*Seufz*

Ich muss heute mal eine gescheite Überschrift wegfallen lassen, mir fällt wirklich nichts besseres ein. Ich habe “Naokos Lächeln” sehr schnell durchgelesen, sodass mir die Charaktere sehr schnell ans Herz gewachsen sind. Nicht dass ich mich identifizieren konnte, aber was auch schon in “Hard-boiled wonderland und Das Ende der Welt” funktionierte, klappt auch hier wieder. Man verlässt diese Welt für einen Moment und taucht ab in die Phantasien des Herrn Murakami.

Er schafft es, dass Melancholie bezaubernd wirkt und man anfängt mit dem Hauptdarsteller mitzufiebern bzw. dessen Ansichten zu teilen. Und je intensiver man eintaucht, um so mehr kommt das bittere Erwachen. Man schreckt am Ende des Buches hoch und will eigentlich weiterlesen, aber das Buch geht nicht weiter. Zu interessant wäre es, zu wissen, was weiter passiert, aber darauf gibt es keine Antwort. Man könnte mit etwas Entfernung denken, der Autor wäre ziemlich verwirrt gewesen, denn das Buch fängt in der Gegenwart an, springt in die Vergangenheit und endet dort. Meiner Meinung nach ist das der Punkt, warum man danach so irritiert ist. Man ist der Meinung, dass eine Handlung geschlossen sein muss, aber wie man bei dieserm Buch merkt – das muss sie nicht.

Was dieses Buch weltweit zu vielen Menschen kompatibel macht, ist die Tatsache, dass der Gedanke einer verpassten Chance, einer unglücklichen Liebe und dem vergeblichen Versuch eine Beziehung zu retten, universell ist. Ob der Protagonist nun Toru, Luigi, Thomas, John oder Pierre heißt, an dem Gefühl und der Intensität ändert sich nichts.

Ich werfe an dieser Stelle wieder den Spoiler aus, d.h. wer das Buch lesen will, sollte jetzt aufhören weiterzulesen.

Zentrale Person des Buches ist der junge Japaner Toru Watanabe, der Ende der 60er Jahre in Tokyo studiert – einer Zeit sexueller Freizügigkeit und Studenten-Revolten. Letzteres tangiert Watanabe nur am Rande, Inhalt seiner Erzählung ist seine Beziehung zu Naoko – wie sie begonnen hat, welchen Verlauf sie nimmt und wie sie endet. Watanabe beschreibt sich als normal und die Welt um sich herum als merkwürdig. Für Außenstehende ist er ein introvertierter Mensch, der sich für Musik interessiert, gerne liest und seit dem Selbstmord seines besten Freundes nur sehr wenige und sehr lose Freundschaften pflegt. Zu Beginn der Erzählung ist er 18 Jahre alt, hat sein Studium begonnen, was ihn aber nicht interessiert. Er lebt mehr oder weniger in den Tag hinein, weil er noch keine Richtung für sein Leben weiß. Er probiert sich hin und wieder mit One-night-stands, die an ihm aber wie Schatten vorüberziehen.

Zwei Frauen gelingt es trotzdem, durch diese unerschütterliche Mauer von Selbstschutz und Misanthropie durchzudringen. Zum einen Naoko, welche die Freundin seines besten Freundes war. Sie ist seit dessen Selbstmord auch sehr in sich zurückgezogen und das weibliche Spiegelbild zu Watanabe. Beide verbindet die enge Beziehung zu dem Verstorbenen, aber auch ein Wechselspiel aus gegenseitigem Begehren und Verletzlichkeit. Und je näher sich beide kommen, um so weiter entfernt sich Naoko von ihm, ohne genauere Gründe zu nennen.

Etwas später kommt Midori in sein Leben, eine Frau, die neben dem Studium zusammen mit ihrer Schwester täglich ihren Vater pflegt, dessen Buchhandlung weiterführt und keine Zeit für Hirngespinste hat. Sie ist sehr direkt, äußert jede ihrer Phantasien umgehend, lässt keinen Zweifel daran, dass sie an Watanabe interessiert ist und reagiert trotzdem sehr emotional, wenn er sie verletzt. Und das, obwohl sie einen Freund hat.

Watanabe beobachtet seine Beziehung mit Midori für den Leser fast mit Desinteresse, seine Maxime scheint zu lauten: “Lasst mich doch alle in Frieden”. Doch ganz abgeschieden mag er nicht sein und pflegt deshalb in Momenten der Einsamkeit die Kontakte mit Naoko und Midori. Als Naokos seelischer Zustand sich verschlechert, beginnt er sich intensiver um sie kümmern, besucht sie, schreibt ihr regelmäßig Briefe, in denen er seine Sorgen um sie außen vorlässt und von einer gemeinsamen Zukunft schwärmt. Sie kehrt immer weiter in sich, antwortet nur sporadisch bzw. überlässt die Kommunikation mit ihm ihrer Heimgenossin.

Nach dem Tod von Naoko verfällt Watanabe zusehends und lässt Midori, die seinetwegen ihre Beziehung beendet hat, monatelang im Ungewissen, in dem er planlos durch das Land irrt. Die Heimgenossin von Naoko läuft ihm dabei über den Weg und macht ihm klar, dass er mit dieser Taktik die nächsten 20 Jahre seines Lebens Naoko nachtrauern kann oder der Realität ins Auge sieht und erkennt, dass es eine Frau gibt, die er sehr mag und die auch ihn liebt.

Wie auch beim letzten Roman, den ich von Haruki Murakami gelesen habe, spielt auch hier zum Abschluss eine vernünftige Entscheidung die tragende Rolle. Auch wenn ich Kritiken gelesen habe, die “Naokos Lächeln” als sehr sexuell freizügig beschreiben, sehe ich eher den Zusammenhang in der Zeit, in welcher der Roman spielt bzw. um ehrlich zu sein – was wäre eine innige Liebe ohne sexuelle Phantasien? Ich habe natürlich noch ein entscheidendes Bruckstück in meiner Beschreibung entfernt, denn der Leser erfährt, welche Gedanken Naoko hegte, bevor sie starb.

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März 10, 2010 in Bücher

Flughafenüberdosis

Irgendwas lief gut – Mitte Februar schrieb ich noch, dass ich “Naokos Lächeln” zu lesen beginne und nun habe ich schon wieder die 3/4 des nachfolgenden Buches hinter mir. Die Buchbesprechung folgt an einer anderen Stelle, aber die Ursache dafür ist hier richtig am Platz.

madrid hausGrund dafür war, dass ich wieder mal unterwegs war und abends nichts anderes im Kopf hatte, als mich ins Bett zu legen und zu lesen, bis ich nicht mehr konnte. So kam ich gut bei Naokos Lächeln voran. Günstigerweise war ich in der Nähe von Frankfurt und konnte mir so eine umständliche Anfahrt schenken. Das Ziel war Madrid, wo sich Kriszta schon seit einer knappen Woche befand. Für uns stand noch verlängertes Wochenende auf dem Programm. Der Flug war unter Straucheln der Webseite von Opodo gebucht wurden und so verhielt sich auch die gesamte Reise. Das Ticket verriet: Abflug Freitag, 21:15 Uhr.

Der Termin bei Frankfurt ging aber schneller herum, wie erwartet und ich stand an der Gepäckabgabe, wo mich Frau Lufthansa auf mein Gate hinweisen wollte und plötzlich stolperte: “Sie gehen dann… Moment mal, was machen Sie denn jetzt schon hier?” Ich musste angesichts ihrer Reaktion lachen und erklärte meinen Termin. Sie lächelte mitleidig und fing nochmal an: “Also, Sie gehen dann in 7 Stunden an Gate A30, aber das Gate kann sich bis dahin noch 50mal ändern, also halten Sie mal Ausschau. Viel Spaß im Buchladen!” Ich lachte wieder und in die Halle C, wo kaum was los war und setzte mich gemütlich hin.

200 Seiten Murakami gegen 7 Stunden sind unfair. Zumal mich das Buch so fesselte und aus der Bahn riss, dass ich danach erstmal wie ein Geist herumlief und 1 Stunde brauchte, bis ich ein Buch gefunden hatte, was ich als nächstes lesen konnte, ohne hoffnungslos enttäuscht zu werden. Einen weiteren Murakami gab es in der Buchhandlung nicht, also verließ ich mich auf einen andern Schriftsteller, den ich sehr mag: Nick Hornby. Ich wechselte immer zwischen Herumlaufen und Lesen, schaute mir unendlich viele Zeitschriften an und mit einer guten halben Stunde Verspätung ging es los. Auf nach Spanien! Es regnete in Frankfurt mittlerweile in Strömen und meine Begeisterung auf ein verregnetes Wochenende ließ mich nicht gerade begeistert in den vollen Flieger steigen.

partybankIn Spanien regnete es nicht, als wir landeten, aber rosig war das Wetter nicht. Ich war todmüde und wir liefen noch ein bißchen umher, weil die Zeitverschiebung in Spanien enorm ist. Vor 10 Uhr rührt sich da nicht viel, dafür sind die Straßen auch bis weit nach Mitternacht brechend voll. Man lebte, trank, redete, aß und wohnte auf der Straße. Gegen halb 3 war auch unsere Zeit gekommen und wir schliefen ein. Der Samstag zeigte sich anfangs verregnet und machte uns einen fetten Strich für die Fahrt nach Toledo durch die Rechnung. Also liefen wir ein bißchen durch die Stadt, lustlos, weil es immer wieder regnete. Später wechselten wir dann von Herumlaufen zu Shoppen, was bei dem Wetter besser angebracht war. Gegen Abend kam Wind auf. Ein ständiger Wechsel zwischen Sonne, Wolken und Regenschirm machte es nicht einfach. Erst gegen Abend hörte es auf, wurde deutlich milder und wir besuchten den Prado.

Der Sturm verschonte Madrid, wir bekamen kaum was davon mit (die Nachrichten jetzt mal ausgenommen). Statt dessen setzten wir uns abends gemütlich in eine Kneipe und probierten Paella und Muscheln und dazu natürlich ein cerveza und ein Mischgetränk aus Rotwein, Wasser und Zitronensaft (Tinto verano), was erstaunlich lecker schmeckte und obendrein noch erfrischend war.

Der nächste Tag zeigte sich von seiner besten Seite. Fast ununterbrochen blauer Himmel. Wir bekamen am Rande mit, dass das Tief im Norden Spaniens ziemlich gewütet hatte und abends trafen auch in Spanien die Nachrichten über die Verwüstungen in Deutschland ein. In Madrid war noch eine Monet-Ausstellung, die aber insgesamt sehr enttäuschend war. Wir ließen den Abend wieder in der gleichen Kneipe wie am Vorabend ausklingen.

madrid nachtWenn ich jetzt so an die Tage in Madrid zurück denke, fällt mir ein, dass ich zu Beginn der Meinung war, Madrid wäre wie Rom, nur ohne Sehenswürdigkeiten. Aber der Vergleich hinkte gewaltig. Das Zentrum von Madrid ist insgesamt schön anzusehen. Was natürlich nervt, sind die Unmengen von Menschen, die sich zu allen Tag- und Nachtzeiten überall befinden. Das Gefühl eine ruhige Stelle zu haben, geht völlig verloren. Und wo viele Leute sind, entsteht auch viel Dreck. Es scheint ein Hobby der Einwohner Madrids zu sein, ihre Stadt zuzumüllen, damit über Nacht in unermüdlicher Arbeit alles wieder sauber gemacht wird, um dann wieder von vorn zu beginnen. Was mir noch auffiel, war die unglaubliche Wärme in den Geschäften. Man geht in winterlichem Outfit rein und muss nach wenigen Minuten wieder die Flucht ergreifen, es sei denn, man entkleidet sich bis auf das T-Shirt. Naja gut, wer im Sommer 40°C hat, schlottert bei 12°C.

Weil ich gerade das Gebiet der Geschäfte betrete – die Bedienung in den Geschäften läuft größtenteils nach dem Prinzip “komm ich heute nicht, komm ich morgen”. Zehn Minuten an der Kasse zu verbringen, obwohl nur drei Leute stehen, ist durchaus selbstverständlich und der geneigte Spanier greift zu seiner Lieblingsbeschäftigung: Reden. Denn das können sie – durcheinander und ohne Luft zu holen. Macht nichts – ich mache trotzdem mal Werbung für einen Klamottenladen, auf die mich Kriszta aufmerksam machte: Desigual. Wer auf bunt steht, kommt da nicht dran vorbei. Überhaupt haben wir viele Klamotten wieder mitgebracht. Wenn Madrid etwas ist, dann ein Shoppingparadies. Irgendwann hat es auch mich erwischt und ich musste nach 2,5 Stunden vor Abflug nochmal in einen Desigual-Laden stürzen und mir ein Kapuzenshirt holen (natürlich in bunt).

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März 5, 2010 in Spanien

Yes Tokyo, No Tokyo!

tokyoUnser Urlaubsplan für dieses Jahr steht… zumindest in groben Zügen. Nächstes Wochenende werde ich mich wieder gen Süden begeben und dann Kriszta in Madrid besuchen, die dann eine Woche Sprachschule hinter sich hat. Das Merkwürdige an unseren Urlaubsplanungen ist immer, dass wir zwei Ziele ins Auge fassen und uns dann für ein drittes entscheiden. So auch diesmal. Die Auswahl stand zwischen Mexiko und Japan. Mit Tendenz nach Japan. Aber Japan ist teuer und Japan ist strange. Da muss man sich mit Gepäckfächern als Unterkunft anfreunden und das meist zu Preisen, die auf die Dauer ganz schön teuer werden könnten.

Also schaut man sich auch mal nach Hostels um und wird relativ schnell fündig. Auch wenn wir jetzt nicht nach Japan fahren, ist die Webseite des Tokyo International Hostel einfach nur genial. Man stelle sich eine gemütliche Mittagspause am Wochenende vor, man legt sich aufs Ohr und mitten in die Stille diese Webseite… “Welcome – to – Tokyo International Hostel. Tokyo, Tokyo….. Yes, Tokyo!” Ein definitiver Ohrwurm.

Und nun zieht es uns nach China. Es geht von Peking auf eigene Faust nach Hongkong. Ich träume vom Li Shui, der Terrakotta-Armee in Kaiser Qins Mausoleum, der Chinesischen Mauer und natürlich von den Städten. Mal sehen, was wir davon alles schaffen. Natürlich wäre ein Besuch in Tibet der Kracher, aber das geht nur mit Reisegruppe und würde wahrscheinlich den gesamten Urlaub auffressen. Aber die Beantragung des Visums muss man sich mal geben:

  • Nur persönlich oder per Vollmacht zu beantragen, Briefweg ausgeschlossen (die Botschaften sind in Frankfurt, München, Hamburg und Berlin)
  • durchschnittliche Bearbeitungsdauer = 4 Tage, Abholung auch nur persönlich oder per Vollmacht; Bearbeitung in einem Tag möglich, kostet dann aber gleich mal das Doppelte
  • frühestens 50 Tage vorher
  • Öffnungszeiten: täglich von 9-12 Uhr (Abgabe bei Bearbeitung am gleichen Tag bis spätestens 11 Uhr)

Hab da heute schon mal vortelefoniert – ja, das mit der Vollmacht ist definitiv, wäre schon blöd, wenn man einen Tag Urlaub verheizt, nur um ein Visum zu beantragen.

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Februar 22, 2010 in Unterwegs, Weird Wide Web

Verweigerungshaltung

Eigentlich wollte ich es mir ja nicht antun, aber Kriszta bat mich, “Illuminati” von Dan Brown zu lesen. Nicht, weil es ihr so gefallen hatte, sondern weil sie sich mit jemandem darüber austauschen wollte. Und dieser Wunsch ist schon fast Ehrensache.

Kurzer Abriss der Geschichte: Die gesamte Handlung des 700-seitigen Buches bildet einen Tag ab. Die Referenzen innerhalb des Buches sind simpel und beziehen sich auf einfache Fakten, statt auf komplette Handlungsstränge. Nur um ein Beispiel zu nennen, erfährt der Protagonist am Anfang der Geschichte, dass ein Quadratmeter Stoff einen Sturz um 20% bremst und der Leser wird auf diesen Fakt noch einmal mit “Er konnte ja nicht ahnen, dass ihm diese Information an Ende des Tages Leben retten würde” hingewiesen. So werden auch die Spannungsbögen aufgebaut und das lässt die Handlung künstlich angespannt erscheinen.

Dem älter werdenden Hauptdarsteller wird eine junge rassige Italienerin an die Seite gestellt. Hollywood lässt schon grüßen, ohne dass man wissen muss, dass es den Film bereits gibt. Und wenn es schon mal so sein soll, findet sich immer ein Wissender, der die römische Geschichte über mehrere Jahrhunderte hinweg kennt und somit verschollene und verschwundene Rätsel auflösen kann, um ja der Geschichte zu ihrem Happy End zu verhelfen.

Statt dessen bin ich der Meinung, dass die wirklich spannende Geschichte hinter dem Misslingen der Handlungen steht. Was wäre, wenn der gesamte Vatikan ein rauchender Krater wäre und die Menschheit zwar nicht ihren Glauben an Gott verliert, aber die gesamte weltliche Führungsriege einem terroristischen Akt zum Opfer fällt? Aber soweit lässt es das Buch nicht kommen und 200 Seiten vor Schluss kommt es bereits zum Showdown und nun gilt es nur noch die Reste zusammenzufegen und übrig gebliebene Fragen zu klären. Aber das wird auch nur schlampig gemacht, denn die Frage, wie der Camerlengo den hervorragend ausgebildeten arabischen Terroristen anheuern konnte, bleibt offen. Steht ja bestimmt im Telefonbuch.

Fazit: Wenn man kurzweilige Unterhaltung sucht oder seinen Rombesuch auffrischen will, für den ist “Illuminati” das richtige Buch. Wer etwas mehr seinen Verstand anstrengen möchte, sollte auf meine nächste Buchbesprechung warten – ich habe meinen zweiten Haruki Murakami in Angriff genommen – “Naokos Lächeln”. Ein Autor, der den Showdown für das “Literarische Quartett” eingeleitet hat.

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Februar 18, 2010 in Bücher

Zeitraffer advanced

Nachdem mein Freund Alex nachgefragt hat, wie lange es dauert, bis man die Bilder zu einem Film zusammengesetzt hat, hier die Antwort: ca. 10 Minuten. Für Zeitraffer braucht man nur ein paar Dinge:

  • ein interessantes Motiv
  • die Geduld, das Motiv über längeren Zeitraum zu knipsen
  • ein Händchen für das Wetter und…
  • technisches Verständnis und Ahnung von Google

Ich habe auch schon oft gelesen, dass von Tagen und Wochen die Rede war, wenn die Leute ihre Filme zusammengestellt haben. Was am längsen dauert, ist das Fotografieren und das Herunterladen der Bilder auf den Rechner. Danach gibt es drei schnuckelige Programme, die das im Handumdrehen erledigen. Das eine wäre der unschlagbare Irfanview (mit seinem Batchprozessor, um tausende Bilder umrechnen zu lassen) und das andere PhotoLapse (ein Programm, was alle Bilder aus einem Verzeichnis zu einem Film zusammenfügt – auch kompressionsfrei). Und nicht zuletzt der auf jedem Windows XP SP2 vorhandene Movie Maker, zur Nachbearbeitung für die Audiospur.

Was halt noch tierisch nervt, ist das Geflacker der automatischen Belichtung und wenn man, wie im letzten Beispiel, einen Tag mit strahlend blauem Himmel erwischt, dann passiert optisch relativ wenig.

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Februar 12, 2010 in Fotografie

Die Geschichte mit der Postkarte

michelangelo

Ich hatte mich ja schon in meinem Rom-Beitrag etwas zum Thema Sixtinische Kapelle geäußert, aber da gibt es noch mehr zu sagen. Also man betritt die Sixtinische Kapelle und sie ist voller Menschen, alle Sitzplätze an den Seiten sind durchweg besetzt und die Leute starren andächtig an die Wände und an die Decke und tauschen Gedanken aus. Aus dem Tuscheln wird Sprechen und die Lautstärke steigert sich solange, bis wieder ein “Psscchhhtt!!!” von den Wächtern ertönt. Wir sind zwei mal in der Kapelle gewesen und jedes Mal ärgerte es mich um so mehr, keine Fotos machen zu können.

Wir wurden Zeugen, wie Leute gebeten wurden, ihre Kamera wegzupacken, wir wurden Zeugen, wie Leute durch ein “No Foto!” zurechtgewiesen wurden, nur weil ihre Kamera Richtung Decke zeigte. Nach Abschluss der zweiten Runde sah ich ein Hinweisschild auf das Vatikanische Postamt. Angeblich sollte die Vatikanpost schneller und zuverlässiger liefern, wie die italienische Post. Ich fand es eine coole Idee, eine Postkarte aus dem Vatikan mit passender Briefmarke und passendem Stempel als Erinnerung an uns zu schicken. Und natürlich bot sich als Motiv die Decke von Michelangelo an.

Also schnappte ich mir eine Karte aus dem Postkartenständer, ging zum Postschalter und verlangte noch eine Marke nach Deutschland. Ich durfte 0,65€ zahlen und gesellte mich wieder zu Kriszta. Als ich ansetzen wollte zu schreiben, fiel mir was auf. Wir diskutierten etliche Verschwörungstheorien, Kameraüberwachung und ewige Verdammnis und schickten dann die Postkarte an uns. Aus religiöser Sicht vielleicht doch suboptimal eine Postkarte im Vatikan zu klauen, aber rein moralisch nach dem Spektakel in der Sixtinischen Kapelle nur gerecht. Ich hatte ja schließlich Geburtstag…

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Februar 10, 2010 in Entgleisung, Italien

Avatar – ein Schritt weiter

Ich war sehr auf diese neue Geschichte gespannt – dieses 3D. War das wieder so ein Pseudokram, der nur so halb funktionierte? Jedenfalls war ich für den ersten Moment etwas enttäuscht, als ich die Brille aufsetzte und die Werbung sah, eigentlich machte es den gleichen Eindruck wie immer. Und auf einmal *hopp* sprang die Schritt von der Leinwand weg und war zum greifen nah. Was stand da? “Bitte setzen Sie ihre 3D-Brille auf”. Ja, hatte ich! Was für ein abgefahrenes Zeug. Ich war echt sprachlos und noch bevor ich mich erholt hatte, ging der Film los.

Meine Kollegen hatte schon erzählt, dass die Handlung platt und vorhersehbar war, aber der Faktor 3D wieder alles rausholte. Und genau die gleichen Empfindungen hatte ich auch. Schon bei jeder Aussage konnte man den folgenden Konflikt, nachfolgende Inhalte und das Ende vorhersehen. Aber das war nichts, wenn man die Bilder mit eigenen Augen sah. Man war Teil des Film, Teil der Natur und es fehlte nur noch der Duft des Waldes, um das Ganze rund zu machen.

Noch während der Heimfahrt ging mir durch den Kopf, dass Amerika bei dem Film nicht so besonders gut weg kommt. Aber halt mal, machen wir das nicht jeden Tag? Sorgen wir nicht dafür, dass der Regenwald ein Stück schrumpft, weil wir unsere erkälteten Winternasen in ein kuschelig weiches Tempo-Taschentuch stecken? Ist es dem Konzern nicht völlig Schnurz, was danach kommt, wenn alles abgeholzt ist, Hauptsache die Kohle stimmt? Dazu brauchen wir kein Pandora, dass haben wir auf unserem eigenen Planeten.

Fazit: Gute Botschaft, aber leider zu schön verpackt, um sichtbar zu werden. Ansonsten wäre etwas Tiefgang wünschenswert gewesen. Und wie es der Zufall so will, blubbert hier im Hintergrund gerade so ein Track aus den frühen 90ern – Microbots “The Age”…. “Earth, it’s the only one we have. And it’s the only planet we are able to live on”.

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Februar 7, 2010 in Film

Das doppelte Lottchen

doppeltes lottchenAlso gleich mal zu Beginn: Don’t try this at home kids! Ein absolutes No go für externe Festplatten ist ja der Betrieb mit dem falschen Netzteil. Wenn nichts reagiert und es auf einmal verschmort riecht, ist das wirklich kein gutes Zeichen. So geschehen mit Krisztas Festplatte, als wir zwischen Weihnachten und Neujahr unterwegs waren und zwar die Festplatte mit hatten, aber das Netzteil vergessen hatten.

Noch blöder, wenn auf der Festplatte sämtliche Digitalfotos, die jemals gemacht wurden, gesichert sind. Da bieten sich nur mehrere Szenarios an, wenn man die Daten wieder haben möchte.

  • Platte zu einer Datensicherungsfirma einschicken (Pro: man hat die Daten wieder, Kontra: jenseits der 1.000-Euro-Grenze)
  • mit den Plattenbezeichnungen jonglieren und Ersatzteile, wie z.B. die Steuerungsplatine finden (Pro: Akzeptable Lösung, Kontra: Hohes Risiko, dass die Platine nicht passt, hohes Risiko, dass man das Geld zum Fenster rauswirft, falls es nicht nur die Platine erwischt hat, außerdem liegen die Kosten ungefähr beim Neupreis der Platte selbst)
  • baugleiche Platte finden (Pro: akzeptabler Preis, komplettes Ersatzteillager, Kontra: ähnlich wie bei der Platine – man kann sich die Platte nur noch mehr kaputt machen)

Wir hatten unglaubliches Glück, dass zu dem Zeitpunkt (20 Stunden) eine Auktion einer baugleichen Platte auslief, die wirklich nur einen Tag später produziert wurde. Ich musste jetzt nur noch einen neuen Koffer mit entsprechenden Bits kaufen, um die T8-Torx-Schraube lösen zu können. Und der Rest ging schnell – Platine wechseln, Platte anschließen, chkdsk laufen lassen, fertig! – alle Daten gerettet. Kinders, man kann nicht zu oft sagen: Macht Datensicherungen!

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Februar 6, 2010 in Computer

Erster Zeitraffer

Heute Morgen aufgestanden, Kamera angeschaltet und los gings… 1.000 Fotos, danach war der Akku leer. Zwischendurch mußte ich immer wieder mal die Blende bzw. die Belichtungszeit anpassen, weswegen es auch immer wieder dunkler wird. Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen…

Erkenntnisse für das nächste Mal:

  • Programmautomatik probieren, um Helligkeit auszugleichen
  • Den Messpunkt für die Schärfe einstellen. Das verhindert, dass es zwischendrin unscharfe Bilder gibt, weil sich das Bild auf einen anderen Punkt scharf gestellt hat.

PS: Das ist übrigens der Blick aus dem seitlichen Fenster in meinem Büro daheim.

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Januar 30, 2010 in Fotografie

Mamma mia!

abendbild romNun ist es mittlerweile schon wieder ein Woche her. Vor einer Woche ging es früh los, ab nach Nürnberg, rein in das Flugzeug und dann Richtung Süden. Gut 1,5 Stunden später hatte uns die Erde wieder, wir schnappten unser Gepäck, wurden noch wegen Shuttle-Bussen angequatscht, was uns aber nicht die Bohne interessierte und schon ging es mit dem Leonardo Express ins Zentrum von Rom.

Unser Hotel war nicht weit vom Bahnhof entfernt, ich glaube, wir sind mehr am Bahnhof entlang gelaufen, weil das Gleis so weit außerhalb war, als vom Bahnhof weg. Das Hotel Genova war wirklich gut gelegen und das Preis-/Leistungsverhältnis war auch top. Bett gut, Zimmer neu und sauber, Frühstücksbüffett umfangreich und frisch… nur man muss einen guten Schlaf haben. Das Hotel liegt direkt an einer Hauptstraße und auch bei geschlossenen Fenstern hört man den Verkehr von unten. Also kein Problem für Städtereisende, denn vom vielen Laufen ist man ohnehin todmüde.

villa adrianaWobei wir schon bei einem hässlichen Punkt von Rom wären – es gibt für diese Riesenstadt nur 2 (in Worten: Zwei!) Metrolinien. Und die Dichte der Stationen ist bei weitem nicht mit Paris oder London zu vergleichen. Deswegen gibt es den Metroplan auch gratis überall zu haben, wogegen man für das dichte Netz der Buslinien bezahlen darf. Um der ganzen Bezahlerei aus dem Weg zu gehen, empfiehlt sich die Anschaffung des Roma Pass. So konnten wir drei Tage lang mit der Metro, Bus und Bahn durch Rom fahren und die ersten beiden Museumsbesuche (dazu gehört z.B. das Colosseum) sind auch mit drin.

Und genau damit fingen wir an – wir kletterten im Colosseum herum. Die Beschilderung ist etwas unverständlich und man sucht lange, bis man die Treppe zum 1. Stock gefunden hat und dann haben die Stufen einen unmöglich hohen Tritt (ca. 30-40cm). Das Wetter war dafür traumhaft. Schon im Vorfeld hatten wir mit Spannung den Wetterbericht verfolgt und alles versprach gut zu werden. Temperaturen weit über 0°C und strahlend blauer Himmel waren ideal. Über den Palatin ging es weiter zum Forum Romanum und anschließend zum Circus Maximus. Was nach einem kurzen Spaziergang klingt, dauerte insgesamt 4 Stunden und dann gab es das erste Eis (zu einem Wucherpreis) und über das Kapitol, vorbei an der Tiber-Insel auf die andere Seite des Tiber, wo wir einen wunderschönen Blick auf Rom im Abendlicht hatten und danach suchten wir uns eins der vielen Restaurants aus.

vorm pantheonLaut Reiseführer ist italienisch essen in Rom so eine Sache – angeblich essen die Römer früh und mittags wenig und hauen dann abends richtig rein. Heißt: Vorspeise (meist Bruschetta mit Olivenöl, Tomaten, Basilikum), 1. Gang (Pasta, Risotto o.ä.), 2. Gang (Fleischgericht) und dann noch ein Nachtisch. Dazu bietet sich noch ein Schluck Hauswein an und schon ist man mehr als gesättigt. Viele Restaurants schrumpfen die Auswahl auf der Speisekarte zu einem sogenannten Touristenmenü zusammen, was natürlich etwas preisgünstiger ist, wie die Einzelgerichte. Wir stolperten auch über eine Kneipe die mit ‘We are against war and “Tourist Menu”‘ sich dagegen positionierte. Danach ging es ins Hotel zurück, weil wir total fertig waren, aber nach einer Stunde wurde uns langweilig und wir machten noch eine Runde, um Nachtfotos zu schießen.

Der nächste Tag führte uns Richtung Tivoli, zu den zwei Unesco-Weltkulturerbestätten Villa Adriana und Villa d’Este. Die Busfahrt dahin ist zwar etwas schleppend, weil die Straße zwischen Tivoli und Rom ein einziger Stau ist, aber dafür wird man mit jeder Menge geschichtsträchtigen Bauwerken belohnt. Wir wurden auch noch Zeugen einer Filmaufnahme. Obwohl sich das Wetter gegenüber dem Vortrag nicht wesentlich geändert hatte, kam es mir viel kälter vor und der arme Schauspieler, der in ein Laken gehüllt mit Sandalen durch die Ruinen wandelte, lies uns noch mehr frösteln. Etwas fiel mir an dem Tag auf: Römer sind hilfsbereit, wenn es darum geht, die richtige Haltestelle zu zeigen oder den Weg zu erklären – auch wenn sie kein Englisch sprechen. Als wir abends wieder in Rom ankamen, gingen wir nur noch schnell was essen und fielen dann ins Bett und schauten noch etwas fern.

tiberSamstag stand der Vatikan als Hauptpunkt auf dem Programm. Der Petersdom ist riesig, aber hat keine spirituelle Ausstrahlung. Touristen rein – Touristen raus. Danach ging es ins Vatikanmuseum und damit auch in die Sixtinische Kapelle. Die Gemälde sind wunderschön und der Wunsch sie zu fotografieren war stark. Aber das Wachpersonal stellt ungefähr 10% der Personen die darin sind – zivil, als auch in Uniform. Vor lauter “Psscchhhttt!!!” und “No Foto!” was durch die Halle gerufen wird, kommt man garnicht in den Genuss. Und die Antwort auf die Frage, warum man in sämtlichen anderen Räumen und Kirchen fotografieren darf, nur in dieser nicht, wäre man mir sicher schuldig geblieben. Dafür kann man immer wieder an jeder Ecke des Museums Stifte, Brillenputztücher, Radiergummis, T-Shirts, Bücher, DVDs, Postkarten und Lesezeichen mit Michelangelos Motiven finden. So schön es auch dort ist, so einen negativen Beigeschmack hatte der Besuch.

Der Nachmittag gehörte dann einem weiteren Bummel durch die Innenstadt Roms (diesmal auch mit Besuch einzelner Läder) und einem kleinen Snack auf der Spanischen Treppe und einem Besuch am Trevi-Brunnen. Abends suchten wir ein schönes Restaurant, um gemütlich zu essen. Am Sonntag Vormittag besuchten wir noch einige wenige Sehenswürdigkeiten, von denen ich auf jeden Fall die Verzückung der Heiligen Theresa erwähnen möchte. Also wenn das mal nicht eindeutig ist…

colosseumDer Abflug zurück begann mit einem Schauspiel, was ich typisch italienisch bezeichnen würde. Ich hatte mich schon immer gefragt, wozu die Schlangen vor den Sicherheitskontrollen aufgebaut sind. In Rom lernte ich ihre Bedeutung bis zum letzten Meter kennen. Dort standen wir ungefähr eine Viertelstunde, bis wir die Schlange durchgequert hatten und an der entgültigen Schlange zur Sicherheitskontrolle angelangt waren. An jeder Schranke standen ca. 4 Personen, eine die durchleuchtete, eine die kontrollierte, eine die herumlief und die Schalen wieder zurückbrachte und einer, der die Passagiere auf italienisch anwies, was man alles zu beachten hatte. Natürlich waren nur 4 der insgesamt 8 oder 9 Sicherheitsschranken besetzt. Daran änderte sich auch die nächsten 5 Minuten nichts. Dann wurden diese endlich besetzt, aber dessen nicht genug – zur Kontrolle der Schuhe besitzen die Beamten ein Gerät, was sie aber nicht benutzen, sondern lieber die Leute (vorzugsweise die Frauen) nochmal barfuß durch die Schranke zu schicken, was ich als ziemlich nervenaufreibend empfunden hab, weil es den Betrieb aufhielt. Führte natürlich dazu, dass es Leute gab, die gerade so mit Ach und Krach ihre Maschine erreichten und es gab auch solche, die dann noch am Gate in eine 10-minütige Diskussion verwickelt wurden, bis sie endlich passieren durften. Traf zum Glück nicht auf uns zu, da wir rechtzeitig da waren und so am Sonntag Abend wieder daheim eintrafen.

Und jetzt? Schnee und Kälte…

Zum Abschluss – die Bilderlegende:

  1. Blick auf Rom von der Piazzale Guiseppe Garibaldi
  2. in der Villa Adriana
  3. Hydrant vor dem Pantheon
  4. Blick Richtung Petersdom über den Tiber
  5. Das Colosseum bei Nacht
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Januar 28, 2010 in Italien