24.12.2010
- Rammstein – Mutter
An Rammstein scheiden sich die Geister – primitiv sagen die einen, provozierend sagen die anderen. Und selbst bei den Anhängern teilen sich die Lager in die frühen Anhänger und die Einsteiger nach dem kommerziellen Erfolg. Für mich waren die ersten Alben gut, aber noch etwas ungeschliffen. Erst “Mutter” brachte die brachiale Gewalt der Gitarren richtig zur Geltung, ohne dass wie auf den späteren Alben, die Texte stumpfsinnig wirken, immer wieder auf die Themen Sex, Gewalt und Perversion einprügelnd. - Pantha du Prince – This bliss
Schon E.T.A. Hoffmann sagte “Wo Sprache aufhört, fängt Musik an.” Ist mir persönlich ein Rätsel, wie er an dieses Album gekommen ist, aber er hat Recht. Es ist leichtgängig, perlend, euphorisierend und wahrlich zu Herzen gehend. Und da der Worte nicht ausreichend sind, muss ich das Album für sich selbst sprechen lassen. Anspieltipp: Alle Titel!
20.12.2010
- Fluxion – Constant limber
Nachdem in meinem Schrank die “Vibrant forms I + II” stehen, konnte die “Constant limber” nicht so verkehrt sein. Natürlich wird viel gedubbt, aber nicht so wie auf den guten alten Chain reactions. Hier lenkt Herr Soublis seine Schritte in einer straightere, tanzbare Richtung. Vielleicht ist der Markt übersättigt, aber wenn nicht Fluxion drauf stehen würde, hätte ich den Verdacht, eine x-beliebige Scheibe in den Händen zu halten. Also der Anspruch an das Album ist deutlich höher gewesen, als seine Erfüllung. Aber trotzdem kann man alte Qualitäten verstecken. Die Tiefe bleibt.
17.12.2010
- Quantec – Unusual signals
Was hier aus den Boxen spult, ist schier unglaublich. Es ist wie ein Streicheln der Seele, unaufdringlich und von wahrer Intensität. Die Synapsen schlagen funken bei jedem Klang, der sehr sich selbst durch den Reverb und Hall jagt, während Bass, Bassdrum und Hihat wie ein Herzschlag dumpf im Hintergrund arbeiten. Das Selbst löst sich auf, zerfließt in den Weiten des Universums und setzt sich Bit für Bit wieder zusammen, um aus den Boxen wieder herauszuknistern. Dass Basslauf fast bei jedem Stück gleich ist, fällt aber auch nur auf, wenn man sich schnell durch das Album skippt. Aber Geschwindigkeit ist etwas was hier sehr relativ wird. Das Album entschleunigt, glättet die Wogen und besänftigt.
06.12.2010
- Norah Jones – Feels like home
Norah Jones ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch erfolgreich sein kann, indem man einfach mit seinem zweiten, dritten, vierten… Album einfach da weitermacht, wo man mit dem ersten Album aufgehört hat. Natürlich sollte schon ein bißchen Abwechslung dabei sein, sonst wird es zu langweilig. Bei diesem Album sind es kleine Ausflüge in den Countrybereich, die aber dem Gesamtkonzept des Albums keinen Abbruch tun.
27.11.2010
- Metallica – Metallica
Es gab eine Zeit, als man sich bei Rock noch Männer mit langen Haaren vorgestellt hat, die wild auf ihren Gitarren rumschrammeln. Genau aus der Zeit ist dieses Album. Und trotzdem treffen wir Metallica hier beim Imagewandel – sie sind mit dem Album massenkompatibel geworden, gerade ihre Ballade “Nothing else matters” war sehr massenwirksam. Der wilde Rocker ist in seinem Herzen ja doch ein Knuddelbär. Blickt man auf das gesamte Album, rockt es doch ziemlich gut. Gerade die Riffs sind extrem gut und vom Tempo ist zwischen langsam und schnell alles drin. Egal wo man es hört – Hauptsache laut!
25.11.2010
- Future Sound of London – From the archives Vol. 6
Stellt euch mal eine Geschichte vor, deren Handlungsstränge sich dynamisch entwickeln. Also wenn die Geschichte eine Entscheidung erfordert, trefft ihr sie und dementsprechend ändert sich dann die weitere Handlung. Bei Adventures hat man das in Spielform schon teilweise so umgesetzt. Aber in Musik? Wenn das Album von einem Titel zum anderen fließt, wie sollen da Entscheidungen getroffen werden. Future Sound of London hat ein ganz wirren Weg genommen und in den 90ern ihre berühmten und genialen Alben “Accelerator”, “Lifeforms”, “ISDN” und “Dead cities” herausgebracht. Und jetzt kommt das Netzwerk dazu. Mit den “From the archives” werden Titel zusammengestellt, deren Bruchstücke man anhand von Samples oder dem Musikstil kreuz von quer von einem Album zum anderen spannen kann. Da passt Titel 3 von “Accelerator” direkt hinter Titel 7 vom “Dead cities” (ist jetzt zum Verständnis mal frei erfunden). Beim Zuhören natürlich sehr interessant, weil die Assoziationen zwischen den Titeln und Alben hin- und herspringen. Traurig ist, dass das Album gegen Ende sehr abflacht und auch mit seiner Länge von ca. 46 Minuten darauf hindeutet, dass die Archive aufgebraucht sind.
18.10.2010
- Speedy J – Ginger
Sein erstes Album – original erschienen auf Warp, es gab aber einen Ableger auf seinem eigenen Label “Beam me up!”, dessen Version ich habe. Jochem Paap lässt sich schwer in eine Schublade stopfen und genau so verhält sich auch sein Debütalbum. Sehr ruhig gehalten, schwankt es zwischen voll ausgearbeiteten Tracks und kurzen Füllstücken, die eine Idee nur kurz umreißen. Trotzdem wirkt es nicht vollkommen, als wäre das Album unter Zeitdruck entstanden und die Zusammenstellung der Titel wirkt ein wild zusammengewürfeltes Sammelsurium. Insgesamt aber in sich schlüssig. Wahrscheinlich muss man es 5mal hören, bis man die Idee dahinter verstanden hat.
16.10.2010
- Scuba – Triangulation
Elektronische Musik quo vadis? Die Einen suchen ihr Seelenheil im Minimalismus, die Anderen pappen eine Gesangsspur über ihe Einfallslosigkeit, aber beide Seiten können nicht zugeben, dass es ihnen an neuen Ideen mangelt. Nun ja, Scuba, erfindet die elektronische Musik auch nicht neu, macht aber etwas anders. Vielleicht ist es die Lektion, die Burial vorgemacht hat. Man hat eine Idee von einem Beat, die man konsequent umsetzen sollte. Scheiß auf Genres, Scheiß drauf, ob es kommerziell klingt! Und wenn es die weibliche Stimme ist, die klingt, als ob sie aus einem Schmusepopsong kommt, egal. Oder sei es 70er Synthie, den Jean-Michel Jarre als Krönung der Technologie feierte, der sich auf einen Minimalbeat legt. Es ist das Gesamtwerk, das zählt. Das muss stimmen, einen roten Faden besitzen und eine Idee vermitteln. Und genau das passt hier. Ein fließender Übergang von Dubstep über straighten Beat bis die BPMs in den Keller gedrückt werden und dann wieder Fahrt aufnehmen. (Fast) nie monoton und schon durch das breite Spektrum an Rhythmen ein seltenes Hörerlebnis. - Feeling B
Weniger ein Album, als mehr ein Zeitzeugnis. Das erste und gleichzeitig auch letzte in der DDR-Zeit veröffentlichte Punkalbum. Schaut man sich mal die Besetzungshistorie von Feeling B an, stolpert man über Namen wie Christian “Flake” Lorenz, Paul Landers und Christoph “Doom” Schneider, allesamt Mitglieder von Rammstein. Wer auf dem Album nach einer Vorstufe von Rammstein sucht, findet hier und da ein paar Ansätze, aber im Allgemeinen ist das Album schon ausgemachter Blödsinn.
12.10.2010
- Christian Prommer – Drumlesson II
Die extra Meile ist Christian Prommer für die zweite Auflage seiner Drumlesson nicht gelaufen. Aber er schnappt sich auch diesmal Klassiker und bereitet sie akustisch auf. Diesmal auch mit etwas Unterstützung von präelektronischem Equipment. Diesmal mussten “Jaguar (I + II)” und “Acid eiffel” dran glauben, um nur einige zu nennen. Wo ich anfänglich skeptisch war, ist das allseits bekannte und doch sehr fragwürdige “Oxygene IV” von Jean-Michel Jarre. Muss aber ehrlich zugeben, dass mir die Version schon fast um Längen besser gefällt, wie das Original. Der tiefe Pianolauf kleidet das Werk in eine düstere Hülle und verleiht ihm eine ungeahnte Tiefe.
08.10.2010
- Bobo in White Wooden Houses – Transparent
Bevor wir vorwärts gehen, werfen wir doch einen Blick zurück. Da gab es diese junge Dame, die nach der Wende mit ihrer Band “Bobo In White Wooden Houses” von sich reden machte. Und was sehr folklastig begann, wurde gegen Mitte der 90er Jahre zunehmend elektronisch und poppig. Danach zerbrach eine Welt, als ein Bandmitglied Selbstmord beging und es wurde sehr still um Bobo In White Wooden Houses. Christiane Hebold entfaltete ihre Schwingen und versuchte sich in verschiedenen Projekten. Aber irgendwann war es wieder Zeit zu landen, Bobo In White Wooden Houses in neuer Formation zusammenzustellen und sich neu zu entdecken. Seit dem ist nun auch einige Zeit vergangen und wo “Mental radio” sich selbst noch in Frage stellte, ruft “Transparent” laut in die Welt hinaus – Ja, so klingen wir jetzt! “Transparent” verlässt nach wie vor nicht die Fahrwasser des Indiepop, aber weiß zu begeistern, versinkt aber auch von Zeit zu Zeit in langatmige Gitarrensolos, die durch elektronische Schaltkreise ihre Bahnen ziehen. “Transparent” ist wie die erwachsen gewordene Version der “Cosmic ceiling”, mit allen Höhen und Tiefen des Lebens. - Wir sind Helden – Bring mich nach Hause
Nach langer Zeit sind die Helden wieder da. Meiner Meinung nach ist das vierte Album immer das Schwierigste. Mit dem ersten Album kann man unverblümt und experimentierfreudig auftreten, denn es gibt noch keine Erwartungen. Das zweite Album ist dann dafür da, der Idee des Albums noch den nötigen Feinschliff zu verpassen und den Sound zu perfektionieren. Jetzt gilt es das hohe Niveau und die Erwartungen der Fans zu erfüllen, was schon für ein drittes Album schwierig wird. Aber das vierte Album? Nochmal das Gleiche abzuliefern ist langweilig, alles Alte über den Haufen zu werfen, verärgert die Fans. Vorteil der Helden-Alben war schon immer, dass sie beim ersten Hören etwas sperrig wirkten und sich erst beim 3. – 4. Durchlauf Genuss einsetzte. Durch Judith Holofernes markante Stimme war es möglich, den Sound etwas akustischer, natürlicher zu gestalten, ohne dass zu störend wirkt. Der typische Textrhythmus der Helden ist auch erhalten geblieben, aber auch die Texte haben sich geändert. Es ist nicht ein fröhliches Album, aber ein richtig gutes.
23.09.2010
- Nirvana – Unplugged (in New York)
Irgendwann hatte ich mal eine Liste der überschätztesten Bands im “Rolling Stone” gesehen. Wie zu erwarten war jede halbwegs erfolgreiche Band dabei, unter anderem auch Nirvana. Positiv ist Nirvana auf jeden Fall anzurechnen, dass sie im richtigen Moment aufgehört haben – wenn auch unfreiwillig. Der einzige Schwachpunkt bei Nirvana ist meiner Meinung – es war Zufall, dass sie den Joker gezogen haben. Bands, die einen Kontrastpunkt zum klinisch reinen, politisch korrekten endenden 80er-Jahrzehnt setzen, gab es genug. Aber mittlerweile ist das “Anti”, der Nonkonformismus, das “Böse-Buben-Image” so salonfähig geworden, dass ein Herausragen zwischen den gecasteten und hochglanzverschmutzten bösen Jungs unmöglich ist. Und genau deshalb Nirvana und genau deshalb unplugged. Die guten Bands klingen live besser wie auf Studioalbum und unplugged noch besser.
22.09.2010
- Future Sound Of London – Environments 3
Als die Environment-Serie begann, fragte ich mich noch, welches Ziel Future Sound of London diesmal anvisieren – wollen sie experimentelle Klangteppiche schaffen, wieder Future Sound sein oder… etwas ganz anderes. Ich lege die dritte Folge in den Player und schon überfällt mich eine Gänsehaut. Ein ganz ruhiger pausenreicher Pianopart eröffnet das Werk, der von einem knuspernden Loop-Störsignal begleitet wird. Beide schweben von einer Fläche begleitet dahin, um im perlenden Wasser zu zerfließen, welches in Track 2 mündet. Ganz vorsichtig benutzen Future Sound of London Elemente, die jetzt State of the art sind, greifen aber tief in ihren Fundus zwischen “Lifeforms” und “Dead cities”. Spricht für einen hohen Wiedererkennungswert, muss aber vorsichtig verwendet werden, da FSOL mittlerweile ungefähr 15-20 Werke bei mir zu stehen haben und wenn da keine Abgrenzung zwischen den Werken zu erkennen ist, könnte das im Kaufstopp enden.
29.07.2010
- Autechre – Oversteps
Als ich mal eben fix in das Album reingehört hab, dachte ich mir – Mensch, Autechre versuchen wieder ihren alten Sound mit neuen Elementen zu vermischen, etwas Nostalgie gepaart mit Erfahrung und neuen Strömungen. Aber das Wort “Strömung” trifft es schon am besten. Als ich das Album zweimal durchgehört habe, konnte ich nicht ein Highlight ausmachen. Das Album schwamm an meinen Ohren vorbei, ohne eine bemerkenswerte Reaktion zu hinterlassen. Da ich mir nicht ganz sicher war, gab ich dem Album einen dritten Versuch – jetzt wurde auch noch offensichtlich, dass es sehr schwermütig, ja nahezu depressiv wirkt. Und in diesem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, habe ich das Album auch schon wieder aus meiner Sammlung entfernt. - LoneLady – Nerve up
Keine Ahnung, wie mir das Album untergekommen ist – vielleicht stand es irgendwann ganz oben in meinem Bleep-Newsletter. Und irgendwie habe ich das mal reingehört. Moment mal, das Album ist schon auf Warp erschienen oder? Was die Manchesterin Julie Campbell hier abliefert, klingt schwer nach 80er Jahre, klingt in den meisten Fällen aufgekratzt, hektisch. Aber ich kann schnell rausfinden, warum sich Warp LoneLady unter den Nagel gerissen hat. Das Album möchte keine große Nummer sein, ist sehr gern Indie und mit dem Einsatz von Instrumenten sehr minimalistisch. Vom Stil her passt das Album nun so garnicht in meine Sammlung, aber genau aus diesem Grund muss es einfach sein. - Sigur Rós – Hvarf/Heim
Auf die Dauer kann Sigur Rós schon ganz schön nerven, aber mich erstaunlicherweise nicht. Ich habe schon in Rezensionen gelesen, dass Sigur Rós sich nicht weiterentwickeln, auf der Stelle treten. Aber wer sich die Alben anhört wird schnell erkennen, dass die Musik von Sigur Rós wie ihre Heimat ist. Es verändert sich, aber nicht in großen Schritten, sondern nur hier und da. Ab und an kommt ein phantastischer Ausbruch, der sich aber wieder beruhigt und das normale Leben wieder einkehrt. Hvarf / Heim entspricht genau dem. Hier mischt sich eine EP mit neuen Stücken und den akustischen Versionen älterer Songs von ihrer DVD “Heima”. Ich sitze gerade im Arbeitszimmer und schaue auf den Nebel raus, der draußen in den Bäumen hängt. Es ist November und ich wüßte keine Musik, die jetzt besser passen würde.
25.06.2010
- Smash? – Prolos have more fun
Um es gleich mal von zu klären, bevor Missverständnisse aufkommen: Das Album ist Schrott! Aber warum kaufe ich es dann? Es sprechen drei Tatsachen dafür, dieses Album unbedingt zu besitzen. Nummer 1: Es ist so schlecht, dass es schon wieder Kult ist. Hier wird auf so primitive Art und Weise Sprüche gerissen, dass es schon wieder Lebensweisheiten sind. Brauchst du pervers, kriegst du pervers! Nummer 2: Wer schon immer Techno machen wollte, lernt hier innerhalb von einer Stunde das komplette Programm. Was geht, was nicht geht und wann es monoton wird. Ist für mich schon immer eine Art “Techno für Dummies” gewesen, ist aber auch gleichzeitig wir ein unbehauener Fels der voller Inspirationen steckt. Nummer 3: Hinter Smash steckt unter anderem Marc Acardipane, der Mann mit den 1.000 Pseudonymen und gleichzeitig Legende, weil er so gut wie in allen Produktionen, die aus Frankfurt und dem Bereich Hardcore kamen, die Finger mit im Spiel hatte.
22.06.2010
- Squarepusher – Hard normal daddy
Das zweite Album von Tom Jenkinson und hier wird ganz schnell klar, warum er in die Jazz-Schublade geschoben wurde. Es ist schon jazzlastig, mit Drill’n'Bass-Anleihen, aber nie zu harsch, sondern auf eine sehr relaxte Art und Weise. Verglichen mit dem ersten Album lässt sich eine gewisse Entwicklung erkennen und betrachtet man das Werk im Gegensatz zu seinen aktuellen Veröffentlichungen, spürt man schon die ersten Grundzüge. Nur hier steht das Bassist Tom Jenkinson weniger im Vordergrund, sondern die Liebe zu vertrackten Drumsequenzen, verspielten Melodien, aber alles sehr ernsthaft und völlig kitschbefreit.
16.06.2010
- Regina Spektor – Far, Begin to hope
Meine Freundin kam letztens zu mir und meinte – ja, das wäre was für mich. Es wäre so ungefähr wie Tori. Ich hörte mich mal ein Album an und dann noch eins, sah mir ein paar Videos an und kam schließlich zu dem Schluss, ja, das könnte eine Tori sein. Oder vielleicht auch eine Kate Nash, wie ein Kollege anmerkte. Auf jeden Fall russisch und englisch, aber sehr intensiv und sehr herzlich. Jedenfalls summten die beiden Alben mir im Kopf herum, bis sie sich in meine Sammlung einreihten. Empfehlenswert als Anspieltipps: Folding chair (“Far”), Fidelity und Samson (beide “Begin to hope”)
05.05.2010
- Index ID – Schlafphase
Ein langer Abend, gute Gespräche, viel gelacht, viel geredet, viel nachgedacht, viel geraucht und vielleicht auch zuviel getrunken. Es ist eine vergleichsweiche warme Nacht, aber draußen rauscht der Regen. Was macht sich da besser, als den Fernseher einzuschalten und ein wenig Space Night zu genießen. Die Luft im Zimmer ist vom Rauch und durch den langen Abend zum Schneiden dick. Und jetzt das Fenster auf, den Regen rauschen hören. Ein Windzug bläst die Gardine ins Zimmer und die Space Night zeigt die Erde und spielt Index ID mit dem Titeltrack “Schlafphase”. Der perfekte Moment für diese Atmosphäre und der perfekte Moment schlafen zu gehen…
25.03.2010
- Jónsi & Alex – Riceboy sleeps
Schon wieder Island, immer wieder Island! Ein ruhiges, weites Island. Meine Freundin merkte an “Wieso hat da jemand schamlos bei Sigur Rós geklaut?” und mehr muss ich nicht zum Album sagen. Es ist sehr ruhig, zieht sich wie die endlosen Lavalandschaften ohne dabei den Hauch einer Einöde zu vermitteln. Es ist immer anders, aber auch nur ein bißchen. Aber warum jetzt Sigur Rós? Na der Sänger (Jónsi) hat sich mal von der Truppe gelöst und wandelt hier auf anderen, aber ähnlichen Pfaden. Und wieder klingt es sehnsüchtig, ruft lauthals “Komm zurück, ich vermisse dich so!”, aber es quengelt nicht. Wer die Hopelandic Vocals sucht, wird hier aber nicht zufriedenzustellen sein. Höchstens die Freunde von Amiina werden sich bestätigt fühlen, den es viel Raum für Streicher geblieben.
06.03.2010
- Ilsa Gold – Regretten? Rien!
Meine Beziehung zu Ilsa Gold begann mit irgendeinem Sampler, auf dem sich “Up” befand. Letztendlich war das eine Hymne, die sich einer ganzen Generation eingeprägt hat. Als ich dann die Maxi dazu in der Hand hielt, war noch alles gut, nur ich hatte den Eindruck, dass da mit viel Humor gearbeitet wurde. Die “Silke” ging leider an mir vorbei, erst bei “Silke – Süchtig” hatte ich wieder eine Hand auf dem Vinyl und dann noch der abgefahrene Remix für Andreas Dorau. Dann wurde es still, bis ich die Sons Of Ilsa hatte. Genau der selbe Unfug, nur noch derber. Das ganze gibt es jetzt hier auf zwei goldenen Scheiben. Wer “Prolos have more fun” von Smash liebt, wird auch hier sehr glücklich. Da geht es vom 909-Drum-Schweinderl über Interviews mit Peter Cornelius bis hin zu zwei Hidden tracks, die es in sich haben.
26.02.2010
- Múm – Finally we are no one
In einem Islandreisebericht las ich, dass Erstbesucher beim Anflug über die Trostlosigkeit und den graugrünen Matsch unter sich entsetzt sind. Ich wollte es nicht glauben, aber es ist tatsächlich so – sieht man das Wetter und die grünbemoosten Steine, vergeht einem die Lust. Trotzdem kann man das Land innerhalb einer Woche liebgewinnen. Richtig lieb. Und sobald man isländische Musik hört, kommt alles wieder zurück. Und schon allein deswegen sollte man isländische Musik kaufen, so wie Múm. Und nicht nur, weil auf der CD ein Lied drauf ist, was ich schon sehr sehr lange schön finde. Die CD ist insgesamt sehr rund, sehr ausgewogen und definitiv eins mit Island.
16.01.2010
- Chris Zippel – Genuine horizon (Japan Edition)
Was Chris Zippel sich da hat einfallen lassen, hat nichts mehr mit einem Album zu tun. Das geht unter die Haut, ohne maßlos zu übertreiben. Das Wörterbuch listet unter “Genuine” Adjektive wie: “wirklich”, “echt”, “unverstellt” und “ernst gemeint” auf. Genau so kommt es auch rüber. Das Teil ist für elektrolux etwas ungewöhnlich, das es nicht unbedingt hintergrundbetont ist und hier und da auf Vocals setzt, aber genau das macht das Album so richtig heftig. Die Scheibe ist hierzulande schwer zu ergattern, deswegen musst ich auf den Japan-Import zurückgreifen, der zusätzlich noch 2 Extratracks hat. Das tut dem Gesamtwerk keinen Abbruch – im Gegenteil – es ist eine hübsche Erweiterung. Ich genieße es, die CD immer und immer wieder anzuhören und auf die Stellen zu warten, die eine Gänsehaut bei mir erzeugen und mich dann so richtig mitreißen zu lassen.
14.01.2010
- Christian Prommer’s Drumlesson Vol. 1
Es gibt eine Zeit im Leben, wo man erwachsen werden muss. Die Anfangsphase elektronischer Musik war durchwachsen von jeglicher Art von Spielereien. Alles war erlaubt und in dieser Zeit entstanden einige der besten Tracks. Mittlerweile sind die Grenzen klar, etwas wirklich neues kommt nicht mehr, auch wenn alle darauf hoffen. Also sucht man sich andere Wege, um die Dinge, die gut und wertvoll sind, aus einem anderen Licht zu betrachten. So hat vielleicht auch Christian Prommer gedacht, als er sich mit anderen Musikern (u.a. Peter Kruder) zusammensetzte und Klassiker wie “Can you feel it”, “Trans Europa Express” oder “Higher State Of Consciousness” komplett akustisch und als Jazz-Improvisation einspielte. Was dabei rausgekommen ist, hat zwar noch mit den Originalen zu tun, steht aber sehr unabhängig davon, sodass man von einer echten Bereicherung reden kann. Besser sind die Klassiker nicht geworden, nur anders. Und das richtig gut! - Goldie – Saturn returnz
Aus dem großen Musiklexikon der Dinge, die man nicht machen sollte: Dinge, die schon mal gut gelaufen sind, nochmal probieren und auf die Spitze treiben. Was mit “Inner city lights” gut ging, geht hier mächtig in die Hosen. Eine CD zu veröffentlichen, wo zwei Stücke drauf sind und das erste Teil mal locker eine Stunde geht und größtenteils aus wehleidigem “Mother, ohhh, Mooooottthhhheeeeer”-Gejammer besteht, kann man wohl voll knicken. Die zweite CD wärmt alles, was auf dem ersten Album geschah, nochmal auf und wieder Aufgewärmtes schmeckt halt alles sehr lasch. Ich hab die Doppel-CD für 3 Euro gekauft und wenn man die Formel: Wert = materieller Wert + ideeller Wert hernimmt, will ich hoffen, dass der Materialwert ungefähr 3 Euro ist. Eine CD, die mich sehr schnell wieder verlassen wird…
13.01.2010
- Isan – Meet next life
“Am besten ist es, wir treffen uns im nächsten Leben”, sagte Isan zu mir. Ich mochte sie sofort, als ich sie das erste Mal traf. Sie hatte so eine ruhige, entspannte Art und gehörte zu den Menschen, in deren Nähe man sich sofort wohl fühlt. Sie erinnerte mich an eine frühere Beziehung, die beim National Film Board of Canada arbeitete. Ich schaute ihr gern tief in ihre dunklen Augen und konnte darin versinken. Es war, als wären es zwei kleine Strudel, die mich magisch anzogen. Wenn man genau hinsah, hatte man das Gefühl, kleine Teilchen schwebten darin und tanzten miteinander. Wenn ich schon nicht mit Isan tanzen konnte, aber mit ihren Augen ging es problemlos. Ich konnte ihr stundenlang zuhören, wenn sie über das Leben sprach. Und immer wenn das Telefon klingelte oder wir langsam müde wurden, merkte ich wie schnell die Zeit vergangen war. Wie auch immer, ihre Nähe war hypnotisierend. Ab und zu spielte sie auf der Gitarre und selbst das faszinierte mich so sehr, als hätte ich nie jemanden Gitarre spielen hören. Und in diesem Frieden dann dieser Satz “Am besten ist es, wir treffen uns im nächsten Leben” und davon erzählte sie mir gern. Sie phantasierte, wie es aussehen könnte. Und es war beruhigend. - Stella – Finger on the trigger for the years to come
Ich mochte das Album schon, nachdem es erschienen war. Wenn ich heute so darüber nachdenke, hat es so einen Charme von New Economy, die bei Veröffentlichung noch in ihrer vollen Blüte stand. Alles schien möglich und auch wenn sich das Album stellenweise kritisch gibt, hört man, dass es doch ein Produkt dessen ist. Es ist Indie-Elektro-Pop, wie er zur Jahrtausendwende üblich war. Nicht mehr und nicht weniger.

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