Unser Hostel auf dieser Seite (Hush Lounge) war eine Katastrophe. Auch hier war unser 4-Bett-Zimmer bereits belegt, wir bekamen aber allein ein 6-Bett-Zimmer – zum gleichen Preis. Das Zimmer war seit langem nicht gereinigt und der Dreck sammelte sich sichtbar auf dem Fußboden. Außerdem mussten wir unsere Betten selbst beziehen, bis auf die Kopfkissenbezüge, die waren noch in der Waschmaschine. Nachdem das Zimmer widerwillig gereinigt wurde, wollten wir schlafen, aber der Lärm auf der Straße ließ es nicht zu. Dazu kam, dass die Straßenlaterne vor unserem Zimmer im 20-Sekunden-Takt an- und wieder ausging.

Den nächsten Morgen standen wir völlig gerädert kurz nach 4 Uhr auf, gingen zum Busbahnhof und fuhren zum Flughafen zurück. Leider viel zu zeitig, denn das Chaos auf dem Flughafen blieb aus und wir mussten 2 Stunden warten, bis der Check-In-Schalter öffnete. Einen großen Teil der Heimreise verbrachten wir schlafend…

Ich war richtig begeistert von Istanbul, nicht zuletzt weil mir doch sehr viel aus Silkroad bekannt vorkam. Deswegen wird es auch wieder eine neue Folge der Silkroad-Quests im Real life geben. Wer in Istanbul kulinarische Highlights erwartet, wird bitter enttäuscht oder zur Kasse gebeten. Entweder man zahlt ordentlich oder die Alternative heißt: Döner!

Meine Damen und Herren, liebe Kinder!

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang am Mittwoch

So begann jede Ansage im Flugzeug, dass uns nach Antalya brachte. Nachdem wir die letzten Male uns immer auf eigene Faust durch die Länder geschlagen hatten, kam diesmal wieder Kontrastprogramm – 1 Woche all inklusive im 5-Sterne-Hotel. Dementsprechend startete das Flugzeug nicht früh um 8 Uhr in Frankfurt, sondern gemütlich am Nachmittag in Nürnberg. Wir kamen abends halb 12 Uhr in Antalya an und wurden dann noch 1,5 Stunden nach Terikova rausgefahren, wo uns unser Hotel “Amara Dolce Vita” lag. Auf der Fahrt dahin stellte sich erstmal heraus, dass ich mein Portmonee daheim vergessen hatte – alles halb so wild, war ja “all inklusive”.

Als wir nachts halb 2 Uhr schon im Halbschlaf an der Rezeption standen, bekamen wir erstmal alles fix erklärt und dann ging es auf ins Zimmer. Ein riesiges Zimmer (geschätzt ca. 40m²), ein Bad mit Wanne und Dusche, Flachbildschirm mit DVD-Player usw. Nur ein Gang auf den Balkon machte uns stutzig – es rauschte nichts! Wir hatten zumindest seitlichen Meerblick und selbst dann würde man das Meer hören. Also ging Kriszta nochmal an die Rezeption und pochte auf “sea view”. Hätte nicht gedachte, dass sofort klappt, aber wir wurden umgehend in ein anderes Zimmer verlegt, Balkontür auf… *rausch* Anschließend machten wir noch eine kleine Entdeckungstour, denn es gibt ein Bistro im Hotel, dass 21 Stunden am Tag geöffnet hat, wo wir noch einen kleinen Imbiss zu uns nehmen konnten. Der Irish Pub hatte auch noch auf und so konnten wir noch einen kleinen Absacker zu uns nehmen, bevor wir halb 3 ins Bett fielen.

Hotelanlage

Hotelanlage und im Hintergrund der Tahtali

Am nächsten Morgen wurde ich geweckt, weil mich was blendete. Die Sonne machte Anstalten um 7.15 Uhr mitten über dem Meer aufzugehen und mich dabei zu blenden. Also schnell rausgesprungen, ein Foto gemacht und wieder zurück ins Bett, um langsam munter zu werden. Nachdem wir uns rausgequält hatten, gingen wir ins Fitnessstudio und ich lief erstmal meine 5km auf dem Laufband und stemmte ein paar Gewichte. Gegenüber vom Fitnessstudio war gleich die Vitamin-Bar an der es immer frisch gepresste Säfte gab. Jeden Morgen wurde dort erstmal eine Palette Möhren und Orangen zu Saft verarbeitet. Danach anziehen und zum Frühstück gehen. Danach erkundeten wir das Hotel und das Gelände ringsum. Schon allein das Hotel lädt zum Verlaufen ein. Das Wetter war exzellent und so verbrachten wir den Rest des Vormittags am Pool, bis es wieder hieß: Umziehen und Essen gehen. Auch den Nachmittag genossen wir lesend in der Sonne. Wir spielten dann noch etwas Squash und gingen anschließend in die Sauna, bis wir uns wieder zum Abendessen umziehen mussten. Wie man sieht, dass stressigste am Tag war der ständige Kleiderwechsel. Und bei so viel Stress, hält man auch nur einen Cocktail durch, der auch noch zur Hälfte aus Hochprozentigem bestand und dann fielen wir ins Bett.

Montag und Dienstag änderte sich an der Reihenfolge nichts, wir standen auf, gingen ins Fitnessstudio, um der gigantischen Auswahl an Essen gerecht zu werden, sonnten und lasen, unterbrochen vom Mittag, anschließend Tennis, Schwimmen und Sauna, Abendessen, Cocktails, Schlafen. Mittwoch deuteten schon am Morgen die Wolken an, dass sich das Wetter ändert. Also nahmen wir nach dem Frühstück am Trekking rund ums Hotel teil und fuhren anschließend mit dem Bus, der direkt vorm Hotel hält nach Phaselis, einer antiken Stadt. Da der Regen immer näher kam, machten wir zur Mittagszeit kehrt und fuhren zum Hotel zurück. Mein Wunsch, endlich mal Postkarten zu finden, wurde nicht erfüllt. Wir waren außerhalb der Saison und somit hatte halbwegs alles was wie ein Geschäft aussah, geschlossen. Mittwoch Nachmittag regnete durchgehend und trotzdem gingen wir am Abend in den beheizten Meerwasserpool und ließen uns die kühlen Tropfen auf den Kopf prasseln.

Landesteg vorher / nachher

Mit dem Regen kam auf ein heftiger Wind auf, der dafür sorgte, dass das Meer aufgepeitscht wurde und die hohen Wellen den Landungssteg des Hotel gehörig ramponierten (siehe Bild). Uns blieb nichts anderes übrig, als das Lesen nach drinnen zu verlagern. Zumindest konnten wir unsere sportlichen Aktivitäten fortsetzen, wenn auch nur eingeschränkt, weil wir mittlerweile Muskelkater hatten. Und nachdem wir uns eingelebt hatten, fielen uns die ganzen Kleinigkeiten auf, die mit der Zeit anfingen zu nerven. Das Erste waren die Kopfkissen – für unseren Geschmack zu hoch, also ließen wir uns Neue bringen, die aber die gleichen waren, d.h. letztendlich hatten wir 5 Kopfkissen im Zimmer und keins passte. Dafür wurden aber die Handtücher permanent gewechselt. Aufgestanden, gewaschen, frühstücken *zack* neue Handtücher – runter an den Pool, hochkommen, abtrocknen, Abendessen *zack* neue Handtücher – mit etwas Glück hatten wir nach dem Mittag noch die gleichen Handtücher, die wir nach dem Frühstück bekommen haben. Natürlich hat das Hotel im Zimmer Schilder aufstellen lassen von wegen “wir kümmern uns um die Umwelt”. Deswegen werden an der Saftbar auch Plastikbecher hingestellt. Jeder kommt vorbei, trinkt einen Becher und wirft ihn weg. Auch wenn das manch einer Service nennt, aber das war schon übertrieben. Genau wie die Servicebereitschaft beim Essen – man schob genüsslich den letzten Bissen in den Mund, legte das Besteck ab *zack* war der Teller weg. Wenn man gemeinsam zum Nachtisch holen weggingen, war des öfteren auch schon die Getränke weg. Wie heißt es so schön: Weniger ist manchmal mehr!

Wir hatten uns ja auch für den Urlaub vorgenommen, auf den Tahtali zu fahren (in der Antike auch als Olimpos bekannt), war aber ab Mittwoch nicht mehr möglich, da sich der Berg komplett in Wolken einhüllte. Aber primäres Ziel war die Erholung gewesen. Also zogen wir Freitag und Samstag Vormittag unser übliches Programm ab und dann ging die Fahrt zurück nach Antalya, wo uns der Flieger wieder mit “Meine Damen und Herren, liebe Kinder…” begrüßte.