Eine kleine Theorie

Ich muss mal ganz dringend wieder was über Bücher schreiben. Und da ich gerade mit einem fertig bin, leg ich doch gleich mal los. Es geht um “Das Philosophenportal” von Robert Zimmer.

Beim Philosophenportal stellen sich wahrscheinlich jedem studierten Philosophen die Haare zu Berge, weil es handelt sich um eine Art Readers Digest für Philosophiebücher. Aber für den philosophieinteressierten Leser ist es die Sammelversion von 16 wichtigen Büchern. Was richtig gut ist, dass einige Bücher auf einander aufsetzen bzw. auch vom Autor miteinander in Bezug gebracht werden. Ich muss im Nachhinein zugeben, selbst in aufbereiteter Form war Kants “Kritik der reinen Vernunft” schwer verdaulich. Ich will nicht sagen, unverständlich, aber mal fix überfliegen und sofort verstehen ist bei dem Gedankengang ausgeschlossen.

Besonders hat mir gefallen, dass die Werke nicht nur allein erläutert wurden, sondern auch das Wesen des jeweiligen Autors im Bezug auf die Zeit, in der er gelebt hat. Und so geht es von der Antike, d.h. Platons “Der Staat” bis zu John Rawls “Eine Theorie der Gerechtigkeit”. Über letztere möchte ich mich gerade noch etwas auslassen, da sie ziemlich nah an unserer Zeit liegt und mir auch gefällt, auch wenn sie Schwächen aufweist.

Im Großen und Ganzen fühlte ich mich an mein Abi erinnert, wo wir Sozialkunde hatten und wir das Parteispektrum in Deutschland beleuchteten und uns unser Sozialkundelehrer vor eine Frage stellte: Was sind Themen, die aktuell politisch wichtig sind und in der nächsten Legislaturperiode berücksichtigt werden sollten? Es fielen Themen wie Arbeitslosigkeit, Wirtschaft, Bildung usw. Und er hakte nach: Angenommen, wir würden alle “Probleme” die als Kernthemen für den Wahlkampf angesetzt sind, außer acht lassen – was wären die Themen, die essentiell dafür sind, dass wir als Menschheit noch eine Chance haben, das nächste Jahrhundert zu erleben. Sofort fiel die Hälfte der bisher angesprochenen Themen weg und wir waren bei Umweltschutz, Abrüstung, alternative Energien, Wissenschaft + Forschung…

Und damit habe ich schon einen prima Übergang zur Theorie der Gerechtigkeit geschafft. Angenommen man steht davor, eine neue Gesellschaft zu bilden. Natürlich würde jeder versuchen, aufgrund seiner politischen und sozialen Stellung einen Vorteil zu erzielen. Also ist jeder im Bezug auf seinen aktuellen Status blind, Rawls nennt es den “Schleier des Nichtwissens”. Und was mir dabei gefällt ist, dass es unwahrscheinlich schlüssig ist, denn wenn jeder bei der Entwicklungs von Grundsätzen der Gerechtigkeit mitwirken soll, wo er nicht weiß, welchen sozialen Status er hat, würde er automatisch dafür sorgen, dass den sozial schlecht gestellten ein Maximum zukommt – auch als Maximin-Prinzip benannt. Die Intention ist: einer Gesellschaft geht es nur so gut, wie es den sozial schwächsten geht.

Im Buch wird noch näher erläutert, dass soziale Unterschiede kein Problem sind, solange man die sozial Schwachen als Maßstab im Auge behält. Und dann auch noch der Satz, dass europäische Staaten dem Ganzen am nächsten kommen… Meiner Ansicht nach das Problem, was ich mit dem Buch habe! Alles gut und schön und wir können auch prima nach diesem Vorbild leben, haben die sozial Schwachen ein bißchen im Augenwinkel, mehren unseren Reichtum, aber leider auf Kosten derer, die dieses Gerechtigkeitsprinzip nicht haben! Und das stimmt zumindest in der Praxis – da ich das Original nicht gelesen habe, kann ich mir an der Stelle kein Urteil erlauben, aber zumindest scheint es keinen Widerspruch darzustellen. Aber wer es ganz genau wissen will, bei der Wikipedia gibts mehr dazu.

Und weil ich gerade mal wieder die Wikipedia verlinkte… In einem Interview mit der Süddeutschen lässt “Internet-Pionier” Lanier verlauten, dass die Wikipedia Mobideologie ist. Hat zwar irgendwie Recht, aber ich finde, der Artikel klingt nach einem Nerd, der von der Zeit überholt wurde und deshalb beleidigt ist, weil sich kaum einer für seine Ideen interessiert. Hallo! Die Zeiten ändern sich… Seine Kernaussage: Es warnt vor dem Kult des Kollektivs und möchte eine Wertschätzung der Individualität. Öhm, fangen wir doch mal an: Liebe Wissenschaftler, arbeitet nicht mehr in Teams und hört auf, euch auszutauschen! Doch lieber jeder für sich, ist zwar nicht so schnell, aber individueller! Ohne weiteren Kommentar…

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Januar 27, 2010 in Bücher

The clock is ticking…

twinisr1Eigentlich ist ja Ronny Schuld… Bei ihm stolpere ich immer wieder über phantastische Zeitrafferaufnahmen und denke mir: auch haben wollen! Also machte ich mich auf die Suche und fand heraus, dass es von Canon eine Lösung dafür gibt – sauteuer und außerdem mit dem falschen Anschluss, es sei denn man ist bastelfreudig. Also gab es ein dickes, fettes Das-wünsch-ich-mir, als ich bei heise Foto über eine Variante stolperte, die zu meiner Kamera passt und auch noch bezahlbar ist. Und nun ist mein Geburtstag und so ein Teil liegt vor. Ich habe den Kopf voller Ideen, möchte vom Balkon timelapsen, in einer Großstadt bei Nacht und viele andere Dinge mehr. Ganz zu schweigen von einer Milchstraßen-Timelapse. Richtig begeistert bin ich ja von der Funktionsvielfalt. Statt einfach nur die Pausen anzugeben, in welchen Intervallen ausgelöst werden soll, kann das Teil noch mehr: eine bestimmte Anzahl von Bilder knipsen, die Belichtungszeit vorgeben und nach einem vorgegebenen Zeitraum ein Bild machen.

So und jetzt steht neben dem Thema Panografie auch noch Time lapse auf meinem Experimentierplan. Vielleicht gibt es schon erste Versuche, wenn wir aus Rom wiederkommen…

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Januar 23, 2010 in Fotografie

Boldog új évet!

… oder um es im Sinne der “Sendung mit der Maus” zu sagen: Das war Ungarisch und heißt “Gesundes neues Jahr!”. Nach nun etlichen Tagen melde ich mich mal wieder… Die letzten Tage vor Weihnachten waren nochmal hektisch, auch gerade was die Organisation der Weihnachtsgeschenke betraf. Ich habe pünktlich alle Geschenke verpacken können, als es dann am 23.12. nachmittags losgehen sollte.

Eigentlich war es nur eine Kleinigkeit – die Werkstatt sollte sich die Gelenkmanschette des Autos von Kriszta nochmal ansehen. Mist – eingerissen, für eine Fahrt nach Ungarn untauglich. Wegen Ladevolumen kam Rüedi garnicht in Frage. Also schnell reparieren… aber nicht dass das problemlos gehen würde – Neee! Die Manschetten waren nicht da, mussten also beim Großhändler bestellt werden. Der hatte die glücklicherweise auf Lager, wir sind mit Rüedi hingefahren, während die Werkstatt schonmal Krisztas Auto zerlegte. Wir kamen wieder, gingen in die Wohnung bzw. fuhren noch kurz was holen – inzwischen 3 Anrufe: die falschen Manschetten! Der Großhändler hatte aber von den Richtigen natürlich nicht mehr genug da, also rief die Werkstatt bei einer Vertragswerkstatt an und holte die Manschette ab. Inzwischen hatten wir genügend Zeit, die restlichen Sachen zusammenzupacken und schon mal alles verladebereit zu machen. Wir starteten ungefähr zu der Zeit, wo wir eintreffen wollten. Kein Wunder – 2,5 Stunden hatte uns der Spaß gekostet.

semperoperZuhause wurden wir von Mutti erstmal fix mit einem leckeren Fischsüppchen verarztet und dann ging es weiter zum regulären Vorweihnachts-Freunde-Treffen. Die nächsten Tage vergingen wie im Flug, deswegen picke ich nur mal die Highlights heraus. Schon im Vorfeld hatten wir den Hinweis bekommen: Bringt mal schicke Klamotten mit. Wir hatten eine Vermutung, aber keine Ahnung. Bei der Bescherung kam dann die Lösung – 2 Karten für das “Nussknacker“-Ballett in der Semperoper. Auch wenn die Geschichte umgeschrieben wurde – ein Traum. Die Kulisse, die Kostüme, die Musik, die Atmosphäre… einfach toll. Und ein weiteres Highlight: Weihnachten nicht allein feiern! Ansonsten waren die Tage gekennzeichnet von Ausruhen, Basteln, Essen und Schlafen.

Nach den Feiertagen ging es dann zu Krisztas Eltern. Noch mehr Weihnachten, Essen und endlich auch Entspannen (z.B. bei einem Besuch des Thermalbades in Martfű). Ich bekam eine 4-Euro-Frisur und hatte in meiner Freizeit nichts besseres im Kopf wie… Programmieren. Kurz vor Weihnachten versuchte ein Kollege einem Azubi mit Hilfe von AntMe! die Grundlagen des Programmieren beizubringen. Wirkte natürlich auch bei mir, denn ein eigenes Ameisenvolk zu programmieren, klingt nicht nur witzig, sondern macht auch Spaß. Also stopfte ich da ein bißchen Energie rein und heraus kam ein Volk mit globalem Gedächtnis und flexibler Aufgabenzuteilung. Natürlich würde noch mehr gehen, aber so sieht das schon mal ganz hübsch aus. Nicht dass es falsch rüberkommt, aber allein die kulinarischen Genüsse wären einen extra Beitrag wert. Und seit dem letzten Besuch schreibe ich Wörter, die ich mitbekommen habe, auf und bekomme so Stück für Stück etwas mehr mit, was gesprochen wird. Sprechen ist so ein Ding…

Ungarisch als finno-ugrische Sprache ist so unglaublich anders, wie sonst in Europa gesprochene Sprachen. Was natürlich seinen Charme – natürlich im theoretischen Sinne – hat, ist der agglutinierende Sprachbau, d.h. man bastelt sich durch Suffixe und Präfixe zu einem Wort den Kontext dazu. Dann kommt noch etwas Vokalharmonie dazu. Vielleicht mache ich es einfach so, dass ich ein bißchen was von dem, was ich dazulerne, hier veröffentliche.

Aber der rote Faden macht sich schon wieder selbstständig… zurück zum Thema. Auch in Ungarn verging die Zeit rasend schnell, Silvester war etwas missglückt, weil es Strömen regnete. Und schon ging es am zweiten Januar zurück, vorbei an Parndorf – dem Outletstore – schon die Parkplatzsuche von einer halben Stunde war prickelnd. Bin jetzt stolzer Besitzer eines Paars Trekkingschuhe, die aber eher für den Wochenendausflug gedacht sind, wenn wir uns mal wieder aus dem Staub machen, wie z.B. zu meinem Geburtstag.

Und was nutze ich, um diesen Beitrag abzuschließen? Ich bin für ein paar angenehme Gedanken – wie z.B. dass ich nächste Woche wieder zur Massage gehe (mein Weihnachtsgeschenk von Kriszta) und mich vorher eine halbe Stunde auf eine schöne warme Fangopackung werfen darf… Und nicht zu vergessen – morgen beginnt die Sportsaison wieder. Ich packe meinen mittlerweile verstaubten Squashschläger aus und gehe wieder grüne Bällchen vermöbeln.

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Januar 8, 2010 in Allgemein, Sport

Fundstück

Ich habe heute mal etwas aufgeräumt und bin dabei über meine alte Briefmarkensammlung gestolpert. Schon etwig nicht mehr da reingeschaut. Dabei bin ich über eine Mappe gestolpert, in der ich die ausgeschnittenen Briefmarken gesammelt habe, bevor ich sie abgeweicht habe. Auf der Innenseite ist folgendes Bild. Ich lasse das mal kommentarlos wirken…

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Januar 6, 2010 in Erinnerung

To protect our wisdom

Wikipedia Affiliate Button

Ich mache nicht viel Federlesens, deswegen kurz und bündig: So oft wie ich die Wikipedia nutze / verlinke, würde ich mich schämen, wenn ich nicht auch meinen Beitrag leistete.

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Dezember 13, 2009 in Allgemeinwissen

Staub, Sand und Stein

2009 marokko agadir1Nach dem ganzen Umzugstheater hatten wir uns endlich mal etwas Ruhe verdient. Wir wollten nochmal Wärme, aber es sollte sich in einem bezahlbaren Rahmen abspielen. Also buchten wir für unter 400 Euro eine Woche Pauschalurlaub in Marokko mit Flug ab Nürnberg. Da wir uns genau kennen und wissen, dass wir nicht lange an einem Ort ruhen können, pimpten wir den Urlaub mit einem individuellen Trip nach Marrakesch und buchten dort ein Riad, ein Haus mit Innengarten.

Die Flugzeiten waren auch sehr angenehm, es ging um 9 Uhr in Nürnberg los, d.h. inkl. Zeitverschiebung Mittag 12 Uhr in Agadir. Mit dem Transfer hatte auch alles geklappt und so konnten wir Agadir entdecken gehen, was wir neben sonnen und lesen auch ausgiebig machten.

Wir kamen schnell zu vielen Erkenntnissen. Zum einen, dass Agadir wirklich nur ein Badeort ist. Der Strand ist von Hotelketten mehrreihig umsäumt und danach schließt sich die Stadt und der Stadtrand an. Laut Wikipedia hat Agadir knapp 700.000 Einwohner. Wenn man historisch zurückblick, hatte Agadir 1960 gerade mal 50.000 Einwohner, wobei 10.000 – 15.000 durch ein schweres Erdbeben umkamen. Das heißt – Agadir hat kaum historische Gebäude (von der Kasbah mal abgesehen) und dient nur einem Zweck: Tourismus. Es gibt eine Handvoll Straßen, die zwischen den Hotels liegen und touristengerechte Läden haben – mit der Aufschrift: fixed price.

2009 marokko agadir2Verlässt man das Touristenviertel wird man mit der öden Wahrheit konfrontiert – Agadir ist langweilig. Wir sind mehrfach durch die Stadt gelaufen, haben den Souk besucht, das eine oder andere Restaurant besucht, aber im Großen und Ganzen bleibt nur eine staubige Erinnerung. Auch trifft man außerhalb der Hotelketten kaum Touristen an, wenn überhaupt, wird man von einem Reisebus aus bestaunt, als wäre man selbst eine Attraktion. Auf dem Transfer zurück haben wir die anderen Touristen mal so belauscht – da wird einem Angst und Bange, wenn man hört, was die so zusammenspekulieren.

Aber wir lernten in den ersten Tagen die Grundregeln:

  • Feilschen: Grundsätzlich kann man durch gutes Feilschen den Originalpreis um gut 2/3 senken. Man fragt erstmal, wieviel es kostet – bei Dienstleistungen ist es vielleicht gut, wenn man im Hotel fragt, wohin was möchte, die sagen einem schon einen realistischen Preis. Ein Beispiel: Ein Tuch – gute Qualität, Erstpreis: 600 Dirham, entspricht der Faustregel ungefähr 60 Euro (der Kurs ist ca. 1 Euro : 11 Dirham). Man hört dann viele Ausreden, von wegen Handarbeit, keine industrielle Ware, schlechte Zeiten, man würde schon einen speziellen Preis machen usw. Nicht abbringen lassen, notfalls tun, als ob man geht – man bekommt das Teil für 200 Dirham. Die Feilscherei hat natürlich drei Schattenseiten: man wird erstmal in den Laden “gezogen”, sobald man sich für etwas interessiert. Zweitens: Wenn man während der Feilscherei die Lust verliert oder der Gegenstand doch nicht so richtig passt, wird es schwer den Laden wieder zu verlassen und drittens: In jedem Laden geht das Spiel von vorn los…
  • Strandverkäufer: vielen kann man schon aus der Ferne zu verstehen geben, dass man nichts will. Die meisten respektieren das und kommen auch im Laufe des Tages nicht wieder auf einen zu. Gleiches gilt auch für diejenigen, die einen doch ansprechen – ein kategorisches “Nein” reicht, viel wirkungsvoller war meiner Meinung nach das Zeichen mit dem hin- und herbewegten Zeigefinger. Wenn man doch was will… feilschen halt.
  • Essen und Trinken: kein Alkohol, da religiös bedingt und wenn dann teuer. Dafür lieber marokkanischen Tee probieren: 50% Pfefferminze / 50% Grüntee, mit viel Zucker – macht süchtig! An jeder zweiten Ecke gibt es eine Patisserie, die unglaublich viele Leckereien anbieten. Zum Teil sehr süß und mit viel Nuss. Aber echt eine Verführung fürs Auge – die Leckerteilchen werden abgewogen und zum Kilopreis von 120-130 Dirham pro Kilo verkauft. Muss man mal probiert haben. Ansonsten gibt es viele Spezialitäten, zum Beispiel die Harira, eine Tajine und natürlich sämtliche Variationen von Couscous. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass außerhalb gelegene Restaurants froh sind, wenn man sie wieder beehrt – unsere Rechnung fiel beim zweiten Besuch niedriger aus.
  • Fahrten von A nach B: Kurzstrecken – laufen oder Taxi (sogenannte Petit Taxis). Preis im Hotel für die Strecke erfragen, gibt eine Grundlage beim Feilschen. Längere Strecken mit Sammeltaxi (bis zu 6 Leute in einem alten Mercedes) oder die öffentlichen Busse (CTM, Supratours, Pullman usw.). Natürlich hat man dann unbezahlbare Erlebnisse: vom Busbahnhof, wo verschiedene Orte ausgerufen werden (man versuche Marrakesch 3mal in 1 Sekunde zu sagen, klingt dann wie: Marrkch mit gerolltem R) über die Ausblicke auf marokkanische Lebensweise in den kleinen Orten oder nachts auf die Milchstraße, wenn man gerade durch den Antiatlas fährt. Einmalig ist, wenn ein Bus der Konkurrenz liegenbleibt und ein Mann mit einem Tafelmesser auf den Bus losgeht und sich sofort eine Traube von Menschen darum bildet. Man muss in dem Fall natürlich tolerant sein – also eine Abfahrtszeit von 8 Uhr heißt mit Sicherheit, es geht ungefähr 8.30 Uhr los. Wenn der Bus eine Macke hat, fährt man sicherheitshalber nochmal eine Stunde in die Werkstatt – mit allen Passagieren, ohne Hinweis. Und das schweißt zusammen – wir sind nie wie andere Menschen (besser oder schlechter) behandelt wurden.
  • Sprache / Hilfe: Primäre Sprachen in Marokko: Arabisch und Französisch. Französisch ist wirklich von Vorteil. Deutsch und Englisch hilft bei Straßenverkäufern weiter – die wollen ja auch was verkaufen, aber wenn man dann vor der Bediensteten im Riad steht, die wirklich nur Arabisch und Französisch spricht, wird es kompliziert.

2009 marokko marrakesch3Aber noch etwas zu unseren Erlebnissen in der Woche. Mit dem Hotel Argana hatten wir eine gute Wahl getroffen und ein richtig gutes Zimmer erwischt – Blick auf Pool und Meer, leider nur in der 3 Reihe (1. Reihe: direkt am Strand, 2. Reihe: Restaurants, Geschäfte, einige Hotels). Direkt dahinter die große zweispurige Straße wo man guten Anschluss Richtung Kasbah und Busbahnhof hat. Das Frühstücksangebot war etwas flau, aber dafür abends um so besser. Jeden Abend ein andere Thema, abwechslungsreich und für jeden Geschmack was dabei. Leider wurde uns nach 2 Tagen schon langweilig, also buchten wir die Busreise bei CTM nach Marrakesch und erkundigten uns, wie es mit Essaouira bzw. Taroudant aussieht, aber es gab keine freien Plätze mehr für Sonntag. Also fuhren wir Sonntag früh kurzerhand auf den Busbahnhof, vielleicht hat die Konkurrenz ja Angebote frei – nichts, die hatten nicht mal offen. Also machten wir noch einen ruhigen Tag und verlegten die Reise nach Essouira auf den Montag.

Die Reise war … interessant. Jede Menge Kurven, den ersten Teil am Meer lang mit schönen hohen Wellen, danach die Serpentinen hoch und runter. Auf der Heimfahrt hörte man mehrere Kinder husten und Tüten rascheln. Dafür war die Stadt ein Erlebnis… eine Küstenstadt mit historischer Substanz, strahlender Sonnenschein, nicht zu warm, keine Autos hinter den Stadtmauern. Mir hat es dort sehr gut gefallen – es war zwar touristisch erschlossen, aber nicht überlaufen und man wird nicht pausenlos von Händlern oder Kellnern angequatscht. Nachmittags ging es schon wieder heim, mit Sonnenuntergang während der Fahrt, auch sehr schön anzusehen.

2009 marokko essouiraGleich den nächsten Tag ging es früh auf unseren zweitägigen Trip nach Marrakesch. Die Fahrt war ruhig und problemlos, wenn man auf die Stunde in der Werkstatt absieht. Kaum angekommen, suchten wir unser Riad – ein Taxifahrer sollte uns helfen. Er fuhr uns bis an ein Tor der Stadt und meinte, wir sollten einfach durch das Tor laufen uns immer gerade aus. Problem: es fing einer an, uns zu begleiten und vollzulabern, dass er uns den Weg zeigen kann. Wir ließen ihn irgendwann stehen, irrten noch etwas rum und gingen dann zurück. Der Busbahnhof – keine Hilfe, also fragten wir jemanden der vor einem Hotel aufpasste – Volltreffer, der war wirklich hilfsbereit. Zuerst suchte er auf dem Stadtplan, dann rief er die Nummer des Riad an und fragte, wo es ist. Schließlich organisierte er ein Taxi und beschrieb ihm, wo es hinzufahren hat. Als das Taxi landete, fragte der Taxifahrer zwei Polizisten, die sich einen kleinen Jungen schnappten, der uns zum Riad führte. Hätten wir in Leben nicht gefunden und der erste Taxifahrer lag mit seiner Beschreibung schon sehr richtig. Die Dame im Riad nahm uns in Empfang und warf dem Jungen, der für seine Leistungen 50 Dirham haben wollte mit einem “Pardon” in unsere Richtung, die Tür vor der Nase zu. Diese Aktion hatte uns 2 Stunden gekostet.

Das Riad Amra war wirklich sehr schön, etwas ungewöhnlich durch das Fenster zum Bad und die fehlende Tür zu selbigem, aber für eine Nacht absolut perfekt – vielleicht durch die Hoflage etwas kühl. Zur Begrüßung gab es einen marrokanischen Tee, echt genial der Stoff, erinnert mich an meine Kindheit und meinen Großvater, der immer Pfefferminztee in der Laube getrocknet hat. Wir machten uns auf Entdeckungsreise – den Djemaa el Fna, der angeschlossene Souk mit seinem undurchschaubaren Netz an Gassen und Gässchen, voller Angebote an Taschen, Stoffen, Schuhen, Gläsern… alles in allen Farben, leuchtend bunt. Und zwischendrin der Duft von frisch gebratenen Sachen, seien es Fleischspieße, Pfannkuchen oder sonstige Leckereien. So verbrachten wir den Abend und dann ging es den nächsten Morgen durch den Rest der Stadt, die Kasbah, das Museum, die alte Koranschule Ben Youssef, in die Nähe des königlichen Palastes (Fotografieren verboten! Selbst wenn man weg vom Palast fotografiert!) und wieder zurück ins Zentrum.

2009 marokko marrakesch2Da die Haltestelle von CTM blöderweise nicht beim zentralen Busbahnhof liegt, mussten wir durch das gesamte Hotelviertel (außerhalb des Stadtzentrums von Marrakesch) laufen. Ein Taxi hätte es auch getan, aber wir hatten halt noch Zeit. Die Heimfahrt verlief im Dunklen, aber durch den klaren Himmel und die fehlende Beleuchtung im Antiatlas konnte ich die Milchstraße sehen. Abends im Hotel gab es nichts mehr zu essen, wir bestellten noch was zu trinken und fielen ins Bett. Der letzte Tag war mehr oder weniger durch Sonnen gekennzeichnet, ich holte mir noch einen schönen Sonnenbrand zum Abschluss.

Abschließend noch ein paar allgemeine Bemerkungen zu Marokko, die uns aufgefallen sind. Es regnet kaum in Marokko, aber es gibt viel Staub und der setzt sich überall fest. Vielleicht haben es die Marokkaner irgendwann aufgegeben zu putzen oder es einfach akzeptiert, dass es staubig ist, aber man muss sich im Klaren sein, dass es außer Staub, Sand und Steinen und herumfliegenden Plastiktüten nicht viel zu sehen gibt. Selbst die Palmen und Bäume haben eine staubige, im Gebirge die typische rostbraune Patina. Umweltschutz ist erst noch im Entstehen, aber die Wirkungen der Vernachlässigung sieht man überall, sämtliche Straßenränder sind von Plastiktüten gesäumt, die sich in den Ästen von Sträuchen verfangen haben und wie kleine Fähnchen dem Wind trotzen. Erwachsene wie auch Kinder lassen die Verpackungen von Snacks unmittelbar auf den Fußweg fallen, öffentliche Abfalleimer sind (bis auf Marrakesch) ein Fremdwort. Und man muss sich im Klaren sein, dass man Sachen sieht, die man eventuell nicht unbedingt sehen. Zum Beispiel, wie Tiere auf Märkten gehalten werden – man sollte sich nicht wundern, wenn sich eine Plastikplane, die auf einer Kiste zu liegen schein, sich plötzlich bewegt, weil sich Hühner darunter befinden. Von der Haltung der Schlangen und der Äffchen auf dem Djemaa el Fna ganz zu schweigen.

2009 marokko marrakesch1Was man überall an den Straßenrändern sieht, sind Mandarinen- bzw. Orangenbäume, die voll von Obst sind. Und genauso häufig sieht man Händler stehen, die Mandarinen und Orangen anbieten, die sehr lecker sind – nur auch mal einen Gedanken daran verschwenden, beides zu verbinden.

Wenn schon Marokko hört, denkt man vielleicht an 1001 Nacht, Märchen, und Sonne, aber trotzdem sollte man sich auch über eins im Klaren werden und darauf weisen einen Reiseführer auch direkt hin: man besucht ein islamisches Land. Ich kann natürlich nicht hinter die Kulissen blicken, aber ein gewisser liberaler Umgang mit einigen Glaubensregeln ist uns schon aufgefallen. Gerade in den Städten sieht man Frauen ohne Kopftuch, aber auch im Gegensatz auch Frauen, wo man gerade durch einen Schlitz die Augen ein wenig sieht und sonst keinen Millimeter Haut. Und natürlich gibt es auch alle möglichen Mischungen dazwischen, manche nach den Regeln des Hischab gekleidet, manche mit hautenger Jeans, aber mit Kopftuch, was aber der Aura widersprechen würde. Was natürlich auch zu sehen ist: Händchen halten. Pärchen schlendern am Ufer entlang, halten sich die Hände und gelegentlich sieht man sie auch küssen. Also sehr krasse Gegensätze und wir hatten den Eindruck, die Tradition bröckelt…

Die Bilderlegende:

  1. Sonnenuntergang am Strand von Agadir
  2. Blick von der Strandpromenade auf die Hotelketten von Agadir. Gemacht am letzten Tag, sonst waren da nie Wolken!
  3. Souk von Marrakesch in der Mittagszeit
  4. Blick auf Essouira
  5. In der Koranschule Ben Youssef
  6. Das Minarett der Koutoubia-Moschee (Marrakesch) im Sonnenuntergang
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Dezember 13, 2009 in Marokko

Zur allgemeinen Lage

Mein Blog hat das Update auf die Version 2.8.6. hinter sich, zum Glück habe ich mich auf ein vorgefertigtes Theme verlassen. Jedes Mal diese Puzzelei ist zeitraubend und von selbiger ist momentan viel zu wenig da.

Wie schon im letzten Blogbeitrag geschrieben, hat sich mein gesamter Wohnungsinhalt aufgelöst und an anderer Stelle wieder materialisiert. Oder ohne um den heißen Brei herumzureden, Kriszta und ich wohnen jetzt zusammen. Nur leider ging wieder mal einiges schief. Geplant war es ja, Anfang November mein Zeug in die neue Wohnung zu schaffen und eine Woche später den Internetzugang zu verlegen.

Deswegen war ich schon Ewigkeiten zuvor im Laden und hab den Umzug beantragt – damals wollte ich den Anschluss noch Ende November umschalten lassen. Der Verkäufer wunderte sich noch “Da kommen Sie jetzt schon? Da ist doch noch ewig Zeit!”. Als ich 14 Tage später anrief und fragte, wo die Bestätigung bleibt und ob man das Ganze nicht schon Mitte November machen kann, kam ungefähr die gleiche Antwort – es wäre doch alles kein Problem.

Anfang November dann der Umzug – wir hatten schon viel Kleinkram in Kisten in die neue Wohnung geschafft, jetzt folgte der Rest. Krisztas Familie packte mit an und wir hatten das Zeug ziemlich schnell im Transporter. Das Teil hatten wir gemietet, etwas gewöhnungbedürftig, aber mit der Zeit macht es Spaß, so ein Riesenschiff zu fahren. In die neue Wohnung, alles ausgeladen und auf die Zimmer verteilt. Es war für mich zwar tierisch stressig, ich mag das hin und her zwischen den Wohnungen einfach nicht, aber trotzdem haben wir alles reibungsfrei über die Bühne gebracht.

ausblick wohnzimmerAm Wochenende alles soweit aufgebaut, was von mir überlebt hat (eigentlich haben es nur der Schreibtisch, das Pult, CD-Schrank und Esstisch in die neue Wohnung geschafft) und mit Leben gefüllt. Das Wochenende darauf kamen dann die restlichen Schränke, die ich dann in mühsamer abendlicher Kleinarbeit aufgestellt und gefüllt habe. Die Kisten im Keller lichteten sich nun bleiben nur noch Reste (von der Küche mal abgesehen)… Lampen und Bilder. Deswegen gibts auch noch keine Bilder, es sieht halt noch nicht richtig nett aus.

Oben übrigens ein Ausblick auf den Sonnenaufgang vom Wohnzimmer aus…

Eine Woche später, das Telefon sollte jetzt theoretisch bereit sein. Telefon und Splitter angeschlossen, Modem angestöpselt – Freizeichen kam, aber die Fritzbox blinkte nervös… kein DSL. Ich rief die Hotline an, wo man mir sagte, es habe technische Probleme gegeben und das DSL kann erst morgen aufgeschaltet werden. Kein Problem, ich war die nächsten beiden Tage nicht da, also kehrte ich Mittwoch Abend heim, steckte das Modem wieder ein – immer noch tote Leitung. Wieder angerufen – endlich eine kompetente Hotlinekraft, die mir das Ganze mit etwas Humor verkaufte: “Ja, da können Sie lange warten, Ihr Tarif wurde umgestellt – Sie haben nur Telefon auf diesen Anschluss angemeldet”. Ich wurde sofort mit dem Vertrieb verbunden, der mir den passenden Anschluss bestellte und von Bereitstellung Samstag oder folgenden Montag erzählte. Ich war sauer – ein bißchen schiefgehen ist ja okay, aber dermaßen daneben… Montag: ich fühlte mich saumäßig [eine gewissen Ironie hängt schon an diesem Wort], ging zum Arzt, der verzichtete auf einen Test und schrieb mich für 3 Tage krank. Also rief ich Montag wieder an, wo mein DSL bleibt. “Mh, die Kollegin hat das an die Auftragsabwicklung geschickt, aber so eine Abteilung gibts garnicht – ich mach das mal fertig, die Kollegen von der Technik melden sich dann gleich bei Ihnen.” Keine 10 Minuten später klingelt es: Kein Problem, Anschluss kann kommen – Danke für die Info, die Vormieter hatten auch schon DSL. Wenig später wieder ein Anruf: Automatische Bandansage, der Anschluss wird am Mittwoch bereitgestellt, von 8 – 18 Uhr – sehr präzise Zeitangabe. Und Mittwoch dann endlich – ich hatte früh schon das Modem angeschalten, hörte das Blinken auf und kurz darauf folgte wieder ein automatischer Anruf: Ihr Anschluss steht bereit. 9 Tage Verspätung… Memo an mich: das nächste Mal noch früher Bescheid sagen!

Blieb nur noch übrig, die alte Wohnung loszuwerden. Ich hatte mich natürlich schon lange vor dem Umzug mit der Vermieterin in Verbindung gesetzt, um einen Abgabetermin zu vereinbaren. Antwort auf meinen Vorschlag war in Kurzfassung: Geht nicht, habe Geburtstag. Aber auch kein Gegenvorschlag. Lassen wir die letzten 3 Jahre mal Revue passieren: ich ziehe ein, zum Glück verspätet, denn die Küche kam viel später wie versprochen. Im Sommer 2007 beginnen die Renovierungsarbeiten, die für das Frühjahr angekündigt waren. Herbst 2008: nach etlichen staubigen Monaten, einem Brand im Haus, vielen Dreckecken und mit viel “hinterher den Dreck wegmachen” sind die Renovierungsarbeiten abgeschlossen. Angesichts dessen, dass die Tapete einige Flecken und Kratzer abbekommen hat, schlage ich vor, die Wohnung besenrein zu übergeben und dem neuen Mieter die Wahl der Farbe und Gestaltung zu überlassen. Keine Reaktion.

Inzwischen meldeten sich zwei Immobilienfirmen (auch die, die mir damals die Wohnung vermietet hat) und ich dachte: Na jetzt muss doch mal ein Wort zur Übergabe fallen, wenn sie die Wohnung sehen. Nichts. Blöderweise legte mich die Grippe lang. Und genau in diesem Moment meldet sich eine Maklerin und fragt nach der Übergabe, sie hätte einen Nachmieter, der am Wochenende einziehen möchte. Eine tagelange Diskussion entsteht, die darin gipfelt, dass ich am letzten Novemberwochenende bei einem Telefonat den Koller bekomme, die (arme) Frau 5 Minuten am Telefon anbrülle, weil sich mein ganzer Frust entlädt und ich nicht einsehe, warum ich jetzt auch noch dem Maler, der die Wohnung gemacht hat, auch noch hinterherputzen soll (siehe oben: Warum soll ich immer den Handwerkern den Dreck nachräumen). Wir einigen uns: ich zahle den Maler und die Wohnung wird ungesehen abgenommen.

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Dezember 13, 2009 in Allgemein, Umzug, Wohnung

Abmarsch!

Ich muss mal wieder dringend ein Update rauslassen. Denn nach der Woche in der Schweiz hat mein Leben ja nicht aufgehört. Die darauf folgende Woche verschlug es mich nach Eltville. Eltville ist wirklich nicht die Weltstadt, aber für eine Woche mal ganz schön. Wer irgendwas mit Eltville assoziieren will, dem werfe ich mal MM Sekt vor. Ansonsten kommt man sich zu Beginn etwas hilflos vor, denn der erste Eindruck ist, dass hier die Bürgersteige um 18 Uhr hochgeklappt werden und man danach keine Chance mehr hat, etwas zu essen zu bekommen.

Weit gefehlt – ein Blick auf die Webseite der Stadt offenbart, dass es einiges an Gaststätten gibt. Wir haben alles mal probiert – vom Asiaten am Bahnhof bis hin zum Anleger 511, das etwas exklusiver ist, aber äußerst hochqualitative Speisen zu akzeptablen Preisen anbietet (Merke: 11. Generation Bratwurst). Mittags ging es immer zum Italiener Da Pino am Holztor, bei dem es drei Mittagsgerichte zur Auswahl gab.

maennerherzenWieder angekommen, gingen wir mal wieder ins Kino. Auf einer Schokoladenpackung gab es Gutscheine, die wir einlösen wollten. Nur ich war so clever, die Werbung auf der Vorderseite auszuschneiden, statt den eigentlichen Gutschein auf der Rückseite. Trotzdem ging es los – Männerherzen. Das Kino war so gut wie leer, offensichtlich hatte keiner Lust auf diesen Film.

Ich bin kein großer Fan des deutschen Films, in der Regel sind diese sehr… ich weiß nicht, wie es ausdrücken soll – kalt. Es gibt sehr wenig natürliche Herzlichkeit, Wärme und Freundlichkeit. Vielleicht bin ich einfach nur in den falschen Filmen gewesen, aber dieser war auch wieder einer von denen, die mein Bild bestätigten. Til Schweiger darf ein Produzentenarschloch spielen, der haufenweise Models um sich herum hat und einen Schlagerstar produzieren soll, der sich sehr Ethno gibt und ein “Lied für die Welt” schreiben will. Christian Ulmen darf wieder den bleichen Deppen spielen, der bei den Frauen verloren hat, sobald er den Mund aufmacht. Und dann gibt es noch den Werbefutzi, der ständig plant, aber vergisst zu leben, den U-Bahn-Fahrer, dessen Frau sich von ihm trennen will, weil er seit seit einem Unfall mit der U-Bahn sehr aggressiv ist und sich aber nicht helfen lassen will und zum Schluss noch der ewige Praktikant, dessen Freundin schwanger wird.

Der Charme des Films ist eigentlich, dass überall die Fassade etwas bröckelt. Jerome ist zwar Produzent, heißt aber in Wirklichkeit Hans-Jürgen und will seine Jugendliebe zurück. Günter ist Beamter, lässt aber die Gaststätte des ewige Praktikanten mit einer Sonderregelung durchgehen. Der Planer und Werber wagt einen Seitensprung und wagt somit seiner Ehe ein ungeplantes Ende zu bereiten. Und der unbeliebte, hartherzige U-Bahn-Fahrer sorgt etwas rau dafür, dass sein demenzkranker Vater im Altenheim doch noch einmal Plätzchen backen darf. Der Schlagersänger hat Angst, dass keiner seine Schnulzen mehr mag und der Praktikant muss Verantwortung übernehmen.

Und ich glaube, damit kann ich meinen Finger genau in die Wunde des deutschen Films legen – nachdem, was ich da oben schrieb, brauche ich nur morgen auf die Straße gehen und erlebe diese Geschichten wieder. Es fehlt dem deutschen Film an solchen Stellen an der Fähigkeit, zu verzaubern und fremde Welten zu erschaffen. Man bleibt gern bei der Realität oder bereits abgeschlossenen Geschichten. Ich will damit nicht die Fiktion heraufbeschwören, aber etwas realitätsfremdes würde gut dahin passen. Beispiel: Die fabelhafte Welt der Amelie – spielt im hier und jetzt, weiß aber zu verzaubern.

Genug über den Film, jetzt gehts ans Eingemachte… ab sofort ist Ruhe hier! Zumindest für die nächste Zeit. Ab morgen löst sich mein Rechner in seine Bestandteile auf und materialisiert sich an anderer Stelle wieder. Und dort wird er frühestens ab dem 16.11. wieder ans Netz dürfen.

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November 1, 2009 in Deutschland, Film, Umzug

100 Meisterwerke – Der Zeltaufbau

Ich musste heute einfach mal wieder…

100meisterwerke derzeltaufbau

  1. Karte (Entgegen allen Reiseführern zum Trotz: Island ist gut beschildert. Man findet immer ans Ziel.)
  2. Müllsack (groß und blau und unheimlich wichtig, wenn man Schlafsäcke und Zelt schnell verstauen will)
  3. Lufteinlass (Klimaanlage outside: hier kommt 4°C kühle Luft rein)
  4. Häring (oder Hering? Ist ja kein Fisch, den man da in den Boden rammt.)
  5. Gras (Bitte nicht rauchen! Außerdem alles nur Deko, 2cm tiefer stößt man auf Kies, Geröll und Stein)
  6. Windleinen (gegen aufziehenden Sturm, zum Trocknen von Badesachen, wenn es mal nicht regnet und um ahnungslose Camper stolpern zu lassen)
  7. Unrasiert (Spart Zeit am Morgen und sorgt für männliches Aussehen)
  8. Tooooor! (Wenn man in Island Leute Fußball spielen sieht, sind es ohnehin meistens Frauen)
  9. Picknicktisch (Alles ab 100g kann zum Beschweren genommen werden, alles darunter wird vom Winde verweht – besonders empfehlenswert: Flying Toast)
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Oktober 29, 2009 in Island

Kinonachtrag

fraeulein stinnesAlso da ist diese Frau, die sich in den Zwanziger Jahren ein Auto nimmt und damit um die Welt fahren will. Sie ist die Tochter des Industriellen Stinnes, hat an einem Rennen in Russland teilgenommen und nimmt sich vor mit einem gewöhnlichen Adler ihre Weltreise zu unternehmen. Das Unglaubliche an der Geschichte – Clärenore Stinnes und ihre Weltreise gab es wirklich.

Der Film ist weniger Spielfilm als eher ein Dokumentarspielfilm, da er sich aus gespielten Szenen und alten Szenen, die in damals aufgenommen wurden, zusammensetzt. Man sieht, wie alles nach Plan läuft, man nimmt teil, wenn die Mechaniker aufgeben und der Dokumentator Carl-Axel Söderström und Fräulein Stinnes ihre Reise allein fortsetzen. Man spürt das Scheitern, als der Wagen bei der Andenüberquerung (es gab zu der Zeit keine Straße!) liegen bleibt und man spürt die unglaubliche Energie der Frau, diesen Plan durchzuziehen, auch wenn sie ihre schwachen Momente hat.

Wo Dokumentation und Film etwas auseinandergehen, ist der Charakter der Clärenore Stinnes. In den Originalaufnahmen macht sie sehr oft einen finsteren oder neutralen Gesichtsausdruck, aber laut Aufzeichnung bzw. auch im Film wird sie als fröhliche, energische, wenn auch etwas burschikose Frau dargestellt. An ihrer Seite Carl-Axel Söderström, der im Spielfilm ungefähr 20 Jahre älter wirkt, in real aber nur 8 Jahre älter war und auch bei weitem nicht den Umfang des Schauspielers hatte. Vielleicht ist es der Ausgleich, da man sich in dem Dokumentarfilm nicht so recht vorstellen kann, wie die beiden zusammenfinden, da Stinnes bei weitem keine schöne Frau ist, was im Spielfilm durch einen wenig attraktiven männlichen Part neutralisiert wird.

Auf jeden Fall ist der Film sehenswert und schon allein der Gedanke, dass man einen gewöhnlichen Straßenwagen um die Welt jagt und ihn dabei der Hitze einer Wüste, der Kälte Sibiriens, dem Wasser von Gebirgsbächen und dem Geröll der Anden aussetzt, lässt einen milde lächeln. Die Leistung von damals ist unglaublich, wenn nicht nach heutigen Maßstäben schier verrückt.

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Oktober 18, 2009 in Film