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Gefährliches Halbwissen

Ancient Mandalay

Den Namen Mandalay verband ich bis jetzt immer mit etwas verträumtem, einem Stück unberührter Welt. Aber auch hier setzen sich immer mehr weltliche Werte durch und so ist Mandalay – abgesehen von seiner Umgebung – eine große, nicht gerade schöne Stadt.

Nachdem wir in Myanmar ankamen, dachte ich, ich wäre wieder in Kuba gelandet. Es ist schmutzig, alle fahren halb zerfallene Autos und die Touristen werden an jeder Ecke angesprochen, ob man ein überteuertes Taxi möchte oder günstig Dollar tauschen. Was sich dahinter verbirgt, erschloss sich mir erst im Laufe der Zeit. Touristen haben es nicht leicht in Myanmar – akzeptierte Währungen sind die Kyats oder der Dollar. Letztes Jahr konnte man noch einen Dollar in über 1000 Kyats tauschen, Anfang diesen Jahres waren es ungefähr 850 und jetzt erreichten wir auf dem Schwarzmarkt gerade mal 780 Kyats für einen Dollar.

Begründungen gibt es dafür viele, am plausibelsten erscheint mir, dass die Regierung in eigenem Interesse den Wert des Dollars senkt. Da ein Boykott zwischen Myanmar und den USA besteht, existieren kaum Möglichkeiten, Geld abzuheben. Somit obliegt der Tauschkurs einzig und allein der Regierung – einem Militärregime. Wie wir von Einheimischen erfuhren – in meinen Augen war es doch eine sehr dubiose Quelle – kann die Mehrheit der Bevölkerung die Regierung nicht ausstehen, schafft es aber wegen den rigorosen Strafen und der Militärmacht (6 Millionen Soldaten bei 60 Millionen Einwohnern) nicht, ihrer Meinung Luft zu machen.

Ist aber auch nur die halbe Wahrheit, denn wie wir weiter hörten, sind die Chancen auf dem Land schlecht einen Job zu bekommen und so hat man zwei Möglichkeiten: Armee oder buddhistischer Mönch. Und somit hat theoretisch ein Großteil der Bevölkerung einen Angehörigen beim Militär. Auffallend sind natürlich auch die Mönche, die das Straßenbild prägen. Und die Pagoden sprießen wie Pilze aus dem Boden. Nach meinen Beobachtungen sind von den goldenen Pagoden relativ viele erst nach 1960 gebaut worden. Und in den Großen findet man immer wieder gern Bilder mit Militärs, wie sie die Pagode besucht haben.

Wie Marx schon sagte: “Religion ist Opium für das Volk.” Denn auf meine Frage, wie die Militärregierung zum Thema Buddhismus steht, wurde mit Schulterzucken geantwortet – Nein, man unternimmt nichts dagegen. Warum auch, wenn man den Buddhismus für seine Zwecke einsetzen kann. Im nächsten Leben wird alles besser, wenn ihr jetzt alle schön artig seid! Und damit sind wir schon beim Unterschied zu Kuba – hier wird nicht nur der Tourist ausgenommen, sondern die gesamte Bevölkerung. Aber die Einheimischen noch mehr, wie die Touristen. Wir hörten, dass Autos (Baujahr Anfang 90er Jahre) für 10.000 US-$ verkauft werden, eine SIM-Karte für das Handy 650 US-$ kostet und da sich das niemand leisten kann, werden sie für ca. 50-60 US-$ verliehen. Und das hinterlässt den faden Nachgeschmack, dass Buddha wie ein Götze angebetet wird, aber die Werte des Buddhismus hoffnungslos verloren gegangen sind.

Aber Mandalay war nicht nur die Ernüchterung, sondern hat auch schöne Seiten. Wir fuhren am ersten Tag nach Mingun, was wirklich sehr schön war und wurden dort von einem herzhaften Monsunregen überrannt. Aber am nächsten Tag ist alles wieder trocken und wir unternahmen einen Tagesausflug in die drei alten Städte, die sich in der Nähe von Mandalay befinden. Wir stiegen Treppen auf Berge, wurden in Pferdekutschen durchgeschüttelt, aber immer wieder mit dem Gefühl – es hat sich gelohnt. Auch wenn der Abend wieder mit Regen endete, was dafür sorgte, dass der Sonnenuntergang an der zweilängsten Holzbrücke der Welt mit einer Flucht aufhörte.

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