Erkenntnisse aus der Musikgeschichte
Ich hatte am Wochenende ein wenig Zeit und habe mir die letzte de:bug zur Hand genommen und mich durch den riesigen Beitrag zum Thema “Disco” gekämpft. Es gab viele Fakten, die mir bekannt waren, aber auch einiges, was mich erstaunen ließ und mir einige Fragen zum Thema Musikgeschmack beantwortete. Ich beginne erstmal mit den known facts…
Ich wußte, Disco war in den 70er Jahren populär, hatte seinen Ursprung in Amerika, bevorzugt in der homosexuellen Szene. Und in diesen wenigen Worten steckt schon alles, was man für die Schlussfolgerungen benötigt. Was daran neu war: Mann achtete auf sein Aussehen! Logisch, denn wie hebt man sich optisch hervor, wenn man unter Jungs Aufmerksamkeit erregen will? Bestimmt nicht mit einem Bierbauch und einem T-Shirt, wo man die Speisekarte der letzten Woche sieht. Der Artikel in der de:bug bezieht sich da exemplarisch auf John Travolta in “Saturday Night Fever”. Kurzum, Disco wurde auch plötzlich für Frauen interessant – die Musik war nicht so hart wie Rock und es gab jede Menge, wenn vielleicht auch nicht paarungswillige, aber gutaussehende Männer.
Und alles was Erfolg verspricht und man nur tatenlos zusehen kann, hat seine Neider. Argumente fanden sich viele – synthetische Klangerzeugung, Schwule usw. Und so entstand die Bewegung “Disco sucks!” In der Zwischenzeit schwappte die Disco-Welle auch nach Europa, fiel dort aber auf eher fruchtbaren Boden, denn die homophoben Tendenzen waren weitaus weniger ausgeprägt. Besonders interessant: Man überlege, wo die ersten Clubs entstanden… es war rein zufällig auch in den Städten, wo amerikanische Truppen stationiert waren. Aber es kam, wie es kommen musste – Disco wurde der Kampf angesagt und das Ganze gipfelte 1979 in der “Disco Demolition Night”, die von Steve Dahl initiiert wurde. In einer Halbzeit eines Baseballspiels wurden in Chicago 90.000 Discoplatten aufgehäuft und anschließend in die Luft gesprengt.
Was damit in Amerika das Sterben von Disco einläutete, lebte als House und Techno weiter. In Amerika eher im Untergrund, in Europa offener. Unverständlich für mich, aber durchaus an der Tagesordnung sind auch hierzulande schräge Gesichter, wenn man sagt, was man hört. Es ist nicht ein “Ich mag das nicht, aber wenn du meinst…” sondern eher ein “Ach, Musik nennst du das?” Nur vergesse ich dann regelmäßig zu fragen, was ihnen bekannt ist, wenn sie an House und Techno denken. Wahrscheinlich irgendwas wie Scooter, Westbam, Marusha oder noch schlimmer… 2 Unlimited. Ist ja ungefähr so, als würde ich Oasis und beispielsweise The White Stripes in einen Topf werfen.
Leichter Schlaf (Hitchhiker’s Guide – Teil 8)
Heute geht es aber erstmal mit dem Thema Schlafsack weiter. Ein Kollege meinte mal, wenn man ein Kilogramm 1000 Meter hochschleppt, ist das die gleiche Arbeit, als wenn man eine Tonne einen Meter hochhebt. Allgemein gesagt heißt das, dass jedes Gramm im Rucksack zuviel ist. Ist man auf dem Berg auch nachts daheim, wird das Thema Schlafsack zur Frage des Gewissens – Leichtgewichte sind gefragt.
Für unseren nächsten Trip nach Nepal kommt ein richtiges Leichtgewicht zum Einsatz, weil es selbst auf 2.000m Höhe immer noch knuffig warm ist. Unter den Ultraleichten ist der Deuter Dreamlite 500 König. Auch wenn er sich auf der Verpackung korrigieren muss, bringt er 570 Gramm auf die Waage und das bei einer Komforttemperatur von 15°C. Schaut man sich mal das Bild an, mit dem Vergleich zum Bierdeckel, ist der Kleine auch noch ein Packwunder. Und es ist nicht so wie bei manch anderen Schlafsäcken, hier ist der Packsack so bemessen, dass der Schlafsack nicht mit Gewalt auf das Packformat gebracht wird. Ich habe mich schon mal probehalber reingelegt, um zu wissen, ob man mit 1,85m auch reinpasst. Das geht sehr bequem. Im Vergleich anderen Schlafsäcken fällt er doch ein wenig eng aus, zumindest war das mein erster Eindruck, aber die Temperaturangabe kommt hin, denn mir wurde schnell mollig warm.
Schattenauge (Hitchhiker’s Guide – Teil 7)

Man sollte schon vorsichtig sein – nicht jede Zeitschrift, die man liest, ist voller guter Ratschläge. Ich blättere ja gerne in der “4 Seasons” (für Nichtwissende: das ist das Globetrotter-Magazin) und dort werden ständig Outdoor-Sachen getestet, empfohlen und Tipps gegeben. Also immer auf der Hut sein, das ist ein Laden und der möchte Umsätze machen. Trotzdem hielt ich es für eine gute Idee, mal eine Sonnenbrille anzuschaffen, die nicht eingeschliffen ist. Sozusagen die Kombination aus Kontaktlinsen + Sonnenbrille.
Die in der “4 Seasons” vorgeschlagene Sonnenbrille ließ ich außen vor, statt dessen sprang mir die Swiss Eye Zero ins Auge. Wird für schlanke Gesichter empfohlen und kommt mit einem Satz Wechselscheiben daher. Ich entschied mich für die graue / altrosa Version mit schwarzem Rahmen. Jedoch muss man zwei Sachen sagen: Erstens sitzt Swiss Eye nicht -wie der Name vermuten lässt – in der Schweiz sondern in Deutschland und zweitens bekommt man folgende Sachen geliefert:
- Brille mit einem Satz Scheiben
- einen Satz samtig verpackte Wechselscheiben
- einen Microfaserbeutel und
- eine Gebrauchsanleitung
Wer denkt, dass in der Gebrauchsanleitung drin steht, wie man die Scheiben wechselt, wird enttäuscht. Deswegen hier das How-To-Wechsel-A-Scheibe:
- Die Scheibe ist an zwei Stellen im Rahmen verankert (siehe die beiden weißen Pfeile), mit einer langen Nase am äußeren Ende (also da wo der Bügel beginnt, hier mit L gekennzeichnet) und mit einer kleinen Nase in der Mitte der Brille.
- Um die Scheibe aus der Fassung zu locken, muss den Rahmen in der Mitte festhalten und die Scheibe von der Innenseite Richtung Bügel schieben und dabei leicht nach unten drücken.
- Es empfiehlt sich dabei an der Kante der Scheibe zu drücken und nicht auf die Scheibe zu fassen – verhindert Schmierflecken und Kratzer.
Vom Sitz her sehr angenehm, wünschenswert wären Gläser, die man nachbestellen kann, da die beiden mitgelieferten Sätze zwar abdunkeln, aber es könnte noch einen Grad dunkler sein.
Das literarische Quartett
Nachdem ich mit Naokos Lächeln fertig war, sind mir jetzt mittlerweile vier Bücher durch die Finger gegangen und es wird höchste Zeit, seinen Senf dazuzugeben.
Angefangen habe ich kurz nach Naokos Lächeln mit “About a boy” von Nick Hornby. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dieses Buch nur widerwillig gekauft habe. Ich habe den Film dazu nicht gesehen, aber der Nachteil ist, dass man automatisch das Bild von Hugh Grant im Kopf hat, wenn man sich durch die Handlung schlängelt. Viel ist von dem Buch nicht hängengeblieben. Interessant ist die Geschichte aber schon und wie jedes Buch von Nick Hornby mit einer Menge Musik versehen. Will, 36, der von den Tantiemen eines uralten Weihnachtssongs lebt, hat noch nie in seinem Leben gearbeitet und ist eine oberflächliche Yuppielarve. Er hasst Kinder, merkt aber, dass er in einem Alter ist, in dem es schwierig ist, Frauen ohne Kinder kennenzulernen. So lernt er eines Tages einen Jungen kennen, der das komplette Gegenteil von Will ist. Still, unmodisch und – in Wills Augen – nervig. Zwischen beiden entstehen regelmäßig Reibereien, die aber für beide förderlich sind. Will lernt, dass das Leben doch etwas ernst zu nehmen und Marcus wird selbstbewußter. Wie immer ein Genuss, ein Buch von Nick Hornby zu lesen.
Während wir nach China gefahren sind, begleitete mich “Unter Wilden” von Dirk Wittenborn. Ich habe dieses Buch auf einem Wühltisch im Supermarkt mitgenommen und es hatte nur einen Zweck – lesen und unterwegs liegen lassen. Aber das Schicksal wollte es, dass ich die letzten Seiten hier daheim zuende lese. War aber auch nicht schlecht, denn für ein Wegwerfbuch war es doch ziemlich gut. Durch einen glücklichen Umstand gelangt die Mutter von Finn zu einem Posten bei einem Superreichen. Und mit diesem Moment beginnt der Wechsel und die Einführung in ein neues Leben. Für den ersten Moment ist Finn von der perfekten Welt geblendet, aber gelangt sehr schnell zu der Erkenntnis, dass es dort die Kluft zwischen dem “Ich möchte etwas tun” und dem “Man erwartet von mir, was ich tun soll” sehr weit auseinander geht. Finns Vater, ein bekannter Ethnologe untersucht ein Volk im südamerikanischen Regenwald, von dem er seinem Sohn regelmäßig berichtet und Finn gelangt immer mehr zu der Erkenntnis, dass der Unterschied im Verhalten von Urwaldmenschen und Upper-Class-Menschen sehr klein ist.
Vor ein paar Wochen reichte mir Kriszta ein Buch mit der Bemerkung, dass ich es unbedingt mal lesen sollte, es wäre wohl sehr witzig. Ich stand Tommy Jaud etwas skeptisch gegenüber, aber “Resturlaub” sollte nun meine erste Leseerfahrung werden. Ich brauchte exakt 3 mal Kurz-Vorm-Einschlafen-Lesen und einen Samstag Nachmittag um damit fertig zu werden. Es ist wirklich kurzweilig zu lesen, aber was dem Buch das gewisse Etwas gibt, ist seine Handlung. Peter will mit seiner Freudin Biene Schluss machen, weil er nicht wie seine Freunde werden will: Haus “nur 15 Minuten” von Bamberg entfernt, mit Kiesauffahrt und jedes Jahr Urlaub auf Mallorca, im selben Hotel. Er täuscht einen Überfall auf der Flughafentoilette vor und haut nach Argentinien ab. Dort kämpft er sich mit seinem Ballermann-Spanisch durch, schreibt Listen, wie sein neues Leben aussehen soll und koordiniert über seinen Freund Arne gleichzeitig sein Leben in Bamberg, denn Biene geht davon aus, dass er daheim ist. Feige wie “Pitschi” ist, hat er ihr nur einen Brief geschrieben. Nach seiner Ankunft verleugnet er Biene und seine Herkunft, aber mit fortschreitender Handlung wird es immer schwieriger und schließlich beginnt der Wettlauf – wer ist schneller daheim: er oder Biene? Schließlich liegt dann ein Brief auf dem Tisch…
Nach dem kurzweiligen Ausflug machte ich mich an “Die verschollenen Tagebücher des Adrian Mole” von Sue Townsend. Nachdem “Adrian Mole und die Achse des Bösen” noch ein richtiger Brüller war, sind die verschollenen Tagebücher der absolute Tiefpunkt. Kurz zur Handlung – Adrian Mole landet nach dem Brand im Haus seiner Eltern in einer Sozialsiedlung, versucht sich an mehreren literarischen Werken und lässt eine Beziehung immer wieder aufleben, der mit jedem Aufflackern auch gleich wieder verlischt. Meiner Meinung nach verblasst sein Charakter mit jeder Seite, denn wenn der versnobbte Adrian in einer Sozialsiedlung wohnt und sich mit diesem Zustand auch noch abfindet, ist das unglaubwürdig. Seine Beziehung zu Pamela Pigg hat auch nur kurze Momente des Humors, als er fragt, wie denn ein Pigg (Schwein) und ein Mole (Maulwurf) zusammenpassen und wo er die Eltern von Pamela kennenlernt und ihr Vater schon beim Händeschütteln “Porky” genannt werden will. Ansonsten blubbert die inszenierte Handlung dahin, er beschuldigt eine gewisse Sue Townsend seine Identität zu stehlen und wird zum Abschluss verhaftet, weil er eine Demonstration zur Freilassung seines Klassenkameraden und Tankstelleninhaber Mohammed beantragt, der wegen Terrorismusverdacht verhaftet wurde.
Aber jetzt geht es erstmal mit Zeitschriften weiter, sonst stapeln die sich noch bis unter die Decke.
Viele Gedanken und dann doch wieder – Realität
Als ich noch ein Teenager war, meine Eltern waren gerade im Urlaub und ich war aus dem “ich fahr mit”-Alter raus, wachte ich eines Nachts auf und mir ging ein Gedanke durch den Kopf – was ist, wenn alle Beziehungen auf die wir unsere Gesellschaft bauen, nur eine Illusion sind. So abwegig war der Gedanke nicht – betrachtet man es so, dass unsere DNS – die Bausteine der Vererbung – aus atomarer Sicht gesehen, keine Verwandschaft miteinander haben, ist jeder für sich ganz schön allein. Ich ließ dieses Gefühl eine Weile wirken und dann sausen.
Der Gedanke und das Gefühl tauchen heute immer mal wieder auf, aber es hat sich etwas grundlegend geändert. Eins hatte ich nämlich daran vergessen – den Austausch. Der ewige Wechsel von Leben und Vergehen. Kleines Gedankenexperiment: Stellt euch vor, ein Mensch stirbt, wird beerdigt und viele Jahre später wächst darauf eine Wiese. Die Nährstoffe, das Wasser kommen alle aus dem Boden. Auf der Wiese steht eine Kuh, die später geschlachtet wird und man sich einen Teil davon aufs Brot schmiert. Was da wohl drin sein mag?
Aber dem ganzen kann man noch die Krone aufsetzen und sich bewusst machen, dass dieser Prozess ständig abläuft. Der Stoffwechsel im Körper, Zellen sterben und werden neu gebildet – man kann schon fast sagen, wir erneuern uns permanent. Und dann kommt doch so etwas wie Gemeinschaftssinn auf – vielleicht sind in dem Baum vor meinem Fenster und in mir auch Atome drin, die vor tausenden von Jahren zum gleichen Lebewesen gehört haben.
Ich weiß, dass klingt nach ziemlichen Unfug, der weit hergeholt ist und man sollte solche Gedanken nie zu lange verfolgen, sonst dreht man durch. Besonders, wenn man anfängt, den Atomen ein zeitliches Bewußtsein anzudichten. Denn dann würde das heißen, dass alles was passiert ist, nie verloren geht, rings um uns schlummert und seine Geschichte erzählen möchte.
Okay, ich bin dieses Mal ganz schwer in die esoterische Ecke abgebogen, aber ich hing gestern Abend nachdem wir den Film “Vom Suchen und Finden der Liebe” schauten mal wieder dem Gedanken nach (unglaublich aber wahr, die Lieder sind von Harald Faltermeyer). Und dann klingelt heute Mittag das Telefon und meine Mutti erzählt mir mit leiser Stimme, dass meine Oma heute morgen eingeschlafen ist…
See no evil, speak no evil – hear evil!
Nett gemeinter Hinweis an alle Podcast-Hörer… Bitte hört den Podcast nicht in folgenden Situationen:
- wenn ihr Kopfschmerzen habt
- wenn ihr zärtlich zu eurer Freundin / eurem Freund sein wollt
- wenn ihr geplant habt, schlafen zu gehen
- wenn ihr gerade in einer 80er Zone auf der Autobahn seid
- wenn ihr gerade Aggressionen gegenüber einem Lebewesen oder einem Gegenstand hegt
Ansonsten wäre es vielleicht noch schön zu wissen, dass der Podcast extrem rasant entstanden ist. An 2 Nachmittagen hab ich den kompletten Backstock von zwei Labels durchforstet, die besten (und ich will mal sagen, die sanftesten) Tracks rausgesucht und zu einem Mix verwurstet.
| Nr. | Startzeit | Titel |
|---|---|---|
| 1 | 00:00 | Integer – Decibel (Zardonic – ZRD017LP) |
| 2 | 04:08 | alex.mind – Just believe (Brutal Attack Records – BRA031) |
| 3 | 07:46 | Kyk the assbreaker – People = shit (Brutal Attack Records – BRA006) |
| 4 | 11:53 | Venom218 fest. Lugert – Emotions (Brutal Attack Records – BRA017) |
| 5 | 18:27 | Switch Technique – Inner Order (Zardonic Remix) (Zardonic – ZRD011EP) |
| 6 | 24:41 | alex.mind – Pandemic (Brutal Attack Records – BRA031) |
| 7 | 27:56 | Tima – Reece (Brutal Attack Records – BRA014) |
Todessehnsucht im Sommerloch
Meine persönliche Chronik des gestrigen Abends:
Ich sitze am Laptop und suche nach einem Musikvideo, als ich sehe – hey, heute ist Loveparade, also schalte ich gleich auf den Livestream um. Mit einem Auge sehe ich auf die Kommentare und lese etwas von Massenpanik und 10 Toten. Zu diesem Zeitpunkt kann man schon nicht mehr bei loveparade.de zwischen den Kameras hin- und herschalten. Also suche ich parallel dazu bei den News – es stimmt. Da die Informationen sehr spärlich sind, kann ich die Rufe nach einem sofortigen Stop der Loveparade nicht ganz nachvollziehen. Auch in Berlin gab es Tote durch Messerstechereien oder Unfälle mit S-Bahn-Zügen. Da hat das auch keinen gestört.
Später am Abend bemühe ich n-tv nach neuen Informationen. Die Zahl der Toten war inzwischen auf 15 gestiegen und es wurden abwechselnd Amateurvideos, Augenzeugenberichte und Liveschaltungen vor Ort gesendet. Was genau passiert war, war selbst nach einer halben Stunde nicht nachzuvollziehen, also musste ich wieder meinen Rechner bemühen, Geschriebenes ist vom Informationsgehalt doch besser wie TV.
Was mich aber in der halben Stunde extrem genervt hat:
- Es wurde nach Schuldigen gefragt und jeder schob dem anderen die Schuld in die Schuhe. Die Polizei, der Veranstalter und der derzeit oft benutzte Prügelknabe Deutsche Bahn wurden beschuldigt. Was interessiert mich, wer Schuld ist? Wichtiger ist doch, wie eine Lösung aussieht!
- Womit ich schon zum Betroffenheitsgeheuchel der deutschen Politiker komme. Ich finde es nett, aber für die Angehörigen völlig nutzlos, dass sich Frau Merkel aus dem Urlaub meldet und ihre Beileidsbekundungen mitteilt. Damit ist niemandem geholfen. Hätte sie noch hinzugefügt, dass nach der Aufklärung angemessene Reaktionen folgen, wäre das für mich ein ernstzunehmendes Wort gewesen, aber so ist das – auch nach der Abkühlung der sommerlichen Hitze – nur heiße Luft.
- Statt die große Kunst der Improvisation zu zeigen, zeigte sich das Fernsehen gestern mal wieder von seiner ganz schwachen Seite. Während die Internetmedien in 10 Zeilen oder mehr schon kurz berichteten, was vorgefallen war, schalteten die Nachrichtensender, speziell n-tv auf Dauersendung. Es gab eigentlich nichts zu berichten, aber trotzdem versuchte man den leeren Raum mit Inhalt zu füllen. Es wurden Passanten interviewt, die vor Ort waren. Diese wurden mit Detailfragen malträtiert, nur um den Zuschauer mit der Nase drauf zu stoßen, wie die Folgen einer Massenpanik aussehen. Genau so ungefiltert ließ man “Augenzeugenberichte” ausstrahlen, die nur mit haltlosen Behauptungen um sich schossen. Und immer wieder die Reporter, die im Minutenabstand nach den neusten Todeszahlen befragt wurden, als gelte es einen neuen Highscore zu brechen.
Und oben drüber schwebte die Frage: Wo konnte es nur zu der Massenpanik kommen? Wenn tausende Menschen in einen Tunnel eingepfercht sind und schon die ersten anfangen zusammenzubrechen bzw. über einen Zaun zu klettern, wohl wissend, dass man sich dabei verletzen kann – wie naiv muss man sein, um diese Frage noch zu stellen?
Wahrscheinlich hat sich noch niemand gefragt, wie es weiter geht.
- Lösung 1 (realitätsfern): Die Stadt Duisburg und der Veranstalter werden gleichmaßen mit den Schadensersatzzahlungen und sämtlichen Folgekosten belastet. Denn die Ursache war nicht der Tunnel oder die Absperrung oder sonst was. Beiden Beteiligten hätte von Anfang an klar sein müssen, dass 1 Million Besucher nicht in eine Stadt von weniger als einer halben Million Einwohner passt, schon garnicht auf ein begrenztes Areal. Aber man bekommt ja den Hals nicht voll genug. Wenn sich dann nicht ein anderer darum kümmert, dürfte sich das Thema Loveparade damit erledigt haben.
- Lösung 2 (im Bereich des Möglichen): Einer schiebt dem anderen die Schuld in die Schuhe, es wird eine Sonderkommission zur Aufklärung des Falles gegründet, dabei wird stapelweise Papier erzeugt, das keiner liest und da sich keiner zu einem Urteil berufen fühlt, wird es keine Folgen geben. Der Veranstalter wird von einer Loveparade nächstes Jahr absehen und Gras über die Sache wachsen lassen und dann weitermachen.
Nachtrag – die widerliche Realität:
Man picke sich eine Person der Öffentlichkeit heraus, die im Zusammenhang mit der Loveparade präsent war, wie z.B. OB Sauerland. Nun bausche man die ganze Sache so auf, als wäre er der Hauptschuldige und bringe das Wort “Rücktritt” in den Umlauf. Pro für die Medien: Durch seine Position muss er zwangsläufig mit der Planung der Loveparade zu tun gehabt haben. Pro für ihn: Wie ist den Hinterbliebenen und Verletzten damit geholfen, wenn er zurücktreten würde? Und mit jedem Tag, den er sich weigert zurückzutreten, steigt das öffentliche Interesse an seinem Rücktritt. Die Wikipedia umschreibt den Begriff Sündenbock treffend mit: “Als Sündenbock wird ein Mensch bezeichnet, dem man die Schuld für Fehler, Misserfolge oder sonstiges Konfliktpotential zuschiebt. Tatsächliche Schuld spielt dabei keine Rolle.”
Justified!
Diese Woche lag es da… ein Päckchen aus Worchester. Mehrere fette Aufkleber machten schon das Ansehen zu einem Genuss. “Ich bin ein Kunstterrorist”, “Happy birthday from the JAMS” oder “Ewige Drehbewegung… be the driver” standen drauf. Und in dem Päckchen – ein flauschig weiches Kapuzenshirt. Und wenn man es einmal angezogen hat, kommt man auf die merkwürdigsten Gedanken… z.B. sich in ein Kornfeld zu stellen, böse zu gucken und die Freundin nötigen, davon auch noch Fotos zu machen.
Wer sich an meinen Beitrag über die monumentalen Denkmäler erinnert (ist schon 5 Jahre her), wird vielleicht interessiert sein, dass die Jungs von Positive Void Communications original Helme und Bauarbeiterjacken von K2 verkaufen.
Und spätestens dann ist es Zeit, eine CD von KLF oder Jams einzulegen und mal drüber nachzudenken, dass das ganze Zeug 20 Jahre her ist und wie sehr man doch wie seine Eltern geworden ist, die von den Beatles, Stones oder *Platzhalter für andere 60er Bands* schwärmen.
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Ein Jahr ist schon wieder fast vergangen seit unserem Ausflug in die Dolomiten. Dieses Jahr sollte die Langkofelgruppe unsicher gemacht werden. Freitag früh ging es los und nach 8 Stunden Fahrt kamen wir am Karersee an. Der Blick auf den grün schimmernden See ist überwältigend und fotografisch eine Herausforderung. Man schaffe es, so zu fotografieren, dass die Berge sichtbar sind – aber nicht überbelichtet – und gleichzeitig der Boden des Sees – aber auch nicht unterbelichtet. Im Anschluss machten wir noch eine kleine Wanderung von 8km und steuerten anschließend den Zeltplatz in Campitello di Fassa an, um das Zelt aufzubauen. Wir freuten uns alle auf eine Pizza, mussten aber eine ganze Weile suchen, bis wir etwas ansprechendes gefunden hatten. Und nach einer riesigen Pizza und einem Glas Hauswein ging der Abend zu Ende und wir schliefen schnell ein.
Samstag stand eine größere Wanderung auf dem Plan. 16 Kilometer Strecke, 300 Meter Höhenunterschied und eine Dauer von 5,5 bis 6,5 Stunden – das klingt nicht zu kompliziert und schien durchaus machbar. Gegen 9 Uhr waren wir auf dem Berg und nach einer kleinen Stärkung ging es los. Theoretisch sollten wir mittags die Hälfte geschafft haben. Wir hatten uns dafür entschieden, die Runde gegen den Uhrzeigersinn zu laufen, sodass wir das flache Stück gegen Ende unserer Umrundung vor uns haben. Grund dafür waren Gewitter und Regen, die für den Nachmittag / Abend angekündigt waren.
Abgesehen von dem Stück zur Seilbahn hatten wir bereits nach 1,5 Stunden die 300 Höhenmeter weg. Zur Mittagspause kam die bittere Erkenntnis, dass wir erst ein Drittel des Weges geschafft haben. Da wir keine genauen Kenntnisse über die Öffnungszeiten der Seilbahn hatten, fingen wir an zu spekulieren. Wir schätzten auf 17.30 Uhr. Leider begann die Notfallplanung eine Hütte zu spät. An der vorletzten Hütte fragten wir nach: Ja, die letzte Bahn fährt 17.30 Uhr und ob man es in einer halben Stunde schafft, war zweifelhaft – es war 17 Uhr.
Also mobilisierten Alex und ich unsere letzten Kraftreserven und zogen los. Wir sollten die letzte Bahn bekommen und die Damen mit dem Auto vom Parkplatz am Sellajoch abholen. Die Uhr tickte erbarmungslos und sämtliche Wanderer, die wir überholten müssen gedacht haben, der Leibhaftige ist hinter uns her. Für das letzte Stück zur Seilbahn aufwärts hatten wir 10 Minuten Zeit – zum Vergleich: abwärts haben wir dafür 25 Minuten gebraucht. Ich schnaufte schon wie eine Dampflok, als ein Jeep neben mir hielt und der Fahrer mich auf italienisch vollplapperte. Bahnhof! Ach so, in 5 Minuten ist Schluss mit Seilbahn fahren. Er düste weiter. Ich dachte mir so “Du *Schimpfwort*, warum fährst du uns dann nicht einfach hoch?” Und genau die Kraft half mir, das letzte Stück noch hoch zu laufen.
Der Wärter der Bahn stand schon vor der Tür und fragte ein Pärchen, dass neben dem Eingang stand, ob sie noch mitfahren wollten. Wir winkten mit den Armen. Nein, zwei Kerle über 1,80m, die mit den Armen winken übersieht man schon mal auf einer Bergkuppe. Inzwischen kam der Jeepfahrer wieder und hatte zwei Insassen dabei, die er am Hang gegenüber aufgesammelt hatte. Also los – Endspurt! Bange Minuten bei den Damen, die sich inzwischen auf den Weg zum Parkplatz gemacht hatten. Wir saßen auf dem Boden der Gondel, klatschnass geschwitzt und ich tippte meine SMS, die noch extralange brauchte, um verschickt zu werden.
Als wir vom Sellajoch zurückkehrten, gab es erstmal eine extralange Dusche und anschließend ging es wieder zum Essen. Keiner hatte den Riesenhunger und wir waren alle fertig. Letztlich hatte die Sonne auch noch ihr bestes gegeben und uns allen einen schönen Sonnenbrand verpasst. Kurz nachdem wir ins Zelt schlüpften begann das Gewitter und der Regen. Halb so schlimm, wenn nicht nebenan ein paar Holländer in aller Ruhe und mit voller Lautstärke ihr Zelt aufbauten. Gefühlte 20 Heringe wurden in den Boden gerammt und damit es nicht langweilig wurde, quatschte man dabei. Dementsprechend glich das Auto auf der Heimfahrt am nächsten Tag eher einem Schlafwagen, als einem Auto.
Und daheim die Statistik (geschätzt, da der Logger kurz vor knapp mit leerem Akku aufgab):
- Entfernung: 21km
- Höhenunterschied: 1000m (sowohl aufwärts, als abwärts)
- Zeit: 8,5 Stunden (die Herrenrunde inkl. Pausen, die Damen sind über 9 Stunden unterwegs gewesen sein, da sie noch zum Sellajoch mussten)
KLF… aha? Aha!
Ich saß am Sonntag Abend noch im Bett und habe die letzten Beiträge für unseren China-Trip, die Kriszta geschrieben hat, Korrektur gelesen. Und nebenbei habe ich meine Wunschliste mal durchgehört und als ich durch war, habe ich überlegt – gibt es keine gescheite Musik mehr? Bin ich zu alt für das neue Zeug?
Also klapperte ich die Webseiten ab, ob nicht irgendeiner von meinen alten Stars nicht doch mal wieder was veröffentlicht hat. Nicht die Bohne… Was ist eigentlich mit den Totgesagten? Leben die nicht vielleicht doch wieder? KLF – ja, die waren doch mal richtig cool. Die Krönung des Kommerz gewordenen Indies. Nein, da war auch nichts zu holen.
Aber durch einen dummen Zufall stolperte ich über eine Seite, die den 23. Geburtstag der Justified Ancients of Mu Mu mit einem Shirt zu würdigen wussten. Doof nur, dass die Initiatoren nur Bestellungen bis zum 30.6. angenommen haben. Ach was!!! Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und mehr als dumm fragen kann man nicht. Und siehe da, die Gegenseite zeigte sich extrem hilfsbereit und rief in der Produktionsstätte der T-Shirt-Produktion an und da konnte sich noch ein Shirt einschieben lassen. Meine Güte, so viel Schwein muss man haben.
PS: Happy Birthday – Justified Ancients of Mu Mu!


