Das karibische Irland
Nach St. Maarten kam den nächsten Tag St. Kitts. Als wir am Morgen aufwachten und uns die Insel ansahen, meinte Kriszta, dass es verdächtig nach Irland aussieht. Saftig grüne Hügel stiegen aus dem blauen Meer und freundliche bunte Häuser warteten darauf, entdeckt zu werden.
Als wir jedoch von Bord gingen und uns einen Stadtplan holten, mussten wir nach einer halben Stunde feststellen, dass wir die gesamte Innenstadt nun erkundet hatten. Als wir uns wegen Touren erkundigten, wurden wir enttäuscht. Ziele waren die Innenstadt (schon gesehen), ein Schlachtfeld, wo sich Briten und Franzosen die Köpfe eingeschlagen haben (kein Interesse), ein buschelig weißer Baum (Wozu für einen Baum eine Inseltour buchen?) und der Dschungel (davon haben wir schon genug gesehen). Das von uns anvisierte Ziel – das Fort – war Bestandteil keiner Tour, denn angeblich war es zu teuer. Als wir den Preis für ein Taxi dahin erfragten, wurden wir mit $50 vor den Kopf gestoßen. Nein danke, hier hielt uns wirklich nichts fest. Halb 11 Uhr waren wir bereits wieder auf dem Schiff und verbrachten dort den Rest des Tages.
Französisch-holländische Kooperationsinsel
Erste Station unserer Kreuzfahrt war die Insel St. Maarten mit dem Hafen in Philipsburg. Philipsburg liegt im holländischen Teil der Insel. Wir bummelten etwas an der Strandpromenade entlang, wurden von einem kleinen Sprühregen überrascht und schauten uns dann nach Touren um. Nach langen Diskussionen machten wir mit einem indisch-kanadischen Pärchen eine Inselrundfahrt in einem Taxi. Geführt wurden wir dabei von unserem Fahrer Franklin.
In der Nacht hatte es auf St. Maarten unheimlich viel geregnet und so standen viele Straßen unter Wasser, was zu einigen Staus führte. Aber Franklin wusste genau, wo diese Punkte sind und fuhr die entgegengesetzte Richtung. St. Maarten ist eine schöne Insel, wir machten nur aber die kleine Runde über den Strand im Norden, Marigot – die “Hauptstadt” auf der französischen Seite und letztendlich ein Überblick über die Lagune im Osten der Insel. Im Nachhinein hat uns Marigot besser gefallen wie Philipsburg, der Ort ist nicht so überlaufen und wirkt wesentlich sauberer wie das holländische Gegenstück.
Boarding completed!
Unsere letzte Phase hat begonnen – entspannen und trotzdem reisen. Auf Empfehlung buchten wir eine Kreuzfahrt bei Royal Carribean. Es fing aber alles etwas unglücklich an – Die US-Küstenwache inspizierte das Schiff “Navigator of the Seas” und hatte sich verrechnet, weswegen das Boarding verschoben wurde. Als wir am Hafen ankamen, stand eine riesige Schlange und wir brauchten 1,5 Stunden, um an Bord zu kommen. Zwischendurch gab es keine Information, warum wir warten und Getränke wurden auch erst später ausgeschenkt.
Wir bezogen unser Zimmer und kurze Zeit später kam dann auch schon das Gepäck. Es war ein kleines Zimmer, hatte aber allen Komfort. Kurz darauf genießen wir unser erstes Dinner – sehr schön gemacht, lecker und mengenmäßig gut aufeinander abgestimmt. Anschließend schauen wir uns noch die Willkommen-Show an – nach 7 Monaten Backpacker komme ich mir vor wie im falschen Film… eine Show bei der auf heile Welt gemacht wird, in welcher Welt leben die denn?
Später erfahren wir, dass es nicht nur Probleme mit der Küstenwache gab, sondern dass es auch der geschäftigste Tag in Port Everglades war: Es wurden 55.000 Leute auf 9 Schiffen geboardet. Das erklärt auch, warum wir 30 Meilen außerhalb von Fort Lauderdale ein freies Motel gefunden haben.
Die nächsten beiden Tage verbrachten wir auf hoher See. Wie schon von der Stahlratte bekannt, wehte ein straffer Wind, das Schiff schaukelte gemütlich, aber es schaukelte. Nach einem Tag merkte ich das Schaukeln schon garnicht mehr, nur Kriszta erinnerte mich immer wieder daran. Der Rahmenablauf eines Tages war eigentlich auf der ganzen Kreuzfahrt gleich: Aufstehen (meistens zwischen 6-7 Uhr), Joggen, Sonnen oder Landbesichtigung, Mittagessen am Büffett, Sonnen, Sport (Gewichte heben und Radeln), Abendessen und danach Abendprogramm.
Während der Zeit an Bord erdeckte ich meine Liebe zu Sudoku, denn es gab täglich zwei neue Rätsel. Zu Beginn tat ich mich noch schwer, aber im Laufe der Zeit entwickelte ich einen Algorithmus, der mich meistens zum Ziel führte. Und wenn nicht, grübelte ich oft stundenlang…
Das Tor zu den Sternen
Ein bißchen enttäuscht war ich schon, kurz bevor wir nach Fort Lauderdale gingen, denn es wurde der Start des Mars Space Laboratory (MSL) aka “Curiosity” vom 25.11. auf den 26.11. verschoben. Aber in gewisser Weise war ich auch froh, denn so waren die Startrampen für die Tour nicht gesperrt und man konnte “relativ” nah ran.
Durch den Black Friday Exzess in der Nacht zuvor hatten wir nur 4 Stunden geschlafen. Wir frühstückten schnell, verstauten unsere Taschen im Auto und fuhren Richtung Norden Richtung Cape Caneveral. Obwohl wir bis zu 70 Meilen pro Stunde fahren konnten, dauerte unsere Fahrt 3 Stunden und es war kurz nach 13 Uhr, als wir ankamen.
Gleich nachdem wir auf dem Gelände waren, nahmen wir einen Bus, der in die Nähe der Startrampen fährt. Von Filmen wie “Contact” kannte ich das Gebiet schon und es war überwältigend die riesige Montagehalle zu sehen und die Kiesspuren, die zu den Startrampen führen. Von einem Aussichtspunkt hatten wir die Möglichkeit auf die Startrampe der Apollomissionen zu schauen und natürlich auch auf die Abschussrampe, wo die Atlas V-Rakete auf ihren Start wartete.
Von da aus ging die Busfahrt weiter zu einer Halle, wo erst ein Film über die Apollo-Mission gezeigt wurde. Danach öffneten sich die Türen und es wurde der Blick auf die Konsolen der Apollo-8-Mission freigegeben. Dazu wurde der Start der Rakete simuliert, mit allen Sprachaufzeichnungen und inklusive wackelnder Scheiben. Anschließend ging es zu einer originalen Saturn-5-Rakete, der Basis aller Apollo-Missionen. Dort konnte man über den Rover bis zu den Raumanzügen alles bewundern, was bei den Apollo-Missionen zum Einsatz kam.
Nachdem wir die Rundfahrt beendet hatten, schlenderten wir noch über das Gelände und schauten uns alles an, mit Ausnahme aller Gebäude, denn die Klimaanlagen waren auf “tiefkühlen” gestellt und länger als 10 Minuten haben wir nicht ausgehalten. Das Hauptgelände ist wenig ergiebig und so liefen wir zurück zum Auto und fuhren zurück Richtung Fort Lauderdale.
Black Friday Madness

Unsere "Eroberungen"
Frisch gelandet, kamen wir zu Einwanderungsbehörde und hatten auch noch das Glück einen Beamten zu haben, der als Kind von Deutschland in die USA ausgewandert ist. Ging alles schnell und problemlos, genau wie die Autovermietung. Einfach ins Parkhaus gehen, ein Auto der Klasse aussuchen und einsteigen – Schlüssel steckt. Mit dem Auto ging es auf die Suche nach einem Hotel/Motel in der Nähe. Wir suchten eine Weile und ließen uns dann in einem La Quinta Hotel nieder, dass schon gut gefüllt war. Wir ruhten uns einen Moment aus und versuchten was zu Essen zu finden. Leider Fehlanzeige, denn es war Thanksgiving und alles hatte zu… noch. In wenigen Stunden würden sich die Türen der Shopping Center öffnen und Schnäppchenjägern das hart verdiente Geld aus den Taschen ziehen.

Der Tag nach dem Black Friday
Wir wechselten uns beim Anstehen ab und als ich von meiner Runde wiederkam, durfte ich nicht mehr das Geschäft betreten. Diskussionen waren zwecklos, es führte kein Weg mehr rein. Kriszta kam aber kurze Zeit später mit allen Tüten aus dem Laden und wir konnten unseren Weg fortsetzen. Wir durchstöberten noch mehrere Geschäfte und kurz nach 3 Uhr morgens gingen wir zurück ins Hotel.
Canopy!
Nachdem wir eine Nacht in San Jose verbrachten, standen den nächsten Morgen kurz nach halb 6 Uhr auf, packten alles zusammen und ließen uns ein Taxi rufen. Wir mussten eine Viertelstunde warten, bis es uns gefunden hatten und dann rollte es in aller Gemütlichkeit Richtung Busbahnhof. Dabei wusste der Fahrer doch, dass wir 6.30 Uhr den Bus nach Monteverde nehmen wollten. Es wurde zur Punktlandung… schnell Tickets kaufen, noch was fürs Frühstück organisieren und dann ging es auch schon los.
Der Bus war von der ältesten Sorte, das Getriebe knirschte freundlich, wenn der Fahrer den ersten Gang einlegte und nach einer 5-stündigen Fahrt kamen wir in Monteverde an. Das Wetter hatte sich von sonnig zu Sprühregen verändert. Da es in Montoverde reichlich Unterkünfte gibt (verglichen mit der Ortsgröße), hatten wir nichts gebucht und suchten so auf eigene Faust. Letztendlich fanden wir mit “Vista al Golfo” eine schöne Unterkunft für 2 Nächte. Dort buchten wir auch gleich für den nächsten Morgen unsere Canopytour bei Selvatura.
Abends kam dann ein Sturm auf und ich fürchtete schon, dass wir die Tour absagen müssen. Ich hatte keine Lust bei Sturm an einem Stahlseil zu baumeln. Es stürmte die ganze Nacht lang und erst am Morgen beruhigte sich der Wind. Wir konnten also ungehindert losfahren. Pünktlich um 8 Uhr wurden wir von einem Minibus aufgesammelt und zum Selvatura Park gefahren. Dort ging alles sehr schnell – bezahlen und innerhalb von 5 Minuten hatten wir Helm, Handschuhe und Gurt angelegt bekommen. Danach ging es mit dem Minibus weiter zur ersten Station. Dort erfolgte eine kurze Einführung, wie man rollt und wie man bremst.
Die erste Strecke war kurz, aber ziemlich steil, sodass wir – unerfahren im Bremsen und noch nicht vertraut mit den Handzeichen der Guides – ziemlich an den Baum donnerten. Passiert ist nichts, aber der Schrecken war erstmal groß. Die nächsten 2-3 Strecken stellte sich dann das Gefühl für Strecke und Seil langsam ein, Angst hatten wir nie, die Sicherungsmaßnahmen sind sehr gut. Zwischendrin ging es einen Turm hoch – der Tarzan Swing. Wieder einfach mal loslassen und danach baumeln. Die letzte Strecke war die längste. 1000 Meter lang und diese Strecke muss man zu zweit machen, damit man ordentlich Schwung bekommt, um das andere Ende zu erreichen. Wir hatten für $70 das Kombopaket zusammen mit den Brücken gebucht, diese Wanderung (ca. 1 Stunde) ist schön im Dschungel, aber wer auf Tiere hofft, wird enttäuscht werden, hinter uns kreuzte mal eine Nasenbärenfamilie, aber ansonsten schien der Nebelwald unbewohnt und still.
Mittelamerika, die Zweite
So, endlich in Costa Rica, unser letztes Land in Mittelamerika. Aber aller Anfang ist schwer. Wir fanden uns wie gebucht um 11.30 Uhr am Wassertaxi an, was uns von Bocas del Toro wieder aufs Festland bringen sollte. Dort wurde uns mitgeteilt, dass ein Streik auf der Strecke nach Costa Rica ist und wir nicht vor 15 Uhr losfahren können. Ja freilich, meinten wir, am Samstag wird gestreikt. Der – wie soll ich eigentlich den Typ nennen, der da rumsteht und nichts macht, außer rumzutelefonieren… ich nenne ihn mal Taxivermittler – meinte, dass es trotzdem nicht geht, wir könnten entweder rüberfahren und mit dem Auto bis an den Stau fahren oder auf Bocas bleiben. Wir machten los.
Unsere primäre Angst war natürlich, dass kein Taxifahrer am anderen Ende wartete – dererlei Geschichten liest man viel im Internet, dass Leute eine Tour mit mehreren Streckenabschnitten buchen und irgendwann mitten in der Pampa ausgesetzt werden und niemand da ist und auch niemand kommt. Wir hatten Glück, der Fahrer Erick war schon da, wollte aber nicht losfahren. Das Ergebnis eines Telefonats war, dass der Chef gesagt hat, vor 15 Uhr fährt er nicht los. Meine Vermutung war, dass die Streikgeschichte natürlich erfunden war und wir eigentlich auf andere Gäste warten. Genau so kam es dann auch. Nach 3 Stunden warten, luden wir kurz vor 15 Uhr ein deutsches und ein spanisches Pärchen ein, die einen Tagesausflug auf Bocas gemacht hatten und fuhren los. Ab dem Punkt ging alles glatt. Wir wurden bis zur Grenze gefahren, dort wartete schon der Fahrer des costaricanischen Taxis, brachte uns über die Grenzbrücke und dann ging es bis Puerto Viejo. Und damit wieder eine Warnung für alle Reisenden: Die Casa Verde vermittelt die Überfahrt von Bocas del Toro nach Puerto Viejo für $25 über das Unternehmen “Panama Vida Natural”, die wiederum Taxi 25 als Wassertaxi verwenden – lasst bloß die Finger davon, wenn ihr nicht 3 Stunden warten wollt oder erkundigt euch bei Taxi 25 vorher schon, ob es direkt weiter geht – angeblich rufen sie im Hostel an, aber wir waren bis 11 Uhr im Hostel und es passierte nichts. Auf der Hauptstraße gibt es ein Unternehmen (Caribe Shuttle), das für $30 den Transfer organisiert, was einen wesentlich seriöseren Eindruck macht.
Das regnerische Wetter wechselte wieder zu bewölkt mit blauen Stellen und wir ließen uns im Hostel Pagalú nieder. Für $24 findet man hier eine erstklassige Unterkunft (Doppelzimmer mit geteiltem Bad), alles ist sauber und wir waren happy. Wir liefen ein bißchen herum und fanden an der Strandstraße ein Restaurant, was relativ preiswert (ca. $9 pro Gericht) Fischgerichte servierte und dazu gab es Cuba Libre für $2 mit ordentlich Libre drin. Wir fanden es schade, schon am nächsten Tag abreisen zu müssen, aber schon am Morgen des nächsten Tages begann es zu regnen und von daher konnten wir die Abreise leicht verschmerzen.
Science-Fiction-Krimi-Roman
Nun ja, die Auswahl der Bücher in den Hostels fällt zum Teil schwer, weil es sehr wenig deutsche Bücher gibt. Also nimmt man notgedrungen schon mal einen Krimi zur Hand. “Gewitter über Pluto” hieß das Buch, was ich in den Händen hielt, geschrieben von Heinrich Steinfest. Die Rückseite erzählte von einem Pornodarsteller, der seinen Beruf aufgibt und nun einen Laden für Strickzubehör eröffnet und eines Morgens eine Leiche findet. Das versprach witzig zu werden…
Das Buch ist auch witzig, ein sehr unterhaltsamer Erzählstil, der manchmal in sehr merkwürdigen Erkenntnissen gipfelt. So zum Beispiel, als der Protagonist Lorenz beschließt einen Strickladen zu eröffnen, obwohl er keine Ahnung hat und man sich die Frage stellen könnte: Warum gerade einen Strickladen, wo er doch überhaupt keine Ahnung vom Stricken hat. Ja warum auch, der Gott des Todes ist ja auch nie gestorben.
Nach einer Weile des Lesens schleicht sich aber ein ungutes Gefühl ein, der Autor schweift ab. Manchmal nur wenige Sätze, stellenweise bis zu einer ganzen Seite äußert er seine Meinung zum aktuellen Thema und das führt stellenweise sehr weit von der Handlung weg und verleitet dazu, einfach nur querzulesen, denn es ist schlicht uninteressant und überflüssig.
Und dann ist der erste Teil des Buches beendet und es beginnt eine neue Handlungsebene. Eine neue Figur wird eingeführt und im Gegensatz zur Beobachterperspektive wechselt der Autor zum Ich-Erzähler. Diese Figur ist auch noch ein Außerirdischer vom Planeten jenseits des Pluto, der quasi der Pantoffel-James-Bond unter den Außerirdischen ist. Dann entpuppen sich einige der Hauptfiguren aus dem ersten Teil auch als Außerirdische. Gute Idee, dass mal wieder das Thema von “sie sind unter uns” aufgegriffen wird. Nervig ist nur, dass alles gewaltsam mit Pluto in Zusammenhang gebracht wird.
Ich habe das Buch wirklich gern gelesen, es hat auch Spaß gemacht, bis auf die schon erwähnten Abschweifungen. Wäre das Buch ein Drittel kürzer, wäre der Lesespaß bestimmt ein noch ungehinderterer geworden.
Living la vida Bocas
Wisst ihr warum es in der Karibik so heiß ist? Dazu muss man sich nur an seine Jugend erinnern – die wirklich guten Partys. Da wo man im tiefsten Winter im T-Shirt hinging und nach einer halben Stunde schweißgebadet war. Und wenn man den Unabhängigkeitstag von der Provinz Bocas del Toro 8 Stunden lang feiert, eine Band trommelte nach der anderen. Was man im folgenden Video nicht sieht ist, dass der Boden von den Trommeln vibrierte. Es fällt dabei wirklich schwer, nicht euphorisch zu werden.
Aber wie war unsere Zeit auf Bocas eigentlich? Wir setzten morgens mit dem Boot über und sahen während der Fahrt den Sonnenaufgang. Nachdem wir uns Domizil – die Casa Verde – bezogen hatten, hörten wir, dass an dem Tag die Unabhängigkeitsfeier ist und seufzten… schon wieder eine Feier. Schon vormittags dockten große Fähren an und luden Hunderte von Menschen ab. Das konnte ja heiter werden. Kurz nach Mittag ging es los und wir waren dann doch gleich Feuer und Flamme. Wir liefen die Hauptstraße auf und ab, um jedem Zug zuzuhören. Manche Züge waren größer (bis ca. 30 Trommler), manche kleiner. Und so ging es bis abends um 22 Uhr, wo wir den letzten Zug sahen. Die meisten Gäste fuhren dann schon mit der Nachmittagsfähre zurück, sodass es schnell wieder ruhig wurde.
Der nächste Tag stand im Zeichen des Red Frog Beachs auf der Insel Bastimentos. Bocas del Toro ist ja eine Inselgruppe mit vielen Inseln, die sehr oft noch mit kleinen Mangroveninselchen umgeben sind. Die Hauptinsel ist Colón, wo sich unsere Unterkunft befand. Wir setzten mittags über, fuhren mit einem Pickup zum Strand und chillten den ganzen Nachmittag. Unglücklicherweise hatten wir kein Buch und keinen MP3-Player mit, weil wir ja eigentlich nicht allzu lang bleiben wollten.
Für unseren letzten Tag auf Bocas hatten wir einen Tagesausflug auf einem Katamaran gebucht. Wir fuhren zur Dolphin Bay, wo es vor Delphinen nur so wimmelte, leider waren andere Boote da, welche die Delphine fütterten und deswegen blieben sie unserem Boot fern. Danach ging es zu Mangroveninseln, wo es schöne Korallen gab. Ich vermied es ins Wasser zu gehen, weil ich mir bei San Blas die Zehen in den Taucherflossen aufgescheuert hatte. Aber an der zweiten Schnochelstelle konnte ich mich nicht zurückhalten und schwamm mit vielen bunten Fischen um die Wette.
Panamana
Mittlerweile ist mir einiges klar geworden. Wer sich in Amerika von Norden nach Süden bewegt, wird wirklich von Cartagena begeistert sein. Was uns hier in Panama erwartete, konnte unsere Erlebnisse in Cartagena noch toppen.
Wir fuhren von der Stahlratte mit einem Jeep nach Panama Stadt rein. Wir hatten für zwei Nächte ein Hostel im neuen Teil der Stadt reserviert. Da wir durch unseren Migrationshintergrund einen Tag Verspätung hatten, zeichneten sich die Ereignisse schon ab. Das Hostel meinte, unsere Reservierung wäre hinfällig, aber für eine Nacht hätten sie noch ein Zimmer, aber nicht das, was wir reserviert hatten. Wir wollten aber nicht nochmal umziehen und fuhren deshalb weiter in den alten Teil der Stadt, von dem man hört, dass es in diversen Nebengassen schon mal zu Raubüberfällen kommen kann (Deswegen blieb meine Kamera auch die ganze Zeit im Hotel).
Das erste Hostel war eine Pleite, denn es gab nur noch freie Dorms. Die restlichen 4 Passagiere, die wir von der Stahlratte kannten, stiegen dort ab. Da es nicht viele Unterkünfte in Panama Stadt gibt, blieb uns nur noch eine Option – das Hotel Casa Antigua. Der Preis von $38 schockte uns natürlich. Dafür bekamen wir ein Bettgestell aus Stahl und eine spartanische Zimmerausstattung. Dazu quoll der Lärm von der Straße empor. Aber es war wenigstens sauber und machte nicht unbedingt einen runtergewirtschafteten Eindruck. Nachdem wir unsere Sachen abgestellt hatten, machten wir einen kurzen Rundgang durchs Viertel. Vor dem Hotel standen gerade ein paar Polizisten, die uns erklärten, dass man nicht nach links gehen sollte, das wäre gefährlich. Na schönen Dank auch… Im Gegensatz zu Cartagena, wo die Innenstadt touristisch aufbereitet ist, d.h. es ist sauber und ein Großteil der Gebäude ist renoviert, steckt man in Panama noch in den Kinderschuhen. Man muss ständig mit dem Laufen aufpassen, sonst fällt man in Löcher im Fußweg (ca. 30cm tief!) und in den Seitengassen sind die Häuser stellenweise schon eingestürzt.
Gut, also gingen gerade aus, holten uns eine preiswerte Pizza ($3,25) und noch was zu Trinken und ließen uns in der weiten Lobby des Hotels nieder, aßen und suften etwas am Laptop. Natürlich nicht, ohne uns vorher mit Antimückenmittel zu behandeln. Die Mücken lieben es, im Halbdunkel an Touristen herumzusaugen. Draußen goss es in Strömen und wir waren froh, im Trockenen zu sitzen.
Unser erster richtiger Tag in Panama begann und wir beschlossen, nicht wie Pauschaltouristen mit einer gebuchten Tour zum Panamakanal zu fahren, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu fuhren wir zur Albrook-Mall, wo gegenüber gleich der Busbahnhof ist, wo wir gleich die Tickets für den Bus nach Bocas del Toro kaufen. Vom Busbahnhof fahren halbstündlich Busse (die alten Ami-Schulbusse) Richtung Miraflores. Dazu muss man nur Ausgang 12 finden, der sich im hintersten Winkel bei den Fast-Food-Ständen versteckt hatte. Die Fahrt dauert nicht lang und man erkennt schnell, wo man aussteigen muss.
Wir hatten das Glück, dass gerade ein Containerschiff in der Schleuse steckte und nach oben gepumpt wurde. Dauert einige Minuten, ist aber spektakulär mit welcher Leichtigkeit dieses Riesenschiff nach oben getragen wird. Der Film zum Bau des Panamakanals war eher dürftig, aber wie soll man in einem englischsprachigen Film die Rolle der USA im Zusammenhang mit dem Kanal darstellen, ohne dass es zur Empörung der Anwesenden führt. Wir blieben noch ein bißchen und fuhren dann zur Albrook-Mall zurück. Hier liefen wir noch etwas herum, machten das ein oder andere Schnäppchen und benahmen uns etwas daneben… Von Franzi und André hatten wir erfahren, dass Anprobieren in den USA zum Geduldsakt wird. Nur ein Stück mit in die Kabine nehmen und wenn es nicht passt, verschwindet die Verkäuferin für gefühlte 10 Minuten, um mit einem Stück der nächstbesseren Größe wieder zu erscheinen. Deswegen probierten wir schon mal verschiedene Sachen an, von denen wir wussten, dass wir sie in Florida kaufen und gingen nach erfolgreicher Größenfeststellung wieder.
Mittags hatten wir unsere erste Konfrontation mit Taco Bell, dem Fast-Food-Mexikaner und hier hatte ich ein Erlebnis merkwürdiger Art. Ich war bis zum Platzen voll, fühlte mich aber überhaupt nicht satt. Das konnte nichts gutes bedeuten. Abends gab es nur noch einen kleinen Imbiss und dann fielen wir wieder ins Bett und wurden von außerhalb mit nerviger Akkordeonmusik beschallt.
Kriszta klagte schon die letzten Tag über Ohrenschmerzen, deswegen wollten wir am zweiten Tag mal einen Arzt konsultieren, der sich das näher ansieht. Die Polyklinik / MVZ befand sich im neuen Teil der Stadt und wir wollten einen kleinen Spazierung durch den alten Teil der Stadt machen und dann ein Taxi nehmen. Aber mitten auf dem Weg zwischen beiden Stadtteilen mussten wir feststellen, dass wir auf der Straße kein Taxi anhalten konnten und deshalb liefen wir die gesamte Strecke – ca. 5 km bei strahlendem Sonnenschein und 34°C im Schatten. Sonnenbrand hatten wir nicht, aber ordentlich braun geworden sind wir. Der Arzt konnte glücklicherweise nichts feststellen und wir fuhren mit dem Bus zurück, aßen im Café Coca-Cola, packten unsere Sachen im Hotel zusammen, surften noch etwas in der Lobby und als die Mücken lästig wurden, fuhren wir zur Albrook-Mall, wo wir auf den Bus um 20 Uhr warteten.

