
Nachdem der letzte Beitrag doch nicht so positiv war, möchte ich mit unseren Erlebnissen in China einen Ausgleich dazu schaffen. 5.000 Kilometer ist auch nur eine grobe Schätzung, ich gehe von etwas mehr aus, da wir nicht nur die einzelnen Orte angesteuert haben, sondern auch noch Reisen in der Umgebung gemacht haben. Aber erstmal der Reiseplan in visueller Form. Die grünen Routen haben wir mit Zug zurückgelegt, die hellblauen waren Inlandsflüge.

1. Station – Beijing: In Beijing (oder deutsch: Peking) haben wir 2 Nächte verbracht. Wir landeten morgens, nahmen unser Zimmer im Leo Hostel in Beschlag und liefen dann in die Innenstadt. Auf dem Plan stand die verbotene Stadt. Das Wetter war durchwachsen (Sonne, aber Smog), stellenweise Niesel. Erste Kontake mit chinesischer Küche – wahnsinnig lecker, ich wünschte in Deutschland würden die Chinarestaurants so gut schmecken. Der zweite Tag wurde zur sportlichen Herausforderung – 10 Kilometer Wanderung auf der chinesischen Mauer. Pralle Sonne sorgte für Sonnenbrand, die Treppen sorgten für Muskelkater. Es gab einige Missverständnisse mit unserem “chinese speaking safety guide”, die sich aber beseitigen ließen. Am Abend dann unser erster Kontakt mit Footmassage (sprich: Futtemassasch), eine Wohltat und das für knapp 4 Euro pro halbe Stunde. Der dritte Tag war Sonntag und Beijing traf sich im Park, um zu singen, zu spielen und zu tanzen. Wahnsinn! Dann besuchten wir noch den Sommerpalast und abends zum Bahnhof von Beijingxi (zu deutsch: Peking Süd), um dann über Nacht nach Datong zu fahren.
2. Station – Hängendes Kloster und die Grotten von Yungang: Der Nachtzug war schwer genießbar, wir hatten Hardsleeper, d.h. 6 Personen in einem Liegeabteil, nur ohne Türen. Und dort wurde geschnarcht, telefoniert, geraucht, also einschlafen fiel schwer. Ich nahm meinen Walkman, Kriszta die Ohrenstöpsel und dann ging es. Am Abend zuvor hatte ich zu hektisch das scharfe Kung Pao Chicken verdrückt, was zu einer ziemlichen Verstimmung in Magen und Darm führte. Ich war für den Tag auf Diät. In Datong angekommen, buchten wir eine Tagestour zum hängenden Kloster und zu den Grotten von Yungang. Wir waren eine Gruppe von 5 Leuten (plus 1 Franzose, 1 Amerikaner der in Taiwan unterrichtet und eine Polin, die in Berlin lebt). Es war schon beeindruckend, die Führung erklärte alles in englisch und auch das Mittagessen muss wohl gut gewesen sein, ich hatte nur Reis. Bei den Grotten von Yungang versuchte man uns 10 Yuan aus den Rippen zu leiern, für einen “2 Kilometer-Transfer”, den wir dann in 10 Minuten zu Fuß erledigten. Am Abend gingen wir noch ins Zentrum von Datong, bekamen viele Blicke – offensichtlich sind Langnasen selten im Zentrum. In der Nacht ging es weiter nach Pingyao, diesmal Softsleeper, d.h. 4 Betten in einem geschlossenen Abteil. Kleine Anmerkung: Soft- oder Hardsleep hat nichts mit der Härte der Betten zu tun, die sind für meinen Geschmack angenehm fest.
3. Station – Pingyao: Pingyao ist ein kleines Nest, dessen Innenstadt noch richtig schon historisch ist und jede Menge Hostels, Gaststätte, Geschäfte sind. Hier haben wir 2 Nächte im Harmony Guesthouse verbracht – wir waren froh, endlich mal wieder in einem Bett zu schlafen, zu duschen und ein wenig zu entspannen. In Pingyao hatten wir einen Puffertag geplant, falls etwas mit den Nachtzügen nicht klappen sollte. Wir hatten wieder eine Fußmassage während wir von einem Herren ausgefragt wurden, der mir doch ein bißchen wir ein Parteisekretär vorkam. Irgendwann schnappten wir uns auch mal 2 klapprige Fahrräder und fuhren zum Tempel von Shuanglin. Und das an einer Straße wo die LKWs Stoßstange an Stoßstange entlang rumpel. Unsere Gesichter waren nachher schwarz. Die Organisation der nächsten Nachtzugfahrt lief etwas schleppend. Auch der Lonely Planet schreibt, dass Softsleeper sehr schwer von Pingyao aus zu organisieren ist. Wir hatten ein glückliches Händchen…
4. Station – Xi’an: Wir wurden wie auch schon in Pingyao vom Bahnhof abgeholt und ins Xiangzhimen Hostel gebracht. Schön an dem Hostel: viele Katzenkinder, die herumtollten, schöne Lage – man ist schnell in der Innenstadt. Nachteil: es liegt in der Nähe einer Kneipenstraße, die westlichen Touristen das Gefühl von Heimat vermitteln soll, was ich aber nicht will, wenn ich in China bin. Weiterer Nachteil: wir hatten ein Zimmer mit Fenster zum Gang. Nachts hörten wir das Walkie Talkie der Angestellten und früh wurden wir Zeugen, wie lautstark Nudeln geschlürft werden können. Die Station Xi’an hatten wir auf Wunsch eines einzelnen Herren eingelegt, der unbedingt die Terrakotta-Armee sehen wollte. Die bekam er auch zu sehen. Gigantisches Erlebnis, wenn auch wieder hoffnunglos überlaufen. Wenn der einzelne Herr damals schon gewußt hätte, dass Xi’an das ehemalige Jangan ist… Silkroad lässt grüßen. Den nächsten Tag schaute ich mir noch die Große Moschee an, während Kriszta auf dem Markt um “100% Silk”-Schals feilschte. Nachmittags war es richtig heiß, aber bei der Giant Wild Goose Pagode wurden wir bei der Wassershow unerwartet erfrischt. Und dann kam das Bibbern – ein chinesischer Inlandsflug. Aber keine Probleme – Gepäck kam an und alles war erstklassig, nur dass man die englischen Ansagen nicht im Mindesten versteht.
5. Station – Shanghai: Der Flug hatte etwas Verspätung, aber wir hatten unser Hostel “The Phoenix” schon in Deutschland bestellt. War eine gute Idee angesichts der Expo. Auch im Vorfeld war alles geklärt, dass wir spät in der Nacht kommen. Als wir dann nachts um 2 Uhr ankamen und hören mussten “Wir dachten, sie kommen nicht mehr”, waren wir kurz vorm Ausrasten. Dass wir die Bestätigung für unsere nächtliche Ankunft hatten, interessierte nicht – Zimmer war weg. Wir wurden in ein 8-Bett-Dorm gesteckt, die Bewohner freuten sich, um 2 Uhr geweckt zu werden. Leider ist es zur Expo sehr schwer in Shanghai unterzukommen, also mussten wir in den sauren Apfel beißen. Auch unsere Planänderung, einen Tag länger in Shanghai zu bleiben, wurde nicht mit einem Doppelzimmer belohnt, wir kamen wieder nur im Dorm unter. Den ersten Tag ging es mit den Zug nach Suzhou raus (1 Stunde Fahrt bei ca. 200km/h). Dort schauten wir uns die überlaufenen aber wirklich schönen Gärten an (Empfehlung: Humble Administrators Garden – etwas teurer, aber nicht soo voll). Dann ging es noch auf die Pagode rauf und ins Silkmuseum (echt Klasse, am lebenden Raupenbeispiel!). Und den Tag drauf hätten wir uns schenken können – Expo. Eine Viertelmillion Chinesen, die alle Pavillions mit ihrem Wunsch nach Stempeln blockiert. Zumindest haben wir im Pavillion von Ungarn einen mannsgroßen Gömböc bestaunen können.
6. Station – Tunxi: Ich musste mal wieder meinen Kopf durchsetzen und deshalb gab es eine kleine Planänderung. Wir buchten unterwegs noch einen Flug von Shanghai nach Tunxi. Wer auch immer mal ein chinesisches Bild gesehen hat, wo Berge aus einem Wolkenmeer ragen – hier kommt die Vorlage her. Tunxi ist wenig spektakulär, aber eine Wanderung in Huangshan schon. Wir fuhren mit dem Linienbus bis zu den Bergen, nahmen die Seilbahn nach oben und liefen – nein, wir stiegen Treppen. Rauf und runter. Nach unten gingen wir zu Fuß – 800 Meter Höhenunterschied treppab. Zum Glück schützten uns die Bäume vor der prallen Sonne. Wir waren 2 Nächte im Koala International Hostel untergebracht und buchten für den nächsten Tag eine Fahrt nach Huancun und Xidi. Das Wetter zeigte sich von der regnerischen Seite, es war schwülwarm. Die beiden Dörfer sind UNESCO-Weltkulturerbe, aber vielleicht lag es am Wetter – wir fanden sie nicht lohnenswert.
7. Station – Guilin: Es stand uns jetzt der Marathon bevor – die Zugfahrt von Tunxi nach Guilin. Eine Reise von 18 Stunden. Wir hatten wieder glücklicherweise den Softsleeper. Uns hatte man noch den Hinweis gegeben, dass es ein Zugunglück auf der Strecke gegeben hätte und wir nachfragen sollen, ob es zu Verspätungen kommt. Aber zu denen kam es auch ohne Zwischenfall. Die Strecke ist stellenweise einspurig und deshalb muss man an diversen Bahnhöfen warten, bis die höher priorisierten Züge an einem vorbeigerattert sind. Nach 22 Stunden Zugfahrt waren wir dann endlich in Guilin. Wir fragten uns zum Xiao Yang Lou International Hostel durch, luden unser Zeug ab und besichtigen die Sonne- und Mondpagode bei Nacht, aßen noch etwas und dann war der Tag auch schon vorbei.
8. Station – kleines Dorf oberhalb von Dazhai: Gleich am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen, und stellten unser gesamtes Gepäck im Hostel unter. Für einen Tag waren wir nur mit Marschgepäck unterwegs. Wir zuckelten durch die kleinsten Dörfer, blieben dort auch stellenweise eine ganze Weile stehen. Unterwegs wurden wir von einer Frau angesprochen, ob wir schon eine Unterkunft hätten. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass ihr die Unterkunft gehörte, in der wir auch geplant hatten unterzukommen. Als wir am Nachmittag ankamen, besichtigten wir noch ein paar der Terrassen und wurden Zeugen eines Fotoshootings, bei dem ich auch ein paar Schnappschüsse machte.
9. Station – Yangshuo: Wir waren an dem Tag sehr viel unterwegs. Früh packten wir etwas gerädert von der Nacht (mehr dazu im nächsten Beitrag) unser Marschgepäck, frühstückten schnell und machten uns auf den Weg nach Ping’an. Wir mussten uns immer etwas durchfragen, aber schafften es, gegen Mittag in Ping’an zu sein – dem kommerziellen Zentrum, wenn es um die Besichtigung der Terassen geht. Von dortaus ging es wieder zurück nach Guilin. Wir hatten noch etwas Zeit, bis unser Bus fuhr und schlenderten noch etwas durch Guilin. Guilin war schöner, wie die anderen Städte vorher, es wirkte ruhiger und geordneter. Abends ging dann der Bus nach Yangshuo, wir landeten im Flowers International Youth Hostel, spazierten abends noch etwas durch die Innenstadt und dann war es auch schon wieder Zeit für eine angenehme Dusche und schlafen zu gehen.
10. Station – Xingping: Den nächsten Morgen liehen wir uns ein paar Mountainbikes aus und damit fuhren wir entlang des Flusses. Wir verirrten uns ein wenig, die Sattel waren wenig bequem und hinzu kam, dass wir auch noch auf den falschen Weg geschickt wurden, der angeblich der einzige Weg wäre. Permanent wurden wir “unauffällig” verfolgt. Wir hatten vor, uns etwas mit dem Bambusfloß flussabwärts fahren zu lassen, aber nachdem wir dann die Preise hörten, verging es mir – lieber fahre ich mit schmerzendem Hinterteil zurück. Für umgerechnet 35 Euro sich 20 Minuten flussabwärts treiben zu lassen, ging mir gegen den Strich. Selbst nach Feilschen waren nicht weniger wie 20 Euro drin. Logisch – die frischgebauten kleinen Paläste am Uferrand mussten ja irgendwie finanziert werden. Wir kamen völlig erledigt wieder an, machten eine kurze Pause und dann ging es weiter in das kleine Örtchen Xingping. Durch sperrangelweite Fenster bzw. Klimaanlage auf Dauerfrost kratzte mein Hals ziemlich und wir nutzten den ersten Tag in Xingping zum Entspannen. War kein Problem, es regnete in Strömen und zwar filmreif. Das letzte Mal wo ich so viel Regen sah, war als das Hochwasser 2002 an der Elbe war. Wir verbrachten 2 Nächte in Xingping, aßen Wels nach einheimischer Art und machten noch eine Rundfahrt. Als wir im Hostel “This old place” buchten, wunderte sich die Angestellte, warum wir mehrmals fragten, ob der Preis auch der richtige ist und ob das pro Person gerechnet wurde. Wenigstens spielte das Wetter jetzt halbwegs mit.
11. Station – Guilin: So langsam waren wir erledigt. Als wir in Guilin waren, ließen wir uns nochmal die Füße massieren, was eine richtige Wohltat war – 1 Stunde lang. Ich hatte etwas Pech, aber auch wieder Glück, dass es so spät in unserer Reise passierte – als ich einen Snack probierte, der aus frittierten Trockenfrüchten bestand, gab einer meiner Zähne nach. Das Zeug war zu zäh, um gekaut zu werden. Wir trafen noch die nötigen Vorbereitungen für unsere Abreise am nächsten Morgen nach Hongkong und versuchten dann zu schlafen. Es war laut draußen und schwülwarm.
12. Station – Hongkong: Der Flug nach Shenzhen verlief problemlos, ja wir waren sogar zu zeitig da. Danach schnappten wir einen Bus nach Hongkong, der uns irgendwann wortlos vor einem Gebäude ablud. Man zeigte nur auf die großen Flügeltüren. Ah ja, die Grenze – 5 Schalter für Chinesen, 1 Schalter für Ausländer. Das Personal hatte sich bei Kriszta etwas zickig – offensichtlich kannte hatte man hier noch nie was davon gehört, dass sich Nachname nach der Hochzeit ändert und trotzdem der Mädchenname im Pass drinsteht. Auf der anderen Seite lud uns dann ein anderer Bus wieder aus und wir fuhren nach Hongkong rein. Zum Abschluss hatten wir nochmal ein richtig Klasse Hotel gebucht – das Island Pacific. Wir residierten im 19. Stock mit einem halben Blick aufs Meer. Das Hotel befindet sich in einer Straße, in der es allerlei getrockneten Fisch gibt. Man schlendert einmal da lang und dann hat man auch genug von dem Geruch. Wir nahmen dann lieber die Bahn, die richtig schön alt ist. Vorsicht mit dem Kopf dort – die Balken an der Decke tun ganz schön weh, wenn der Fahrer mal fix bremst. Relativ schnell kamen wir zur Erkenntnis, dass Hongkong für Besichtigungen ziemlich langweilig ist. Hier lohnen sich eher Shopping-Touren. Aber wer auf Technik aus ist, wird feststellen, dass man in Good Old Germany das Zeug mittlerweile billiger bekommt wie hier. Kleines Beispiel: das Sigma 50 – 500mm hat hier einen Ladenpreis von über 1.500 Euro, in Hongkong bekommt man es für 1.100 Euro Listenpreis (ohne Zoll etc.), aber zurück in Deutschland – hier gibts das bei amazon für 888 Euro. Den Traum konnte ich mir also aus dem Kopf schlagen. Wir fuhren noch auf den Peak, sahen aber wegen dem Smog nicht so viel und machten noch einen Ausflug nach Cheung Chau, wo ich einige Mückenstiche aufsammelte und dann war es wieder soweit – der Urlaub war vorüber.