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Gefährliches Halbwissen

2008

16.12.2008

  • Ulrich Schnauss – Goodbye (Independiente)
    Ulrich Schnauss ist sich treu geblieben, es wird immer noch liebevoll an den Details gearbeitet. Man kann ihm immer noch den Vorwurf des seichten Gedümpels machen, aber das geht mir vorbei – ich stehe drauf und kann wunderbar entspannen. Einziger Unterschied zur letzten ist, dass er sich diesmal auch männliche Vokals mit ins Studio geholt hat und das Tempo hat etwas angezogen.

08.12.2008

  • Paul Kalkbrenner – Berlin calling (BPitch Control)
    Dieser Mistkerl! Da legt man die CD und schon möchte man tanzen. Paul Kalkbrenner hat den Dreh raus. Entweder ist er ein amtlich beglaubigtes Genie oder einfach eine Partysau – schlimmsten Fall beides. Und dabei ist es nicht mal sonderlich einfallsreich, was Paule da abliefert. Es sind ein paar ältere Stücke dabei, die auf dem vorhergehenden Album “Self” erschienen sind, aber es ist dennoch sehr effektiv. Ich grüble jedes Mal, wie er das schafft, so eine entspannte Atmosphäre in seinen Songs zu generieren und trotzdem einen schönen treibenden Groove zu haben. Besonderes Highlight: “Sky and sand” – entweder man verliebt sich sofort in den Songs oder man lässt es bleiben. Schon beim ersten Hören nahm er mich sofort gefangen. Ach, und natürlich darf einer nicht fehlen: Gebrünn Gebrünn!!! Eins wäre wünschenswert gewesen – da der Song “Train” wie ein Intro für “Gebrünn Gebrünn” ist, hätte man da wirklich einen nahtlosen Übergang nehmen können. Ein Drecksteil von CD, aber ehrlich!
  • Zeebee – Chemistry (Angelika Köhlermann)
    “The chemistry between you and me” – Das war der erste Song, den ich von Zeebee hörte. Im ersten Moment mag man denken, dass ihre Stimme etwas quäkig ist, aber das täuscht. Was sie singt, kommt von Herzen und wird auch so vorgetragen, dass man den Eindruck gewinnt, sie steht 100% hinter dem Text. Auch wenn sie von Häschen mit großen Löffeln singt. Was die Sängerin, als auch die ganze CD glaubwürdig, charmant und ehrlich macht – hier merkt man, dass Zeebee sagt: Ich habe die Texte, brauche aber die passenden Musiker dazu. Die Stücke sind schwer elektroniklastig, gelegentlich von einer Gitarre begleitet und in erster Linie: schön!

29.11.2008

  • The Future Sound of London – By any other name (FSOL Digital)
    Und noch einmal – ähnlich zu den Pulse EPs – FSOL auf “altertümlichen Pfaden. Hier wird noch gebrummt und gefiept, wie es in der alten Zeit üblich war. Und man gibt sich Mühe besonders tough daher zu kommen. Sonst fällt mir zu dem Album nichts ein. Eigentlich ist es nur Vervollständigung der Sammlung, keine Kaufempfehlung.
  • The Future Sound of London – Environments II (FSOL Digital)
    Hier steht tatsächlich Future Sound of London drauf. Wenn man sich die CD so anhört, fällt einem alles dazu ein, nur nicht FSOL. Es hat weder was mit den alten Lebensformen noch mit dem letzthin so schmerzlichen Hippiegedöns zu tun. Future Sound of London sind wieder gelandet und bauen Klangteppiche. Nicht sehr futuristisch, sondern sehr gegenwartsbezogen. So leid es mir auch tut, wenn auf der CD nicht FSOL gestanden hätte, wäre diese CD im Laden geblieben. Sie ist gut, ohne Zweifel, aber nicht herausragend. Aber ein Schritt in die Zukunft…
  • The Future Sound of London – From the archives Vol. 5 (FSOL Digital)
    Ich wundere mich jedes Mal, warum die CD so schnell vorbei ist. Wo sind denn all die Titel geblieben, eigentlich waren doch 13 Stück versprochen. Und beim genauen Hinhören merke ich – es fließt wieder. Die Ordnung ist wieder hergestellt. Es gibt zwar noch einige Brüche zwischen den Stücken, aber es passt wieder, auch wenn Nr. 5 nicht unbedingt das beste Album der Reihe ist. Aber es macht definitiv Lust auf mehr, denn es gibt wieder Perlen darunter, die einfach unbeschreiblich sind.
  • ÜNN – Exit (Mikrolux)
    Die dritte ÜNN in meiner Sammlung und damit Zeit mal zu verfolgen, wie sich Über Normal Null – kurz ÜNN – entwickelt hat. Frank Rückert hätte sich auch MFS – Music for space stations – auf die CD-Hülle schreiben lassen können, denn das trifft den Sound am besten. Es hallt und herrscht so viel Platz zwischen den Klängen, wie Abstand zwischen den Sternen. “Exit” lässt auch mehr Vocals zu, sodass man geneigt ist eine Schublade “Space Pop” zu öffnen, aber nein – es ist immer noch alles sehr elektro-lastig, vielleicht ein bißchen kitschig und vorhersehbar, aber deshalb fürs menschliche Ohr angenehm zu hören. Über die Jahre spürt man auch einen Hauch von Entwicklung, aber was sind schon 7 Jahre zwischen “Electronic music” und “Exit” im Vergleich zu einem Sternenalter…

08.08.2008

  • The Future Sound of London – From the archives Vol. 4 (Passion Music)
    Es fängt schwer FSOL-lastig an, aber spätestens mit Titel 2 sinkt das Niveau auf B-Seiten-Status. Erst mit WookII (Titel 6) kehrt man in gewohnte Gefilde zurück. Da zeigt es sich wieder wie melodisch, verträumt, mystisch und einfach nur schön die Klänge von Future Sound of London sind. Ich wünsche mir mehr solche Titel wie “Shingles”, die den Charme der frühen 90er noch in sich tragen, aber den Glanz einer digitalen Console in sich tragen, der verrät, dass hier hochmoderne Technik am Werk war und plötzlich fiepsen Star-Trek-Geräusche (also die 60er Enterprise) und alles bricht auseinander wie die alten Stakker-Humanoid-Tracks, eine 303 zwitschert und plötzlich ist alles doch wieder normal. This is not fantasy, this is reality.

05.08.2008

  • The Future Sound of London presents The pulse EP’s (Passion Music)
    Irgendwann Anfang der 90er waren Future Sound of London nicht nur als FSOL, sondern auch als Smart Systems oder Indo Tribe unterwegs und haben ziemlich toughes Zeug mit ihren Pulse EPs auf den Markt geworfen. Na gut, manches erinnert schon schwer an die “Accelerator”, aber dieses Material war der Weg auf den sich FSOL einst begaben. Wer eine Schwäche für das Zeug der frühen 90er hat, das zugegeben noch etwas grob, linkisch und ungehobelt daherkommt – unbedingt zugreifen. Hier war Perfektion an der digitalen Konsole noch ein Traum.
  • The Future Sound of London – Environments (Passion Music)
    Etwas heavy kommt FSOL mit dieser Veröffentlichung daher – 50 Minuten Musik, verteilt auf 2 Tracks. Es fällt mir immer noch schwer diesen Release irgendwie zu greifen. Es hat den Anschein, als würde ihre CD “Lifeforms” auf die “Chill out” von KLF treffen. Es werden die musikalischen Elemente der “Lifeforms” genommen und zusammen mit Naturgeräuschen und anderen Soundschnipseln zu einem großen Ganzen verwoben. Und es entwickelt sich im Laufe seines Fortbestehens immer weiter, d.h. ob 2 Titel auf der CD sind oder 30 – es hätte keinen Unterschied gemacht. Vorzugsweise abends zu genießen…

24.07.2008

  • Verschiedene – Visions (Looking good)
    Verschiedene – Looking back 1-5 (Looking good)
    Verschiedene – Points in time 1-9 (Looking good)
    Also entweder man besitzt alle oder keine! Dazwischen gibt es einfach nichts. 15 CDs mit dem feinsten an Drum’n'Bass. Ich habe mir die CDs schon seit Ewigkeiten gewünscht und nun habe ich es endlich mal umgesetzt. Direkt im Erzeugerland bestellt und für den Spottpreis einer CD – ich glaube, ich bin im Durchschnitt auf 7 Euro pro CD gelandet – jede Menge chilligen Drum’n'Bass geerntet. Bei einer solchen Menge Versandmaterial hat sich der Shop “Live from the lab” nicht lumpen lassen und noch 3 Promo-CDs drauf gelegt. Kurz gesagt: Einfach schön zu hören – selbst wenn man sie hintereinander hört, nicht der geringste Faktor, der nervt oder das ganze monoton erscheinen lässt. Einfach schöne Musik für daheim, das Auto oder allgemein unterwegs…

14.06.2008

  • Alanis Morissette – Flavors of entanglement (Maverick)
    Ich höre vom Album – schaue mir das erste Video “Underneath” an und stelle fest: Alanis Morissette wird konsequent poppiger. Vielleicht liegt es am Produzenten, den sie sich dieses Mal an Bord geholt hat – Guy Sigisworth. Der hatte seine Hände an Seals “Crazy” und Björks “Post”, “Homogenic” und “Vespertine”. Trotzdem bleibt es Alanis Morissette. Das Album landet ungehört im Warenkorb, ich bin mir sicher, dass ich keinen Fehler gemacht habe. Ich würde die Güteklasse mit “Supposed former infatuation junkie” beschreiben. Es gibt absolute Schwachstellen wie “Giggling again…”, gitarrenunterstützte Dancenummern – ich weiß ja nicht – und umwerfende Songs wie “Tapes”, die einem Rudel von Gänsen über die Haut jagen und sich auf Wochen im Kopf festfressen.

02.05.2008

  • Portishead – Third (Island Records)
    Jahrelang musste ich mich auf diesen Nachfolger gedulden. Immer wieder tauchten Gerüchte auf, dass eine neue CD im Entstehen wäre und nichts kam. Und plötzlich eine offizielle Nachricht, ein Blog, Live-Auftritte – das neue Material klang vielversprechend und genau so ist es auch geworden. Portishead ist ihrem Stil treu geblieben, aber auch nicht – es ist schwer zu beschreiben. Musikalisch, als auch vom Tempo sehr flexibel, sehr minimale Stücke, die schon fast ausschließlich von Beth Gibbons Stimme getragen werden, bis zum gesamten Orchester – von schleichend langsam bis Midtempo ist alles offen. Und er glaubt, er hat einen Fehler auf der CD, weil “Silence” so abrupt abbricht – Irrtum, das ist so beabsichtigt.

19.04.2008

  • Subsonic Park – Inner city codes (Elektrolux)
    Ich hatte ja das Glück Subsonic Park live bei der Museumsnacht in Düsseldorf erleben zur dürfen. Und sie spielten nahezu alle Stücke dieser Scheibe. Erstens ist die Location unglaublich – ein Innenhof innerhalb eines Gebäudes, muss man sich wie ein Treppenhaus ohne Treppen vorstellen und mit 20×20 Meter Platz in der Mitte. Dort kann sich der Schall über 3 Etagen verteilen. Akustisch optimal – Space night im Gebäude. Kennt man die Stücke nur von der CD, ist es in Ordnung, nur live adoptierten sie einen Beat dazu und das machte echt was her. Von daher vermisse ich auf der CD die Beats, aber ansonsten – zeitlos schön.
  • The beatless collection Vol. 1 (Elektrolux)
    Das schöne an der elektronischen Musik ist, dass die Grenzen materiellen und immateriellen Releases immer mehr verschwimmen. Und noch schöner ist, wenn sie eine Compilation auf den Weg macht, auch noch die Grenzen der Labels niederzureißen. Also finden sich hier Releases aus eigener Produktion – Subsonic Park, fremder Labels – Taho (Delsin Records) und Internet-Releases – D-Pulse (in einem Chris Fortier Remix – erhältlich bei beatport). Und die Musik ist einfach genial – sie schwebt, sie wabert, sie groovt (auch ohne Beat). Unvorstellbar, aber definitiv Pflichtprogramm für Cocktailbars mit schönen weichen kuscheligen Sofas.

9.02.2008

  • Stephan Bodzin vs. Marc Romboy – Callisto / Pandora (Systematic)
    Eigentlich nimmt man immer in Kauf, dass bei einer 2-Track-EP ein Track weniger gut ist. Bei der Scheibe wirklich absolute Fehlanzeige. “Callisto” zieht elegante Spannungsbögen. Man spürt förmlich, dass es gleich furchtbar abgeht und das tut es letztendlich auch. Hingegen “Pandora” ist eher das Monster, war böse funkelnd in seiner Höhle hockt und mit seinen Zähnen fletscht. Wehe dem, wenn es losgelassen wird…

19.01.2008

  • Wir sind Helden – Soundso
    Warum sind gerade die Helden besser als der Rest des Deutschrock-/Popbands? Sie waren nicht die ersten, die es gab, aber ihre Texte haben doch einen Tick mehr Anspruch wie der Rest des Herzschmerzschnulzgesäusels. Immer wieder von Vorteil: Beim ersten Hören immer ein klein wenig sperrig, aber beim wiederholten Hören doch von großem Wohlgefallen.
  • Green Day – International Superhits
    Green Day hatten auch schon mal bessere Zeiten. Und von denen handelt diese CD. Nämlich von der Zeit, als noch ein wenig Punk durch ihre Adern floss und sie nicht das Image des Punks so bunt auftrugen, dass der erste Regen es gleich fortspülte und ein blasses Abbild des Originals hinterließ, dass sogar die Vergangenheit etwas neutralisierte. Trotzdem sind es gute Songs und hier tummeln sich alle Klassiker – von “Basket case” bis “Minority”.

11.01.2008

  • Der Dritte Raum – Polarstern Remix
    Raum der Dritte, aus der Sternenmitte… Einmal auf einem Kometen durchs Weltall reiten, das wäre es doch?! Solche Hymnen wie “Hale Bopp” werden heute schon garnicht mehr geschrieben, deswegen müssen alte Scheiben wie diese wiederveröffentlicht werden. Wenn ich es nicht wüßte, würde ich beim Hören auf Eye Q Mitte der 90er Jahre tippen. Nicht mal schlecht, denn Der Dritte Raum veröffentlichte damals bei der kleinen Schwester Harthouse. Und der Staub der auf dieser Scheibe liegt, ist mittlerweile fast 10 Jahre dick. Grund genug, sie einmal mehr zu spielen und den Staub herauszublasen.
  • Gui Boratto – Chromophobia Remix Part 1 (Kompakt)
    Lassen wir uns die Angst vor den Farben nehmen und am besten funktioniert immer noch die Schocktherapie. Robert Babicz zaubert gleich ein ganzes Universum voller Farben. Musik und Licht haben eine Gemeinsamkeit: Wellen. Also transponiert man Farben in Schallwellen und die wirft man dem ahnungslosen Hörer um die Ohren. Dass The Field einfach strukturierte, aber äußerst wirkungsvolle Hymen schreibt, sollte bereits bekannt sein, oder?

01.01.2008

  • Daso & Pawas – Night express EP (Flash)
    Darf Minimal eigentlich einen Abgehfaktor haben oder ist Minimal die Musik der Langweiler und Nerds, die sich ihre eigene Nische gesucht haben, wo sie sich nicht heraustrauen? Schon der Titel “Night express EP” schreit nach Abfahrt. Doch der Zug geht nicht ab, sondern bleibt ein “Bummelzug”. Und ausgerechnet der Titel hat das größte Potenzial zur Hymne. Man müßte ihm nur freie Fahrt lassen. Doch mit angezogenen Bremsen bleibt die Euphorie sehr verhalten.
  • Nathan Fake – You are here (Border Community)
    “You are here” liebt dich. “You are here” fordert dich zum Tanzen auf. “You are here” ist eigentlich ein wenig schüchtern und kommt normaler etwas verhalten daher, doch Live erobert es dein Herz im Sturm. Weder die A- noch die B-Seite lassen einen zweifeln, dass die Knöpfe und Regler mit viel Gefühl gedreht, gedrückt und geschoben wurden. “You are here” – schön, dass du da bist.
  • Minilogue – Space EP (Traumschallplatten)
    Bei der Minilogue bin ich nicht so richtig überzeugt, ob ich begeistert sein soll oder nicht. Die Platte macht ihrem Namen alle Ehre, sie ist deep und fiept und qietscht wie Radiosignale aus dem Weltall. Bei “Star command” konsequent durchgezogen, nur “Space” scheint auf etwas zu warten. Aber auf was?