Avatar – ein Schritt weiter
Ich war sehr auf diese neue Geschichte gespannt – dieses 3D. War das wieder so ein Pseudokram, der nur so halb funktionierte? Jedenfalls war ich für den ersten Moment etwas enttäuscht, als ich die Brille aufsetzte und die Werbung sah, eigentlich machte es den gleichen Eindruck wie immer. Und auf einmal *hopp* sprang die Schritt von der Leinwand weg und war zum greifen nah. Was stand da? “Bitte setzen Sie ihre 3D-Brille auf”. Ja, hatte ich! Was für ein abgefahrenes Zeug. Ich war echt sprachlos und noch bevor ich mich erholt hatte, ging der Film los.
Meine Kollegen hatte schon erzählt, dass die Handlung platt und vorhersehbar war, aber der Faktor 3D wieder alles rausholte. Und genau die gleichen Empfindungen hatte ich auch. Schon bei jeder Aussage konnte man den folgenden Konflikt, nachfolgende Inhalte und das Ende vorhersehen. Aber das war nichts, wenn man die Bilder mit eigenen Augen sah. Man war Teil des Film, Teil der Natur und es fehlte nur noch der Duft des Waldes, um das Ganze rund zu machen.
Noch während der Heimfahrt ging mir durch den Kopf, dass Amerika bei dem Film nicht so besonders gut weg kommt. Aber halt mal, machen wir das nicht jeden Tag? Sorgen wir nicht dafür, dass der Regenwald ein Stück schrumpft, weil wir unsere erkälteten Winternasen in ein kuschelig weiches Tempo-Taschentuch stecken? Ist es dem Konzern nicht völlig Schnurz, was danach kommt, wenn alles abgeholzt ist, Hauptsache die Kohle stimmt? Dazu brauchen wir kein Pandora, dass haben wir auf unserem eigenen Planeten.
Fazit: Gute Botschaft, aber leider zu schön verpackt, um sichtbar zu werden. Ansonsten wäre etwas Tiefgang wünschenswert gewesen. Und wie es der Zufall so will, blubbert hier im Hintergrund gerade so ein Track aus den frühen 90ern – Microbots “The Age”…. “Earth, it’s the only one we have. And it’s the only planet we are able to live on”.
Abmarsch!
Ich muss mal wieder dringend ein Update rauslassen. Denn nach der Woche in der Schweiz hat mein Leben ja nicht aufgehört. Die darauf folgende Woche verschlug es mich nach Eltville. Eltville ist wirklich nicht die Weltstadt, aber für eine Woche mal ganz schön. Wer irgendwas mit Eltville assoziieren will, dem werfe ich mal MM Sekt vor. Ansonsten kommt man sich zu Beginn etwas hilflos vor, denn der erste Eindruck ist, dass hier die Bürgersteige um 18 Uhr hochgeklappt werden und man danach keine Chance mehr hat, etwas zu essen zu bekommen.
Weit gefehlt – ein Blick auf die Webseite der Stadt offenbart, dass es einiges an Gaststätten gibt. Wir haben alles mal probiert – vom Asiaten am Bahnhof bis hin zum Anleger 511, das etwas exklusiver ist, aber äußerst hochqualitative Speisen zu akzeptablen Preisen anbietet (Merke: 11. Generation Bratwurst). Mittags ging es immer zum Italiener Da Pino am Holztor, bei dem es drei Mittagsgerichte zur Auswahl gab.
Wieder angekommen, gingen wir mal wieder ins Kino. Auf einer Schokoladenpackung gab es Gutscheine, die wir einlösen wollten. Nur ich war so clever, die Werbung auf der Vorderseite auszuschneiden, statt den eigentlichen Gutschein auf der Rückseite. Trotzdem ging es los – Männerherzen. Das Kino war so gut wie leer, offensichtlich hatte keiner Lust auf diesen Film.
Ich bin kein großer Fan des deutschen Films, in der Regel sind diese sehr… ich weiß nicht, wie es ausdrücken soll – kalt. Es gibt sehr wenig natürliche Herzlichkeit, Wärme und Freundlichkeit. Vielleicht bin ich einfach nur in den falschen Filmen gewesen, aber dieser war auch wieder einer von denen, die mein Bild bestätigten. Til Schweiger darf ein Produzentenarschloch spielen, der haufenweise Models um sich herum hat und einen Schlagerstar produzieren soll, der sich sehr Ethno gibt und ein “Lied für die Welt” schreiben will. Christian Ulmen darf wieder den bleichen Deppen spielen, der bei den Frauen verloren hat, sobald er den Mund aufmacht. Und dann gibt es noch den Werbefutzi, der ständig plant, aber vergisst zu leben, den U-Bahn-Fahrer, dessen Frau sich von ihm trennen will, weil er seit seit einem Unfall mit der U-Bahn sehr aggressiv ist und sich aber nicht helfen lassen will und zum Schluss noch der ewige Praktikant, dessen Freundin schwanger wird.
Der Charme des Films ist eigentlich, dass überall die Fassade etwas bröckelt. Jerome ist zwar Produzent, heißt aber in Wirklichkeit Hans-Jürgen und will seine Jugendliebe zurück. Günter ist Beamter, lässt aber die Gaststätte des ewige Praktikanten mit einer Sonderregelung durchgehen. Der Planer und Werber wagt einen Seitensprung und wagt somit seiner Ehe ein ungeplantes Ende zu bereiten. Und der unbeliebte, hartherzige U-Bahn-Fahrer sorgt etwas rau dafür, dass sein demenzkranker Vater im Altenheim doch noch einmal Plätzchen backen darf. Der Schlagersänger hat Angst, dass keiner seine Schnulzen mehr mag und der Praktikant muss Verantwortung übernehmen.
Und ich glaube, damit kann ich meinen Finger genau in die Wunde des deutschen Films legen – nachdem, was ich da oben schrieb, brauche ich nur morgen auf die Straße gehen und erlebe diese Geschichten wieder. Es fehlt dem deutschen Film an solchen Stellen an der Fähigkeit, zu verzaubern und fremde Welten zu erschaffen. Man bleibt gern bei der Realität oder bereits abgeschlossenen Geschichten. Ich will damit nicht die Fiktion heraufbeschwören, aber etwas realitätsfremdes würde gut dahin passen. Beispiel: Die fabelhafte Welt der Amelie – spielt im hier und jetzt, weiß aber zu verzaubern.
Genug über den Film, jetzt gehts ans Eingemachte… ab sofort ist Ruhe hier! Zumindest für die nächste Zeit. Ab morgen löst sich mein Rechner in seine Bestandteile auf und materialisiert sich an anderer Stelle wieder. Und dort wird er frühestens ab dem 16.11. wieder ans Netz dürfen.
Kinonachtrag
Also da ist diese Frau, die sich in den Zwanziger Jahren ein Auto nimmt und damit um die Welt fahren will. Sie ist die Tochter des Industriellen Stinnes, hat an einem Rennen in Russland teilgenommen und nimmt sich vor mit einem gewöhnlichen Adler ihre Weltreise zu unternehmen. Das Unglaubliche an der Geschichte – Clärenore Stinnes und ihre Weltreise gab es wirklich.
Der Film ist weniger Spielfilm als eher ein Dokumentarspielfilm, da er sich aus gespielten Szenen und alten Szenen, die in damals aufgenommen wurden, zusammensetzt. Man sieht, wie alles nach Plan läuft, man nimmt teil, wenn die Mechaniker aufgeben und der Dokumentator Carl-Axel Söderström und Fräulein Stinnes ihre Reise allein fortsetzen. Man spürt das Scheitern, als der Wagen bei der Andenüberquerung (es gab zu der Zeit keine Straße!) liegen bleibt und man spürt die unglaubliche Energie der Frau, diesen Plan durchzuziehen, auch wenn sie ihre schwachen Momente hat.
Wo Dokumentation und Film etwas auseinandergehen, ist der Charakter der Clärenore Stinnes. In den Originalaufnahmen macht sie sehr oft einen finsteren oder neutralen Gesichtsausdruck, aber laut Aufzeichnung bzw. auch im Film wird sie als fröhliche, energische, wenn auch etwas burschikose Frau dargestellt. An ihrer Seite Carl-Axel Söderström, der im Spielfilm ungefähr 20 Jahre älter wirkt, in real aber nur 8 Jahre älter war und auch bei weitem nicht den Umfang des Schauspielers hatte. Vielleicht ist es der Ausgleich, da man sich in dem Dokumentarfilm nicht so recht vorstellen kann, wie die beiden zusammenfinden, da Stinnes bei weitem keine schöne Frau ist, was im Spielfilm durch einen wenig attraktiven männlichen Part neutralisiert wird.
Auf jeden Fall ist der Film sehenswert und schon allein der Gedanke, dass man einen gewöhnlichen Straßenwagen um die Welt jagt und ihn dabei der Hitze einer Wüste, der Kälte Sibiriens, dem Wasser von Gebirgsbächen und dem Geröll der Anden aussetzt, lässt einen milde lächeln. Die Leistung von damals ist unglaublich, wenn nicht nach heutigen Maßstäben schier verrückt.
Oral und der ganze Rest
Zwei mal sind wir diese Woche ins Kino eingefallen. Zum einen um einen Film zu sehen, den uns ein Kollege empfohlen hatte – “Willkommen bei den Sch’tis”. Er beschrieb ihn als unglaublich komisch und sehr witzig. Ein französischer Film, der urkomisch ist – ich konnte mir das nicht vorstellen, aber mit der Begeisterung, mit der mein Kollege davon erzählte, machte mich neugierig. Genau so war es dann auch. Viele Filme haben die Angewohnheit, dass nur das erste Drittel einen gewissen humoristischen Anteil hat, aber hier ließ es auch gegen Ende nicht nach. Für Franzosen mag das vielleicht nicht so witzig sein, aber eingefahrene Klischee über andere Bevölkerungsgruppen sind nicht jedermanns Sache. Man stelle sich nur die Geschichte vor, ein bayrischer Postbeamter müsste zwei Jahre nach Sachsen ziehen.
Aber als deutscher Kinobesucher nimmt man diese Klischees nur humorvoll war und lacht, bis einem der Bauch schmerzt. Ich habe es mir zur Regel gemacht, nur das Gröbste von einem Film wissen zu wollen und mir dann ein Bild zu machen, so wird man wirklich weniger enttäuscht.
Etwas kontroverser ging es dann im zweiten Film “9to5 – Days in Porn” zu. Ein Film, der mehr Dokumentation ist, wie ein Film, aber sehr deutlich den Alltag von Pornostars über mehrere Monate hinweg zeigt, wie man schnell aufsteigt, oben bleibt oder ganz schnell wieder verschwindet. Es ist natürlich nicht zu übersehen – alle fuhren riesige neue Autos, hatten schöne Wohnungen und offensichtlich auch das nötige Geld. Aber gleichzeitig wurde auch gezeigt, wie es nebenbei aussieht – regelmäßige Untersuchungen, die Anforderung, das zu machen, was der Regisseur möchte, auch wenn es nicht unbedingt mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt. Und natürlich die Konkurrenz untereinander, denn bei 15.000 neuen Filmen pro Jahr muss man außergewöhnlich sein, um wahrgenommen zu werden. Der Schwerpunkt bei dem Film lag eindeutig im weiblichen Bereich, denn für Frauen gibt es in diesem Gewerbe drei Beweggründe, um mitzumachen: Spaß am Sex, Geld und/oder Ruhm. Gefallen hat mir an dem Film, die schonungslose Darstellung, wie diese Leute Sex vor der Kamera als Beruf ansehen und wie die Partnerschaften dazu aussehen. Natürlich hat man auch seinen Agenten, der dafür sorgt, dass man engagiert wird – und wie es sich für eine Agentur gehört, kann man die Schauspielerinnen auf einer Webseite ansehen – mit Bild, und einer kurzen Beschreibung, die mehr Aufzählung ist, was sie alles mitmacht.
Was dem Film fehlte, war der rote Faden – er sprang von einem Grüppchen von Dreharbeiten zum nächsten, es ging weniger um die Dreharbeiten, sondern dass, was ringsherum passierte. Man sah nackte Frauen, die auf dem Boden kauerten und auf ihre Szene warteten oder männliche Darsteller, die sich schon mal auf ihren Einsatz “vorbereiteten”, aber man hatte keine Ahnung, wo die jetzt herkamen. Bei den Frauen hatte man den Agenten, der sich um seine Mädels kümmerte, aber die männlichen Darsteller standen immer bereit – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe die Monate nicht zusammengezählt, aber nach gefühlten 4 Stunden kam der Film zu einem versuchten Ende im Stil von “XY ging es einige Monate später wieder besser.” Große Erkenntnisse habe ich nicht aus dem Film gezogen, außer dass es auch Frauen in der Branche gibt, die Szenen mitmachen, wo andere sich erniedrigt oder gequält vorkommen würden, weil es für sie eine Art “olympische Herausforderung” ist – immer besser und mehr zu können, wie andere. Und man ahnt auch, was man dort als Mensch wert ist, wenn sich Produzenten / Agenten gegenseitig auf die Schulter klopfen und Geschichten der Kategorie: “Als sie sich bewarb, schrieb sie, dass sie es nicht mit mehr wie 2 Typen gleichzeitig macht. In ihrem ersten Film waren es 6.” erzählen. Aber auch gut zu wissen, dass es gute Geister im Hintergrund gibt. Pornostars der ersten Stunde, die sich um die Einführung von regelmäßigen Untersuchungen bemüht haben und auch den Youngstars mit Rat und Tat zur Seite stehen, weil sie alle Hochs und Tiefs der Szene miterlebt haben.
Und natürlich musste letzte Woche auch irgendwas grandios schief gehen. Ich spürte am Donnerstag Nachmittag ein leichtes Ziehen im Oberkiefer. Aber das hatte ich schon öfter, weil ich dachte, da hat sich eine Fleischfaser eingeklemmt. Also mit Zahnseide ran – nichts da, der Druck blieb und sorgte dafür, dass ich die halbe Nacht munter blieb. Genug Zeit, um sich mit dem Thema “Wurzelbehandlung” auseinander zu setzen. Und siehe da – nächsten Morgen zum Zahnarzt, der schaut auf das alte Röntgenbild, macht eine Klopfprobe und einen Vitalitätstest und siehe da, meine Vermutung war richtig. Zahn aufgebohrt, etwas zum Abtöten des Nervs rein und wieder provisorisch zu. Nächster Termin Montag eine Woche drauf, mit der Bemerkung “Der kann heute und morgen noch ein bißchen rummuckern!” Das Rummuckern sah so aus, dass ich mittags heim ging, weil ich die Schmerzen nicht mehr aushielt. Gegen Abend ließ er mal kurz nach, aber dafür machte sich was anderes breit. Ich fühlte mich wie krank, fiebrig und schlapp. Das setzte sich dann bis Montag fort. Inzwischen schwoll mein Zahnfleisch an und im Kiefer machte sich der Lymphknoten dick. Also Montag sofort früh wieder hin. Zahn auf, Wurzelbehandlung sofort – ist überhaupt nicht schlimm, ich konnte in seiner Lupe die Spiegelung sehen und wie er die Wurzelkanäle ausbohrte. Gemerkt hab ich kaum was, bis auf die Stelle, wo er meinte, das es da noch blutet und eitert. Und dann kam der Horrorteil – er hatte festgestellt, dass am gleichen Zahn noch ein Abszess ist und entfernte ihn. Selbst mit Betäubung standen mir die Tränen in den Augen. Heute also erstmal krank geschrieben und Freitag dann die Fortsetzung.
PS: Diese Mischung aus Country und Blasmusik in der Warteschleife bei XXXL Neubert ist echt der Kracher!
Triple review
In letzter Zeit schaffen wir es doch immer mal ins Kino und jetzt ist mal wieder Zeit, die ganzen Filme nochmal vor dem geistigen Auge Revue passieren lassen und seine Meinung kund zu tun. Wie immer – in chronologischer Reihenfolge…
Wir sahen den Film im Programm und dachten: Wir waren in Kuba, wissen etwas über Che aus seinem Mausoleum, kennen aus unterschiedlichen Museen seine Hängematten (Was dem Christ sein Stück vom Kreuz Jesu ist, ist dem Kubaner die Hängematte von Che – alle Museen haben eine) und kennen das Land, Zeit zu wissen, wie das Land befreit wurde – die gefilmte Version anhand von Ches Tagebüchern. Die ersten 10-15 Minuten sitzt man gespannt vor der Leinwand und fragt sich: Wann fängt der Film endlich an? Zeitsprung vor, Zeitsprung zurück, Zeitsprung vor und wieder zurück. Als dann die zentrale Handlung um die Befreiung Kubas beginnt, bleibt es ähnlich eintönig. Du darfst mitkämpfen, du nicht, du bist gut, du bist böse, Peng!, Hallo Fidel!, Hallo Raul!…
Was ich damit meine ist, dass jegliche Strategie bzw. Taktik fehlt. Man sieht Kämpfe im Grünen, die Führungsriege trifft sich gelegentlich, um sich zu loben, dass man die Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber alles weitere verliert sich – die Revolution verläuft zeit- und ortlos. Man könnte denken, die Revolutionäre haben 3 Tage im Wald gekämpft und plötzlich gewonnen, aber es könnten auch 3 Jahre sein. Leute gesellen sich zu den Kämpfern, ohne ihre Motivation zu hinterfragen und dürfen mitmachen.
Es war meiner Meinung ein Film, wo ich schon fast gewillt war, noch vor dem Ende zu gehen. Wir beide waren uns am Schluss einig, dass es doch mal interessant wäre, wieviele Leute nach dem ersten Teil, sich noch den zweiten Teil antun. Nicht dass es so schon anstrengend war, hatten wir auch noch Raschel und Schnurps hinter uns sitzen, jeweils mit eine Tüte Gummi bzw. einer Tüte Popcorn. Ich muss in solchen Momenten immer an die Filmpolizei von Walter Moers denken, wo solche Film passend zum Film ausgeschaltet werden…
Einige Zeit später sahen wir Affären a la carte, einen französischen Film. Ich war wirklich enttäuscht, dass er schon zu Ende war und meinte, als wir das Kino verließen, dass ich kein Problem damit gehabt hätte, wenn er noch eine Stunde länger gegangen wäre.
Kurz die Handlung: Ein Paar lädt diverse Gäste zu einem Abendessen ein. Manche kennen sich bereits, manche sehen sich nach langer Zeit wieder und manche lernen sich erst kennen. Seit dem Abend ist inzwischen ein Jahr vergangen und man bereitet sich wieder auf ein Treffen vor. Man springt von da aus in die unterschiedlichen Ausschnitte des Abends bzw. was im Laufe des Jahres vorgefallen ist und am Ende des Films ist das Puzzle perfekt. Affären sind entstanden, haben sich aufgelöst, die anderen Beziehungen / Ehen beeinflusst.
Ich empfand den Film sehr angenehm zu sehen, weil die Spannung den ganzen Film über erhalten bleibt, man mehr Details wissen möchte und natürlich die Darsteller hervorragend agieren. Und natürlich entsteht auch im Nachhinein jede Menge Material zum Unterhalten. Welcher Charakter war der angenehmste? Welche Wendung hätte es gegeben, wenn dies und das passiert wäre? Schön auch zu sehen, wie das menschliche Miteinander dargestellt wird. Im Vorfeld rümpfen viele die Nase und beschweren sich über die Gastgeber und das Essen, die anderen Gäste u.v.m. Aber wenn sie sich gegenüber stehen, heißt es “Schön, dich wieder zu sehen!”, “Riecht gut, was du da gekocht hast!”… Sehr empfehlenswert, aber definitiv nicht kaufenswert – wenn man ihn einmal geschaut hat, ist der Überraschungseffekt verloren.
Und zum Abschluss der Reviews folgt noch der diese Woche gesehene: Birdwatchers – Das Land der roten Menschen. Jeder weiß es und kaum einen interessiert es – die amerikanischen Ureinwohner, einfach Indios oder Indianer genannt, sind nur noch ein blasses Abbild ihrer selbst.
Ein kleiner Stamm südamerikanischer Indianer verlässt sein Reservat, um wieder auf ihren ursprünglichen Grund zurückzukehren. Der Wald ist Feldern gewichen, aber trotzdem hindert das nicht den Stamm, sich provisorisch niederzulassen. An dieser Stelle beginnt der Konflikt zwischen dem Landbesitzer und den Ureinwohner. Jeder beruft sich auf sein Recht, an dieser Stelle den Boden zu besitzen – die einen mit der Begründung der Heimat ihrer Ahnen, der andere mit dem rechtlichen Besitz.
Ganz unverblümt, ohne die Schublade “die armen, armen Indianer” zu öffnen, wird der Alltag der kleinen Gruppe erzählt. Da wird eine Kuh geschlachtet, die zum Besitz der Grundstückeigners gehört, weil sonst keine Nahrungsmittel da sind. Der Häuptling verfällt mangels einer Option für eine glorreiche Zukunft seines Stammes dem Alkohol bzw. die Stammesmitglieder leisten billige Arbeit auf den Feldern, um wenigstens das Notwendigste an Nahrungsmitteln kaufen zu können. Und genauso setzt sich die Gegenseite zur Wehr – es kommt ein Flugzeug und sprüht Düngermittel unmittelbar über den Hütten ab, es gibt Verrat und der Häuptling stirbt.
Alles in allem kein schöner, aber ein realistischer Film, weswegen der Film auch mit einem leidlich versuchten Hauch von Optimismus endet. Wir sind etwas verstört aus dem Film wieder ans Tageslicht gekommen, mit dem Wissen im Kopf – ja, es ist so da draußen. Was aber das besondere an dem Film ist, er endet mit einem Spendenaufruf. Und das wohlwissend, dass die Indianer überhaupt nicht als sonderlich schützenswert dargestellt werden. Dass sie Opfer der Jahrhunderte währenden “Besatzung” sind, wird der Intelligenz des Zuschauers überlassen. Kino mit / für Köpfchen!
Those misfits, misfits of science, ha, ha…
Kurz bevor ich meine Heimfahrt antrete noch eine kleine freudige Nachricht. Nadine hatte letztens einen “Lieblingskindersendung-Stöckchen”-Beitrag in ihrem Blog und ich begann nach meinen Helden der Jugend zu stöbern. Das dauerte eine ganze Weile und irgendwann fiel mir auch wieder eine kleine Serie ein, die nur für kurze Zeit lief und siehe da, es gibt auch das Intro dafür.
Von dieser Serie gab es nur eine Staffel, denn die Serie kam nicht gut beim amerikanischen Publikum an und Dean Paul Martin (übrigens der Sohn von dem Dean Martin) kam kurz nach Beendigung bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Wenn Sledge Hammer die Verkörperung des Anti-Cops war, waren die Spezialisten die Anti-Wissenschaftler – paranormale Wissenschaften, chaotisch und völlig idiotisch. So schlimm, dass es schon wieder richtig gut war. Und am 25. Januar wird diese eine Staffel auf DVD erscheinen, ich übe mich schon mal in Vorfreude :excited:
2. Advent
Ich habe mal wieder hier einen ganzen Batzen von Stichpunkten, über die ich scheiben will bzw. schon längst schreiben wollte. Also nutze ich diesen äußerst grauen und regnerischen Sonntag mal dazu, alles auf den Punkt zu bringen. Fangen wir mit dem Rückblick auf den 9.12.2006 an. Denn genau vor einem Jahr fand mein Umzug statt. Kaum zu glauben, wie schnell das Jahr vorüber ist. Aber dafür kommt dann irgendwann noch mal gesondert der Jahresrückblick. Mit dem werde ich dann auch keine Probleme haben, denn sämtliche Beiträge von 2007 fanden schon auf diesem Blog statt, während immer noch eine überwältigende Anzahl von Beiträgen auf meinem alten Blog schlummert. Wenn ich zumindest 2 Beiträge pro Tag übernehmen würde, wäre ich in einem halben Jahr fertig…
Vor geraumer Zeit fand ich einen Artikel, in dem die Ausführungen zweier Wissenschaftler beschrieben wurden, die behaupten, durch die Beobachtung des Universums würde sich dessen Lebenszeit verkürzen. Sie begründeten das mit quantenmechanischen Effekten. Sie beschränken sich dabei auf das Beispiel einer Supernova von 1998 und grenzen den Kreis der Beobachter auf die Forscher ein. Bei genauerer Überlegung dürfte das ja auch nicht nur auf Supernovas zutreffen, sondern jeglichen Vorgang im All und die Beobachter wären wir alle. Interessant dabei wäre ja der Gedanke, wie alt das Universum ohne Beobachter werden würde und schon könnte man auch die Frage stellen “Gibt es ein Geräusch, wenn ein Baum im Wald fällt und niemand ist da, um es zu hören?”
Den krönenden Abschluss meines Urlaub gab es letzte Woche, als ich das letzte Mal vor Weihnachten Richtung Heimat fuhr. Freitag kurz nach dem Mittag zu fahren ist natürlich eine ganz blöde Idee und wie zu erwarten war, landete ich bei Zwickau im Stau. Nachdem die Bauarbeiten auf der A72 Ende November fertig sein sollten, kann man nicht erwarten, dass ein Ende der Bauarbeiten gleich dem Freigeben der Strecke ist. Und wenn es dort noch einen Pannen-LKW gibt, ist das Chaos perfekt. Zu allem Überfluss verabschiedete sich dann auch noch mein MD-Player und ich mußte auf Radio umsteigen. So rückte ich 1 Stunde lang gemütlich vorwärts, bis es weiter ging. Es reichte aber allemal, um nach Hause zu kommen, kurz “Hallo!” zu sagen, einen Adventskalender in Empfang zu nehmen und mich dann gleich wieder in die Spur zu einer ehemaligen Kollegin zu begeben. Der Abend ging nicht allzu lang, wir spielten Billard und wir wurden Zeugen meiner kleinen Zauberkunststückchen, die ich gelegentlich ungewollt produziere. Vier Kugeln mit einem Stoß einzulochen und dabei nicht einen einzigen Fehler zu produzieren, kann auch nur mir passieren. Samstag besuchten wir wieder meine Oma und abends besuchte ich dann Claudi und Basti. Auf Wunsch eines einzelnen Herren hatte ich eine Kiste mit ausgewählten Sorten Bamberger Bieres mitgebracht. War ein schöner Abend, wir schwelgten in Erinnerungen (Besuche im Sachs, Verschiebung von DT64 von UKW auf MW). Wir hörten die gleiche Musik und sind demzufolge auch in die gleichen Diskos und Läden gegangen, aber über den Weg liefen wir uns dabei nie. Das kam erst zur kleinen Weihnachtsfeier vom Studium bei mir daheim, es lief “Public energy” von Speedy J und Basti steht in der Türe und meint: “Hör mal Claudi, das ist doch mal Musik!”
Ja, auch der Abend ging vorbei und ich fuhr Sonntag nach dem Mittag wieder heim, es war wieder stürmisch, aber diesmal keine Eimer auf der Autobahn. Montag ging es dann wieder auf Arbeit, kaum zu ertragen, wie munter ich am Montag Morgen war. Im Laufe der Woche relativierte sich das aber wieder sehr schnell. Der Donnerstag Abend war dann aber der Höhepunkt der Frustration, als ich meine Klavierstunde hatte und nur Unfug zusammenspielte. Meine Klavierlehrerin meinte nur, dass dieser Tiefpunkt völlig normal ist. “Sie hatten doch mal gesagt, es kommt irgendwann ein Leistungssprung?” – “Ja, der kommt danach!” Einzige Hilfe für die Wanderung durch das Tal – Durchziehen, bis zum bitteren Ende. Aber schon der Mittwoch war ein rabenschwarzer Tag für die Musik – Karlheinz Stockhausen ist verstorben. Er war einer der Pioniere der elektronischen Musik und wird vielfach von Künstlern als Inspiration für ihre Arbeit genannt. Mitbekommen habe ich es auch erst am Freitag, als die ersten Nachrichten über seinen Tod zu mir durchdrangen. Auch der heise-Newsticker veröffentlichte erst gestern die Nachricht.
Freitag Nachmittag ging es dann auf der Autobahn Richtung Nürnberg, die Strecke war frei, ich hatte Zeit und tuckerte gemütlich dahin, mit dem Frust, dass mein MD-Player im Auto nach wie vor seinen Dienst verweigert. In Nürnberg angekommen, verfuhr ich mich erstmal, aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt, es ging ja auch nur darum, ein Parkhaus zu finden. Die Innenstadt war dicht, ich brauchte für 500 Meter ungefähr eine halbe Stunde und nahm dabei in Kauf, dass ich ein Stück weiter laufen mußte. Ich drängelte mich einmal quer über den Christkindlesmarkt bis zum Rathaus, rief Alex nochmal zurück und lief dabei hin und her. Auf einmal tönte es hinter mir “Eh Jan, nun lauf doch nicht gleich weg!”. Da stand sie nun also. Wir gingen erstmal in eine kleine mittelalterliche Ecke, ich probierte einen warmen Biertrunk. Pfui Deibel! Doppelbock und dann auch noch warm. Aber irgendwie hatte ich an dem Abend kein glückliches Händchen mit Essen und Getränken. Als wir dann beim Griechen einfielen, war mein Hunger weg, als ich den Teller vor mir stehen sah. Ich stocherte lustlos in meinem Tomatenreis herum, während wir quatschten. Ich probierte von ihr einen Schluck Samos. Mein Wochenbedarf an Kohlehydraten war gedeckt. Wir blieben noch eine Weile, unterhielten uns über Musik (von DJ Jazzy Jeff + the Fresh Prince bis Sven Väth), Theater, Filme (mir war bis zu dem Zeitpunkt nicht klar, dass ich in letzter Zeit vorwiegend französische Filme geschaut hab), aktive Sterbehilfe und Überbevölkerung. Wer mich kennt, weiß ja, dass ich der Meinung bin, dass der Planet im Bereich der Resourcen weit über dem Limit gefahren wird, weil wir (also als Menschheit) einfach zu viele sind. Aber dass ich das mal zu hören bekomme, hätte ich auch nicht geglaubt. Wir zogen dann noch in die Prinzenbar und lümmelten uns gemütlich in die Ledersofa und ließen den Abend ausklingen. Gegen Mitternacht machte ich mich auf den Heimweg, mußte den ganzen Weg über Schluchz- und Schlummermusik im Radio ertragen. Das Maß war voll.
Nachdem ich Freitag nicht zum Einkaufen gekommen bin, mußte ich das am nächsten Vormittag hinter mich bringen. Vorher machte ich mich noch ein wenig wegen Autoradios kundig. Nach dem Einkaufen ging es dann in den lokalen Elektronikhandel und schaute mich ein wenig um. Schließlich überredete ich noch die Verkäuferin, dass ich mal testhalber meinen MP3-Player via USB an das Autoradio andocken will. Alles kein Problem, ging hervorragend. Und damit war es meine und einem Bastelnachmittag stand nichts im Weg. Ich hatte ein wenig zu kämpfen, was die Demontage, sowie Verkabelung und Einbau des neuen Radios betraf, habe aber alles unterbekommen. Bevor ich es endgültig in die Verankerung einrasten ließ, machte ich mehrere Probeläufe und stellte zum Glück fest, dass die Modifikation der Verdrahtung nicht nur einige VW und Opel betrifft, sondern auch meinen Suzuki. Die Heimfahrt zu Weihnachten kann kommen, die Musik sollte mir nicht so schnell ausgehen.
Nachdem ich den Rest des Nachmittags wie ein Zombie durch meine Wohnung stolperte, beschloss ich abends ins Kino zu gehen. Ich hatte gerade noch Glück, denn Persepolis lief noch. Die Geschichte des Films war bewegend. Ein junges Mädchen erlebt die Revolution und den Krieg im Iran mit, wird von ihren Eltern, die politisch anders denkend waren, zur Sicherheit nach Österreich geschickt. Dort ist sie zwar sicher, aber nicht daheim. Sie gehört zu einer kleinen Gruppe von Außenseitern, zu denen sie sich aber auch nicht zugehörig fühlt. Irgendwann verliebt sie sich bis über beide Ohren in einen Schriftsteller, den sie dann inflagranti mit einer anderen erwischt. Es folgt der Absturz, die Obdachlosigkeit und schließlich die Rückkehr in die Heimat. Dort versucht sie sich anzupassen, schafft es aber auch nicht. Obwohl die Geschichte bedrückend ist, da sie die Lebensgeschichte der Autorin Marjane Satrapi erzählt, ist doch voll von kindlich naivem Witz, jungendlicher Rebellion und dem Wunsch nach Freiheit in der Heimat. Die Geschichte, die ursprünglich in 4 Comicbänden erschien, wurde nun das erste Mal animiert. In Anlehnung an das Original – größtenteils schwarz/weiß. Sehr empfehlenswert und dass er aus Frankreich ist, brauch ich an der Stelle nicht mehr zu erwähnen, oder?
2008 wird ein rotes Jahr
Anfang der Woche hatte ich schon die ersten Rundgänge für Weihnachten erledigt. Erste Erkenntnis – Geschenke für andere gibt es, sie müssen nur noch geholt werden. Nachteil der ersten Erkenntnis: Man entdeckt auch Sachen, die man selbst gern hätte. Hochgradig gefährlich sind natürlich Buchläden und Läden, wo man brauchbare Musik erhält. Denn im Buchladen fiel mir ein, dass ich noch einen neuen Kalender gebrauchen könnte. Und als hätte ich es nicht geahnt, steht vor mir der Moleskin 2008 (Limited Edition). Leider nur in dem feurigen Rot erhältlich, dafür aber unglaublich praktisch aufgeteilt. Links Wochenübersicht, rechts Platz für Notizen und jede Menge Aufkleber für alle möglichen Gelegenheiten. Natürlich konnte ich dem Stück Maulwurfshaut nicht widerstehen und schon war er meine. Daheim war dann erstmal “Pimp my Moleskin” angesagt und ich verpasste ihm ein paar von den ant-zen-Aufklebern, die sich im Laufe der letzten Bestellungen angesammelt hatten. Sieht zwar jetzt aus wie eine Mischung aus kommunistischem Parteibuch und einem chinesischen Ratgeber für Ameisenkunde, aber er gefällt mir jetzt wesentlich besser.
Die Krönung baute sich im Laufe der letzten Wochen auf, als ich Wäsche waschen wollte und in den Keller ging, die Waschmaschine vollstopfte und dabei einen Blick auf den letztens installierten Wasserzähler warf. Irgendwie war das nicht die Zahl, die ich im Kopf behalten hatte. Aber man ist ja vergesslich, also schrieb ich mir den Stand nach dem Waschen auf und ließ es darauf beruhen. Ich hatte einen Verdacht im Hinterkopf. Letzte Woche ging ich wieder runter und siehe da, der Zähler wandert ohne mein Zutun weiter. Ruckzuck hatte ich meine Vermieterin dran, sprach meinen Verdacht aus. Sie kümmerte sich darum und noch am selben Abend stand mein Nachbar vor der Tür und fing mir an einen Geschichte zu erzählen. Sie begann mit dem Tod seiner Mutter, wo die Waschmaschine bereits 8 Jahre alt war und nun wäre sie wohl 20 Jahre alt (also die Waschmaschine, nicht die Mutter) und würde sich nicht mehr richtig drehen. Da ich eine Maschine der gleichen Firma hab, wollte er nachsehen, ob sich meine dreht (Wie rücksichtsvoll!), weil bei seiner wahrscheinlich der Keilriemen kaputt ist. Dieser Vortrag ging ungefähr 10 Minuten und ich hielt mich vorsichtshalber am Türrahmen fest, damit ich nicht in schallendes Gelächter ausbreche. Die Ansprache lief darauf hinaus, ob er, bis er sich eine neue Maschine leisten kann, meine mit benutzen darf und wir uns in die Wasserkosten reinteilen. Eigentlich hätte an der Stelle ein Vortrag meinerseits folgen sollen, dass ich prinzipiell kein Problem damit hätte, er hätte vielleicht vorher fragen sollen, aber da das im Widerspruch mit meiner Einstellung gegenüber Leuten, die versifft den ganzen Tag am Busbahnhof hocken und sich die Lichter ausschießen, gestanden hätte, ließ ich es bei einem “Nein!” bewenden.
Nachdem dann die Wäsche nun getrocknet war, konnte ich sie heute abnehmen und wegräumen. Darunter drei Wischtücher, die ich beim Ausräumen der Wohnung meiner Oma mitgenommen habe. Man stelle sich vor: Original verpackte (Mint condition!) und absolut unbenutze Wischtücher aus dem Hause VEB Frottana Großschönau, Einzelhandelsverkaufspreis (EVP) – 10,65 M. Für das Geld hätte man sich seinerzeit 13 Bauernbrote holen können oder wenn man 6 Packungen von den Wischtüchern gehabt hätte, wäre das die Miete für eine 3-Raum-Wohnung gewesen. Gravierender Vorteil: Die Teile halten nahezu ewig und sind außerdem Made in Germany, was man von den heutzutage erhältlichen Geschirrtüchern wohl mehrheitlich unter Garantie nicht behaupten kann.
Am meisten frustriert mich momentan das Wetter. Wo hat sich denn die Klimaerwärmung dieses Jahr versteckt? Es ist Ende November und wenn ich morgens die Nase aus dem Fenster stecke, hab ich das Gefühl: Es ist Ende November. Jeden Tag höre ich aufs Neue, dass auf der Strecke Bamberg – Würzburg eine Baustelle ist, die einen kilometerlangen Stau erzeugt. Demzufolge muss der Besuch von Würzburg wohl noch etwas warten. Also müssen andere Beschäftigungen herhalten. Ich grabe DVDs aus, die ich mir schon vor etlicher Zeit geholt habe und nun endlich mal anschauen kann, so z.B. “Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran”. Der Film hat mir wirklich gut gefallen, schauspielerisch ganz hervorragend, auch wenn mir die Handlung etwas flach vorkam. Da ich aber das Buch nicht gelesen hab, aber schon mehrfach davor stand und weiß, dass es nicht gerade der Wälzer von Buch ist, wüßte ich nur zu gern, ob das Buch wesentlich besser ist, wie der Film und es sich somit lohnt, das Buch zu lesen.
Damit sich wir schon wieder bei einem meiner Lieblingsthemen – Bücher lesen. Nachdem ich schon mal Sue Townsends “Downing street No. 10″ gelesen hatte, wurde mir von der Tanzfee eins der Adrian-Mole-Tagebücher empfohlen. Seit Montag mit einem Lesezeichen versehen: “Adrian Mole und die Achse des Bösen”. Es war eine ganz schlechte Idee, damit vor dem Einschlafen damit zu beginnen, denn das Buch beginnt mit einem Brief an Tony Blair, in dem er ihn auffordert eine schriftliche Bestätigung zu schicken, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt und somit in der Lage ist Zypern innerhalb von 45 Minuten anzugreifen, damit Adrian Mole die 57,10 Pfund Anzahlung für seinen Zypernurlaub zurückerhält. Mittlerweile hab ich die Hälfte des Buchs fertig und komme nicht aus dem Lachen heraus. Dem ersten Brief folgen weitere (unter anderem Erinnerungsbriefe) und es gesellt sich eine Ja – Nein – Vielleicht – Getrennt – Verlobt – Nie – Wiedersehen – Doch – Wieder – Zusammen – Beziehung hinzu. Aber die SMS’ mit der Schwester der Ja-Nein-[...]-Freundin ist glasierte Kirsche auf dem Törtchen. Momentan reicht es, wenn ich daran denken muss, um weiter zu lachen. No. 1 Buch gegen Herbstdepression, senkrecht stehende Schneeflocken und andere Leiden der dunklen Jahreszeit.
Nachdem mir Claudia letztens erzählte, dass sie ein Puzzle geschenkt bekommen hat, hielt ich es für eine gute Idee, mir die Zeit im Urlaub (siehe Wetter und Kälte) mit einem Puzzle zu vertreiben. Kaum zu glauben, was für grauenhaft kitschige Motive man erstehen kann. Da fällt es wirklich schwer, sich zwischen springenden Delfinen im Mondschein, Löwenbabys und Sonnenuntergängen zu entscheiden. Also habe ich mich für eins mit vielen gelben Teilen entschieden. Hat mich die letzten drei Tage gekostet und siehe da – fertig! Ich werde mich aber trotzdem nicht an das nächste setzen, das ist ja ein unheimlicher Zeitfresser. Kaum schaut man mal schnell drauf, sind zwei Stunden vergangen. So hätte ich heute fast meinen Klavierunterricht verpasst.
Und um den Tag der Schutzpatronin der Musik würdig zu feiern, hatte ich heute mal was mitgebracht, wo ich meine Klavierlehrerin bat, es mir vorzuspielen. Und deshalb gab es heute zu Ehren von Cäcilia – Meine Klavierlehrerin plays The Aphex Twin. An einem richtigen Klavier klingt das ohnehin viel besser als von Plastikscheibe.
Guten Abend, gute Nacht!
Die letzten Tage waren schon irgendwie anders. Ich will nicht sagen befreiend, entspannend oder dergleichen. Aber es ist schon angenehm früh aufzustehen, zu frühstücken, noch eine Viertelstunde durch die Blogs geistern, dann auf Arbeit gehen und so viel Wind um die Ohren zu haben, dass man ganz verdattert ist, wenn ein “Mahlzeit?!” in den Raum schallt. Bin ich nicht gerade erst gekommen? Und wenn man dann gegen 7 endlich dazu kommt, seine eigenen Aufgaben zu erledigen, ist das fast schon wie Feierabend. Wenn man des Nachts heimkommt und sich nach einem kleinen Snack ins Bett fallen läßt und noch ein wenig liest, dauert es nicht lang und der Schlaf holt einen ein. Interessant wird es dann, wenn man feststellt, dass es bald keine frischen Socken mehr gibt und sich der Inhalt der Küchenschränke als Abwasch stapelt.
So gesehen ist es kein Wunder, dass ich kaum noch zum Bloggen komme, deswegen gibt es einen kurzen Überblick über die Ereignisse der letzten Tage. Die Postcrossingmaschine hat mir wieder mal zwei Postkarten beschert, aber irgendwie klemmt es momentan. Während die ersten Postkarten noch problemlos ankamen, finden sich jetzt mehr und mehr Nutzer, die sich anmelden, Postkarten verschicken, aber die empfangenen Postkarten nicht registrieren. Ergo – ich schreibe, sie “kommen nicht an” und deshalb empfange ich auch keine Neuen. Erst nach 3 Monaten werden sie auf “expired” gesetzt und dann hat man die Chance eine neue Karte zu erhalten.
Letzten Donnerstag war bei uns Feiertag – Grund genug, sich abends mit Kollegen zusammen zu setzen und ein Bierchen zu trinken. Schöner Abend und idealer Auftakt für den Feiertag, an dem ich WordPress aktualisiert und die Seele ein bißchen baumeln ließ. Und hatte ich nicht gerade “Extrem laut und unglaublich nah” begonnen, hat sich dieses Buch auch in die Reihe der gelesenen Bücher eingereiht. Drei Tagebücher, die sich zu einem vereinen, deren Sinn sich auch erst mit der Zeit erschließt, werden konsequent durchgezogen und durch die Geschichte zieht sich die Suche eines Jungen, der das Schloß zu einem Schlüssel sucht und damit den Tod seines Vaters, der am 11. September umkam, verarbeitet. Unglaublich nah wird das Buch, als eins der Tagebücher von der Bombardierung Dresdens berichtet und erzählt wie der Schreiber die Ereignisse am 11. September auf dem Dresdner Bahnhof (hier haben entweder Übersetzer oder Autor unzureichend recherchiert) verfolgt. Und für einen Moment werde ich Teil der Geschichte – ich war auch in der Stadt, als wir vor einem Riesenfernseher stehen blieben (ohne Ton) und die rauchenden Twin Towers betrachteten. War das ein Film? Konnte ja nicht anders sein, es wirkte ja so unrealistisch. Und was das Buch so richtig gut macht, ist die Offenheit des Buches – es wird nicht angeklagt und melodramatisch geheuchelt, nein, es bleibt realistisch und mit der Gestalt des naseweisen Oskar liebenswert.
Nachdem ich damit durch war, begann ich “Die Straße” von Cormac McCarthy. Nachdem ich mehrfach darüber gelesen hatte, dass sich dieser Endzeitroman ziemlich intensiv mit dem Thema Tod auseinander setzt, wollte ich mehr wissen. Die Vision, die McCarthy zeichnet, ist ein finsteres Thema, dass nahezu jegliches Leben auf dem Planeten ausrottet und die Hauptfiguren, einen Vater und seinen Sohn (der Welt “vorher” nicht kennt), ständig auf der Suche nach Nahrung und mit der permanenten Angst im Nacken, Opfer des Schemas “Fressen und gefressen werden” zu werden, südlich zur Küste ziehen läßt, in der Hoffnung, dass es dort wärmer ist. McCarthy benutzt dabei eine Sprache, welche die Tristesse der verbrannten Welt, der grauen Tage und eiskalten Nächte nahe bringt. Gut gefällt mir, dass er sich nicht, wie man anderer Autor in der ausführlichen Beschreibung von Grausamkeiten verliert, das Erwähnen und die Reaktionen sind entsetzlich genug.
Aber um nicht nur die ganze Zeit bei dem kalten, grauen Wetter daheim zu hocken, ging ich am Wochenende ins Kino. “Odette Toulemonde” stand auf dem Programm. Ein Schriftsteller, intelligent, mit einer erfolgreichen Geschäftsfrau an seiner Seite, die auch noch mit seinem schärfsten Kritiker fremdgeht, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, seine Romane wären etwas für die breite Masse, z.B. Frauen, die Verkäuferinnen und Frisörinnen sind. Und genau eine von diesen – Odette Toulemonde – glaubt an ihn. Der Rest des Film dürfte klar sein, denn er verliert sich genau in diesen schnulzigen, romantischen Klischees, die Inhalt der Romane des Schriftstellers sind. Von daher bleibt mir der Inhalt des Films verschlossen – eine Ode an den Kitsch? Ein Film für die breite Masse? Und nur weil ein paar Lippenstifte zur Musik tanzen, ist der Vergleich zu Amelie bei weitem nicht angebracht. Aber zumindest war die schauspielerische Leistung (Catherine Frot als Odette) überzeugend.
(Eigentlich sollte an der Stelle noch ein Bericht über “Wer früher stirbt, ist länger tot folgen, aber den reiche ich nach.)
Zum Abschluss noch ein wenig aus dem Bereich Musik. Nachdem die ganze Woche Claudia Koreck im Autoradio lief, habe ich mir am Samstag nun endlich die Konzertkarte geholt. Ich hatte mich im Datum geirrt, sie ist am 17.02. in Bamberg. Ich freu mich schon drauf.
Seit einigen Wochen hat die lettische Seite idm-net.lv ihre Tore geschlossen, also werde ich wohl in nächster Zeit verstärkt die Suche nach interessanten Netlabels selbst in die Hand nehmen müssen. Einen kleinen Tipp hatten sie immer parat und man blieb immer auf dem Laufenden. Deswegen hatte ich schon ins Auge gefasst, meine Entdeckungen separat hier zu veröffentlichen – ähnlich zu meiner “Neues aus der Plattenkiste”-Seite. Mal sehen, ob und wann ich mal dazu Anlauf nehme.
Wohnst du schon oder bauen sie noch?
Ja, mich gibt es noch. Seit gestern auch wieder online. Am besten, ich rolle die Geschichte wie immer von hinten auf…
Alles fing damit an, dass ich den Rechner Donnerstag Abend abgebaut habe und ins Schlafzimmer verfrachtet habe. Nachdem was ich gehört habe, sollte ich ja am Sonntag Abend schon wieder die Schrankwand am Sonntag Abend wieder einräumen können. Mit dem Wissen packte ich meine Sachen ein und fuhr am Freitag auf Arbeit, wo mich dann nachmittags Sandra abholte und wir nach Dresden aufbrachen. Kurz vorher erhielt ich die Nachricht, dass ich fahren müßte. Kein Problem, mittlerweile fange ich sogar bei Rüedi an den Rückwärtsgang zu suchen, die sind aber auch immer woanders.
Lange hielt der Fahrspaß nicht an, bei Zwickau kamen wir wieder in einen Stau, der diesmal aber nicht so lange andauerte und so kamen wir gegen 18 Uhr in Dresden an. Da meine Mutti völlig gehandicapt ist, oblag mir der Küchendienst am Samstag Mittag. Ich fuhr vormittags noch mit meinem Vater (im Auto meiner Eltern – wieder ein neuer Rückwärtsgang) einkaufen. Ich machte meinen Hähnchen-Bananen-Auflauf, der offensichtlich gut ankam. Am Nachmittag besuchten wir noch Oma und abends konnte es dann zum Klassentreffen gehen.
Die Damen der Organisation hatten einen großen Tisch beim Griechen bestellt und wo ich eintraf, war schon der Großteil eingetroffen. Gut die Hälfte der Leute, die damals in unserer Klasse war, hatte sich eingefunden – zum ersten Mal seit 17 Jahren. Fast alle erkannte ich auf Anhieb und schon saßen wir zusammen, quatschen über die Erlebnisse der letzten Jahre. Was hatte man gelernt, studiert und was macht man jetzt. Anfänglich war es etwas depremierend, der einzige zu sein, der noch keine Kinder hat, aber ich bekam dann noch Verstärkung. Von der Küste bis ins tiefe Schwabenland hatten sich alle wieder eingefunden. Und ehe wir uns versahen, waren wir der letzte besetzte Tisch in der Gaststätte und wir wurden nett gebeten (im ernst!), dass sie jetzt schließen wollen, weil Leute über der Gaststätte wohnen. Also verabschiedeten wir uns und beschlossen, in 3 Jahren das Ganze zu wiederholen.
Am Sonntag wollten wir zu viert essen gehen, was dann aber irgendwie daneben ging, weil bei Sandras Großeltern die Karnikel ausgebüchst waren und die sich nicht wieder einfangen lassen wollten. Auf dem Heimweg durfte ich wieder ans Steuer und wir flogen zurück. Aus dem Augenwinkel warf ich immer einen Blick aufs Navigationssystem. Das Teil kennt ja sogar die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Streckenabschnitten und blinkt rot und nervös, wenn man zu schnell ist. Aber wir kamen störungsfrei wieder daheim an. Und zuhause erwartete mich eine Überraschung.
Ich stand im Wohnzimmer und es hatte sich nichts verändert. Ich war begeistert, aber da das Wetter schön war, stieg ich noch eine Runde aufs Rad und radelte durch die Stadt. Als ich wieder daheim ankam, traf ich noch eine Frau aus dem Haus und wurde bautechnisch auf den neusten Stand gebracht. Sie hatten jetzt die neuen Leitungen im Bad verlegt und als ich Montag etwas verschwitzt heimkam, mußte ich feststellen, dass ich kein warmes Wasser mehr hatte. Ein beherzter Griff zum Warmwasserhahn ließ ein Röcheln ertönen und hinter mir hörte ich es plätschern. Der Rest der noch in der Leitung war, plätscherte auf den Boden. Genau das, was ich jetzt gebrauchen konnte. Ich improvisierte mit einer Mischung aus kaltem Wasser und dem Wasserkocher ein Gemisch mit dem man sich waschen konnte und fragte bei Sandra an, ob ich die nächsten Tage bei ihr unterkommen kann, hatte sie mir ja schließlich angeboten. War aber nicht notwendig, den nächsten Tag war schon alles angeschlossen und ich konnte das erste Mal meine neue Heizung in Betrieb nehmen. Der alte Gasofen war auch weg und im Bad hing der neue Heizkörper statt dem Durchlauferhitzer. Gleich erstmal in die Wanne gesprungen und eine Runde gelesen.
Laut dem Chef der Firma sollte ich am Mittwoch Nachmittag eher Samstag Vormittag meine neuen Leisten im Wohnzimmer bekommen. Mittwoch Nachmittag wurde nichts und auch am Donnerstag und Freitag tat sich nichts, weil die Handwerker anderweitig unterwegs waren. Nachdem wir es etliche Male verschoben hatten, gingen Sandra und ich in die Therme in Bad Staffelstein. Sandra hatte sich erfolgreich eine Ladung des Magen-Darm-Virus’ eingefangen und ich konnte meine Tipps weitergeben bzw. die übrige Packung der Tabletten abgeben. Ich fuhr Samstag Vormittag heim, schaute den Handwerkern kurz auf die Finger und ging einkaufen. Sandra fuhr heim und erwischte die Vollsperrung der A72, in der sie 3,5 Stunden festhing.
Als die Handwerker Samstag Nachmittag abzogen, hatte ich neue Leisten in Küche und Wohnzimmer und fing an zu putzen. Nach 6 Stunden tasmanischer Teufel hatte ich das Wohnzimmer wieder eingeräumt und soweit geputzt, dass man überall barfuß laufen konnte, ohne sich schwarze Füße zu holen. Abends ging ich dann ins Kino und sah mir “Saint Jaques” an. Drei verfeindete Geschwister werden durch das Testament ihrer Mutter gezwungen, den Jakobsweg zu gehen, um das Erbe antreten zu können. Bewertung: ganz nett. Hat viele lustige Stellen, aber umwerfend war der Film nun nicht. Gerade wenn das Publikum “Ach guck mal da, da waren wir auch schon” tuschelt.
Den Rest des Abends nutzte ich die Gelegenheit, Blogs und Mails durchzulesen und kuschelte mich dann in mein Bett. Etwas widerwillig fing ich dann heute Mittag an, die Küche zu putzen, aber auch das war relativ schnell erledigt. Und nachdem ich sie wieder sauber hatte, konnte ich sie gleich wieder eindrecken. Ich schnipselte mir auch Hähnchenbrustfilets, Lauchzwiebeln, Möhren und Sojabohnenkeimen mir was chinesisches zusammen. War wie gewohnt – schön scharf. Ich blicke ziemlich entspannt auf die nächste Woche – noch 2 Tage arbeiten, dann habe ich zwei Wochen Urlaub und noch keinen Plan, was ich mache. Möchte irgendjemand von mir heimgesucht werden? Ansonsten warte ich mal ab, wie das Wetter wird und mein Kopf schwankt noch zwischen ein paar Tagen Ostsee und Wandern in der Fränkischen Schweiz.
Ach so, na zwei erfreuliche Sachen noch. Zum einen erreichte mich letzte Woche ein unangefordertes Postcrossing aus Sizilien von Alex und der Tanzfee (Hab mich gefreut, Danke!). Und heute morgen sehe ich einen neuen Kommentar von Parmon auf meiner Podcastseite, seines Zeichen einer der beiden Betreiber vielen Helferleins des Labels Phonocake aus meiner Lieblingsheimatstadt Dresden. Mein Podcast hat es in ihre Liste der Podcasts geschafft. Und ich müßte meine Labelliste mal auf den neuesten Stand bringen…
