Neues aus der Plattenkiste

06.03.2010

  • Ilsa Gold – Regretten? Rien! (2003)
    Meine Beziehung zu Ilsa Gold begann mit irgendeinem Sampler, auf dem sich “Up” befand. Letztendlich war das eine Hymne, die sich einer ganzen Generation eingeprägt hat. Als ich dann die Maxi dazu in der Hand hielt, war noch alles gut, nur ich hatte den Eindruck, dass da mit viel Humor gearbeitet wurde. Die “Silke” ging leider an mir vorbei, erst bei “Silke – Süchtig” hatte ich wieder eine Hand auf dem Vinyl und dann noch der abgefahrene Remix für Andreas Dorau. Dann wurde es still, bis ich die Sons Of Ilsa hatte. Genau der selbe Unfug, nur noch derber. Das ganze gibt es jetzt hier auf zwei goldenen Scheiben. Wer “Prolos have more fun” von Smash liebt, wird auch hier sehr glücklich. Da geht es vom 909-Drum-Schweinderl über Interviews mit Peter Cornelius bis hin zu zwei Hidden tracks, die es in sich haben.

26.02.2010

  • Múm – Finally we are no one
    In einem Islandreisebericht las ich, dass Erstbesucher beim Anflug über die Trostlosigkeit und den graugrünen Matsch unter sich entsetzt sind. Ich wollte es nicht glauben, aber es ist tatsächlich so – sieht man das Wetter und die grünbemoosten Steine, vergeht einem die Lust. Trotzdem kann man das Land innerhalb einer Woche liebgewinnen. Richtig lieb. Und sobald man isländische Musik hört, kommt alles wieder zurück. Und schon allein deswegen sollte man isländische Musik kaufen, so wie Múm. Und nicht nur, weil auf der CD ein Lied drauf ist, was ich schon sehr sehr lange schön finde. Die CD ist insgesamt sehr rund, sehr ausgewogen und definitiv eins mit Island.

16.01.2010

  • Chris Zippel – Genuine horizon (Japan Edition)
    Was Chris Zippel sich da hat einfallen lassen, hat nichts mehr mit einem Album zu tun. Das geht unter die Haut, ohne maßlos zu übertreiben. Das Wörterbuch listet unter “Genuine” Adjektive wie: “wirklich”, “echt”, “unverstellt” und “ernst gemeint” auf. Genau so kommt es auch rüber. Das Teil ist für elektrolux etwas ungewöhnlich, das es nicht unbedingt hintergrundbetont ist und hier und da auf Vocals setzt, aber genau das macht das Album so richtig heftig. Die Scheibe ist hierzulande schwer zu ergattern, deswegen musst ich auf den Japan-Import zurückgreifen, der zusätzlich noch 2 Extratracks hat. Das tut dem Gesamtwerk keinen Abbruch – im Gegenteil – es ist eine hübsche Erweiterung. Ich genieße es, die CD immer und immer wieder anzuhören und auf die Stellen zu warten, die eine Gänsehaut bei mir erzeugen und mich dann so richtig mitreißen zu lassen.

14.01.2010

  • Christian Prommer’s Drumlesson Vol. 1
    Es gibt eine Zeit im Leben, wo man erwachsen werden muss. Die Anfangsphase elektronischer Musik war durchwachsen von jeglicher Art von Spielereien. Alles war erlaubt und in dieser Zeit entstanden einige der besten Tracks. Mittlerweile sind die Grenzen klar, etwas wirklich neues kommt nicht mehr, auch wenn alle darauf hoffen. Also sucht man sich andere Wege, um die Dinge, die gut und wertvoll sind, aus einem anderen Licht zu betrachten. So hat vielleicht auch Christian Prommer gedacht, als er sich mit anderen Musikern (u.a. Peter Kruder) zusammensetzte und Klassiker wie “Can you feel it”, “Trans Europa Express” oder “Higher State Of Consciousness” komplett akustisch und als Jazz-Improvisation einspielte. Was dabei rausgekommen ist, hat zwar noch mit den Originalen zu tun, steht aber sehr unabhängig davon, sodass man von einer echten Bereicherung reden kann. Besser sind die Klassiker nicht geworden, nur anders. Und das richtig gut!
  • Goldie – Saturn returnz
    Aus dem großen Musiklexikon der Dinge, die man nicht machen sollte: Dinge, die schon mal gut gelaufen sind, nochmal probieren und auf die Spitze treiben. Was mit “Inner city lights” gut ging, geht hier mächtig in die Hosen. Eine CD zu veröffentlichen, wo zwei Stücke drauf sind und das erste Teil mal locker eine Stunde geht und größtenteils aus wehleidigem “Mother, ohhh, Mooooottthhhheeeeer”-Gejammer besteht, kann man wohl voll knicken. Die zweite CD wärmt alles, was auf dem ersten Album geschah, nochmal auf und wieder Aufgewärmtes schmeckt halt alles sehr lasch. Ich hab die Doppel-CD für 3 Euro gekauft und wenn man die Formel: Wert = materieller Wert + ideeller Wert hernimmt, will ich hoffen, dass der Materialwert ungefähr 3 Euro ist. Eine CD, die mich sehr schnell wieder verlassen wird…

13.01.2010

  • Isan – Meet next life
    “Am besten ist es, wir treffen uns im nächsten Leben”, sagte Isan zu mir. Ich mochte sie sofort, als ich sie das erste Mal traf. Sie hatte so eine ruhige, entspannte Art und gehörte zu den Menschen, in deren Nähe man sich sofort wohl fühlt. Sie erinnerte mich an eine frühere Beziehung, die beim National Film Board of Canada arbeitete. Ich schaute ihr gern tief in ihre dunklen Augen und konnte darin versinken. Es war, als wären es zwei kleine Strudel, die mich magisch anzogen. Wenn man genau hinsah, hatte man das Gefühl, kleine Teilchen schwebten darin und tanzten miteinander. Wenn ich schon nicht mit Isan tanzen konnte, aber mit ihren Augen ging es problemlos. Ich konnte ihr stundenlang zuhören, wenn sie über das Leben sprach. Und immer wenn das Telefon klingelte oder wir langsam müde wurden, merkte ich wie schnell die Zeit vergangen war. Wie auch immer, ihre Nähe war hypnotisierend. Ab und zu spielte sie auf der Gitarre und selbst das faszinierte mich so sehr, als hätte ich nie jemanden Gitarre spielen hören. Und in diesem Frieden dann dieser Satz “Am besten ist es, wir treffen uns im nächsten Leben” und davon erzählte sie mir gern. Sie phantasierte, wie es aussehen könnte. Und es war beruhigend.
  • Stella – Finger on the trigger for the years to come
    Ich mochte das Album schon, nachdem es erschienen war. Wenn ich heute so darüber nachdenke, hat es so einen Charme von New Economy, die bei Veröffentlichung noch in ihrer vollen Blüte stand. Alles schien möglich und auch wenn sich das Album stellenweise kritisch gibt, hört man, dass es doch ein Produkt dessen ist. Es ist Indie-Elektro-Pop, wie er zur Jahrtausendwende üblich war. Nicht mehr und nicht weniger.