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Gefährliches Halbwissen

Neues aus der Plattenkiste

29.07.2010

  • Autechre – Oversteps
  • LoneLady – Nerve up
    Keine Ahnung, wie mir das Album untergekommen ist – vielleicht stand es irgendwann ganz oben in meinem Bleep-Newsletter. Und irgendwie habe ich das mal reingehört. Moment mal, das Album ist schon auf Warp erschienen oder? Was die Manchesterin Julie Campbell hier abliefert, klingt schwer nach 80er Jahre, klingt in den meisten Fällen aufgekratzt, hektisch. Aber ich kann schnell rausfinden, warum sich Warp LoneLady unter den Nagel gerissen hat. Das Album möchte keine große Nummer sein, ist sehr gern Indie und mit dem Einsatz von Instrumenten sehr minimalistisch. Vom Stil her passt das Album nun so garnicht in meine Sammlung, aber genau aus diesem Grund muss es einfach sein.
  • Sigur Rós – Hvarf/Heim

25.06.2010

  • Smash? – Prolos have more fun
    Um es gleich mal von zu klären, bevor Missverständnisse aufkommen: Das Album ist Schrott! Aber warum kaufe ich es dann? Es sprechen drei Tatsachen dafür, dieses Album unbedingt zu besitzen. Nummer 1: Es ist so schlecht, dass es schon wieder Kult ist. Hier wird auf so primitive Art und Weise Sprüche gerissen, dass es schon wieder Lebensweisheiten sind. Brauchst du pervers, kriegst du pervers! Nummer 2: Wer schon immer Techno machen wollte, lernt hier innerhalb von einer Stunde das komplette Programm. Was geht, was nicht geht und wann es monoton wird. Ist für mich schon immer eine Art “Techno für Dummies” gewesen, ist aber auch gleichzeitig wir ein unbehauener Fels der voller Inspirationen steckt. Nummer 3: Hinter Smash steckt unter anderem Marc Acardipane, der Mann mit den 1.000 Pseudonymen und gleichzeitig Legende, weil er so gut wie in allen Produktionen, die aus Frankfurt und dem Bereich Hardcore kamen, die Finger mit im Spiel hatte.

22.06.2010

  • Squarepusher – Hard normal daddy
    Das zweite Album von Tom Jenkinson und hier wird ganz schnell klar, warum er in die Jazz-Schublade geschoben wurde. Es ist schon jazzlastig, mit Drill’n'Bass-Anleihen, aber nie zu harsch, sondern auf eine sehr relaxte Art und Weise. Verglichen mit dem ersten Album lässt sich eine gewisse Entwicklung erkennen und betrachtet man das Werk im Gegensatz zu seinen aktuellen Veröffentlichungen, spürt man schon die ersten Grundzüge. Nur hier steht das Bassist Tom Jenkinson weniger im Vordergrund, sondern die Liebe zu vertrackten Drumsequenzen, verspielten Melodien, aber alles sehr ernsthaft und völlig kitschbefreit.

16.06.2010

  • Regina Spektor – Far, Begin to hope
    Meine Freundin kam letztens zu mir und meinte – ja, das wäre was für mich. Es wäre so ungefähr wie Tori. Ich hörte mich mal ein Album an und dann noch eins, sah mir ein paar Videos an und kam schließlich zu dem Schluss, ja, das könnte eine Tori sein. Oder vielleicht auch eine Kate Nash, wie ein Kollege anmerkte. Auf jeden Fall russisch und englisch, aber sehr intensiv und sehr herzlich. Jedenfalls summten die beiden Alben mir im Kopf herum, bis sie sich in meine Sammlung einreihten. Empfehlenswert als Anspieltipps: Folding chair (“Far”), Fidelity und Samson (beide “Begin to hope”)

05.05.2010

  • Index ID – Schlafphase
    Ein langer Abend, gute Gespräche, viel gelacht, viel geredet, viel nachgedacht, viel geraucht und vielleicht auch zuviel getrunken. Es ist eine vergleichsweiche warme Nacht, aber draußen rauscht der Regen. Was macht sich da besser, als den Fernseher einzuschalten und ein wenig Space Night zu genießen. Die Luft im Zimmer ist vom Rauch und durch den langen Abend zum Schneiden dick. Und jetzt das Fenster auf, den Regen rauschen hören. Ein Windzug bläst die Gardine ins Zimmer und die Space Night zeigt die Erde und spielt Index ID mit dem Titeltrack “Schlafphase”. Der perfekte Moment für diese Atmosphäre und der perfekte Moment schlafen zu gehen…

25.03.2010

  • Jónsi & Alex – Riceboy sleeps
    Schon wieder Island, immer wieder Island! Ein ruhiges, weites Island. Meine Freundin merkte an “Wieso hat da jemand schamlos bei Sigur Rós geklaut?” und mehr muss ich nicht zum Album sagen. Es ist sehr ruhig, zieht sich wie die endlosen Lavalandschaften ohne dabei den Hauch einer Einöde zu vermitteln. Es ist immer anders, aber auch nur ein bißchen. Aber warum jetzt Sigur Rós? Na der Sänger (Jónsi) hat sich mal von der Truppe gelöst und wandelt hier auf anderen, aber ähnlichen Pfaden. Und wieder klingt es sehnsüchtig, ruft lauthals “Komm zurück, ich vermisse dich so!”, aber es quengelt nicht. Wer die Hopelandic Vocals sucht, wird hier aber nicht zufriedenzustellen sein. Höchstens die Freunde von Amiina werden sich bestätigt fühlen, den es viel Raum für Streicher geblieben.

06.03.2010

  • Ilsa Gold – Regretten? Rien!
    Meine Beziehung zu Ilsa Gold begann mit irgendeinem Sampler, auf dem sich “Up” befand. Letztendlich war das eine Hymne, die sich einer ganzen Generation eingeprägt hat. Als ich dann die Maxi dazu in der Hand hielt, war noch alles gut, nur ich hatte den Eindruck, dass da mit viel Humor gearbeitet wurde. Die “Silke” ging leider an mir vorbei, erst bei “Silke – Süchtig” hatte ich wieder eine Hand auf dem Vinyl und dann noch der abgefahrene Remix für Andreas Dorau. Dann wurde es still, bis ich die Sons Of Ilsa hatte. Genau der selbe Unfug, nur noch derber. Das ganze gibt es jetzt hier auf zwei goldenen Scheiben. Wer “Prolos have more fun” von Smash liebt, wird auch hier sehr glücklich. Da geht es vom 909-Drum-Schweinderl über Interviews mit Peter Cornelius bis hin zu zwei Hidden tracks, die es in sich haben.

26.02.2010

  • Múm – Finally we are no one
    In einem Islandreisebericht las ich, dass Erstbesucher beim Anflug über die Trostlosigkeit und den graugrünen Matsch unter sich entsetzt sind. Ich wollte es nicht glauben, aber es ist tatsächlich so – sieht man das Wetter und die grünbemoosten Steine, vergeht einem die Lust. Trotzdem kann man das Land innerhalb einer Woche liebgewinnen. Richtig lieb. Und sobald man isländische Musik hört, kommt alles wieder zurück. Und schon allein deswegen sollte man isländische Musik kaufen, so wie Múm. Und nicht nur, weil auf der CD ein Lied drauf ist, was ich schon sehr sehr lange schön finde. Die CD ist insgesamt sehr rund, sehr ausgewogen und definitiv eins mit Island.

16.01.2010

  • Chris Zippel – Genuine horizon (Japan Edition)
    Was Chris Zippel sich da hat einfallen lassen, hat nichts mehr mit einem Album zu tun. Das geht unter die Haut, ohne maßlos zu übertreiben. Das Wörterbuch listet unter “Genuine” Adjektive wie: “wirklich”, “echt”, “unverstellt” und “ernst gemeint” auf. Genau so kommt es auch rüber. Das Teil ist für elektrolux etwas ungewöhnlich, das es nicht unbedingt hintergrundbetont ist und hier und da auf Vocals setzt, aber genau das macht das Album so richtig heftig. Die Scheibe ist hierzulande schwer zu ergattern, deswegen musst ich auf den Japan-Import zurückgreifen, der zusätzlich noch 2 Extratracks hat. Das tut dem Gesamtwerk keinen Abbruch – im Gegenteil – es ist eine hübsche Erweiterung. Ich genieße es, die CD immer und immer wieder anzuhören und auf die Stellen zu warten, die eine Gänsehaut bei mir erzeugen und mich dann so richtig mitreißen zu lassen.

14.01.2010

  • Christian Prommer’s Drumlesson Vol. 1
    Es gibt eine Zeit im Leben, wo man erwachsen werden muss. Die Anfangsphase elektronischer Musik war durchwachsen von jeglicher Art von Spielereien. Alles war erlaubt und in dieser Zeit entstanden einige der besten Tracks. Mittlerweile sind die Grenzen klar, etwas wirklich neues kommt nicht mehr, auch wenn alle darauf hoffen. Also sucht man sich andere Wege, um die Dinge, die gut und wertvoll sind, aus einem anderen Licht zu betrachten. So hat vielleicht auch Christian Prommer gedacht, als er sich mit anderen Musikern (u.a. Peter Kruder) zusammensetzte und Klassiker wie “Can you feel it”, “Trans Europa Express” oder “Higher State Of Consciousness” komplett akustisch und als Jazz-Improvisation einspielte. Was dabei rausgekommen ist, hat zwar noch mit den Originalen zu tun, steht aber sehr unabhängig davon, sodass man von einer echten Bereicherung reden kann. Besser sind die Klassiker nicht geworden, nur anders. Und das richtig gut!
  • Goldie – Saturn returnz
    Aus dem großen Musiklexikon der Dinge, die man nicht machen sollte: Dinge, die schon mal gut gelaufen sind, nochmal probieren und auf die Spitze treiben. Was mit “Inner city lights” gut ging, geht hier mächtig in die Hosen. Eine CD zu veröffentlichen, wo zwei Stücke drauf sind und das erste Teil mal locker eine Stunde geht und größtenteils aus wehleidigem “Mother, ohhh, Mooooottthhhheeeeer”-Gejammer besteht, kann man wohl voll knicken. Die zweite CD wärmt alles, was auf dem ersten Album geschah, nochmal auf und wieder Aufgewärmtes schmeckt halt alles sehr lasch. Ich hab die Doppel-CD für 3 Euro gekauft und wenn man die Formel: Wert = materieller Wert + ideeller Wert hernimmt, will ich hoffen, dass der Materialwert ungefähr 3 Euro ist. Eine CD, die mich sehr schnell wieder verlassen wird…

13.01.2010

  • Isan – Meet next life
    “Am besten ist es, wir treffen uns im nächsten Leben”, sagte Isan zu mir. Ich mochte sie sofort, als ich sie das erste Mal traf. Sie hatte so eine ruhige, entspannte Art und gehörte zu den Menschen, in deren Nähe man sich sofort wohl fühlt. Sie erinnerte mich an eine frühere Beziehung, die beim National Film Board of Canada arbeitete. Ich schaute ihr gern tief in ihre dunklen Augen und konnte darin versinken. Es war, als wären es zwei kleine Strudel, die mich magisch anzogen. Wenn man genau hinsah, hatte man das Gefühl, kleine Teilchen schwebten darin und tanzten miteinander. Wenn ich schon nicht mit Isan tanzen konnte, aber mit ihren Augen ging es problemlos. Ich konnte ihr stundenlang zuhören, wenn sie über das Leben sprach. Und immer wenn das Telefon klingelte oder wir langsam müde wurden, merkte ich wie schnell die Zeit vergangen war. Wie auch immer, ihre Nähe war hypnotisierend. Ab und zu spielte sie auf der Gitarre und selbst das faszinierte mich so sehr, als hätte ich nie jemanden Gitarre spielen hören. Und in diesem Frieden dann dieser Satz “Am besten ist es, wir treffen uns im nächsten Leben” und davon erzählte sie mir gern. Sie phantasierte, wie es aussehen könnte. Und es war beruhigend.
  • Stella – Finger on the trigger for the years to come
    Ich mochte das Album schon, nachdem es erschienen war. Wenn ich heute so darüber nachdenke, hat es so einen Charme von New Economy, die bei Veröffentlichung noch in ihrer vollen Blüte stand. Alles schien möglich und auch wenn sich das Album stellenweise kritisch gibt, hört man, dass es doch ein Produkt dessen ist. Es ist Indie-Elektro-Pop, wie er zur Jahrtausendwende üblich war. Nicht mehr und nicht weniger.