--::[ electro-space ]::--

Gefährliches Halbwissen

Tag: Chile

Im Norden nichts Neues

Arica ist die trockenste Stadt der Welt. Zumindest wenn es nach dem Besitzer des Surfhouse Arica geht. Ein kurzer Blick bei Google zeigt, Ägypten möchte den Titel nach Assuan bzw. Luxor holen. Dementsprechend hat es uns gewundert, als wir morgens in Arica ankamen … aber vielleicht sollte ich doch am Anfang der Geschichte anfangen…

Wir kamen mit dem Nachtbus kurz vor 6 Uhr in Arica an, warteten noch eine Weile auf dem Bahnhof, bis wir uns in ein Taxi klemmten und ins Hostel fuhren. Dort erwarteten uns verschlossene Türen – halb 8 Uhr! Quälend langsam öffnete einer der bolivianischen Angestellten die Tür, bat uns herein und zeigte uns unser Zimmer. Moment mal, hatten wir nicht Doppelbett gebucht?! Da standen zwei Betten im Zimmer – ja, das wäre jetzt so, erklärte uns der Angestellte. Wir ließen uns nicht drauf ein – Doppelbett ist Doppelbett und wenn es gebucht wurde, dann gibt es das auch für uns. Dann müssten wir warten, bis andere Gäste ausgecheckt haben, hieß es. Kein Problem, wir gingen in die Stadt.

So einen trostlosen Flecken Erde habe ich noch nicht gesehen. Halb 10 Uhr, alle Geschäfte zu, auch die Imbissbuden. Es war depremierend. Dazu tropfte es gelegentlich – siehe Anfang der Geschichte! Als wir zurück kamen empfing uns der Chef und erklärte: Kann garnicht sein, dass es getropft hat, wir sind die trockenste Stadt der Welt! In den letzten 5 Jahren hätte es nicht mehr geregnet. Na gut, wir liefen dann noch etwas herum und schauten uns wegen Tour zum Lauca Nationalpark um. Wir fanden auch ein gutes Angebot, dass wir für den nächsten Tag buchten. Statt der geplanten 3 Tage machten wir aber nur einen Tag daraus, es gab nichts spektakuläres zu sehen.

Wir stiegen den nächsten Morgen in den Bus – war das nicht erstaunlich feucht draußen? Richtig, die Scheibe des Minibusses war vollgesprüht mit kleinen Regentropfen. Es folgte das übliche Tourprogramm. An den Stellen mit Geschäften blieben wir lange stehen, an den schönen Aussichtspunkten fuhren wir vorbei. Uns machte der Anstieg an diesem Tag schwer zu schaffen, wir starteten bei 400 Meter ü.N.N. und gingen bis auf 4.600 Meter hoch. Das hieß am Abend heftige Kopfschmerzen. Der Vulkan, den wir anvisierten, hüllte sich in Wolken, als wir ankamen und der See hatte durch die lang anhaltende Trockenheit einen enormen Niedrigstand erreicht und die versprochene Reflektion war praktisch kaum vorhanden. Trotzdem war es ein schöner Ausflug und wir freuten uns noch, dass uns Franziska und André (Schweiz) gefolgt waren und mit denen wir die nächsten Tage verbringen sollten.

Chile dry

Unsere nächste Station nach Salta war San Pedro de Atacama. Die Fahrt dahin geht über einen Pass, der laut meiner Uhr bis auf 4.870 Meter hoch geht. Etwas bizarr ist es schon an der argentinischen Grenze zu stehen, auszureisen und dann 160km zu fahren und dann in Chile zu sein. Die Chilenen waren in dem Fall clever, dass sie ihre Grenzstation an den Rand von San Pedro gebaut haben. Am ersten Tag sahen wir uns ein wenig um und ruhten uns aus.

1. Im siebten Himmel

Eine Tour, die ich allein gemacht habe. Abends um 8 Uhr fuhr ein vollbesetzter Bus mitten raus in die Atacamawüste und lud uns ab. Dort erwartete uns ein kanadischer Astronom, der seit kurzer Zeit in Chile lebt. Er begann damit, dass die Erde eine Scheibe war und wie die Menschen vor 3000-4000 Jahren die Welt gesehen haben. So baute er Stück für die Stück die Vorstellung von damals bis heute auf und erklärte, woher der Begriff “siebter Himmel” kommt – nämlich von den 7 Sphären, auf denen sich die Himmelskörper um die Erde bewegten (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn). Dann ging es über Astrologie (Tierkreiszeichen), Sternbilder und einzelne Sterne, Galileo bis hin zum gleich um die Ecke entstehenden ALMA (Atacama Large Millimeter Array).

Der witzige Vortrag, als auch die Beobachtung des Himmels waren jeden Peso wert. Ungefähr 10 Teleskope, die sich dort befanden wurden auf unterschiedliche Objekte am Himmel ausgerichtet und dann konnte man beobachten. Zwischendurch sprang der Kanadier immer wieder zwischen den Teleskopen hin und her und richtete sie neu aus. Nach einer abschließenden heißen Schokolade ging es heim, wo ich schon sehnsüchtig erwartet wurde.

2. Geiser del Tatio

Wenn man den vorhergehenden Abend spät heim kommt, muss es natürlich “zur Strafe” den nächsten Morgen richtig zeitig losgehen. 3.40 Uhr klingelt der Wecker und fröstelnd ziehen wir uns Schale für Schale an. Ziel ist ein geothermales Gebiet, das auf 4.320 Meter Höhe liegt. Als wir dort ankommen, sagt uns der Guide, dass es -13°C sind und nach einer halbe Stunde Wanderung durch das Gebiet spüre ich meine Zehen nicht mehr. Mittlerweile hat die Sonne das Tal erreicht und einige wagen den Sprung in das warme Wasser. Sowas muss ich mir nicht antun, dafür ist es immer noch zu kalt. Nach dem Besuch des Geysir besuchen wir noch das Dorf Machuca, war zwar niedlich, aber sehr kurzweilig ist.

3. Moon valley

Als Nachmittagsprogramm zum Geysir fahren wir zum Moon Valley und erleben wunderbare Farbspiele und interessante Formationen. Die Erklärungen des Guide sind zwar nicht so speziell, aber das stört nicht – es erweitert den Horizont. Zum Sonnenuntergang besteigen wir eine Düne und können so wunderbar auf die Anden schauen. Man könnte im Sekundentakt auf den Auslöser drücken, jeden Moment entsteht eine neue Farbkombination und scheinbar besser als in der Sekunde davor.

4. Spiegelbilder

Den nächsten Tag können wir den Vormittag erstmal dazu nutzen, die Bilder von den Vortagen durchzugehen, ein paar kleinere Reparaturmaßnahmen vorzunehmen und am Nachmittag geht es Richtung Salar (Salzwüste). Dort wollen wir uns ein paar Lagunen ansehen bzw. darin baden. Erste Station ist die Cejas Lagune, ich wage mich in das eiskalte Wasser (ca. 10°C) und lasse mich treiben. Herrlich, wie das Salzwasser einen trägt, ohne dass man einen Finger rühren muss. Danach geht es zu Ojos del Salar, zwei kreisrunden Löchern mitten in der Wüste. Wir halten uns dort etwas unnötig lange auf, bevor es zur Tebinquince Lagune geht, die ein absolutes Highlight ist. Der perfekte Spiegel zu den Anden und mit jeder Sekunde des Sonnenuntergangs wechseln die Berge ihre Farbe von weiß zu gelb zu orange über rot bis zu einem Violett. Ich bin sprachlos von so viel Schönheit…

5. Flamingos und Bergseen

Anfang des Jahres hatte es in den Anden geschneit, wie es in Jahren zuvor zusammen nicht geschneit hat und genau in diese Region sollte unser letzter Trip bei San Pedro führen. Wir starteten mit der Jere Schlucht und Toconao – eher Lückenfüller, statt echtes Highlight. Danach ging es mitten in die Salzwüste zur Chaxas Lagune, die im Nationalpark “Los Flamencos” liegt. Ihren Namen hat sie von den Flamingos, die dort zahlreich vorhanden sind. Noch nie zuvor hatte ich Flamingos in freier Wildbahn gesehen und ihre Schönheit vor den Bergketten bewundern dürfen.

Eigentlich sah der Plan vor zwei Hochgebirgslagunen zu besuchen: Meñiques & Miscanti. Letztere war aber durch die starken Schneefälle nicht erreichbar. Selbst Meñiques konnten wir nur aus sicherer Entfernung besichtigen, die tiefer liegende Hütte schaute nur mit dem Dach aus dem Schnee. Trotzdem, oder gerade deshalb waren die Reflektionen der Berge im See herrlich.

Mystische Steinköppe

Früher fand ich ja mal Erich von Däniken interessant. Was der alles so erzählte und welche Bilder er zeigte… das war schon beeindruckend. Und nun sollte der Augenblick kommen, wo ich die Figuren der Osterinsel mit eigenen Augen sehe. Also wieder mal früh aufstehen (2:40 Uhr), ins Flugzeug steigen, auf dem Flughafen warten und dann landen wir an einem Platz, von dem ich mir viel versprochen habe. Die warme Luft schlägt uns entgegen, es sind hier ca. 20°C. Im Gegensatz zu den letzten Tagen war das richtig angenehm. Es war Abend und bezogen schnell unser Zelt und schliefen wie die Murmeltiere.

Schon am Vorabend haben wir gehört, dass die Sonne erst halb 9 Uhr aufgeht und so richtig wollten wir das nicht glauben. Als wir um 8 Uhr munter wurden, stellten wir fest – stimmt, es dämmert erst. Wir gingen im Morgengrauen erstmal ins Dorfzentrum, um uns mit Lebensmitteln zu versorgen. Dadurch fiel unser Frühstück relativ spät aus. Wir hatten auch schon nach unserer Ankunft ein deutsches Pärchen kennengelernt und auf dem Zeltplan war noch ein schweizer Pärchen. Wir hatten uns vorgenommen, für einen Tag ein Auto auszuleihen und die große Runde zu fahren und für einen anderen Tag mit dem Fahrrad eine kleine Runde zu drehen. Durch unser spätes Frühstück war der halbe Tag eigentlich schon um und die Schweizer wollten zum Norden der Insel an den Strand. Wir überredeten sie, ein Auto zu leihen und zusammen zu fahren.

An der Stelle begegneten wir auch den ersten Figuren. Der Zauber war hinweg, es sind einfach nur Köpfe, die in den Himmel schauen und restauriert wurden, weil die Stämme der Rapa Nui bzw. Tsunamis und Erdbeben immer wieder die Figuren umgeworfen haben. Das Wetter war wolkig und somit fiel Baden aus und wir schafften an dem Nachmittag die große und die kleine Runde. Enttäuschung machte sich breit – war es das schon? Und was machen wir mit der restlichen Zeit auf der Insel?

Der nächste Tag fiel buchstäblich ins Wasser. Es war sehr wolkig und von Zeit zu Zeit regnete es. Wir unterhielten uns mit den anderen und bekamen noch einige Ideen, was man machen könnte. Außerdem verbrachten wir den Nachmittag beim Tätowierer, der preiswert (30.000 Pesos = 50 Euro) einheimische Kunst unter die Haut bringt. Kriszta probierte es aus und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden (ich natürlich auch, ich hab ja beim Suchen mit geholfen).

Ruck zuck war der letzte Tag gekommen und wir hatten das Gefühl, dass wir doch hätten viel mehr sehen können. Wir schafften zwar einen Sonnenaufgang zu erwischen, die restlichen Figuren und auch die Lavagänge zu sehen, aber trotzdem blieben der Vulkan, aus dem die Köpfe geschaffen wurden und die Orongostelle außen vor. Nicht zuletzt, weil er Eintrittspreis mit 50 USD pro Person ziemlich heftig ist. Aber ich bereute es nicht, diesen Abstecher gemacht zu haben, auch wenn ich es unheimlich schade finde, das 2/3 der Köpfe mit dem Gesicht nach unten liegen und zerbrochen sind. Genugtuung war auf jeden Fall das gigantische Bild der Milchstraße, dass ich am zweiten Abend schießen konnte.