Gegen den gesunden Menschenverstand
Wir waren heute am Äquator und nicht weit von der offiziellen Stelle befindet sich die mit GPS ermittelte Äquatorlinie. Für einen Unkostenpreis von 3 US-Dollar bekommt man auch eine kleine Führung, die später abschweifend wird, aber am Anfang hochinteressant ist. Es geht um das Abflussverhalten von Wasser. Dazu wird folgender Versuchsaufbau verwendet:
Utensilien
- ein Wasserbecken mit Stöpsel
- ein paar Blätter
- ein Wassereimer voll mit Wasser
Versuchsablauf
- Auf der Äquatorlinie
- Das Wasser wird in das Waschbecken gefüllt und gewartet, bis das Wasser ruhig ist.
- Der Stöpsel wird vorsichtig gezogen.
- Das Wasser fließt gerade nach unten ab.
- Zum Beweis werden die Blätter ins Wasser geworfen, die geradlinig zum Abfluss strömen.
- 2m südlich der Äquatorlinie (südliche Hemisphäre)
- Das Wasser wird in das Waschbecken gefüllt und gewartet, bis das Wasser ruhig ist.
- Der Stöpsel wird vorsichtig gezogen.
- Das Wasser fließt im Uhrzeigersinn strudelnd ab.
- Zum Beweis werden die Blätter ins Wasser geworfen, die im Uhrzeigersinn zum Abfluss strömen.
- 2m nördlich der Äquatorlinie (nördliche Hemisphäre)
- Das Wasser wird in das Waschbecken gefüllt und gewartet, bis das Wasser ruhig ist.
- Der Stöpsel wird vorsichtig gezogen.
- Das Wasser fließt gegen den Uhrzeigersinn strudelnd ab.
- Zum Beweis werden die Blätter ins Wasser geworfen, die gegen den Uhrzeigersinn zum Abfluss strömen.
Als Mensch mit einem Verständnis für Naturwissenschaften stand ich sprachlos da. Zur Erklärung wurde natürlich wie üblich die Corioliskraft herangezogen. Laut Wikipedia wirkt sie nur auf Objekte, die sich innerhalb eines rotierenden Systems bewegen. Fließendes Wasser wäre im Vergleich zur Erdrotation ein solches bewegtes System. Würde der Einfluss der Corioliskraft so mächtig sein, dürfte keine Kugel auf dieser Erde geradeaus rollen, sondern einen leichten Drall nach links bzw. rechts haben, je nach Hemisphäre. Aber wenn nicht die Corioliskraft dafür verantwortlich ist, was dann?
Satte Bässe, ausgewogene Mitten

Keine Vorstellung eines neuen Verstärkers, kein Frequenzgang für einen Kopfhörer – nein, eine kleine Sensation für die Welt der Physik diese Woche. Der alte Tevatron der Fermilabs sorgte für Aufsehen, als am Mittwoch Wissenschaftler dieses Bild veröffentlichten.
Bei einer routinemäßigen Kollision von Protonen und Antiprotonen kamen die Wissenschaftler zu folgender Entdeckung: Es entstanden zwei Ströme leichter Teilchen und ein schweres Teilchen, und das 250 mal häufiger, wie angenommen. Um es im Diagramm zu erklären:
-
Rote Linie = Das Standardmodell der Physik
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Schraffierte Linie = Abweichungen innerhalb der Messungen
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Blaue Linie = Die Messungen des Tevatron
Natürlich ist der gemeine Physik skeptisch, was seine Entdeckungen angeht und rechnet gern nach. In diversen Artikeln wird es unterschiedlich erläutert, aber die folgende Erklärung hat mir am besten gefallen:
Man stelle sich ein Zugunglück mit zwei aufeinander prallenden Frachtzügen vor. Neben den Explosionen und dem Feuer findet man auch Autos, wie VW’s, Opels und Audis. Worauf die Wissenschaftler aber wirklich scharf sind, ist die Entdeckung von Ferraris oder anderen Sportwagen. Aber die Ferraris lassen sich nun mal nicht leicht entdecken und deswegen muss man mehr als einmal Züge kollidieren lassen, um sich sicher zu sein, dass es den Ferrari wirklich gibt.
Meine eigene Interpretation wäre: Stellt euch vor, ihr steht im Regen und müsst Wasser auffangen, dass aus der Dachrinne läuft. Wenn ihr das einen Nachmittag gemacht habt, wisst ihr, wieviel aus der Dachrinne kam und vielleicht auch wieviel durch den Regen in den Messbecher gekommen ist. Das machen alle Nachbarn in der ganzen Straße. Schon hat man ein Standardmodell. Natürlich gibt es Abweichungen, weil der eine ein größeres Dach hat und bei dem anderen Löcher in der Dachrinne sind. Aber im Groben stimmt es überein. Doch an einem Nachmittag messt ihr an eurer Dachrinne außergewöhnlich viel mehr Regen, als beim letzten Mal. Zufall? Vielleicht – vielleicht auch nicht, wenn euer Haus demnächst abgerissen werden soll. Denn das Schicksal steht dem Tevatron bevor – es wurde von Regierungsseite verkündet, dass der Tevatron auf Grund seines Alters außer Dienst gehen soll.
Man kann mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1375 ausschließen, dass es eine Schwankung ist, was einer Standardabweichung von 3 Sigma entspricht. In der Welt der Teilchenphysik spricht man aber erst von einer Entdeckung, wenn 5 Sigma erreicht sind. Am LHC arbeitet man jetzt schon mit Energien, die 3 mal höher sind, als im Tevatron, d.h. das Signal müsst dort noch wesentlich deutlicher ausfallen. Natürlich wurde nie darauf geachtet, d.h. die Daten sind diesbezüglich noch garnicht ausgewertet worden. Und bevor man das Standardmodell der Physik über den Haufen wirft, zieht man sogar in Erwägung, dass Fehler in bei der Subtraktion des Hintergrundrauschens vorhanden sind (was auf das Regenbeispiel bezogen, der Regen wäre, der neben dem Wasser aus der Dachrinne in das Messgefäß fällt).
Vollmond

Gestern war Vollmond – Grund genug mal mit der Kamera draufzuhalten und ein Bild zu machen. Und wenn das Bild schön genug ist, erkennt man so einiges darauf.
- Kepler-Krater
- Oceanus Procellarum – Ozean der Stürme
- Mare Humorum – Meer der Feuchtigkeit
- Mare Nubium – Meer der Wolken
- Tycho-Krater
- Mare Tranquilitatis – Meer der Ruhe (der dunkle Fleck, der durch den Pfeil zur Nummer 6 bedeckt wird ist Mare Nectaris – Honigmeer)
- Mare Fecunditatis – Meer der Fruchtbarkeit
- Mare Crisium – Meer der Gefahren
- Mare Serenitatis – Meer der Heiterkeit
- Mare Imbrium
- Kopernikus-Krater
Mathematische Bomben
Dieses lustige Kerlchen ist ein Gömböc (sprich: Gömmbötz). Der Gömböc ist eine ungarische “Erfindung” oder besser gesagt, Körper gewordene Mathematik. Aus eurer Kindheit kennt ihr bestimmt noch das Stehaufmännchen – egal, wie man es hinlegte, es richtete sich immer wieder auf. Erreicht wurde das Ganze, indem sich im unteren Teil des Stehaufmännchen eine höhere Masse befand.
Und nun grübeln die Mathematiker: Gibt es einen Körper, der das allein durch seine Form kann? Ganz speziell war das ein russischer Mathematiker namens Arnold. Die Antwort darauf gaben zwei ungarische Mathematiker und ihre Antwort war der Gömböc. Egal, wie man den Gömböc hinlegt, er richtet sich immer wieder auf. Ohne interne Gewichte, denn er wurde aus dem Ganzen gefeilt (oder ge-CNC-t). Gespickt hatten die beiden bei Mutter Natur, denn die baut Gömböce schon seit Millionen von Jahren und lässt da auch noch Tiere drin wohnen – in Form von Schildkröten.
Bestaunen kann man den Gömböc übrigens im ungarischen Pavillion auf der Expo in Shanghai. Bestaunen konnten den Gömböc auch die finnischen Beamten des Helsinkier Flughafens, als der sich im Gepäck von Gábor Domokos, einem der beiden Mathematiker, befand. Von Natur aus hält der Mensch, alles was er nicht kennt, für bedrohlich. So wurde der Gömböc kurzerhand zu einer Bombe erklärt und ein Teil des Flughafens geräumt und gesperrt. Nach 45 Minuten Sperrung und mit Hilfe einer englischsprachigen Broschüre konnte man die Sicherheitsbeamten dann doch von der Unschuldigkeit des Gömböc überzeugen.
(Bildquelle: Wikipedia)
Die Grippe: Eine Tragödie in mehreren Teilen
Erst mal ein kleiner Nachtrag zu letztem Wochenende… Nachdem ich schon wieder vergessen hatte, dass mein Essen 24 Stunden marinieren mußte, bereitete ich am Sonntag Nachmittag die Schaschlikspieße vor und legte sie in den Kühlschrank. Dort mußten sie bis Montag auf mich warten und dann ging die Zubereitung relativ simpel von der Hand, nur dass ich die Spieße nicht habe 2 Stunden schmoren lassen. Eine halbe Stunde bei mittlerer Hitze hat da schon völlig ausgereicht.
Am Dienstag fing dann das Trauerspiel an, als ich von ziemlich heftigen Kopfschmerzen gezwungen wurde, schon nach dem Mittag heimzugehen. Normalerweise stecke ich das locker bis in die Abendstunden weg, aber an dem Tag war es schlimmer wie normal. Mittwoch stand ich dann wieder ganz normal auf der Matte, aber gegen Abend machte sich dann langsam ein Husten breit und ich fühlte mich schlapp. Donnerstag früh ging es auch nicht wesentlich besser, ich machte auch noch den tödlichen Fehler, das Fieberthermometer rauszuholen. Die Anzeige gab mir Gewissheit, warum ich es mir so dreckig ging. Bis Mittag hatte ich das, was ich noch auf Arbeit erledigen wollte, hinter mich gebracht und ging dann wieder heim. Die Couch war den ganzen Abend mein Freund, ich kuschelte mich in meine Decke und fror trotzdem.
Freitag früh kam dann der Besuch beim Arzt, der eine Grippe diagnostizierte und mich erstmal für ein paar Tage aus dem Verkehr zog. Freitag und Samstag passierte dann überhaupt nichts weiter. Ich fieberte vor mich hin, verputzte reihenweise Schmerztabletten, trank literweise Tee, hustete, schnupfte und krächzte. Samstag verabschiedete sich dann meine Stimme entgültig. Sonntag war dann der erste Tag, wo ich den Weg vom Bett zur Couch ohne Schmerztabletten geschafft hab, auch Husten und Schnupfen gingen langsam zurück. Dafür nahm es der Kreislauf nicht so ganz genau, mir wurde regelmäßig beim Aufstehen schwindelig. Dass es Kaffee gegeben hatte, spielte dabei keine Rolle. Heute ist es eigentlich unverändert zu gestern, mal abgesehen dass die rebellische Abteilung heute nicht der Kreislauf, sondern die Verdauung ist. Mal sehen, wer sich morgen und übermorgen noch alles zu Wort meldet!
Garnicht so recht zur Beachtung kamen bis jetzt zwei Dinge. Das wäre zum einen das Kassettendeck, was natürlich ungünstigerweise auch noch am Freitag eintraf. Gestern veranstaltete ich schon mal einen ersten Probelauf und reinigte mal die Tonköpfe. Für sein gehobenes Alter leisten sie noch gute Dienste. Aber was haben wir denn hier überhaupt? Ein Philips Kassettendeck N2533, Baujahr 1979, hergestellt in Österreich. Wie schon das Design erkennen läßt, ist hier neumodischer Schnickschnack noch nicht erfunden worden. Hier schaltet der Nutzer noch selbst zwischen Eisen und Chrom um bzw. pegelt die Lautstärke und die Balance für die Aufnahme ein. Natürlich konnte ich mir gestern nicht verkneifen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Eine große Leiterplatte am Boden des Gerät mit einer sehr übersichtlichen Anzahl an Widerständen und Kondensatoren. An manchen Stellen sieht es fast aus, als wäre hier noch mit Hand gelötet worden.

Bereits am Donnerstag lag mein Wahlschein im Briefkasten. Der Wahlzettel hat ein etwas größeres Format wie A2. Und jetzt habe ich die Qual der Wahl, wie ich meine 44 Stimmen auf dem Blatt verteilen darf. Hauptsache, ich verzähle mich beim Verteilen der Stimmen auf dem Blatt nicht. Das ist alles, was bei mir am heutigen Abend noch auf dem Programm steht. Allzu gemütlich finde ich den Platz am Rechner immer noch nicht.
PS: Gerade gefunden – Angesichts des riesigen Wahlzettels und der vielen Kästchen empfiehlt es sich mal einen Blick auf diese Broschüre zu werfen.
Company mobile – Mobile company
Mein Güte, was ist Deutschland empört! Die Finnen erdreisten sich, ohne zu fragen ein Werk in Deutschland zu schließen. Da werden Wörter wie “Subventionsheuschrecke” erfunden, um der Empörung Luft zu machen. Nachdem das Werk in Bochum nun schon seit 1989 in Betrieb ist, erscheint es mir wirklich fair, jetzt eine Rechnung aufzumachen, welche Gelder in den Erhalt des Werkes gesteckt wurden. Das wirft auch ein hervorragendes Licht auf Deutschland als Industriestandort, offensichtlich sollen zukünftige Investoren schon mal abgeschreckt werden, hier eine Niederlassung zu gründen. Am besten empfehle ich Bund und Ländern Knebelverträge abzuschließen, welche die Firmen verpflichten, innerhalb von 100 Jahren die Werksgröße auf 100.000 Mitarbeiter aufzustocken, egal was produziert wird. Also fix ans Werk und den Ehevertrag für das nächste gutgläubige Opfer aufgesetzt!
Und überhaupt verstehe ich die Aufregung nicht im mindesten. Nokia verlagert seine Produktion nach Rumänien und Ungarn, weil es dort günstiger ist zu produzieren. Die Globalisierung sagt “Hallo!”. Kein Wunder – jeder will die modernste Technik und das zum kleinsten Preis. Und Arbeit sollen auch alle haben, möglichst mit jährlich 5% Gehaltserhöhung. Fassen wir mal zusammen: die Aktionäre wollen Geld, die Arbeitnehmer wollen Geld und die Kunden wollen kleine Preise. Die Rechnung kann einfach nicht aufgehen, also wird an der Stelle gestrichen, wo der global geringste Schaden eintritt. Mal sehen… rote Zahlen: global = schlecht, teure Produkte: global = schlecht, Kündigungen: regional = akzeptabel. Die Handvoll Leute, die jetzt ihr Handy zurückgeben, beeindruckt Nokia wahrscheinlich wie ein Reiskorn, das in China vom Tisch fällt. Und dabei finde ich die Entscheidung von Nokia richtig clever, denn mit einem Produktionsstandort innerhalb der EU können ihnen nicht mal hohe Einfuhrzölle etwas anhaben. Und statt jetzt zu jammern, könnten die Damen und Herren Politiker mal auf die Idee kommen, EU-weit einheitliche Mindestlöhne festzulegen (oder gleich global). Dann wäre das Thema Verschiebung von Werken ins Ausland ein für allemal vom Tisch. Für einen Ausstieg aus der EU und sein eigenes Süppchen zu kochen, ist es schon zu spät und außerdem ist es einfach nicht mehr zeitgemäß. Aber ob sich die Welt für ca. 2000 Arbeitsplätze ändern läßt, ist fraglich.
X-mas 2k7
Die Geschenke sind verpackt, Weihnachtsmails sind verschickt und auf mich wartet morgen früh nur noch das Bügeln von ein paar Hemden und dann geht es Richtung Heimat. Dort wartet ein straffes Programm auf mich. Fängt mit dem alljährlichen Treffen am 23.12. an, geht über das 4. Außerordentliche Konzert im Kulturpalast und endet mit dem Ausräumen des Arbeitszimmers bei meinen Eltern und das sind nur die nichtweihnachtlichen Ereignisse.
Ich hatte gestern Abend mal den Versuch gewagt einen Rückblick auf das Jahr zu werfen, habe mich dann aber entschlossen, den Jahresrückblick für dieses Jahr anders ausfallen zu lassen. Dafür stehen schon ein paar Ziele für das nächste Jahr fest – die Umgestaltung von Wohn- und Schlafzimmer und (man höre und staune) mich wieder in die Reihen der Nichtraucher einzugliedern.
Diese Woche erfuhr ich dann auch noch, dass der mittelalterliche Weihnachtsmarkt in Dresden abgebrannt ist. Da es immense Schäden an der Bausubstanz gab, wird von Seiten der Stadt spekuliert, den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt nicht mehr stattfinden zu lassen. Viele der betroffenen Händler waren wohl nicht gegen Brand versichert und müssen neben dem ohnehin entstandenen Verlust auch noch diese Schlappe einstecken. Dabei gehörte der mittelalterliche Weihnachtsmarkt doch einfach mit dazu. Aber die Stadt hat offensichtlich nach wie vor ein sicheres Händchen dafür touristische Attraktionen brachliegen zu lassen (Stichwort: Fernsehturm).
Ich will aber meinen Kopf nicht noch mehr mit komischen Gedanken vollstopfen, da wüten jetzt schon wieder genügend Sachen in mir drin, gerade als ich den Blick auf den Anfang des Jahres warf. Statt dessen will ich doch mal weniger über mich berichten, sondern auch mal was zur Allgemeinbildung beitragen. Heute mal etwas mexikanisches…
Die Geschichte von Mexiko-Stadt geht in das Jahr 1325 zurück, wo der Legende nach Azteken von ihrem Oberchefgott Huitzilopochtli die Anweisung erhielten, sich dort niederzulassen, wo sie einen Adler finden, der auf einem Kaktus eine Schlange frisst. Um 1519 fielen dann die Spanier in die Stadt ein, die damals noch Tenochtitlán hieß und damit begann das Ende der Aztekenzeit. Wer jetzt die Geschichte mit dem Adler und Schlange schon merkwürdig fand, sollte mal einen genaueren Blick in die aztekische Mythologie werfen. Denn der Vater von Huitzilopochtli (auch Uitzilopochtli oder Vitzliputzli genannt) war ein Ball Federn (Mixcoatl). Seine Mutter war von diesem Ball Federn unehrenhaft schwanger geworden, weshalb seine ältere Schwester (Coyolxauhqui) die Mutter noch vor seiner Geburt tötete. Huitzilopochtli nahm ihr das übel, sprang aus dem Leib der Mutter und tötete seine Brüder (400 Stück) und seine Schwester. Wer einen solchen Gott anbetet, opfert auch gern mal den einen oder anderen Kriegsgefangenen. Also wurde der Gefangene in der Opferfarbe Grau gestrichen, vier Priester hielten ihn fest, während der fünfte ihm mit einem Obsidianmesser das Herz herausschnitt. Schreien war bei dieser Prozedur jedoch nicht erwünscht und es wagte auch keiner seiner Opferung zu widersprechen.
Dies also ein kurzer Umriss aus der Mythologie der Azteken und das einen Tag bevor wir den Geburtstag von Jesus feiern. Bloß gut, dass damals kein Ball Federn unterwegs war, wer weiß wie Weihnachten dann hier aussehen würde. Und bevor es noch mehr ausartet – an alle meine Leser:
Ich wünsche Euch ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreis eurer Familien, Eltern und/oder Kinder. Lasst euch reich beschenken oder genießt einfach die gemeinsame Zeit. Ein paar erholsame Tage wünscht Euch,
Jan
2. Advent
Ich habe mal wieder hier einen ganzen Batzen von Stichpunkten, über die ich scheiben will bzw. schon längst schreiben wollte. Also nutze ich diesen äußerst grauen und regnerischen Sonntag mal dazu, alles auf den Punkt zu bringen. Fangen wir mit dem Rückblick auf den 9.12.2006 an. Denn genau vor einem Jahr fand mein Umzug statt. Kaum zu glauben, wie schnell das Jahr vorüber ist. Aber dafür kommt dann irgendwann noch mal gesondert der Jahresrückblick. Mit dem werde ich dann auch keine Probleme haben, denn sämtliche Beiträge von 2007 fanden schon auf diesem Blog statt, während immer noch eine überwältigende Anzahl von Beiträgen auf meinem alten Blog schlummert. Wenn ich zumindest 2 Beiträge pro Tag übernehmen würde, wäre ich in einem halben Jahr fertig…
Vor geraumer Zeit fand ich einen Artikel, in dem die Ausführungen zweier Wissenschaftler beschrieben wurden, die behaupten, durch die Beobachtung des Universums würde sich dessen Lebenszeit verkürzen. Sie begründeten das mit quantenmechanischen Effekten. Sie beschränken sich dabei auf das Beispiel einer Supernova von 1998 und grenzen den Kreis der Beobachter auf die Forscher ein. Bei genauerer Überlegung dürfte das ja auch nicht nur auf Supernovas zutreffen, sondern jeglichen Vorgang im All und die Beobachter wären wir alle. Interessant dabei wäre ja der Gedanke, wie alt das Universum ohne Beobachter werden würde und schon könnte man auch die Frage stellen “Gibt es ein Geräusch, wenn ein Baum im Wald fällt und niemand ist da, um es zu hören?”
Den krönenden Abschluss meines Urlaub gab es letzte Woche, als ich das letzte Mal vor Weihnachten Richtung Heimat fuhr. Freitag kurz nach dem Mittag zu fahren ist natürlich eine ganz blöde Idee und wie zu erwarten war, landete ich bei Zwickau im Stau. Nachdem die Bauarbeiten auf der A72 Ende November fertig sein sollten, kann man nicht erwarten, dass ein Ende der Bauarbeiten gleich dem Freigeben der Strecke ist. Und wenn es dort noch einen Pannen-LKW gibt, ist das Chaos perfekt. Zu allem Überfluss verabschiedete sich dann auch noch mein MD-Player und ich mußte auf Radio umsteigen. So rückte ich 1 Stunde lang gemütlich vorwärts, bis es weiter ging. Es reichte aber allemal, um nach Hause zu kommen, kurz “Hallo!” zu sagen, einen Adventskalender in Empfang zu nehmen und mich dann gleich wieder in die Spur zu einer ehemaligen Kollegin zu begeben. Der Abend ging nicht allzu lang, wir spielten Billard und wir wurden Zeugen meiner kleinen Zauberkunststückchen, die ich gelegentlich ungewollt produziere. Vier Kugeln mit einem Stoß einzulochen und dabei nicht einen einzigen Fehler zu produzieren, kann auch nur mir passieren. Samstag besuchten wir wieder meine Oma und abends besuchte ich dann Claudi und Basti. Auf Wunsch eines einzelnen Herren hatte ich eine Kiste mit ausgewählten Sorten Bamberger Bieres mitgebracht. War ein schöner Abend, wir schwelgten in Erinnerungen (Besuche im Sachs, Verschiebung von DT64 von UKW auf MW). Wir hörten die gleiche Musik und sind demzufolge auch in die gleichen Diskos und Läden gegangen, aber über den Weg liefen wir uns dabei nie. Das kam erst zur kleinen Weihnachtsfeier vom Studium bei mir daheim, es lief “Public energy” von Speedy J und Basti steht in der Türe und meint: “Hör mal Claudi, das ist doch mal Musik!”
Ja, auch der Abend ging vorbei und ich fuhr Sonntag nach dem Mittag wieder heim, es war wieder stürmisch, aber diesmal keine Eimer auf der Autobahn. Montag ging es dann wieder auf Arbeit, kaum zu ertragen, wie munter ich am Montag Morgen war. Im Laufe der Woche relativierte sich das aber wieder sehr schnell. Der Donnerstag Abend war dann aber der Höhepunkt der Frustration, als ich meine Klavierstunde hatte und nur Unfug zusammenspielte. Meine Klavierlehrerin meinte nur, dass dieser Tiefpunkt völlig normal ist. “Sie hatten doch mal gesagt, es kommt irgendwann ein Leistungssprung?” – “Ja, der kommt danach!” Einzige Hilfe für die Wanderung durch das Tal – Durchziehen, bis zum bitteren Ende. Aber schon der Mittwoch war ein rabenschwarzer Tag für die Musik – Karlheinz Stockhausen ist verstorben. Er war einer der Pioniere der elektronischen Musik und wird vielfach von Künstlern als Inspiration für ihre Arbeit genannt. Mitbekommen habe ich es auch erst am Freitag, als die ersten Nachrichten über seinen Tod zu mir durchdrangen. Auch der heise-Newsticker veröffentlichte erst gestern die Nachricht.
Freitag Nachmittag ging es dann auf der Autobahn Richtung Nürnberg, die Strecke war frei, ich hatte Zeit und tuckerte gemütlich dahin, mit dem Frust, dass mein MD-Player im Auto nach wie vor seinen Dienst verweigert. In Nürnberg angekommen, verfuhr ich mich erstmal, aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt, es ging ja auch nur darum, ein Parkhaus zu finden. Die Innenstadt war dicht, ich brauchte für 500 Meter ungefähr eine halbe Stunde und nahm dabei in Kauf, dass ich ein Stück weiter laufen mußte. Ich drängelte mich einmal quer über den Christkindlesmarkt bis zum Rathaus, rief Alex nochmal zurück und lief dabei hin und her. Auf einmal tönte es hinter mir “Eh Jan, nun lauf doch nicht gleich weg!”. Da stand sie nun also. Wir gingen erstmal in eine kleine mittelalterliche Ecke, ich probierte einen warmen Biertrunk. Pfui Deibel! Doppelbock und dann auch noch warm. Aber irgendwie hatte ich an dem Abend kein glückliches Händchen mit Essen und Getränken. Als wir dann beim Griechen einfielen, war mein Hunger weg, als ich den Teller vor mir stehen sah. Ich stocherte lustlos in meinem Tomatenreis herum, während wir quatschten. Ich probierte von ihr einen Schluck Samos. Mein Wochenbedarf an Kohlehydraten war gedeckt. Wir blieben noch eine Weile, unterhielten uns über Musik (von DJ Jazzy Jeff + the Fresh Prince bis Sven Väth), Theater, Filme (mir war bis zu dem Zeitpunkt nicht klar, dass ich in letzter Zeit vorwiegend französische Filme geschaut hab), aktive Sterbehilfe und Überbevölkerung. Wer mich kennt, weiß ja, dass ich der Meinung bin, dass der Planet im Bereich der Resourcen weit über dem Limit gefahren wird, weil wir (also als Menschheit) einfach zu viele sind. Aber dass ich das mal zu hören bekomme, hätte ich auch nicht geglaubt. Wir zogen dann noch in die Prinzenbar und lümmelten uns gemütlich in die Ledersofa und ließen den Abend ausklingen. Gegen Mitternacht machte ich mich auf den Heimweg, mußte den ganzen Weg über Schluchz- und Schlummermusik im Radio ertragen. Das Maß war voll.
Nachdem ich Freitag nicht zum Einkaufen gekommen bin, mußte ich das am nächsten Vormittag hinter mich bringen. Vorher machte ich mich noch ein wenig wegen Autoradios kundig. Nach dem Einkaufen ging es dann in den lokalen Elektronikhandel und schaute mich ein wenig um. Schließlich überredete ich noch die Verkäuferin, dass ich mal testhalber meinen MP3-Player via USB an das Autoradio andocken will. Alles kein Problem, ging hervorragend. Und damit war es meine und einem Bastelnachmittag stand nichts im Weg. Ich hatte ein wenig zu kämpfen, was die Demontage, sowie Verkabelung und Einbau des neuen Radios betraf, habe aber alles unterbekommen. Bevor ich es endgültig in die Verankerung einrasten ließ, machte ich mehrere Probeläufe und stellte zum Glück fest, dass die Modifikation der Verdrahtung nicht nur einige VW und Opel betrifft, sondern auch meinen Suzuki. Die Heimfahrt zu Weihnachten kann kommen, die Musik sollte mir nicht so schnell ausgehen.
Nachdem ich den Rest des Nachmittags wie ein Zombie durch meine Wohnung stolperte, beschloss ich abends ins Kino zu gehen. Ich hatte gerade noch Glück, denn Persepolis lief noch. Die Geschichte des Films war bewegend. Ein junges Mädchen erlebt die Revolution und den Krieg im Iran mit, wird von ihren Eltern, die politisch anders denkend waren, zur Sicherheit nach Österreich geschickt. Dort ist sie zwar sicher, aber nicht daheim. Sie gehört zu einer kleinen Gruppe von Außenseitern, zu denen sie sich aber auch nicht zugehörig fühlt. Irgendwann verliebt sie sich bis über beide Ohren in einen Schriftsteller, den sie dann inflagranti mit einer anderen erwischt. Es folgt der Absturz, die Obdachlosigkeit und schließlich die Rückkehr in die Heimat. Dort versucht sie sich anzupassen, schafft es aber auch nicht. Obwohl die Geschichte bedrückend ist, da sie die Lebensgeschichte der Autorin Marjane Satrapi erzählt, ist doch voll von kindlich naivem Witz, jungendlicher Rebellion und dem Wunsch nach Freiheit in der Heimat. Die Geschichte, die ursprünglich in 4 Comicbänden erschien, wurde nun das erste Mal animiert. In Anlehnung an das Original – größtenteils schwarz/weiß. Sehr empfehlenswert und dass er aus Frankreich ist, brauch ich an der Stelle nicht mehr zu erwähnen, oder?
Feiertagsupdate
Wer in letzter Zeit mal einen Blick in meine Plattenkiste geworfen hat, wird sich fragen – Ist er krank? Kauft er keine Platten mehr? Kein Grund zu Beunruhigung, die Liste ist jetzt wieder um ein paar Einträge reicher und ich nutze gleichzeitig die Gelegenheitmal ein Projekt anzukündigen, was ich schon vor geraumer Zeit auf dem Blog von fishcat entdeckt habe – Tens songs of my life. Momentan bin ich noch am überlegen, welche Titel sich dafür qualifizieren, aber die Hälfte habe ich schon beisammen. Es wird also wieder viele kleine Geschichten geben, aus einer Zeit, wo Musik noch auf Kassetten aufgenommen wurde und wo Musikfernsehen noch nicht mit Handywerbung verseucht war.
Gestern erreichte mich über Postcrossing mal wieder eine Karte aus Finnland. Leider kein Nordlicht, aber mit einem Link auf eine finnische Seite, die über das Beobachten von Nordlichtern in Finnland zu berichten weiß. Dort werden auch meine Fragen über das Wann? und Wo? beantwortet. Am Interessantesten fand ich aber die Geschichte über Historie des Nordlichts. Die Finnen nennen auch heute noch das Nordlicht “revontulet”, was auf deutsch “Fuchsfeuer” bedeutet. Es gibt mehrere Ursprünge, z.B. dass das Nordlicht von einem Zauberfuchs kommt, der mit seinem Schweif Funken in den Himmel sprüht oder wiederum von einem Fuchs, der bei seiner Wanderung an einem Hochmoor mit seinem Schwanz Schnee aufstiebte, welcher dann als Nordlicht sichtbar wurde.

