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Gefährliches Halbwissen

Tag: Indien

Indien – Land und Leute

Indien sieht sich als der große Bruder von Nepal und wenn man genau hinschaut, ist es ähnlich wie in Nepal, nur in größerem Maßstab.

Indien – Wirtschaft und Politik: In der Zeit, wo wir in Indien waren, war auch Präsident Barack Obama in Indien. Die englische Version der indischen Times beschäftigte sich sehr genau mit dem Besuch. Vom Zeitplan des aktuellen Tages, über die Kleidung der First Lady bis hin zu den Aussagen wurde dem US-Präsidenten sehr genau auf die Finger geschaut.

Zwischen den Zeilen konnte man lesen, was den Indern wichtig war: die Beziehung zu Pakistan (Obama hat sich geäußert, dass Indien einen positiven Einfluss auf Pakistan haben soll, was irgendwie nicht so gut ankam), Förderung Indiens in den Bereichen Ökologie, Landwirtschaft, Wettervorhersage und Indiens Einfluss im UN-Sicherheitsrat. Natürlich wurde dem Präsidenten auch vorgeführt, wie modern und fortschrittlich Indien ist. Deswegen wurde ein Internet-Video-Konferenz mit einem abgelegenen Dorf geführt, dass sich freut, jetzt Probleme und Bedürfnisse nach außen kommunizieren zu können.

Schaut man sich die Städte genauer an, erscheint diese Konferenz lächerlich. Delhi baut zwar mittlerweile eine Metro, aber die Probleme sind grundlegender. Wasserversorgung ist stellenweise mit Handpumpen realisiert und in Agra fließt die Kanalisation in kleinen Bächen neben dem Fußweg. Obama bewunderte zwar, dass die Hälfte der indischen Bevölkerung unter 30 Jahren ist, aber ein Gesetz zur Regulierung des Bevölkerungswachstums wird zwar diskutiert, ist aber noch weit entfernt.

Indien – Umwelt: Wenn wir den neugierigen Indern erzählten, dass wir aus Nepal kommen, rümpften sie ihre Nasen. Es wäre sehr dreckig dort. Tatsache ist, dass Indien als großer Bruder Nepals in Sachen Dreck die Nase weit vorn hat. Die Indien sind der Meinung in den Wintermonaten wäre es immer sehr neblig, doch man sieht und merkt es der Luft sehr genau an – es ist Smog. In Delhi bedeutet es – nach ca. 500m ist die Welt zuende. Vom Red Fort in Agra kann man das Taj Mahal sehen, aber auch nur sehr vage.

Wer im Laufe seiner Indienreise mal in die Nähe eines Bahnhofs gekommen ist, wird vielleicht verstehen, dass auch in Indien nicht die Touristen für den Dreck verantwortlich sind, denn durch die Kontingente stehen nur eine Handvoll Touristen am Gleis, der Rest sind Einheimische. Aber näher als einen halben Meter sollte man den Gleisen nicht kommen, denn es zieht dann ein Gestank auf, der alles bisher gerochene in den Schatten stellt. Mancherorts wird dann auch mit einem Wasserschlauch der Müll beiseite gespült, aber nicht es dem Gleisbett entfernt, was dann auch dafür sorgt, dass sich die eine oder andere Ratte herumtreibt.

Indien – die Menschen: Der erste Eindruck der indischen Bevölkerung mag täuschen, aber er hält sich hartnäckig. Da den Indern über mehrere Ecken bekannt ist, wie es in der westlichen Welt zugeht, möchte man auch ein Stück vom Kuchen abhaben und das auf hartnäckigste Art und Weise. Es geht natürlich weit über das übliche Anbieten von Diensten, die man grad nicht braucht (“Where do you go?”). Je näher der Rikschafahrer an das Bahngleis herankommt, um so hartnäckiger wird er. Man mag zwar glauben, dass der Konkurrenzkampf einen günstigen Preis ermöglicht, aber das ist eine Illusion. Wir haben mehrere Möglichkeiten erlebt, wie man den Frust des Touristen hemmungslos steigern kann.

  • Kommt man spät abends am Bahnhof an, hat man schlechte Karten. Die Konkurrenz ist schon schlafen gegangen und der ohnehin schon hohe Preis, den es kosten würde, steigt ums Dreifache. So erlebt in Agra, wo wir für eine Rikscha statt den tagsüber üblichen 50 Rupien plötzlich 150 Rupien zwischen Bahnhof und Taj Mahal löhnen mussten.
  • Merkwürdig sollte einem auch vorkommen, wenn sich ein zweiter Inder zu dem Rikschafahrer gesellt und der Preis schon initial sehr niedrig ist. Wenn man jetzt ein touristisches Ziel nennt, hat man verloren. Denn sobald die Fahrt losgeht, wird man vollgequasselt, dass man die Möglichkeit hat, für einen kleinen Aufpreis eine Führung zu den Sehenwürdigkeiten zu bekommen. Leider gehört das Ziel, was man eigentlich besuchen möchte, nicht zu den Sehenwürdigkeiten. Erlebt in Jaipur, wo wir zwischen Guesthouse und Hawa Mahal nur 40 Rupien zahlen sollten und für weitere 50 Rupien eine Führung zum Jal Mahal und zu Elefanten bekommen sollten. Hawa Mahal gehört aber nicht zur Führung und als wir dann doch nicht zu seinen auserwählten Zielen wollten, stellte sich der zweite Inder schwer beleidigt, er hätte doch so gute Referenzen von anderen Touristen bekommen.
  • Der absolute Schocker war natürlich, als ein Motorrikschafahrer sein Taxameter anschaltete – sollte es tatsächlich noch ehrliche Menschen geben? Nein, aber nicht doch… Denn aus Strecken von zwei Kilometern wurden durch großzügige Umfahrungen fünf Kilometer. Kein Problem, selbst der Preis ist noch laut Taxameter sehr erschwinglich. Nur doof, wenn der Rikschafahrer auf einmal eine Liste ausgräbt, die den tatsächlichen Fahrpreis pro Kilometer enthält – das Taxameter diente nur zum Zählen der Kilometer. Natürlich wird dann noch ein Kilometer draufgeschlagen. Als wir mit unserer Diskussion einen nahestehenden Polizisten anlockten, wurde schnell am Taxameter gefummelt, es stand wieder der Ausgangspreis da. Dumm für den Rikschafahrer, dass wir zu zweit waren und unsere zwei Aussagen gegen die eine des Rikschafahrers stand.
  • Einen letzten Hauch von Gerechtigkeit erlebten wir, als wir eine Rikscha zum Hotel nehmen wollten und es plötzlich statt der 40 Rupien auf den Hinweg hieß: 100 Rupien. Auch diesmal lockte die Diskussion einen Polizisten an, der den Rikschafahrer nach Strich und Faden zusammenstauchte und zu uns sagte: Es sind nicht mehr als 2 Kilometer bis zum Hotel und zahlen sie auf keinen Fall mehr als 30 Rupien. Auf einmal ging die Fahrt sehr schnell und das Taxameter meinte: 20 Rupien. Als wir die 20 Rupien nach vorn reichten, versuchte der Rikschafahrer eine letzte Diskussion, doch wir ließen ihn einfach stehen. Wir hatten genug davon.

Ehrlich gesagt, kann man es den Indern nicht übel nehmen, dass sie die Touristen übers Ohr hauen wollen, denn sie bekommen es schon von offizieller Seite vorgemacht. Eintritt ins Taj Mahal für Einheimische: 10 Rupien, für Touristen: 750 Rupien. Dieser Text steht auch noch dreister Weise in Englisch am Ticketschalter, damit man es auch noch richtig unter die Nase gerieben bekommt. Noch ein Beispiel gefällig? Eintritt für Einheimische in die Moschee Jama Masjid: 0 Rupien. Für Touristen steht ein Schild da, was man beachten muss und wenn man Bilder (auch mit dem Handy) machen möchte, löhnt man 200 Rupien. Wir zogen brav unsere Schuhe aus, als eine Stimme ertönte: “Two hundred Rupies, please!” Ich zeigte leere Hände “We have no camera!”. “Come here, we control your bag!” Ja, zeig mir mal den Touristen, der nicht irgendwo eine Kamera hat und sei es auch nur ein Handy mit Kamera. Obwohl wir drauf bestanden, keine Fotos zu machen, führte kein Weg dran vorbei – wir sollten zahlen.

Was ich in dem kurzen Zeitraum gelernt habe, wie die Pest zu hassen – die Bürokratie in Hotels / Guesthouses. Es gibt ein dickes Buch, in das sich die Ankömmlinge eintragen dürfen. Aber nicht nach dem Prinzip “Unterschreiben Sie hier, lassen sie ihren Pass da, wir erledigen den Rest” – Nein, alles schön selbst ausfüllen, angefangen von der Wohnadresse, Herkunft, nächstes Ziel und Telefonnummer muss alles angegeben werden. Dann wird noch eine Kopie des Reisepasses gemacht und es folgen noch zwei weitere Formulare. Keine Ahnung wozu…

Einziger Lichtblick war unsere Zugfahrt von Agra nach Delhi, wo wir zusammengepfercht im Abteil saßen und uns die vier Stunden mit Indern unterhielten. Mein Urteil war: Der gemeine Inder hat das Herz am rechten Fleck, ist aber ein wenig naiv, macht was ihm gesagt wird und denkt nicht über die Folgen seines Handelns nach. Je nach Bildungsstufe sind die Inder auch sehr weltoffen und keinesfalls entsetzt, wenn man nicht verheiratet ist, geschweige denn keiner Religion zugehörig ist, wie es einem die Reiseführer glauben machen wollen. Grundtenor: Der Mensch zählt. Sehr witzig war auch, wie wir einem Mediziner, der zu einer TBC/Lungenkonferenz nach Berlin flog, das Konzept von Sommer- und Winterzeit erklären wollten, was er sehr “confusing” fand.

Indien und seine Mystik: Ich habe während unserer Reise das Buch “Meine Freundin, der Guru und ich” gelesen. BTW halte ich den deutschen Titel von sowas von blöd gewählt, denn sie ist weder seine Freundin, noch kommt ein Guru drin vor – der englische Titel lautet dafür treffender “Are you experienced?”, was den Kern der Sache trifft. Jedenfalls taucht dort der Konflikt zwischen denen auf, die westliche Werte vertreten und denen, die sagen, dass man die spirituellen Werte abseits der Touristenwege kennen lernen muss, um Indien so richtig erlebt zu haben.

Gut, wir hatten nur 3 Tage in Indien Zeit, aber sind wir doch mal ehrlich… Wenn jemand nach Deutschland für drei Tage kommt, würdest du ihm empfehlen, drei Tage nach Kolmsdorf zu fahren, um mit den Einheimischen eine Brotzeit bei einem Weißbier zu genießen oder würdest du sagen: Fahr nach Berlin, München und Dresden und schau dir ein paar schöne Städte an? Natürlich bin ich mir bewusst, dass es ein Leben abseits der Touristenfallen gibt und dass dieses voller Spiritualität stecken mag, aber leider war unsere Zeit knapp. Um es aber auf den Punkt zu bringen: Wonach bewertet man ein Land? Nach seiner Bevölkerung? Wie es sich an offiziellen Plätzen präsentiert? Oder nach dem Reichtum seiner Geschichte?

Indien – kulinarisch: Ich musste schmunzeln, als ich las, dass in der aktuellen 4 Seasons ein Bericht über eine Reise per Pedale von Delhi nach Nepal steht, der damit beginnt, dass man sich die ersten Tage erstmal kulinarisch an Indien gewöhnen muss (Durchfall). Diese Probleme hatte ich nicht, aber auch gerade in Indien gilt: kein Fleisch! Schlimmer als in Nepal wird man in Indien mit unterschiedlichen Bezeichnungen für gleiche bzw. ähnliche Gerichte konfrontiert. Beispiel: Dosa, Chapati, Nan, Papad und Puri – sind letztendlich alles Fladenbrote, je nach Region, Art des Mehls bzw. Zubereitung. Das kann schon verwirrend sein, denn mit den Speisen sieht es nicht anders aus.

Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt die indische Version dessen, was der Nepalese als Dal Bhat kennt: Thali. Thalis sind auch wieder von Küche zu Küche verschieden, was Menge und Vielfalt betrifft. Manche servieren weniger Auswahl, dafür mengenmäßig mehr, manche bieten eine große Vielfalt, aber wenig an. Wie auch in Nepal waren Fladenbrot, Reis, Dal und Curry immer dabei, manchmal hatte ich auch sauer Eingelegtes oder Joghurt dazu.

Ich hoffe, mit dem Beitrag konnte ich dem ein oder anderen erfahrenen Indienreisenden ein Schmunzeln entlocken und anderen Neulandentdeckern einen Hinweis geben: Achtung, bitte hier aufpassen!

Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst!

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Knapp drei Wochen Urlaub sind jetzt vorbei und wir wieder an einigen Erfahrungen reicher. Wie gewohnt wird es zwei Teile geben – den Erlebnisbericht, sowie Land und Leute. Wir flogen Samstag Morgen ab Frankfurt los, um abends in Delhi zwischen zu landen, den nächsten Morgen sollte es dann nach Kathmandu weiter gehen. Wir wurden am Steig abgefangen und gleich zum Transferschalter geführt “Bitte warten Sie hier.” Nach einer Weile stellte sich die Frage: Wie lange denn? Also nahmen wir es selbst in die Hand, unsere Transfertickets mühevoll abzuschwatzen. Danach folgte eine störungsreiche Nacht auf den Liegen des Delhier Flughafens und schon kamen wir zur ersten Station:

1. Kathmandu: Hier verbrachten wir den ersten Tag damit, unsere gesamte Nepalreise (soweit wie notwendig) zu buchen. Wer darüber nachdenkt, seine Nepalreise im Voraus zu buchen – Fehlanzeige! Im Stadtteil Thamel, wo eigentlich sämtliche Touristen absteigen, wimmelt es von Reisebüros, die einem das passende Paket zusammenschnüren. Aber ruhig zwei oder drei aufsuchen, vergleichen lohnt sich. Abends suchten wir uns noch ein schönes einheimisches Lokal – keine Touristenabsteige – und probierten ein wenig herum.

Der zweite Tag in Kathmandu war den Sehenswürdigkeiten gewidmet. Wir begannen mit dem Fußmarsch zur Swayambhunath (aka Monkey Temple) und sahen das erste Mal frei lebende Affen. Über den Durbar Square ging es dann zum Nepal Tourism Board, damit wir die Zulassung zum Trekken in der Annapurna-Region bekommen und damit wir FIT (Free Individual Trekkers) sind. Nepal unterscheidet zwei Gruppen von Wanderern – die mit Guide und die ohne. Dreimal dürft ihr raten, welcher Gruppe wir angehören! Es ist ratsam gleich die vier Passbilder mitzubringen, sonst fängt man wieder an zu laufen… Zwei Stunden und einige tausend Rupien später, hatten wir den Papierkram erledigt und konnten wieder zum Sightseeing übergehen. Wir schafften noch die Bouddhanath Stupa und Pashupatinath und konnten beobachten, wie die sterblichen Überreste von Hindus verbrannt und im Fluss versenkt wurden.

2. Rafting am Trishuli: Geplant war, dass wir den nächsten Morgen zwischen 6.20 Uhr und 6.30 Uhr abgeholt wurden und dann zum Startpunkt des Rafting gebracht werden. Zehn vor um 7 Uhr stand plötzlich eine Rikscha mit den Worten “You are late!” vor uns. Dank der hinduistischen Festivals in Kathmandu dauerte unsere Fahrt statt der geplanten zwei plötzlich 5,5 Stunden. Ein Stau am anderen durch liegen gebliebene Trucks. Aber das Rafting machte alles wieder gut, wir wurden bis auf die letzte Faser durchnässt und kurz danach von der Sonne wieder getrocknet. Zwischendurch genossen wir bei einem Zwischenhalt ein leckeres Essen und weiter ging es. Zum späten Nachmittag stiegen klatschnass von den letzten Stromschnellen aus und es war schon kühl, da sich die Sonne hinter den Bergen verkrochen hatte. Nun hieß es zum Zeltplatz kommen. Die lokalen Busse waren bis zum Dach voll, also fuhren wir mit einem Truck die 15 Minuten bis zum Zeltplatz. War spaßig – Heizung auf volle Kanne und dazu dröhnende nepalesische Mucke.

Wir waren froh, dass wir unsere eigenen Schlafsäcke hatten, denn die uns überreichten strömten ein intensives Aroma aus – zuviel im Feuchten gelagert. Es war entgegen den Erwartungen garnicht so kalt, am Fluss zu übernachten. Der nächste Tag begann wolkig, klarte aber während des Raftings auf. Es war heute schwieriger, wie tags zuvor und als wir hingewiesen wurden, dass jetzt eine technische Stelle kommt, passierte es – unser Boot wurde durchgewalkt, Kriszta, die ganz hinten saß, lag auf einmal neben mir ganz vorn und zwei andere wurden rausgeworfen. Wir sammelten sie schnell wieder ein und konnten uns dann noch ein wenig vom Schrecken erholen.

3. Chitwan Nationalpark: Mit dem einheimischen Bus fuhren wir nach dem Rafting bis Chitwan und wurden dort eingesammelt und mit einem Jeep zum Hotel Chitwan Tiger Camp gebracht. Kaum waren wir da, wurden wir zum Elephant Breeding Center geschafft. Hier konnte man kleine bis große Elefanten bestaunen, aber leider nicht auf Rüsselkontakt gehen. Im Anschluss erfolgte noch ein mehr oder weniger peinlicher Besuch bei den “Eingeborenen” – den Tharu, die missmutig die Besucher über sich ergehen ließen. Wir ließen den Tag bei einem guten Essen ausklingen. Bis jetzt hatte keiner Probleme mit der Verdauung. Die Nacht war aber katastrophal – wir waren auf Mücken eingestellt und was hatten wir – Mäuse im Dach, die es auf unsere Äpfel abgesehen hatten. Selbst nachdem wir die Äpfel rausgeräumt hatten, raschelte und fiepte es die ganze Nacht.

Am nächsten Morgen starteten wir mit einer Kanutour in den Dschungel. Wir sahen Krokodile, Affen, jede Menge Käfer und Schmetterlinge und auch ein Nashorn. Am Nachmittag kam dann noch der Ausritt auf den Elefanten, was zwar ungemütlich und unbequem war, uns aber trotzdem bis auf 10 Meter an Rehe heranführte. Den Rest des Nachmittags lagen wir auf Liegestühlen am Fluß und schauten der Sonne beim Untergehen zu. Abends stand noch das Kulturprogramm mit Tänzen der Tharu auf dem Programm, wo ich anfänglich skeptisch war, mich dann aber geschlagen geben musste – es war richtig toll. Nach einer weiteren Nacht mit den Mäusen, machten wir mit unserem Führer Ussa uns morgens noch auf Vogelsuche und sahen auch einen Eisvogel.

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4. Trekking im Himalaya: Es begann mit einer Übernachtung in Pokhara und den nächsten Morgen flogen wir auf 2760m nach Jomsom. Wir gingen die Straße abwärts und wurden auch regelmäßig von Bussen, Jeeps und LKWs eingestaubt. Hinter Marpha wechselten wir die Flussseite und gingen abseits des Verkehrs bis kurz vor Tukuche. Da wir beide (Kriszta mehr, ich weniger) mit der Höhe zu kämpfen hatten, übernachteten wir im High Plains Inn, einem nepalesisch / niederländisch geführten Guesthouse. Trotzdem hatten wir in 3,75 Stunden über 13km zurückgelegt. Purna erzählte, dass sie auch immer Probleme mit der Höhe hat, wenn sie von Pokhara hochkommt, es liegt an der trockenen Luft. Sie hatte einen guten Tag erwischt, ihr Guesthouse war an dem Abend voll, was trotz Hochsaison zur Seltenheit geworden ist, seit die Busse fahren und somit die Touristen vorbeifahren bzw. durch den Staub vergrault werden. Wer also vorbeikommt – dort übernachten, solange es noch offen ist!

Der nächste Morgen war gesundheitlich besser und so stiegen wir ca. 24km lang in 5,5 Stunden von 2482m auf 2092m nach Ghasa ab. Das Wetter spielte an dem Tag nicht so mit, es war den ganzen Tag wolkig und somit keine Sicht auf die Berge. Die Unterkunft in Ghasa war mehr als dürftig, der Wind fegte durch die Schlitze der Bretterwand und machte die Übernachtung zum frostigen Erlebnis. Danach ging es abwärts – wir stürzten uns in 5 Stunden auf 1229m nach Tatopani hinab, auch diese Etappe war knapp 24km lang. Hier war es schon wesentlich angenehmer von den Temperaturen und wir wollten in die heißen Quellen gehen, die sich aber an Wasch- und Putzgelegenheit für Einheimische und ihre Wäsche herausstellte. Ab 15 Uhr durfte man als Tourist dann in diese Hinterlassenschaft steigen. Wir ließen es bleiben…

Ein knochenharter Tag stand vor uns. Alles, was wir bisher an Höhe verloren hatten, stiegen wir an einem Tag wieder aufwärts – von 1229m ging es erstmal 250m abwärts und dann 1840m aufwärts. Wir brauchten 7 Stunden für diese 18km (mit Pause). Erschöpft in Gorepani angekommen, konnten wir von Glück reden, denn es fing gerade mit regnen an. Wir hofften, dass am nächsten Morgen das Projekt “Poon Hill” nicht ins Wasser fallen würde.

Tat es nicht! Um 5 Uhr gingen wir in einer dreiviertel Stunde die 300 Höhenmeter aufwärts und wurden Zeuge eines atemberaubenden Panoramas. Nach dem Abstieg gab es erstmal Frühstück und dann begann unsere Tagesetappe. Wer allerdings (wie wir) vor hat, nach Ghandruk zu laufen, kann sich den Umweg am Morgen nach Poon Hill schenken, auf dem Weg nach Ghandruk kommt man auf die gleiche Höhe mit einem ruhigeren und vergleichbar schönen Anblick. Wer denkt, der Aufstieg des letzten Tages war die Härte – vergesst es einfach! Diese Etappe fordert nochmal alles. Über eine schiefe Treppe geht es steil abwärts ins Tal und danach erstmal wieder aufwärts, bevor es entgültig in das wunderschöne Ghandruk geht. 22km wollten zurückgelegt werden, wir brauchten 7,5 Stunden, um 880m Höhenmeter aufwärts und 1700m Höhenmeter abwärts zu bewältigen.

Die letzte Etappe ist allerdings wieder entspannend, ja geradezu langweilig. Die letzten 1100 Höhenmeter (13,5km Strecke) abwärts bis Naya Pul wollen in knapp 4 Stunden bewältigt werden, sodass man bequem den Bus nach Pokhara erreicht. Wir kamen wieder im New Annapurna Guesthouse unter, was nicht nur mit einer hervorragenden Unterkunft glänzt sondern auch noch eine heimelige Atmosphäre bietet und man im Garten ganz entspannt in der Sonne relaxen kann.

5. Das Goldene Dreieck: Die hinduistische Festivalsaison hatte ihren Höhepunkt erreicht und wir lernten einiges über den Tag des Hundes, den Tag der Kuh und das Brüder-Schwestern-Fest. Mit einer Übernachtung in Kathmandu bei Silvesteratmosphäre kamen wir dann in Delhi an. Noch ein kleiner Satz zu Flughafengebühren. In Pokhara werden grundsätzlich 170 Rupien pro Persion fällig, wenn man fliegt, in Kathmandu wurde die leicht überteurte Flughafengebühr wohl aufgehoben, wir mussten entgegen unserem Reiseführer nichts zahlen.

Von Delhi sahen wir nicht mehr viel, wir waren müde und gingen schnell ins Bett, schließlich wollten wir den nächsten Morgen nach Jaipur fahren. Wir hatten für diese Fahrt mit der indischen Eisenbahn noch Plätze in der B1-Klasse ergattern können, was bedeutet 4 Liegen in einem offenen Abteil, klimatisiert oder besser: Schockfrosten. Wir nutzten den Nachmittag in Jaipur noch, um das Hawa Mahal anzusehen, ein sehr schönes Gebäude in mitten vieler anderer historischer Gebäude in der Rosaroten Stadt. Da unser nächster Zug nach Agra erst am Abend ging, konnten wir noch den ganzen Tag nutzen, um Amber bzw. das Jal Mahal anzuschauen, die auch unbedingt sehenswert sind.

Obwohl wir eine Woche vorher gebucht hatten, waren die meisten Plätze in den Zügen schon voll und wir mussten Kompromisse in Sachen Bahnhof (abgelegen) oder Klasse hinnehmen. Wie wir später feststellten, gibt es Kontingente für Touristen und wenn die alle voll sind, gibt es keine Plätze mehr online zu ergattern. Für den Zug nach Agra hatten wir CC-Klasse (Climated chair), was sich als weiche Ledersessel im Sinne von Flugzeugsitzen herausstellte. Sehr bequem, aber wieder zu kalt.

Agra als Stadt ist das letzte – Wucherpreise, dreckig und außerdem… saudreckig. Aber man will ja mal das Taj Mahal gesehen haben. Nüchtern betrachtet ist das Taj ein großer Marmorklotz, weit ab von Liebesbezeugungen und religiösen Symboliken. Ich habe lange gebraucht, um die Magie des Gebäudes zu entdecken. Es sind nicht die Farben, die man angeblich je nach Tageszeit sieht. Es sind die Ausmaße, die Symmetrie und die Liebe zum Detail. Wer sich beim Taj befindet, sollte den Blick in den Fluss vermeiden, das ruiniert alles sofort wieder. Was da so drin schwimmt… Auch sollte man einen Blick ins Red Fort werfen, das zum Schlendern und entdecken einlädt.

Abends ging es dann nach Delhi zurück – D-Klasse oder anders gesagt: Die “Du kommst eh nicht zur Toilette”-Klasse. Viele Leute, sehr viele Leute, Gitter statt Fenster, Ventilatoren an der Decke, aber von hohem Unterhaltungswert, da die Inder sehr neugierig sind und man was im wechselseitigen Fragespiel über die indische Kultur lernt. Bis zum Rückflug nach Frankfurt hatten wir am nächsten Tag noch etwas Zeit, also versuchten wir uns an der Besichtigung einer Moschee – Wucher, Lügen und Betrug – wir ließen es bleiben und fuhren zum Flughafen hinaus.

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Vom Lusturlaub zum Frusturlaub

Eigentlich klang alles so einfach: Visum für Indien per Post beantragen, Pässe und Formulare einschicken, Geld überweisen, 5-7 Tage warten – fertig. Unser Flug geht am Samstag, 23.10. Und jetzt die chronologische Abfolge des bis dahin offenen Spektakels:

  • 8.10., 16 Uhr: Ich verschicke die Pässe und Formulare per Einschreiben mit Rückschein an Cox and Kings, die vom Konsulat Indiens beauftragte Firma. Zum selben Zeitpunkt überweise ich das Geld.
  • 11.10., abends: Der Status des Einschreibens anhand der ID der Post ist auf “bereitgestellt”. Ich bin beruhigt.
  • 12.10., abends: Status immer noch “bereitgestellt”. Ich durchstöbere das Internet, was das bedeutet und stoße auf zwei Aussagen: Der Empfänger wurde informiert bzw. Es wurde ausgehändigt. Wie ich jetzt weiß: Wurde ausgehändigt. Trotzdem schreibe ich eine Mail, ob die Sendung angekommen ist.
  • 13.10., früh: Antwort liegt vor, dass die Sendung eingetroffen ist. Nur der Zahlungseingang fehlt. Ich prüfe es, Zahlung ist schon längst abgebucht, was ich auch antworte.
  • 13.10., nachmittags: Antwort kommt, Zahlungseingang wurde bestätigt, unsere Visa werden in Bearbeitung gegeben. In mir macht sich ein Gefühl von Beruhigung breit. Wenn man persönlich vorspricht, ist ja der Arbeitsablauf: früh kommen, abends Visum mit heimnehmen.
  • 18.10., abends: Die Rücksendung steht immer noch auf “offen”. Ich schreibe mal fix, wie der Bearbeitungszustand ist.
  • 19.10., früh: Mich trifft der Schlag, als ich die Antwort sehe: Die Anträge wurden gestern ins Konsulat gegeben, wir sollen einen Kurier beauftragen. Das erfordert sofortige Maßnahmen.
  • 19.10., mittags: Ich rufe an, mindestens 8 mal fliege ich aus der Leitung. Zum Glück haben sie einen automatischen Rückruf, wenn die Leitung frei ist. Ich hake bei einer Frau mit indischem Akzent nach, sie meint, die Visa könnten heute Abend oder morgen zurück kommen, ich soll morgen nochmal anrufen. Bin entnervt und schaue auf die Webseite – Bearbeitung dauert 10-15 Tage, aber nach Eingang der Sendung.
  • 20.10., mittags: Ich rufe wieder an, diesmal habe ich Frau dran, die zwar serviceorientiert ist, aber sich inhaltlich mehrfach vergreift. Mir wird klargemacht, dass es mein Fehler ist, ich hätte viel eher beantragen sollen und auch auf der Webseite stehen ja auch 10-15 Tage. Davon, dass der Zeitraum geändert wurde, will sie nichts wissen. Das Konsulat bearbeitet halt die Anträge, wie sie denkt. Es könnte also durchaus Ende der Woche werden, dass sie fertig sind. Ich sage ihr, dass sie die Pässe nicht verschicken soll, wir holen sie ab. Wir bekommen zumindest eine Tracking-ID, mit der wir online abfragen können, wie der aktuelle Bearbeitungsstatus ist.
  • 20.10., abends: Wie durch Zauberhand ist der Status: die Pässe können abgeholt werden.

Frage mich echt, was die Anträge zwischen Mittwoch und dem darauffolgenden Montag gemacht haben? Wir haben das unserer Kollegin erzählt, die öfters nach Indien fährt. Sie war entsetzt, sie hätte erst im Januar ein Visum beantragt und das wäre innerhalb von einer Woche wieder da gewesen. Kriszta wird sich jetzt wohl oder übel auf den Weg machen müssen und die Dinger abholen fahren.