Leichter Schlaf (Hitchhiker’s Guide – Teil 8)
Heute geht es aber erstmal mit dem Thema Schlafsack weiter. Ein Kollege meinte mal, wenn man ein Kilogramm 1000 Meter hochschleppt, ist das die gleiche Arbeit, als wenn man eine Tonne einen Meter hochhebt. Allgemein gesagt heißt das, dass jedes Gramm im Rucksack zuviel ist. Ist man auf dem Berg auch nachts daheim, wird das Thema Schlafsack zur Frage des Gewissens – Leichtgewichte sind gefragt.
Für unseren nächsten Trip nach Nepal kommt ein richtiges Leichtgewicht zum Einsatz, weil es selbst auf 2.000m Höhe immer noch knuffig warm ist. Unter den Ultraleichten ist der Deuter Dreamlite 500 König. Auch wenn er sich auf der Verpackung korrigieren muss, bringt er 570 Gramm auf die Waage und das bei einer Komforttemperatur von 15°C. Schaut man sich mal das Bild an, mit dem Vergleich zum Bierdeckel, ist der Kleine auch noch ein Packwunder. Und es ist nicht so wie bei manch anderen Schlafsäcken, hier ist der Packsack so bemessen, dass der Schlafsack nicht mit Gewalt auf das Packformat gebracht wird. Ich habe mich schon mal probehalber reingelegt, um zu wissen, ob man mit 1,85m auch reinpasst. Das geht sehr bequem. Im Vergleich anderen Schlafsäcken fällt er doch ein wenig eng aus, zumindest war das mein erster Eindruck, aber die Temperaturangabe kommt hin, denn mir wurde schnell mollig warm.
Schattenauge (Hitchhiker’s Guide – Teil 7)

Man sollte schon vorsichtig sein – nicht jede Zeitschrift, die man liest, ist voller guter Ratschläge. Ich blättere ja gerne in der “4 Seasons” (für Nichtwissende: das ist das Globetrotter-Magazin) und dort werden ständig Outdoor-Sachen getestet, empfohlen und Tipps gegeben. Also immer auf der Hut sein, das ist ein Laden und der möchte Umsätze machen. Trotzdem hielt ich es für eine gute Idee, mal eine Sonnenbrille anzuschaffen, die nicht eingeschliffen ist. Sozusagen die Kombination aus Kontaktlinsen + Sonnenbrille.
Die in der “4 Seasons” vorgeschlagene Sonnenbrille ließ ich außen vor, statt dessen sprang mir die Swiss Eye Zero ins Auge. Wird für schlanke Gesichter empfohlen und kommt mit einem Satz Wechselscheiben daher. Ich entschied mich für die graue / altrosa Version mit schwarzem Rahmen. Jedoch muss man zwei Sachen sagen: Erstens sitzt Swiss Eye nicht -wie der Name vermuten lässt – in der Schweiz sondern in Deutschland und zweitens bekommt man folgende Sachen geliefert:
- Brille mit einem Satz Scheiben
- einen Satz samtig verpackte Wechselscheiben
- einen Microfaserbeutel und
- eine Gebrauchsanleitung
Wer denkt, dass in der Gebrauchsanleitung drin steht, wie man die Scheiben wechselt, wird enttäuscht. Deswegen hier das How-To-Wechsel-A-Scheibe:
- Die Scheibe ist an zwei Stellen im Rahmen verankert (siehe die beiden weißen Pfeile), mit einer langen Nase am äußeren Ende (also da wo der Bügel beginnt, hier mit L gekennzeichnet) und mit einer kleinen Nase in der Mitte der Brille.
- Um die Scheibe aus der Fassung zu locken, muss den Rahmen in der Mitte festhalten und die Scheibe von der Innenseite Richtung Bügel schieben und dabei leicht nach unten drücken.
- Es empfiehlt sich dabei an der Kante der Scheibe zu drücken und nicht auf die Scheibe zu fassen – verhindert Schmierflecken und Kratzer.
Vom Sitz her sehr angenehm, wünschenswert wären Gläser, die man nachbestellen kann, da die beiden mitgelieferten Sätze zwar abdunkeln, aber es könnte noch einen Grad dunkler sein.
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Ein Jahr ist schon wieder fast vergangen seit unserem Ausflug in die Dolomiten. Dieses Jahr sollte die Langkofelgruppe unsicher gemacht werden. Freitag früh ging es los und nach 8 Stunden Fahrt kamen wir am Karersee an. Der Blick auf den grün schimmernden See ist überwältigend und fotografisch eine Herausforderung. Man schaffe es, so zu fotografieren, dass die Berge sichtbar sind – aber nicht überbelichtet – und gleichzeitig der Boden des Sees – aber auch nicht unterbelichtet. Im Anschluss machten wir noch eine kleine Wanderung von 8km und steuerten anschließend den Zeltplatz in Campitello di Fassa an, um das Zelt aufzubauen. Wir freuten uns alle auf eine Pizza, mussten aber eine ganze Weile suchen, bis wir etwas ansprechendes gefunden hatten. Und nach einer riesigen Pizza und einem Glas Hauswein ging der Abend zu Ende und wir schliefen schnell ein.
Samstag stand eine größere Wanderung auf dem Plan. 16 Kilometer Strecke, 300 Meter Höhenunterschied und eine Dauer von 5,5 bis 6,5 Stunden – das klingt nicht zu kompliziert und schien durchaus machbar. Gegen 9 Uhr waren wir auf dem Berg und nach einer kleinen Stärkung ging es los. Theoretisch sollten wir mittags die Hälfte geschafft haben. Wir hatten uns dafür entschieden, die Runde gegen den Uhrzeigersinn zu laufen, sodass wir das flache Stück gegen Ende unserer Umrundung vor uns haben. Grund dafür waren Gewitter und Regen, die für den Nachmittag / Abend angekündigt waren.
Abgesehen von dem Stück zur Seilbahn hatten wir bereits nach 1,5 Stunden die 300 Höhenmeter weg. Zur Mittagspause kam die bittere Erkenntnis, dass wir erst ein Drittel des Weges geschafft haben. Da wir keine genauen Kenntnisse über die Öffnungszeiten der Seilbahn hatten, fingen wir an zu spekulieren. Wir schätzten auf 17.30 Uhr. Leider begann die Notfallplanung eine Hütte zu spät. An der vorletzten Hütte fragten wir nach: Ja, die letzte Bahn fährt 17.30 Uhr und ob man es in einer halben Stunde schafft, war zweifelhaft – es war 17 Uhr.
Also mobilisierten Alex und ich unsere letzten Kraftreserven und zogen los. Wir sollten die letzte Bahn bekommen und die Damen mit dem Auto vom Parkplatz am Sellajoch abholen. Die Uhr tickte erbarmungslos und sämtliche Wanderer, die wir überholten müssen gedacht haben, der Leibhaftige ist hinter uns her. Für das letzte Stück zur Seilbahn aufwärts hatten wir 10 Minuten Zeit – zum Vergleich: abwärts haben wir dafür 25 Minuten gebraucht. Ich schnaufte schon wie eine Dampflok, als ein Jeep neben mir hielt und der Fahrer mich auf italienisch vollplapperte. Bahnhof! Ach so, in 5 Minuten ist Schluss mit Seilbahn fahren. Er düste weiter. Ich dachte mir so “Du *Schimpfwort*, warum fährst du uns dann nicht einfach hoch?” Und genau die Kraft half mir, das letzte Stück noch hoch zu laufen.
Der Wärter der Bahn stand schon vor der Tür und fragte ein Pärchen, dass neben dem Eingang stand, ob sie noch mitfahren wollten. Wir winkten mit den Armen. Nein, zwei Kerle über 1,80m, die mit den Armen winken übersieht man schon mal auf einer Bergkuppe. Inzwischen kam der Jeepfahrer wieder und hatte zwei Insassen dabei, die er am Hang gegenüber aufgesammelt hatte. Also los – Endspurt! Bange Minuten bei den Damen, die sich inzwischen auf den Weg zum Parkplatz gemacht hatten. Wir saßen auf dem Boden der Gondel, klatschnass geschwitzt und ich tippte meine SMS, die noch extralange brauchte, um verschickt zu werden.
Als wir vom Sellajoch zurückkehrten, gab es erstmal eine extralange Dusche und anschließend ging es wieder zum Essen. Keiner hatte den Riesenhunger und wir waren alle fertig. Letztlich hatte die Sonne auch noch ihr bestes gegeben und uns allen einen schönen Sonnenbrand verpasst. Kurz nachdem wir ins Zelt schlüpften begann das Gewitter und der Regen. Halb so schlimm, wenn nicht nebenan ein paar Holländer in aller Ruhe und mit voller Lautstärke ihr Zelt aufbauten. Gefühlte 20 Heringe wurden in den Boden gerammt und damit es nicht langweilig wurde, quatschte man dabei. Dementsprechend glich das Auto auf der Heimfahrt am nächsten Tag eher einem Schlafwagen, als einem Auto.
Und daheim die Statistik (geschätzt, da der Logger kurz vor knapp mit leerem Akku aufgab):
- Entfernung: 21km
- Höhenunterschied: 1000m (sowohl aufwärts, als abwärts)
- Zeit: 8,5 Stunden (die Herrenrunde inkl. Pausen, die Damen sind über 9 Stunden unterwegs gewesen sein, da sie noch zum Sellajoch mussten)
Fast hätte ich es vergessen…
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In China ist es eine Unart vor Läden eine Stereoanlage aufzustellen, mit der man die Passanten bedröhnt oder ihnen versucht etwas unterzujubeln. Und dazu gehört vielleicht auch Aschijen. Denn wenn so eine mitreißende Werbung kam, war jedes fünfte Wort Aschijen. Wir reimten es uns aus diversen Fernsehwerbungen zusammen, dass Aschijen vermutlich Angebot oder Schnäppchen bedeutet. In diesem Sinne:
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China – die menschliche Seite
Chinesen im Alltag
Es macht ja richtig Spaß, Chinesen zu beobachten. Besonders das Verhalten von jungen Pärchen ist richtig drollig. Während man hier sieht, dass sich Pärchen küssen oder Händchen halten, nimmt das in China andere Formen an. Egal in welcher Stadt wir waren, erkannten wir Pärchen daran, dass er ihre Handtasche trug. Ein weiteres Kennzeichen sind Pärchen-T-Shirts oder im schlimmsten Fall Pärchen-Schuhe.
Etwas ungewohnter ist der Umgang mit der Körperhygiene. Also man trifft in der Seitengasse von Shanghai schon mal Menschen, die sich über einer Schüssel Wasser die Zähne putzen. Aber mit Fäkalien sieht man es nicht so eng, besonders bei Kindern. Kinder haben statt Windeln einfach einen Schlitz in der Hose und hocken sich im Bedarfsfall hin – sei es auf der Straße oder im Bus. Wir haben uns immer gefagt, was mit Kindern ist, wenn sie im Bus müssen, bis wir es live erlebt haben. Jetzt wurde uns auch klar, warum jeder Bus einen Wischmop an Bord hat. Wenn es der Boden gestattet, ist auch eine Befeuchtung den Wohnzimmers möglich, alles erlebt. Diese hockende Haltung wird damit zu Ruheposition und ist gleichzeitig die Ursache für die im Boden eingelassenen Toiletten.
Von mir bereits erwähnt, aber hier nochmal aufgeführt ist das Rauchen. Der gemeine Europäer hat sich schon langsam dran gewöhnt, dass man nicht mit dem Geruch belästigt wird. In China heißt es nach wie vor: Feuer frei! Öffentliche Gebäude sind da schon restriktiv, aber ansonsten ignoriert man ganz gekonnt die Schilder und raucht einfach weiter. Und dabei riechen unsere Zigaretten wirklich parfümiert. Was in China geraucht wird, ist ein rüdes Kraut. Es legt sich sofort auf Lunge und Hals, besonders bei den Rauchern selbst. Das Ergebnis – permanente Verstopfung im Hals und Auswurf, der bei jeder Gelegenheit ausgespuckt wird. Mir ist eine Sendung in Erinnerung, die mir erklärte, dass das wirklich gesünder ist, wie Taschentücher oder Hochziehen. Mag ja sein, aber es ist akustisch, als auch hygienisch absolut untragbar, denn das Flugobjekt landet auf dem Boden, egal wo das ist. Und das Auffällige ist – man sieht keine Frauen rauchen, nur Männer und die blasen ihren Dampf auch mal ins Gesicht der Freundin, damit sie auch was davon hat.
Überhaupt ist der Umgang zu Frauen unter aller Sau. Ich will es nicht schlecht reden, es ist wirklich so, Frauen werden wie der letzte Dreck behandelt. Auch hier ein Beispiel – wir übernachten in einer ruhigen Unterkunft, nur der Fernseher nebenan ist sehr laut, was uns schlecht schlafen lässt. Irgendwann wir nebenan eine männliche Stimme laut, offensichtlich gibt es Ärger. Nach kurzer Zeit folgen hörbar Schläge. Es rumst und poltert nebenan, keine Ahnung, was da los ist, aber es wird Zeit einzugreifen. Wir klopfen an die Wand, brüllen, keine Änderung. Kriszta mobilisiert die Leute von der Unterkunft, die auf unsere Bitte die Polizei zu rufen, sehr merkwürdig reagieren – wir sollen uns beruhigen, wir könnten auch in ein anderes Zimmer umziehen. Nochmal die eindringliche Bitte, die Polizei zu rufen – nee, nee, dass geht schon in Ordnung. Im Zimmer wird weitergebrüllt und geschlagen. Die Besitzerin redet mit der Tür, auf der anderen Seite keine Reaktion. Irgendwann geht die Tür, eine junge Frau flüchtet gegen den Widerstand ihres Mannes aus der Tür. Er versucht sie reinzuzerren, sie wehrt sich und weint bitterlich. Wir versuchen ihn daran zu hindern, worauf wir darauf hingewiesen werden, dass es seine Familie ist und er bittet uns mit seinen wenigen Brocken englisch um Entschuldigung, dass wir geweckt wurden. Dass er seine Frau vermöbelt, geht niemanden etwas an. Die Besitzerin überredet ihn, ins Erdgeschoss zu kommen, um sich zu beruhigen, wir sollen inzwischen noch mal ein Blick auf das andere Zimmer werfen. Die schluchzende Frau sitzt auf der Schwelle unserer Tür und bedankt sich. Wenig später kommt der Mann wieder hoch und will die Frau wieder ins Zimmer ziehen, sie reißt sich los und rennt ins Erdgeschoss und in die Nacht hinaus. Das Spiel setzt sich vorm Nachbarhotel fort. Er zieht an ihr, sie wehrt sich und weint. Ich brülle ihn an, er soll die Finger von ihr lassen. Das ruft den Besitzer des Nachbarhotels auf den Plan, der auf mich zukommt, fragt, ob mit mir alles in Ordnung ist und weist mich darauf hin, dass es doch schon spät ist. Ich erkläre, dass der Mann die Frau schlägt und die beiden zusammenzulassen kein gutes Ende nimmt – ja, ja, das passt schon, ich soll mich jetzt aus dem Staub machen. Ich gebs auf – offensichtlich interessierte das hier keinen.
Chinesen und der Tourismus
Touristen sind des Chinesen liebste Kuh. Man kann sie melken, ohne dass sie mitbekommen, dass man furchtbar übers Ohr gehauen wird. Fängt ganz simpel an – im Restaurant. Angesichts der schwer verständlichen Sprache gibt es immer eine Ausgabe, mit einer englischen Übersetzung, die einem aber schon mal einen groben Hinweis gibt, was man überhaupt vorgesetzt bekommt. Auch wenn einem Gerichte wie “Feather of duck with no reason” mehr Fragen stellen, wie Antworten geben. Mehrmals haben wir es erlebt, dass es auch eine chinesische Ausgabe der Karte gab und wenn man die Symbole auf die Schnelle verglich, dann war das “english menu” mal um ein Drittel teurer.
Wie ich schon im ersten Beitrag versucht habe, zu erläutern – Arbeitskraft ist in China das Billigste einer Dienstleistung. Also brauch man sich nicht zu wundern, wenn man kilometerweit verfolgt wird, nur um dann eine Viertelstunde lang eine Dienstleistung zu verhandeln. Seien es Postkarten auf der Großen Mauer oder eine Floßfahrt nach eine 20-Kilometer-Radtour. Und natürlich gibt es Dienstleistungen, die einem auch bei einem All-inclusive-Angebot angeboten werden. Wenn man dann hinterfragt, warum dann der Gesamtpreis nicht um den Betrag der Dienstleistug höher ist und dass man nicht zahlt, erntet man kein Verständnis.
Ich erinnere mich an den Ausflug zur Großen Mauer, wo wir zum Mittagessen einkehrten und wir extra noch fragten, ob Getränke inklusive sind und uns mit Händen und Füßen gesagt wurde, ein Getränk wäre frei. Als wir dann gingen entstand eine viertelstündige Diskussion, weil Bier wohl offensichtlich nicht dazugehörte. Ich erinnere mich an die Grotten von Yungang, wo wir eine Reise inklusive Fahrt, aller Eintritte und Mittagessen hatten und plötzlich für einen Transfer vom Parkplatz zum Eingang zahlen sollten. Und die Reiseleitung überhaupt kein Verständnis zeigte, weil wir sagten: Nein! Und ihr noch klar machen wollten, dass eine Reise inklusive aller Kosten nicht heißt, dass man noch extra zahlen muss. Erstaunlicherweise beginnt an der Stelle auch eine gewisse Schwerhörigkeit, sie tun sich mit dem Verständnis auf einmal sehr schwer.
Chinesen und die Hilfsbereitschaft
Überhaupt sind die Sprachkenntnisse über das Chinesische hinaus, schlecht bis katastrophal. Wenn man jemanden trifft, der Englisch spricht und einem bereitwillig beim Finden oder Weg beschreiben helfen will, hat man eine 50/50-Chance, übers Ohr gehauen zu werden oder jemanden zu treffen, der wirklich hilfsbereit ist. Wenn man jemanden spricht, der einen ratlos anschaut und dann noch jemanden hinzuholt, der auch kein Wort englisch kann, liegt man nicht falsch. Denn hilfsbereit sind sie schon, die Chinesen. Nachdem man sich verständlich gemacht hat, wo man hinwill, wird man in Bus etc. noch hingewiesen, wann man rausmuss.
Zum Abschluss möchte ich auf die besonders schönen Momente zu sprechen kommen. Da wäre zum Beispiel der Tea Shop in Pingyao (die Nan Da Street nordwärts gehen, bis es nicht mehr geht, dann links und kurz hinter der Absperrung für die Fahrzeuge auf der linken Seite). Die Besitzerin lud uns immer wieder gern zum Tee ein, den wir auch gerne kauften. Gerne erzählte sie uns, wie ihr Leben außerhalb des Arbeitstages von 6.30 – 23 Uhr, 360 Tage im Jahr aussieht bzw. auch während dessen. Ich stelle es mir persönlich sehr hart vor, 10 Jahre im Voraus die Miete für meinen Laden zahlen zu müssen. Sie empfahl uns auch die Theatervorstellung der Geschichte von Pingyao zu besuchen und gab uns die Karten zu dem Preis, wie sie nur für Einheimische zu erstehen sind.
Regelmäßig gingen wir in Pingyao auf der Nan da Street No. 82 essen, ein kleines gemütliches Restaurant mit vielen unglaublich leckeren Speisen. Die Besitzerin Lei Cai Juan sprach gern mit uns und führte uns auch auf unsere Frage, welche Musik in ihrem Restaurant auch gleich in einen Laden, wo man sie kaufen konnte. Auch wenn sie ihren Laden dazu kurz unbeaufsichtigt ließ, uns wurde geholfen. Als wir uns mit unseren Rucksäcken Richtung Bahnhof aufmachten, bekamen wir zum Abschied jeder eine Flasche Wasser und bekamen ein Taxi zum Sonderpreis.
Als wir in Tunxi landeten sprach uns eine Frau auf dem Flughafen an – sie würde auf ihren Freund warten und wenn wir in die Stadt wollten, würde sie uns mitnehmen, bevor wir die horrenden Preise der Taxifahrer zahlen. Gerne kamen wir auf das Angebot zurück. Während der Fahrt erzählten wir, was wir vorhatten und die Frau freute sich ein Loch in den Bauch, dass wir in ihre Heimatstadt Guilin fahren. Wir erzählten auch, dass wir nach Huangshan wandern wollten, worauf sie ihren Freund instruierte, dass er die Maut-Straße nach Huangshan nehmen sollte. Kurz hinter der Schranke klärten wir das Missverständnis auf, wir wollten doch erstmal nach Tunxi. Kein Problem – die 20 Yuan Gebühr (ein gutes Mittagessen) wollten sie nicht wieder haben. Wir wurden bis vor die Tür des Hostels gebracht und dann verabschiedet.
Zum Abschluss war das noch das kleine “Warm café” in der Old Street 53 in Xingping. Der Besitzer sorgte zwei Tage für unser leibliches Wohl und scheute keine Mühen, uns zu erklären, was Taro ist und wie “Wiredrawing Taro (Banana / Apple)” aussieht – was übrigens mit Banane einfach eine unglaublich süße und leckere Speise ist. Hat natürlich nichts mit Drahtziehen zu tun, sondern das sind frittierte Bällchen mit der jeweiligen Frucht als Füllung.
5.000 km durch China

Nachdem der letzte Beitrag doch nicht so positiv war, möchte ich mit unseren Erlebnissen in China einen Ausgleich dazu schaffen. 5.000 Kilometer ist auch nur eine grobe Schätzung, ich gehe von etwas mehr aus, da wir nicht nur die einzelnen Orte angesteuert haben, sondern auch noch Reisen in der Umgebung gemacht haben. Aber erstmal der Reiseplan in visueller Form. Die grünen Routen haben wir mit Zug zurückgelegt, die hellblauen waren Inlandsflüge.

1. Station – Beijing: In Beijing (oder deutsch: Peking) haben wir 2 Nächte verbracht. Wir landeten morgens, nahmen unser Zimmer im Leo Hostel in Beschlag und liefen dann in die Innenstadt. Auf dem Plan stand die verbotene Stadt. Das Wetter war durchwachsen (Sonne, aber Smog), stellenweise Niesel. Erste Kontake mit chinesischer Küche – wahnsinnig lecker, ich wünschte in Deutschland würden die Chinarestaurants so gut schmecken. Der zweite Tag wurde zur sportlichen Herausforderung – 10 Kilometer Wanderung auf der chinesischen Mauer. Pralle Sonne sorgte für Sonnenbrand, die Treppen sorgten für Muskelkater. Es gab einige Missverständnisse mit unserem “chinese speaking safety guide”, die sich aber beseitigen ließen. Am Abend dann unser erster Kontakt mit Footmassage (sprich: Futtemassasch), eine Wohltat und das für knapp 4 Euro pro halbe Stunde. Der dritte Tag war Sonntag und Beijing traf sich im Park, um zu singen, zu spielen und zu tanzen. Wahnsinn! Dann besuchten wir noch den Sommerpalast und abends zum Bahnhof von Beijingxi (zu deutsch: Peking Süd), um dann über Nacht nach Datong zu fahren.
2. Station – Hängendes Kloster und die Grotten von Yungang: Der Nachtzug war schwer genießbar, wir hatten Hardsleeper, d.h. 6 Personen in einem Liegeabteil, nur ohne Türen. Und dort wurde geschnarcht, telefoniert, geraucht, also einschlafen fiel schwer. Ich nahm meinen Walkman, Kriszta die Ohrenstöpsel und dann ging es. Am Abend zuvor hatte ich zu hektisch das scharfe Kung Pao Chicken verdrückt, was zu einer ziemlichen Verstimmung in Magen und Darm führte. Ich war für den Tag auf Diät. In Datong angekommen, buchten wir eine Tagestour zum hängenden Kloster und zu den Grotten von Yungang. Wir waren eine Gruppe von 5 Leuten (plus 1 Franzose, 1 Amerikaner der in Taiwan unterrichtet und eine Polin, die in Berlin lebt). Es war schon beeindruckend, die Führung erklärte alles in englisch und auch das Mittagessen muss wohl gut gewesen sein, ich hatte nur Reis. Bei den Grotten von Yungang versuchte man uns 10 Yuan aus den Rippen zu leiern, für einen “2 Kilometer-Transfer”, den wir dann in 10 Minuten zu Fuß erledigten. Am Abend gingen wir noch ins Zentrum von Datong, bekamen viele Blicke – offensichtlich sind Langnasen selten im Zentrum. In der Nacht ging es weiter nach Pingyao, diesmal Softsleeper, d.h. 4 Betten in einem geschlossenen Abteil. Kleine Anmerkung: Soft- oder Hardsleep hat nichts mit der Härte der Betten zu tun, die sind für meinen Geschmack angenehm fest.
3. Station – Pingyao: Pingyao ist ein kleines Nest, dessen Innenstadt noch richtig schon historisch ist und jede Menge Hostels, Gaststätte, Geschäfte sind. Hier haben wir 2 Nächte im Harmony Guesthouse verbracht – wir waren froh, endlich mal wieder in einem Bett zu schlafen, zu duschen und ein wenig zu entspannen. In Pingyao hatten wir einen Puffertag geplant, falls etwas mit den Nachtzügen nicht klappen sollte. Wir hatten wieder eine Fußmassage während wir von einem Herren ausgefragt wurden, der mir doch ein bißchen wir ein Parteisekretär vorkam. Irgendwann schnappten wir uns auch mal 2 klapprige Fahrräder und fuhren zum Tempel von Shuanglin. Und das an einer Straße wo die LKWs Stoßstange an Stoßstange entlang rumpel. Unsere Gesichter waren nachher schwarz. Die Organisation der nächsten Nachtzugfahrt lief etwas schleppend. Auch der Lonely Planet schreibt, dass Softsleeper sehr schwer von Pingyao aus zu organisieren ist. Wir hatten ein glückliches Händchen…
4. Station – Xi’an: Wir wurden wie auch schon in Pingyao vom Bahnhof abgeholt und ins Xiangzhimen Hostel gebracht. Schön an dem Hostel: viele Katzenkinder, die herumtollten, schöne Lage – man ist schnell in der Innenstadt. Nachteil: es liegt in der Nähe einer Kneipenstraße, die westlichen Touristen das Gefühl von Heimat vermitteln soll, was ich aber nicht will, wenn ich in China bin. Weiterer Nachteil: wir hatten ein Zimmer mit Fenster zum Gang. Nachts hörten wir das Walkie Talkie der Angestellten und früh wurden wir Zeugen, wie lautstark Nudeln geschlürft werden können. Die Station Xi’an hatten wir auf Wunsch eines einzelnen Herren eingelegt, der unbedingt die Terrakotta-Armee sehen wollte. Die bekam er auch zu sehen. Gigantisches Erlebnis, wenn auch wieder hoffnunglos überlaufen. Wenn der einzelne Herr damals schon gewußt hätte, dass Xi’an das ehemalige Jangan ist… Silkroad lässt grüßen. Den nächsten Tag schaute ich mir noch die Große Moschee an, während Kriszta auf dem Markt um “100% Silk”-Schals feilschte. Nachmittags war es richtig heiß, aber bei der Giant Wild Goose Pagode wurden wir bei der Wassershow unerwartet erfrischt. Und dann kam das Bibbern – ein chinesischer Inlandsflug. Aber keine Probleme – Gepäck kam an und alles war erstklassig, nur dass man die englischen Ansagen nicht im Mindesten versteht.
5. Station – Shanghai: Der Flug hatte etwas Verspätung, aber wir hatten unser Hostel “The Phoenix” schon in Deutschland bestellt. War eine gute Idee angesichts der Expo. Auch im Vorfeld war alles geklärt, dass wir spät in der Nacht kommen. Als wir dann nachts um 2 Uhr ankamen und hören mussten “Wir dachten, sie kommen nicht mehr”, waren wir kurz vorm Ausrasten. Dass wir die Bestätigung für unsere nächtliche Ankunft hatten, interessierte nicht – Zimmer war weg. Wir wurden in ein 8-Bett-Dorm gesteckt, die Bewohner freuten sich, um 2 Uhr geweckt zu werden. Leider ist es zur Expo sehr schwer in Shanghai unterzukommen, also mussten wir in den sauren Apfel beißen. Auch unsere Planänderung, einen Tag länger in Shanghai zu bleiben, wurde nicht mit einem Doppelzimmer belohnt, wir kamen wieder nur im Dorm unter. Den ersten Tag ging es mit den Zug nach Suzhou raus (1 Stunde Fahrt bei ca. 200km/h). Dort schauten wir uns die überlaufenen aber wirklich schönen Gärten an (Empfehlung: Humble Administrators Garden – etwas teurer, aber nicht soo voll). Dann ging es noch auf die Pagode rauf und ins Silkmuseum (echt Klasse, am lebenden Raupenbeispiel!). Und den Tag drauf hätten wir uns schenken können – Expo. Eine Viertelmillion Chinesen, die alle Pavillions mit ihrem Wunsch nach Stempeln blockiert. Zumindest haben wir im Pavillion von Ungarn einen mannsgroßen Gömböc bestaunen können.
6. Station – Tunxi: Ich musste mal wieder meinen Kopf durchsetzen und deshalb gab es eine kleine Planänderung. Wir buchten unterwegs noch einen Flug von Shanghai nach Tunxi. Wer auch immer mal ein chinesisches Bild gesehen hat, wo Berge aus einem Wolkenmeer ragen – hier kommt die Vorlage her. Tunxi ist wenig spektakulär, aber eine Wanderung in Huangshan schon. Wir fuhren mit dem Linienbus bis zu den Bergen, nahmen die Seilbahn nach oben und liefen – nein, wir stiegen Treppen. Rauf und runter. Nach unten gingen wir zu Fuß – 800 Meter Höhenunterschied treppab. Zum Glück schützten uns die Bäume vor der prallen Sonne. Wir waren 2 Nächte im Koala International Hostel untergebracht und buchten für den nächsten Tag eine Fahrt nach Huancun und Xidi. Das Wetter zeigte sich von der regnerischen Seite, es war schwülwarm. Die beiden Dörfer sind UNESCO-Weltkulturerbe, aber vielleicht lag es am Wetter – wir fanden sie nicht lohnenswert.
7. Station – Guilin: Es stand uns jetzt der Marathon bevor – die Zugfahrt von Tunxi nach Guilin. Eine Reise von 18 Stunden. Wir hatten wieder glücklicherweise den Softsleeper. Uns hatte man noch den Hinweis gegeben, dass es ein Zugunglück auf der Strecke gegeben hätte und wir nachfragen sollen, ob es zu Verspätungen kommt. Aber zu denen kam es auch ohne Zwischenfall. Die Strecke ist stellenweise einspurig und deshalb muss man an diversen Bahnhöfen warten, bis die höher priorisierten Züge an einem vorbeigerattert sind. Nach 22 Stunden Zugfahrt waren wir dann endlich in Guilin. Wir fragten uns zum Xiao Yang Lou International Hostel durch, luden unser Zeug ab und besichtigen die Sonne- und Mondpagode bei Nacht, aßen noch etwas und dann war der Tag auch schon vorbei.
8. Station – kleines Dorf oberhalb von Dazhai: Gleich am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen, und stellten unser gesamtes Gepäck im Hostel unter. Für einen Tag waren wir nur mit Marschgepäck unterwegs. Wir zuckelten durch die kleinsten Dörfer, blieben dort auch stellenweise eine ganze Weile stehen. Unterwegs wurden wir von einer Frau angesprochen, ob wir schon eine Unterkunft hätten. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass ihr die Unterkunft gehörte, in der wir auch geplant hatten unterzukommen. Als wir am Nachmittag ankamen, besichtigten wir noch ein paar der Terrassen und wurden Zeugen eines Fotoshootings, bei dem ich auch ein paar Schnappschüsse machte.
9. Station – Yangshuo: Wir waren an dem Tag sehr viel unterwegs. Früh packten wir etwas gerädert von der Nacht (mehr dazu im nächsten Beitrag) unser Marschgepäck, frühstückten schnell und machten uns auf den Weg nach Ping’an. Wir mussten uns immer etwas durchfragen, aber schafften es, gegen Mittag in Ping’an zu sein – dem kommerziellen Zentrum, wenn es um die Besichtigung der Terassen geht. Von dortaus ging es wieder zurück nach Guilin. Wir hatten noch etwas Zeit, bis unser Bus fuhr und schlenderten noch etwas durch Guilin. Guilin war schöner, wie die anderen Städte vorher, es wirkte ruhiger und geordneter. Abends ging dann der Bus nach Yangshuo, wir landeten im Flowers International Youth Hostel, spazierten abends noch etwas durch die Innenstadt und dann war es auch schon wieder Zeit für eine angenehme Dusche und schlafen zu gehen.
10. Station – Xingping: Den nächsten Morgen liehen wir uns ein paar Mountainbikes aus und damit fuhren wir entlang des Flusses. Wir verirrten uns ein wenig, die Sattel waren wenig bequem und hinzu kam, dass wir auch noch auf den falschen Weg geschickt wurden, der angeblich der einzige Weg wäre. Permanent wurden wir “unauffällig” verfolgt. Wir hatten vor, uns etwas mit dem Bambusfloß flussabwärts fahren zu lassen, aber nachdem wir dann die Preise hörten, verging es mir – lieber fahre ich mit schmerzendem Hinterteil zurück. Für umgerechnet 35 Euro sich 20 Minuten flussabwärts treiben zu lassen, ging mir gegen den Strich. Selbst nach Feilschen waren nicht weniger wie 20 Euro drin. Logisch – die frischgebauten kleinen Paläste am Uferrand mussten ja irgendwie finanziert werden. Wir kamen völlig erledigt wieder an, machten eine kurze Pause und dann ging es weiter in das kleine Örtchen Xingping. Durch sperrangelweite Fenster bzw. Klimaanlage auf Dauerfrost kratzte mein Hals ziemlich und wir nutzten den ersten Tag in Xingping zum Entspannen. War kein Problem, es regnete in Strömen und zwar filmreif. Das letzte Mal wo ich so viel Regen sah, war als das Hochwasser 2002 an der Elbe war. Wir verbrachten 2 Nächte in Xingping, aßen Wels nach einheimischer Art und machten noch eine Rundfahrt. Als wir im Hostel “This old place” buchten, wunderte sich die Angestellte, warum wir mehrmals fragten, ob der Preis auch der richtige ist und ob das pro Person gerechnet wurde. Wenigstens spielte das Wetter jetzt halbwegs mit.
11. Station – Guilin: So langsam waren wir erledigt. Als wir in Guilin waren, ließen wir uns nochmal die Füße massieren, was eine richtige Wohltat war – 1 Stunde lang. Ich hatte etwas Pech, aber auch wieder Glück, dass es so spät in unserer Reise passierte – als ich einen Snack probierte, der aus frittierten Trockenfrüchten bestand, gab einer meiner Zähne nach. Das Zeug war zu zäh, um gekaut zu werden. Wir trafen noch die nötigen Vorbereitungen für unsere Abreise am nächsten Morgen nach Hongkong und versuchten dann zu schlafen. Es war laut draußen und schwülwarm.
12. Station – Hongkong: Der Flug nach Shenzhen verlief problemlos, ja wir waren sogar zu zeitig da. Danach schnappten wir einen Bus nach Hongkong, der uns irgendwann wortlos vor einem Gebäude ablud. Man zeigte nur auf die großen Flügeltüren. Ah ja, die Grenze – 5 Schalter für Chinesen, 1 Schalter für Ausländer. Das Personal hatte sich bei Kriszta etwas zickig – offensichtlich kannte hatte man hier noch nie was davon gehört, dass sich Nachname nach der Hochzeit ändert und trotzdem der Mädchenname im Pass drinsteht. Auf der anderen Seite lud uns dann ein anderer Bus wieder aus und wir fuhren nach Hongkong rein. Zum Abschluss hatten wir nochmal ein richtig Klasse Hotel gebucht – das Island Pacific. Wir residierten im 19. Stock mit einem halben Blick aufs Meer. Das Hotel befindet sich in einer Straße, in der es allerlei getrockneten Fisch gibt. Man schlendert einmal da lang und dann hat man auch genug von dem Geruch. Wir nahmen dann lieber die Bahn, die richtig schön alt ist. Vorsicht mit dem Kopf dort – die Balken an der Decke tun ganz schön weh, wenn der Fahrer mal fix bremst. Relativ schnell kamen wir zur Erkenntnis, dass Hongkong für Besichtigungen ziemlich langweilig ist. Hier lohnen sich eher Shopping-Touren. Aber wer auf Technik aus ist, wird feststellen, dass man in Good Old Germany das Zeug mittlerweile billiger bekommt wie hier. Kleines Beispiel: das Sigma 50 – 500mm hat hier einen Ladenpreis von über 1.500 Euro, in Hongkong bekommt man es für 1.100 Euro Listenpreis (ohne Zoll etc.), aber zurück in Deutschland – hier gibts das bei amazon für 888 Euro. Den Traum konnte ich mir also aus dem Kopf schlagen. Wir fuhren noch auf den Peak, sahen aber wegen dem Smog nicht so viel und machten noch einen Ausflug nach Cheung Chau, wo ich einige Mückenstiche aufsammelte und dann war es wieder soweit – der Urlaub war vorüber.
Das Überreich – Made in China
Ein etwas reißerischer Titel – ich gebe es zu. Aber China will es allen beweisen. China will Größe, Stärke und Macht demonstrieren. Wirft man einen Blick hinter die Kulissen – so für zum Beispiel 3,5 Wochen – wird man schnell merken, dass sehr viel Fassade ist. Wir hatten jede Menge Zeit uns mit den Aspekten / Facetten auseinanderzusetzen und uns eine eigene Meinung über das chinesische Reich zu bilden. Ich werde das mal nach verschiedenen Blickwinkel auseinandernehmen…
China und die Menschen: Dieser Fakt wirkt auf alles weitere, was in den nächsten Abschnitten folgt. China hat über eine Milliarde Einwohner! Und dessen muss man sich immer bewußt sein. Denkt man an Konsum – muss man sich ständig bewußt werden, dass 1 Milliarde Menschen mit Wünschen, Bedürfnissen und Träumen befriedigt werden wollen. Und diese Nachfrage muss man sich auf der Zunge zergehen lassen… man stelle sich vor: Socken für eine Milliarde Menschen, Nahrungsmittel für eine Milliarde Menschen, Bus und Bahn für eine Milliarde Menschen, Urlaub für eine Milliarde Menschen, Kommunikation für eine Milliarde Menschen, Wohnraum für eine Milliarde Menschen… ich könnte die Liste noch weiterführen, aber die Botschaft wird klar.
Die Anzahl der Menschen spielt in alle Bereiche – Kultur, Verhalten untereinander und gegenüber Fremden. Wie entwickelt man eine Persönlichkeit bei solchen Zahlen? Man muss lauter, energischer, fleißiger sein, wie sein Nachbar, sonst klappt es nicht. Die Politik formt dazu noch von das Bild eines leistungswilligen, gesunden, kampfbereiten und patriotischen Chinesen. Platz für Alte, Kranke und Schwache kennt man da nicht und sucht man auch vergebens. Wenn man schon mal einen Behinderten sieht, wird dieser verunstaltet zum Betteln auf die Straße geschickt. Nach innen verleiht man den Chinesen Nationalstolz, aber das täuscht darüber hinweg, dass China eins ist: das Reich der Mensch-Maschinen.
China und die Wirtschaft: China hat ein Wunder, dass es für sich verbuchen kann. Die industrielle Revolution wird in China ad absurdum geführt. Die Anschaffung von Maschinen, um preiswert Menschen zu ersetzen, lohnt sich in China nicht. China hat einfach die Manpower, um alles zu schaffen, von daher ist es kein Wunder, wenn über Nacht neue Wohngebiete entstehen, neue Städte aus dem Boden gestampft werden und man so der ganzen Welt eine lange Nase dreht. Was man im Deutschland der 50er Jahre als Wirtschaftswunder bezeichnete, beginnt jetzt gerade in China. Es entsteht im Land ein Bedarf, der auch in Zeiten der westlichen Wirtschaftskrise für traumhafte Wachstumszahlen sorgt. China zeigt sich mit stolz geschwellter Brust und versucht uns lächerlich aussehen zu lassen. Nur die Frage ist: Irgendwann ist der Markt gesättigt und dann? Dann wollen die Leute mehr Geld, um sich diese Wünsche erfüllen zu können, die Produkte werden durch höhere Gehälter teurer… die Spirale funktioniert nicht.
Momentan nutzt China seine Vormachtstellung, um sich Technologien zu ergattern in Gegenleistung für preiswerte Produktionsstätten. Doch folgendes fehlt China bei seinem schnellen, billigen Wachstum: Nachhaltigkeit, Qualität und Kreativität. Alles wird schnell gebaut, produziert oder kopiert und genauso schaut es aus und so funktioniert es auch. “Made in China” ist das Synonym für billig – und ich meine damit wirklich “billig” und nicht “preiswert”.
China und die Politik: Sitzt man abends vor dem Fernseher, wird man sich schnell einer Tatsache bewußt: ausländische Sender sind tabu. Statt dessen muss man sich mit CCTV 1 bis 15 begnügen und für die ausländischen Touristen gibt es noch CCTV News in englischer Sprache. Und was dort ausgestrahlt wird, gleicht unseren Nachrichten, nur dass man das Gefühl bekommt, die ganze Welt ist schlecht, aber in China ist alles in Butter. Gut, es gab hier mal Überschwemmungen, da einen Erdrutsch, aber für das Wetter kann man ja nichts. Läuft man durch die Gänge der Metro, fährt man durch die Straßen wird überall die Vision eines neuen wunderbaren China verbreitet, mit jeder Menge Wohnraum für alle, riesigen Erholungsanlagen und alles ist grün und glänzt. Die Realität sieht jedoch anders aus, womit wir nahtlos zum nächsten Punkt übergehen…
China und Kultur, Religion und Tourismus: Das traditionelle China mit seinen kleinen Häusern, einer ruhigen und gesunden Lebensweise ist Millionenstädten mit gigantischen Hochhauswohnkomplexen, hektischem Straßenverkehr mit vielen hupenden Autos, LKWs, Bussen und Motorrädern gewichen. Gebäude, die nicht mehr in das Bild eines modernen China passen, müssen für neue Hochhäuser Platz machen. Die chinesische Kultur erhält einen westlichen Anstrich. Wo man sich am Wochenende im Park zum gemeinsamen Qigong traf, wird heute der Ghettoblaster angerollt und man tanzt westliche Gesellschaftstänze. Und das in einer Lautstärke, die nicht nur die Boxen im Bereich der Übersteuerung betreibt, sondern auch das menschliche Gehör.
Lautstärke ist auch der Punkt, der empfindlich unser Ohr bei unseren Ausflügen getroffen hat. Auf jeden westlichen Touristen kommen je nach Attraktion 1 – 3 chinesische Reisegruppen. Jede Reisegruppe hat ihr Erkennungszeichen (z.B. gelbes Basecap), einen Führer mit Wimpel und Megaphon und der unterhält seine Gruppe non-stop mit Fakten. Einmal hatten wir das Vergnügen mit einer chinesischen Gruppe eine Busreise zu machen – ich wußte garnicht, dass man 1,5 Stunden Busfahrt ohne Pause von der Reiseleitung unterhalten wird (in chinesisch natürlich) – Gesang inklusive. Die Chinesen mögen Unterhaltung und wissen Leute zu schätzen, die etwas können.
Ein weiterer zentraler Punkt, um Menschen unter Kontrolle zu bringen, ist Religion. In China schämt man sich nicht für buddhistische Tempelanlagen Eintrittsgelder zu verlangen. Das Mitbringen und Entzünden eigener Räucherstäbchen ist unter Umständen auch noch verboten – dann darf man vor Ort geweihte Stäbchen kaufen. Vor dem Tempel stehen auffallend große, neue Autos auf – BMW, Audi, Lexus usw. Man könnte denken, dass Geschäftsleute zu einem Gebet einfinden, bis dann eine Reihe Mönche nach ihrem Gebet aus dem Tempel kommen, um sich in den Ledersitzen ihrer Autos klimatisierte Luft um die Nase wehen zu lassen. Die Lektion ist klar – jeder hat seinen Preis und aufmüpfige oder freiheitsliebende Bestrebungen werden durch eine liebevolle Umklammerung zum Ersticken gebracht, wie es China mit Tibet bis 2020 vorhat. Dann soll auch diese Region vollwertig an das Reich angegliedert sein.
China und die Umwelt: Von China hört man immer: Umweltverschmutzung, gefährliche Chemikalien in Lebensmitteln, Milch und Lebensmitteln, Dreck überall. Natürlich ist das so, aber bei uns doch auch. An der Stelle muss ich China wirklich decken und an den ersten Punkt erinnern – 1 Milliarde Menschen! Man stelle sich in Deutschland 15 mal so viel Müll, 15 mal so viele Autos, 15 mal so viele Abgase durch Industrieanlagen vor. Oder für die USA – 4 mal so viel. Wie sieht denn die Wirklichkeit aus? Energiesparlampen und LEDs statt Glühlampen. Allerorts der Hinweis, auf die Umwelt zu achten, in Großstädten sind alle Müllbehälter am Straßenrand schon auf Trennung eingestellt. Dinge, auf die man in Deutschland noch lange warten darf. Und auch wenn das chinesische Bewußtsein für die Umwelt noch nicht ganz erwacht ist, sind die Folgen schon sichtbar. Als wir in Peking waren, konnten wir mit bloßem Augen in die Sonne schauen – eine dicke Smogglocke macht nicht nur das Licht trübe, sondern auch das Atmen schwer. Und erschwerend kommt noch das Rauchen hinzu… geraucht wird überall (Verbote natürlich ausgenommen). Im Zug, Bus, Gaststätte, während des Essens. Und das Kraut hat es in sich… jeder Raucher wird automatisch zum Schnarcher und zum potentiellen Spucker. Gespuckt wird auch überall da, wo geraucht wird.
China und seine Zwänge: Chinesen lieben das Gruppendasein. Vererbt durch die ehemals großen Familien ist man gesellig und schließt sich gern zu Gruppen zusammen oder wird zu einer Gruppe zusammengeschweißt. Erkennungszeichen – gleich Mütze, gleicher Aufkleber, gleiches Halstuch. So ist die Gruppe leichter zu erkennen und zu beobachten. Die Gruppe selbst reguliert sich ja von allein, schließlich möchte keiner Außenseiter sein. Noch besser, wenn man diesen Gruppen ein gemeinsames Ziel gibt. So z.B. auf die Expo zu gehen, den Expo-Reisepass in die Hand zu drücken und dann auf die Pavillions loszulassen. Ergebnis sind 2-5 Stunden Wartezeit pro Pavillion, hilferufendes Personal in Pavillions, dass die Stempel verteilt und für das Großreich die Genugtuung sein selbstgestelltes Ziel 70 Millionen Besucher auf der Expo zu haben, zu erreichen. Mal ehrlich – wir haben es selbst gesehen. Früh wurden die Leute dort mit Bussen abgeladen, hatten keine Ahnung, was sie dort sollten, außer sich die Stempel zu holen und abends wurden sie wieder eingeladen. Und in der U-Bahn prangt bereits um 10 Uhr die aktuelle Besucherzahl > 250.000. Als interessierter Besucher resigniert man irgendwann und hat Mitleid mit den Angestellten.
Aber auch als Tourist wird man Zwängen unterworfen. Man muss sich innerhalb von 24 Stunden melden, wenn man innerhalb von China reist. Erledigt sich natürlich von selbst, wenn man ein Hostel oder so hat. Aber an der Stelle kommen Verschwörungstheoretiker voll auf ihre Kosten. Man sitzt nichtsahnend im Park und plötzlich tauchen zwei Schulmädchen auf, welche die Hausaufgabe haben, sich mit einem fotografieren zu lassen und dann bekommt man ein Heft unter die Nase gehalten, wo man seinen Namen aufschreiben soll. Wäre nicht schlimm, wenn nicht 15 Minuten später das nächste Pärchen vor einem stehen würde, mit der gleichen Aufgabe. Die lassen natürlich das erste Pärchen, dass sich schon wieder die nächsten Touristen geschnappt hat, links liegen.
China und die Geschichte: Nachdem ich alle Punkte beleuchtet habe, wird eins schnell klar – China schreibt Geschichte und wenn es nur seine eigene ist und wenn auch nur, um noch mehr Geld damit zu erzählen. Kleines Beispiel? Die Höhlen von Yungang – riesige Buddhastatuen in Stein gekratzt, sehr imposant. Davor eine riesige Baustelle, auf der eine altertümlich anmutende Anlage entsteht. Auf die Frage, was das ist – “Hier wird der ehemalige Palast aus der Zeit der DingDong-Dynastie wieder errichtet.” Warum war er nur weg? “Er wurde durch den Krieg zerstört.” Aber welchen Krieg? “Es gab viele Kriege hier.” Komisch nur, dass die Höhlen keinen Kratzer hatten, aber der Palast dem Erdboden gleich gemacht wurde.
Und genau dieser Eindruck hat den Chinaurlaub maßgeblich beeinflusst – egal wo man in China ist und was man sieht – es könnte gefälscht, verschoben, nachgebaut oder einfach erfunden sein.
Zurück aus dem Reich der Mitte
Die Zeit ging schneller um, als wir dachten und ruckzuck waren die 3,5 Wochen Chinaurlaub um. Der erwartete Kulturschock blieb aus, trotzdem blieb jede Menge Raum für neue Erfahrungen.
Das wird sich natürlich alles in Blogbeiträgen widerspiegeln, ich bin noch beim Überlegen, ob ich zwei oder drei Beiträge erstelle. Einer wird auf jeden Fall unsere Reiseroute, die Orte und Erlebnisse beinhalten. Ob ich aber Land und Leute in einem Beitrag verarbeite oder in zweien, darüber bin ich mir noch nicht so ganz im Klaren. In der Zwischenzeit müssen über 900 Bilder durchgeschaut, aussortiert und kategorisiert werden…
Fester Standpunkt (Hitchhiker’s Guide – Teil 6)
Noch eine gute Woche bis zum Aufbruch ins Reich der Mitte und ich bin in Gedanken schon im Juli, wo es wieder ein verlängertes Wochenende in den Dolomiten geben wird. Mit meinen alten Schuhen wollte ich mich nicht nochmal auf den Weg machen, denn nach einem halben Tag wandern begannen die Zehen zu schmerzen.
Also gingen wir zum Händler unseres Vertrauens und probierten Schuhe an. Was muss dabei alles beachtet werden, man denkt ja selbst auch nicht an alles…
- Die Kategorie: Alpines Wandern oder doch eher ein Schuhe für eine Wanderung auf der Alm? Für meinen Fall sollte es normales Trekking sein und auch schon das eine oder andere Mal über eine Geröllebene gehen, ohne sich gleich das Fußgelenk zu verdrehen.
- Das Gewicht: Wer schon mal mehrere Tage hintereinander in Wanderschuhen unterwegs war, weiß, dass am Abend die Beine und die Füße wie Blei sein können, wenn man den falschen Schuh erwischt. Also Achtung, hier kollidiert man natürlich mit der Kategorie. Denn je fester und stabiler der Schuh, um so schwerer wird er.
- Die Größe: Normal hab ich so Größe 42 und liege damit eigentlich immer auf der sicheren Seite. So habe ich auch bei meinen ersten Wanderschuhen gehandelt und das endet schon am ersten Tag schmerzhaft. Denn wenn man ein Stück bergab läuft, stößt man gern mit den Zehen vorn an. Der Tipp aus dem Profiladen: Die Schuhe so groß nehmen, dass man auf den Probestrecken, die es im Laden gibt, nicht mehr vorn anstößt.
Und so fiel – auch von der Optik beeinflusst – meine Wahl auf den Meindl Air Revolution 3.1. Und nun sind es noch zwei Monate bis zum ersten Test…
Flughafenüberdosis
Irgendwas lief gut – Mitte Februar schrieb ich noch, dass ich “Naokos Lächeln” zu lesen beginne und nun habe ich schon wieder die 3/4 des nachfolgenden Buches hinter mir. Die Buchbesprechung folgt an einer anderen Stelle, aber die Ursache dafür ist hier richtig am Platz.
Grund dafür war, dass ich wieder mal unterwegs war und abends nichts anderes im Kopf hatte, als mich ins Bett zu legen und zu lesen, bis ich nicht mehr konnte. So kam ich gut bei Naokos Lächeln voran. Günstigerweise war ich in der Nähe von Frankfurt und konnte mir so eine umständliche Anfahrt schenken. Das Ziel war Madrid, wo sich Kriszta schon seit einer knappen Woche befand. Für uns stand noch verlängertes Wochenende auf dem Programm. Der Flug war unter Straucheln der Webseite von Opodo gebucht wurden und so verhielt sich auch die gesamte Reise. Das Ticket verriet: Abflug Freitag, 21:15 Uhr.
Der Termin bei Frankfurt ging aber schneller herum, wie erwartet und ich stand an der Gepäckabgabe, wo mich Frau Lufthansa auf mein Gate hinweisen wollte und plötzlich stolperte: “Sie gehen dann… Moment mal, was machen Sie denn jetzt schon hier?” Ich musste angesichts ihrer Reaktion lachen und erklärte meinen Termin. Sie lächelte mitleidig und fing nochmal an: “Also, Sie gehen dann in 7 Stunden an Gate A30, aber das Gate kann sich bis dahin noch 50mal ändern, also halten Sie mal Ausschau. Viel Spaß im Buchladen!” Ich lachte wieder und in die Halle C, wo kaum was los war und setzte mich gemütlich hin.
200 Seiten Murakami gegen 7 Stunden sind unfair. Zumal mich das Buch so fesselte und aus der Bahn riss, dass ich danach erstmal wie ein Geist herumlief und 1 Stunde brauchte, bis ich ein Buch gefunden hatte, was ich als nächstes lesen konnte, ohne hoffnungslos enttäuscht zu werden. Einen weiteren Murakami gab es in der Buchhandlung nicht, also verließ ich mich auf einen andern Schriftsteller, den ich sehr mag: Nick Hornby. Ich wechselte immer zwischen Herumlaufen und Lesen, schaute mir unendlich viele Zeitschriften an und mit einer guten halben Stunde Verspätung ging es los. Auf nach Spanien! Es regnete in Frankfurt mittlerweile in Strömen und meine Begeisterung auf ein verregnetes Wochenende ließ mich nicht gerade begeistert in den vollen Flieger steigen.
In Spanien regnete es nicht, als wir landeten, aber rosig war das Wetter nicht. Ich war todmüde und wir liefen noch ein bißchen umher, weil die Zeitverschiebung in Spanien enorm ist. Vor 10 Uhr rührt sich da nicht viel, dafür sind die Straßen auch bis weit nach Mitternacht brechend voll. Man lebte, trank, redete, aß und wohnte auf der Straße. Gegen halb 3 war auch unsere Zeit gekommen und wir schliefen ein. Der Samstag zeigte sich anfangs verregnet und machte uns einen fetten Strich für die Fahrt nach Toledo durch die Rechnung. Also liefen wir ein bißchen durch die Stadt, lustlos, weil es immer wieder regnete. Später wechselten wir dann von Herumlaufen zu Shoppen, was bei dem Wetter besser angebracht war. Gegen Abend kam Wind auf. Ein ständiger Wechsel zwischen Sonne, Wolken und Regenschirm machte es nicht einfach. Erst gegen Abend hörte es auf, wurde deutlich milder und wir besuchten den Prado.
Der Sturm verschonte Madrid, wir bekamen kaum was davon mit (die Nachrichten jetzt mal ausgenommen). Statt dessen setzten wir uns abends gemütlich in eine Kneipe und probierten Paella und Muscheln und dazu natürlich ein cerveza und ein Mischgetränk aus Rotwein, Wasser und Zitronensaft (Tinto verano), was erstaunlich lecker schmeckte und obendrein noch erfrischend war.
Der nächste Tag zeigte sich von seiner besten Seite. Fast ununterbrochen blauer Himmel. Wir bekamen am Rande mit, dass das Tief im Norden Spaniens ziemlich gewütet hatte und abends trafen auch in Spanien die Nachrichten über die Verwüstungen in Deutschland ein. In Madrid war noch eine Monet-Ausstellung, die aber insgesamt sehr enttäuschend war. Wir ließen den Abend wieder in der gleichen Kneipe wie am Vorabend ausklingen.
Wenn ich jetzt so an die Tage in Madrid zurück denke, fällt mir ein, dass ich zu Beginn der Meinung war, Madrid wäre wie Rom, nur ohne Sehenswürdigkeiten. Aber der Vergleich hinkte gewaltig. Das Zentrum von Madrid ist insgesamt schön anzusehen. Was natürlich nervt, sind die Unmengen von Menschen, die sich zu allen Tag- und Nachtzeiten überall befinden. Das Gefühl eine ruhige Stelle zu haben, geht völlig verloren. Und wo viele Leute sind, entsteht auch viel Dreck. Es scheint ein Hobby der Einwohner Madrids zu sein, ihre Stadt zuzumüllen, damit über Nacht in unermüdlicher Arbeit alles wieder sauber gemacht wird, um dann wieder von vorn zu beginnen. Was mir noch auffiel, war die unglaubliche Wärme in den Geschäften. Man geht in winterlichem Outfit rein und muss nach wenigen Minuten wieder die Flucht ergreifen, es sei denn, man entkleidet sich bis auf das T-Shirt. Naja gut, wer im Sommer 40°C hat, schlottert bei 12°C.
Weil ich gerade das Gebiet der Geschäfte betrete – die Bedienung in den Geschäften läuft größtenteils nach dem Prinzip “komm ich heute nicht, komm ich morgen”. Zehn Minuten an der Kasse zu verbringen, obwohl nur drei Leute stehen, ist durchaus selbstverständlich und der geneigte Spanier greift zu seiner Lieblingsbeschäftigung: Reden. Denn das können sie – durcheinander und ohne Luft zu holen. Macht nichts – ich mache trotzdem mal Werbung für einen Klamottenladen, auf die mich Kriszta aufmerksam machte: Desigual. Wer auf bunt steht, kommt da nicht dran vorbei. Überhaupt haben wir viele Klamotten wieder mitgebracht. Wenn Madrid etwas ist, dann ein Shoppingparadies. Irgendwann hat es auch mich erwischt und ich musste nach 2,5 Stunden vor Abflug nochmal in einen Desigual-Laden stürzen und mir ein Kapuzenshirt holen (natürlich in bunt).





