Avatar – ein Schritt weiter

Ich war sehr auf diese neue Geschichte gespannt – dieses 3D. War das wieder so ein Pseudokram, der nur so halb funktionierte? Jedenfalls war ich für den ersten Moment etwas enttäuscht, als ich die Brille aufsetzte und die Werbung sah, eigentlich machte es den gleichen Eindruck wie immer. Und auf einmal *hopp* sprang die Schritt von der Leinwand weg und war zum greifen nah. Was stand da? “Bitte setzen Sie ihre 3D-Brille auf”. Ja, hatte ich! Was für ein abgefahrenes Zeug. Ich war echt sprachlos und noch bevor ich mich erholt hatte, ging der Film los.

Meine Kollegen hatte schon erzählt, dass die Handlung platt und vorhersehbar war, aber der Faktor 3D wieder alles rausholte. Und genau die gleichen Empfindungen hatte ich auch. Schon bei jeder Aussage konnte man den folgenden Konflikt, nachfolgende Inhalte und das Ende vorhersehen. Aber das war nichts, wenn man die Bilder mit eigenen Augen sah. Man war Teil des Film, Teil der Natur und es fehlte nur noch der Duft des Waldes, um das Ganze rund zu machen.

Noch während der Heimfahrt ging mir durch den Kopf, dass Amerika bei dem Film nicht so besonders gut weg kommt. Aber halt mal, machen wir das nicht jeden Tag? Sorgen wir nicht dafür, dass der Regenwald ein Stück schrumpft, weil wir unsere erkälteten Winternasen in ein kuschelig weiches Tempo-Taschentuch stecken? Ist es dem Konzern nicht völlig Schnurz, was danach kommt, wenn alles abgeholzt ist, Hauptsache die Kohle stimmt? Dazu brauchen wir kein Pandora, dass haben wir auf unserem eigenen Planeten.

Fazit: Gute Botschaft, aber leider zu schön verpackt, um sichtbar zu werden. Ansonsten wäre etwas Tiefgang wünschenswert gewesen. Und wie es der Zufall so will, blubbert hier im Hintergrund gerade so ein Track aus den frühen 90ern – Microbots “The Age”…. “Earth, it’s the only one we have. And it’s the only planet we are able to live on”.

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Februar 7, 2010 in Film

Das doppelte Lottchen

doppeltes lottchenAlso gleich mal zu Beginn: Don’t try this at home kids! Ein absolutes No go für externe Festplatten ist ja der Betrieb mit dem falschen Netzteil. Wenn nichts reagiert und es auf einmal verschmort riecht, ist das wirklich kein gutes Zeichen. So geschehen mit Krisztas Festplatte, als wir zwischen Weihnachten und Neujahr unterwegs waren und zwar die Festplatte mit hatten, aber das Netzteil vergessen hatten.

Noch blöder, wenn auf der Festplatte sämtliche Digitalfotos, die jemals gemacht wurden, gesichert sind. Da bieten sich nur mehrere Szenarios an, wenn man die Daten wieder haben möchte.

  • Platte zu einer Datensicherungsfirma einschicken (Pro: man hat die Daten wieder, Kontra: jenseits der 1.000-Euro-Grenze)
  • mit den Plattenbezeichnungen jonglieren und Ersatzteile, wie z.B. die Steuerungsplatine finden (Pro: Akzeptable Lösung, Kontra: Hohes Risiko, dass die Platine nicht passt, hohes Risiko, dass man das Geld zum Fenster rauswirft, falls es nicht nur die Platine erwischt hat, außerdem liegen die Kosten ungefähr beim Neupreis der Platte selbst)
  • baugleiche Platte finden (Pro: akzeptabler Preis, komplettes Ersatzteillager, Kontra: ähnlich wie bei der Platine – man kann sich die Platte nur noch mehr kaputt machen)

Wir hatten unglaubliches Glück, dass zu dem Zeitpunkt (20 Stunden) eine Auktion einer baugleichen Platte auslief, die wirklich nur einen Tag später produziert wurde. Ich musste jetzt nur noch einen neuen Koffer mit entsprechenden Bits kaufen, um die T8-Torx-Schraube lösen zu können. Und der Rest ging schnell – Platine wechseln, Platte anschließen, chkdsk laufen lassen, fertig! – alle Daten gerettet. Kinders, man kann nicht zu oft sagen: Macht Datensicherungen!

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Februar 6, 2010 in Computer

Erster Zeitraffer

Heute Morgen aufgestanden, Kamera angeschaltet und los gings… 1.000 Fotos, danach war der Akku leer. Zwischendurch mußte ich immer wieder mal die Blende bzw. die Belichtungszeit anpassen, weswegen es auch immer wieder dunkler wird. Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen…

Erkenntnisse für das nächste Mal:

  • Programmautomatik probieren, um Helligkeit auszugleichen
  • Den Messpunkt für die Schärfe einstellen. Das verhindert, dass es zwischendrin unscharfe Bilder gibt, weil sich das Bild auf einen anderen Punkt scharf gestellt hat.

PS: Das ist übrigens der Blick aus dem seitlichen Fenster in meinem Büro daheim.

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Januar 30, 2010 in Fotografie

Mamma mia!

abendbild romNun ist es mittlerweile schon wieder ein Woche her. Vor einer Woche ging es früh los, ab nach Nürnberg, rein in das Flugzeug und dann Richtung Süden. Gut 1,5 Stunden später hatte uns die Erde wieder, wir schnappten unser Gepäck, wurden noch wegen Shuttle-Bussen angequatscht, was uns aber nicht die Bohne interessierte und schon ging es mit dem Leonardo Express ins Zentrum von Rom.

Unser Hotel war nicht weit vom Bahnhof entfernt, ich glaube, wir sind mehr am Bahnhof entlang gelaufen, weil das Gleis so weit außerhalb war, als vom Bahnhof weg. Das Hotel Genova war wirklich gut gelegen und das Preis-/Leistungsverhältnis war auch top. Bett gut, Zimmer neu und sauber, Frühstücksbüffett umfangreich und frisch… nur man muss einen guten Schlaf haben. Das Hotel liegt direkt an einer Hauptstraße und auch bei geschlossenen Fenstern hört man den Verkehr von unten. Also kein Problem für Städtereisende, denn vom vielen Laufen ist man ohnehin todmüde.

villa adrianaWobei wir schon bei einem hässlichen Punkt von Rom wären – es gibt für diese Riesenstadt nur 2 (in Worten: Zwei!) Metrolinien. Und die Dichte der Stationen ist bei weitem nicht mit Paris oder London zu vergleichen. Deswegen gibt es den Metroplan auch gratis überall zu haben, wogegen man für das dichte Netz der Buslinien bezahlen darf. Um der ganzen Bezahlerei aus dem Weg zu gehen, empfiehlt sich die Anschaffung des Roma Pass. So konnten wir drei Tage lang mit der Metro, Bus und Bahn durch Rom fahren und die ersten beiden Museumsbesuche (dazu gehört z.B. das Colosseum) sind auch mit drin.

Und genau damit fingen wir an – wir kletterten im Colosseum herum. Die Beschilderung ist etwas unverständlich und man sucht lange, bis man die Treppe zum 1. Stock gefunden hat und dann haben die Stufen einen unmöglich hohen Tritt (ca. 30-40cm). Das Wetter war dafür traumhaft. Schon im Vorfeld hatten wir mit Spannung den Wetterbericht verfolgt und alles versprach gut zu werden. Temperaturen weit über 0°C und strahlend blauer Himmel waren ideal. Über den Palatin ging es weiter zum Forum Romanum und anschließend zum Circus Maximus. Was nach einem kurzen Spaziergang klingt, dauerte insgesamt 4 Stunden und dann gab es das erste Eis (zu einem Wucherpreis) und über das Kapitol, vorbei an der Tiber-Insel auf die andere Seite des Tiber, wo wir einen wunderschönen Blick auf Rom im Abendlicht hatten und danach suchten wir uns eins der vielen Restaurants aus.

vorm pantheonLaut Reiseführer ist italienisch essen in Rom so eine Sache – angeblich essen die Römer früh und mittags wenig und hauen dann abends richtig rein. Heißt: Vorspeise (meist Bruschetta mit Olivenöl, Tomaten, Basilikum), 1. Gang (Pasta, Risotto o.ä.), 2. Gang (Fleischgericht) und dann noch ein Nachtisch. Dazu bietet sich noch ein Schluck Hauswein an und schon ist man mehr als gesättigt. Viele Restaurants schrumpfen die Auswahl auf der Speisekarte zu einem sogenannten Touristenmenü zusammen, was natürlich etwas preisgünstiger ist, wie die Einzelgerichte. Wir stolperten auch über eine Kneipe die mit ‘We are against war and “Tourist Menu”‘ sich dagegen positionierte. Danach ging es ins Hotel zurück, weil wir total fertig waren, aber nach einer Stunde wurde uns langweilig und wir machten noch eine Runde, um Nachtfotos zu schießen.

Der nächste Tag führte uns Richtung Tivoli, zu den zwei Unesco-Weltkulturerbestätten Villa Adriana und Villa d’Este. Die Busfahrt dahin ist zwar etwas schleppend, weil die Straße zwischen Tivoli und Rom ein einziger Stau ist, aber dafür wird man mit jeder Menge geschichtsträchtigen Bauwerken belohnt. Wir wurden auch noch Zeugen einer Filmaufnahme. Obwohl sich das Wetter gegenüber dem Vortrag nicht wesentlich geändert hatte, kam es mir viel kälter vor und der arme Schauspieler, der in ein Laken gehüllt mit Sandalen durch die Ruinen wandelte, lies uns noch mehr frösteln. Etwas fiel mir an dem Tag auf: Römer sind hilfsbereit, wenn es darum geht, die richtige Haltestelle zu zeigen oder den Weg zu erklären – auch wenn sie kein Englisch sprechen. Als wir abends wieder in Rom ankamen, gingen wir nur noch schnell was essen und fielen dann ins Bett und schauten noch etwas fern.

tiberSamstag stand der Vatikan als Hauptpunkt auf dem Programm. Der Petersdom ist riesig, aber hat keine spirituelle Ausstrahlung. Touristen rein – Touristen raus. Danach ging es ins Vatikanmuseum und damit auch in die Sixtinische Kapelle. Die Gemälde sind wunderschön und der Wunsch sie zu fotografieren war stark. Aber das Wachpersonal stellt ungefähr 10% der Personen die darin sind – zivil, als auch in Uniform. Vor lauter “Psscchhhttt!!!” und “No Foto!” was durch die Halle gerufen wird, kommt man garnicht in den Genuss. Und die Antwort auf die Frage, warum man in sämtlichen anderen Räumen und Kirchen fotografieren darf, nur in dieser nicht, wäre man mir sicher schuldig geblieben. Dafür kann man immer wieder an jeder Ecke des Museums Stifte, Brillenputztücher, Radiergummis, T-Shirts, Bücher, DVDs, Postkarten und Lesezeichen mit Michelangelos Motiven finden. So schön es auch dort ist, so einen negativen Beigeschmack hatte der Besuch.

Der Nachmittag gehörte dann einem weiteren Bummel durch die Innenstadt Roms (diesmal auch mit Besuch einzelner Läder) und einem kleinen Snack auf der Spanischen Treppe und einem Besuch am Trevi-Brunnen. Abends suchten wir ein schönes Restaurant, um gemütlich zu essen. Am Sonntag Vormittag besuchten wir noch einige wenige Sehenswürdigkeiten, von denen ich auf jeden Fall die Verzückung der Heiligen Theresa erwähnen möchte. Also wenn das mal nicht eindeutig ist…

colosseumDer Abflug zurück begann mit einem Schauspiel, was ich typisch italienisch bezeichnen würde. Ich hatte mich schon immer gefragt, wozu die Schlangen vor den Sicherheitskontrollen aufgebaut sind. In Rom lernte ich ihre Bedeutung bis zum letzten Meter kennen. Dort standen wir ungefähr eine Viertelstunde, bis wir die Schlange durchgequert hatten und an der entgültigen Schlange zur Sicherheitskontrolle angelangt waren. An jeder Schranke standen ca. 4 Personen, eine die durchleuchtete, eine die kontrollierte, eine die herumlief und die Schalen wieder zurückbrachte und einer, der die Passagiere auf italienisch anwies, was man alles zu beachten hatte. Natürlich waren nur 4 der insgesamt 8 oder 9 Sicherheitsschranken besetzt. Daran änderte sich auch die nächsten 5 Minuten nichts. Dann wurden diese endlich besetzt, aber dessen nicht genug – zur Kontrolle der Schuhe besitzen die Beamten ein Gerät, was sie aber nicht benutzen, sondern lieber die Leute (vorzugsweise die Frauen) nochmal barfuß durch die Schranke zu schicken, was ich als ziemlich nervenaufreibend empfunden hab, weil es den Betrieb aufhielt. Führte natürlich dazu, dass es Leute gab, die gerade so mit Ach und Krach ihre Maschine erreichten und es gab auch solche, die dann noch am Gate in eine 10-minütige Diskussion verwickelt wurden, bis sie endlich passieren durften. Traf zum Glück nicht auf uns zu, da wir rechtzeitig da waren und so am Sonntag Abend wieder daheim eintrafen.

Und jetzt? Schnee und Kälte…

Zum Abschluss – die Bilderlegende:

  1. Blick auf Rom von der Piazzale Guiseppe Garibaldi
  2. in der Villa Adriana
  3. Hydrant vor dem Pantheon
  4. Blick Richtung Petersdom über den Tiber
  5. Das Colosseum bei Nacht
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Januar 28, 2010 in Unterwegs

Eine kleine Theorie

Ich muss mal ganz dringend wieder was über Bücher schreiben. Und da ich gerade mit einem fertig bin, leg ich doch gleich mal los. Es geht um “Das Philosophenportal” von Robert Zimmer.

Beim Philosophenportal stellen sich wahrscheinlich jedem studierten Philosophen die Haare zu Berge, weil es handelt sich um eine Art Readers Digest für Philosophiebücher. Aber für den philosophieinteressierten Leser ist es die Sammelversion von 16 wichtigen Büchern. Was richtig gut ist, dass einige Bücher auf einander aufsetzen bzw. auch vom Autor miteinander in Bezug gebracht werden. Ich muss im Nachhinein zugeben, selbst in aufbereiteter Form war Kants “Kritik der reinen Vernunft” schwer verdaulich. Ich will nicht sagen, unverständlich, aber mal fix überfliegen und sofort verstehen ist bei dem Gedankengang ausgeschlossen.

Besonders hat mir gefallen, dass die Werke nicht nur allein erläutert wurden, sondern auch das Wesen des jeweiligen Autors im Bezug auf die Zeit, in der er gelebt hat. Und so geht es von der Antike, d.h. Platons “Der Staat” bis zu John Rawls “Eine Theorie der Gerechtigkeit”. Über letztere möchte ich mich gerade noch etwas auslassen, da sie ziemlich nah an unserer Zeit liegt und mir auch gefällt, auch wenn sie Schwächen aufweist.

Im Großen und Ganzen fühlte ich mich an mein Abi erinnert, wo wir Sozialkunde hatten und wir das Parteispektrum in Deutschland beleuchteten und uns unser Sozialkundelehrer vor eine Frage stellte: Was sind Themen, die aktuell politisch wichtig sind und in der nächsten Legislaturperiode berücksichtigt werden sollten? Es fielen Themen wie Arbeitslosigkeit, Wirtschaft, Bildung usw. Und er hakte nach: Angenommen, wir würden alle “Probleme” die als Kernthemen für den Wahlkampf angesetzt sind, außer acht lassen – was wären die Themen, die essentiell dafür sind, dass wir als Menschheit noch eine Chance haben, das nächste Jahrhundert zu erleben. Sofort fiel die Hälfte der bisher angesprochenen Themen weg und wir waren bei Umweltschutz, Abrüstung, alternative Energien, Wissenschaft + Forschung…

Und damit habe ich schon einen prima Übergang zur Theorie der Gerechtigkeit geschafft. Angenommen man steht davor, eine neue Gesellschaft zu bilden. Natürlich würde jeder versuchen, aufgrund seiner politischen und sozialen Stellung einen Vorteil zu erzielen. Also ist jeder im Bezug auf seinen aktuellen Status blind, Rawls nennt es den “Schleier des Nichtwissens”. Und was mir dabei gefällt ist, dass es unwahrscheinlich schlüssig ist, denn wenn jeder bei der Entwicklungs von Grundsätzen der Gerechtigkeit mitwirken soll, wo er nicht weiß, welchen sozialen Status er hat, würde er automatisch dafür sorgen, dass den sozial schlecht gestellten ein Maximum zukommt – auch als Maximin-Prinzip benannt. Die Intention ist: einer Gesellschaft geht es nur so gut, wie es den sozial schwächsten geht.

Im Buch wird noch näher erläutert, dass soziale Unterschiede kein Problem sind, solange man die sozial Schwachen als Maßstab im Auge behält. Und dann auch noch der Satz, dass europäische Staaten dem Ganzen am nächsten kommen… Meiner Ansicht nach das Problem, was ich mit dem Buch habe! Alles gut und schön und wir können auch prima nach diesem Vorbild leben, haben die sozial Schwachen ein bißchen im Augenwinkel, mehren unseren Reichtum, aber leider auf Kosten derer, die dieses Gerechtigkeitsprinzip nicht haben! Und das stimmt zumindest in der Praxis – da ich das Original nicht gelesen habe, kann ich mir an der Stelle kein Urteil erlauben, aber zumindest scheint es keinen Widerspruch darzustellen. Aber wer es ganz genau wissen will, bei der Wikipedia gibts mehr dazu.

Und weil ich gerade mal wieder die Wikipedia verlinkte… In einem Interview mit der Süddeutschen lässt “Internet-Pionier” Lanier verlauten, dass die Wikipedia Mobideologie ist. Hat zwar irgendwie Recht, aber ich finde, der Artikel klingt nach einem Nerd, der von der Zeit überholt wurde und deshalb beleidigt ist, weil sich kaum einer für seine Ideen interessiert. Hallo! Die Zeiten ändern sich… Seine Kernaussage: Es warnt vor dem Kult des Kollektivs und möchte eine Wertschätzung der Individualität. Öhm, fangen wir doch mal an: Liebe Wissenschaftler, arbeitet nicht mehr in Teams und hört auf, euch auszutauschen! Doch lieber jeder für sich, ist zwar nicht so schnell, aber individueller! Ohne weiteren Kommentar…

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Januar 27, 2010 in Bücher

The clock is ticking…

twinisr1Eigentlich ist ja Ronny Schuld… Bei ihm stolpere ich immer wieder über phantastische Zeitrafferaufnahmen und denke mir: auch haben wollen! Also machte ich mich auf die Suche und fand heraus, dass es von Canon eine Lösung dafür gibt – sauteuer und außerdem mit dem falschen Anschluss, es sei denn man ist bastelfreudig. Also gab es ein dickes, fettes Das-wünsch-ich-mir, als ich bei heise Foto über eine Variante stolperte, die zu meiner Kamera passt und auch noch bezahlbar ist. Und nun ist mein Geburtstag und so ein Teil liegt vor. Ich habe den Kopf voller Ideen, möchte vom Balkon timelapsen, in einer Großstadt bei Nacht und viele andere Dinge mehr. Ganz zu schweigen von einer Milchstraßen-Timelapse. Richtig begeistert bin ich ja von der Funktionsvielfalt. Statt einfach nur die Pausen anzugeben, in welchen Intervallen ausgelöst werden soll, kann das Teil noch mehr: eine bestimmte Anzahl von Bilder knipsen, die Belichtungszeit vorgeben und nach einem vorgegebenen Zeitraum ein Bild machen.

So und jetzt steht neben dem Thema Panografie auch noch Time lapse auf meinem Experimentierplan. Vielleicht gibt es schon erste Versuche, wenn wir aus Rom wiederkommen…

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Januar 23, 2010 in Fotografie

Boldog új évet!

… oder um es im Sinne der “Sendung mit der Maus” zu sagen: Das war Ungarisch und heißt “Gesundes neues Jahr!”. Nach nun etlichen Tagen melde ich mich mal wieder… Die letzten Tage vor Weihnachten waren nochmal hektisch, auch gerade was die Organisation der Weihnachtsgeschenke betraf. Ich habe pünktlich alle Geschenke verpacken können, als es dann am 23.12. nachmittags losgehen sollte.

Eigentlich war es nur eine Kleinigkeit – die Werkstatt sollte sich die Gelenkmanschette des Autos von Kriszta nochmal ansehen. Mist – eingerissen, für eine Fahrt nach Ungarn untauglich. Wegen Ladevolumen kam Rüedi garnicht in Frage. Also schnell reparieren… aber nicht dass das problemlos gehen würde – Neee! Die Manschetten waren nicht da, mussten also beim Großhändler bestellt werden. Der hatte die glücklicherweise auf Lager, wir sind mit Rüedi hingefahren, während die Werkstatt schonmal Krisztas Auto zerlegte. Wir kamen wieder, gingen in die Wohnung bzw. fuhren noch kurz was holen – inzwischen 3 Anrufe: die falschen Manschetten! Der Großhändler hatte aber von den Richtigen natürlich nicht mehr genug da, also rief die Werkstatt bei einer Vertragswerkstatt an und holte die Manschette ab. Inzwischen hatten wir genügend Zeit, die restlichen Sachen zusammenzupacken und schon mal alles verladebereit zu machen. Wir starteten ungefähr zu der Zeit, wo wir eintreffen wollten. Kein Wunder – 2,5 Stunden hatte uns der Spaß gekostet.

semperoperZuhause wurden wir von Mutti erstmal fix mit einem leckeren Fischsüppchen verarztet und dann ging es weiter zum regulären Vorweihnachts-Freunde-Treffen. Die nächsten Tage vergingen wie im Flug, deswegen picke ich nur mal die Highlights heraus. Schon im Vorfeld hatten wir den Hinweis bekommen: Bringt mal schicke Klamotten mit. Wir hatten eine Vermutung, aber keine Ahnung. Bei der Bescherung kam dann die Lösung – 2 Karten für das “Nussknacker“-Ballett in der Semperoper. Auch wenn die Geschichte umgeschrieben wurde – ein Traum. Die Kulisse, die Kostüme, die Musik, die Atmosphäre… einfach toll. Und ein weiteres Highlight: Weihnachten nicht allein feiern! Ansonsten waren die Tage gekennzeichnet von Ausruhen, Basteln, Essen und Schlafen.

Nach den Feiertagen ging es dann zu Krisztas Eltern. Noch mehr Weihnachten, Essen und endlich auch Entspannen (z.B. bei einem Besuch des Thermalbades in Martfű). Ich bekam eine 4-Euro-Frisur und hatte in meiner Freizeit nichts besseres im Kopf wie… Programmieren. Kurz vor Weihnachten versuchte ein Kollege einem Azubi mit Hilfe von AntMe! die Grundlagen des Programmieren beizubringen. Wirkte natürlich auch bei mir, denn ein eigenes Ameisenvolk zu programmieren, klingt nicht nur witzig, sondern macht auch Spaß. Also stopfte ich da ein bißchen Energie rein und heraus kam ein Volk mit globalem Gedächtnis und flexibler Aufgabenzuteilung. Natürlich würde noch mehr gehen, aber so sieht das schon mal ganz hübsch aus. Nicht dass es falsch rüberkommt, aber allein die kulinarischen Genüsse wären einen extra Beitrag wert. Und seit dem letzten Besuch schreibe ich Wörter, die ich mitbekommen habe, auf und bekomme so Stück für Stück etwas mehr mit, was gesprochen wird. Sprechen ist so ein Ding…

Ungarisch als finno-ugrische Sprache ist so unglaublich anders, wie sonst in Europa gesprochene Sprachen. Was natürlich seinen Charme – natürlich im theoretischen Sinne – hat, ist der agglutinierende Sprachbau, d.h. man bastelt sich durch Suffixe und Präfixe zu einem Wort den Kontext dazu. Dann kommt noch etwas Vokalharmonie dazu. Vielleicht mache ich es einfach so, dass ich ein bißchen was von dem, was ich dazulerne, hier veröffentliche.

Aber der rote Faden macht sich schon wieder selbstständig… zurück zum Thema. Auch in Ungarn verging die Zeit rasend schnell, Silvester war etwas missglückt, weil es Strömen regnete. Und schon ging es am zweiten Januar zurück, vorbei an Parndorf – dem Outletstore – schon die Parkplatzsuche von einer halben Stunde war prickelnd. Bin jetzt stolzer Besitzer eines Paars Trekkingschuhe, die aber eher für den Wochenendausflug gedacht sind, wenn wir uns mal wieder aus dem Staub machen, wie z.B. zu meinem Geburtstag.

Und was nutze ich, um diesen Beitrag abzuschließen? Ich bin für ein paar angenehme Gedanken – wie z.B. dass ich nächste Woche wieder zur Massage gehe (mein Weihnachtsgeschenk von Kriszta) und mich vorher eine halbe Stunde auf eine schöne warme Fangopackung werfen darf… Und nicht zu vergessen – morgen beginnt die Sportsaison wieder. Ich packe meinen mittlerweile verstaubten Squashschläger aus und gehe wieder grüne Bällchen vermöbeln.

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Januar 8, 2010 in Allgemein

Fundstück

Ich habe heute mal etwas aufgeräumt und bin dabei über meine alte Briefmarkensammlung gestolpert. Schon etwig nicht mehr da reingeschaut. Dabei bin ich über eine Mappe gestolpert, in der ich die ausgeschnittenen Briefmarken gesammelt habe, bevor ich sie abgeweicht habe. Auf der Innenseite ist folgendes Bild. Ich lasse das mal kommentarlos wirken…

sed

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Januar 6, 2010 in Erinnerung

To protect our wisdom

Wikipedia Affiliate Button

Ich mache nicht viel Federlesens, deswegen kurz und bündig: So oft wie ich die Wikipedia nutze / verlinke, würde ich mich schämen, wenn ich nicht auch meinen Beitrag leistete.

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Dezember 13, 2009 in Allgemeinwissen

Staub, Sand und Stein

2009 marokko agadir1Nach dem ganzen Umzugstheater hatten wir uns endlich mal etwas Ruhe verdient. Wir wollten nochmal Wärme, aber es sollte sich in einem bezahlbaren Rahmen abspielen. Also buchten wir für unter 400 Euro eine Woche Pauschalurlaub in Marokko mit Flug ab Nürnberg. Da wir uns genau kennen und wissen, dass wir nicht lange an einem Ort ruhen können, pimpten wir den Urlaub mit einem individuellen Trip nach Marrakesch und buchten dort ein Riad, ein Haus mit Innengarten.

Die Flugzeiten waren auch sehr angenehm, es ging um 9 Uhr in Nürnberg los, d.h. inkl. Zeitverschiebung Mittag 12 Uhr in Agadir. Mit dem Transfer hatte auch alles geklappt und so konnten wir Agadir entdecken gehen, was wir neben sonnen und lesen auch ausgiebig machten.

Wir kamen schnell zu vielen Erkenntnissen. Zum einen, dass Agadir wirklich nur ein Badeort ist. Der Strand ist von Hotelketten mehrreihig umsäumt und danach schließt sich die Stadt und der Stadtrand an. Laut Wikipedia hat Agadir knapp 700.000 Einwohner. Wenn man historisch zurückblick, hatte Agadir 1960 gerade mal 50.000 Einwohner, wobei 10.000 – 15.000 durch ein schweres Erdbeben umkamen. Das heißt – Agadir hat kaum historische Gebäude (von der Kasbah mal abgesehen) und dient nur einem Zweck: Tourismus. Es gibt eine Handvoll Straßen, die zwischen den Hotels liegen und touristengerechte Läden haben – mit der Aufschrift: fixed price.

2009 marokko agadir2Verlässt man das Touristenviertel wird man mit der öden Wahrheit konfrontiert – Agadir ist langweilig. Wir sind mehrfach durch die Stadt gelaufen, haben den Souk besucht, das eine oder andere Restaurant besucht, aber im Großen und Ganzen bleibt nur eine staubige Erinnerung. Auch trifft man außerhalb der Hotelketten kaum Touristen an, wenn überhaupt, wird man von einem Reisebus aus bestaunt, als wäre man selbst eine Attraktion. Auf dem Transfer zurück haben wir die anderen Touristen mal so belauscht – da wird einem Angst und Bange, wenn man hört, was die so zusammenspekulieren.

Aber wir lernten in den ersten Tagen die Grundregeln:

  • Feilschen: Grundsätzlich kann man durch gutes Feilschen den Originalpreis um gut 2/3 senken. Man fragt erstmal, wieviel es kostet – bei Dienstleistungen ist es vielleicht gut, wenn man im Hotel fragt, wohin was möchte, die sagen einem schon einen realistischen Preis. Ein Beispiel: Ein Tuch – gute Qualität, Erstpreis: 600 Dirham, entspricht der Faustregel ungefähr 60 Euro (der Kurs ist ca. 1 Euro : 11 Dirham). Man hört dann viele Ausreden, von wegen Handarbeit, keine industrielle Ware, schlechte Zeiten, man würde schon einen speziellen Preis machen usw. Nicht abbringen lassen, notfalls tun, als ob man geht – man bekommt das Teil für 200 Dirham. Die Feilscherei hat natürlich drei Schattenseiten: man wird erstmal in den Laden “gezogen”, sobald man sich für etwas interessiert. Zweitens: Wenn man während der Feilscherei die Lust verliert oder der Gegenstand doch nicht so richtig passt, wird es schwer den Laden wieder zu verlassen und drittens: In jedem Laden geht das Spiel von vorn los…
  • Strandverkäufer: vielen kann man schon aus der Ferne zu verstehen geben, dass man nichts will. Die meisten respektieren das und kommen auch im Laufe des Tages nicht wieder auf einen zu. Gleiches gilt auch für diejenigen, die einen doch ansprechen – ein kategorisches “Nein” reicht, viel wirkungsvoller war meiner Meinung nach das Zeichen mit dem hin- und herbewegten Zeigefinger. Wenn man doch was will… feilschen halt.
  • Essen und Trinken: kein Alkohol, da religiös bedingt und wenn dann teuer. Dafür lieber marokkanischen Tee probieren: 50% Pfefferminze / 50% Grüntee, mit viel Zucker – macht süchtig! An jeder zweiten Ecke gibt es eine Patisserie, die unglaublich viele Leckereien anbieten. Zum Teil sehr süß und mit viel Nuss. Aber echt eine Verführung fürs Auge – die Leckerteilchen werden abgewogen und zum Kilopreis von 120-130 Dirham pro Kilo verkauft. Muss man mal probiert haben. Ansonsten gibt es viele Spezialitäten, zum Beispiel die Harira, eine Tajine und natürlich sämtliche Variationen von Couscous. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass außerhalb gelegene Restaurants froh sind, wenn man sie wieder beehrt – unsere Rechnung fiel beim zweiten Besuch niedriger aus.
  • Fahrten von A nach B: Kurzstrecken – laufen oder Taxi (sogenannte Petit Taxis). Preis im Hotel für die Strecke erfragen, gibt eine Grundlage beim Feilschen. Längere Strecken mit Sammeltaxi (bis zu 6 Leute in einem alten Mercedes) oder die öffentlichen Busse (CTM, Supratours, Pullman usw.). Natürlich hat man dann unbezahlbare Erlebnisse: vom Busbahnhof, wo verschiedene Orte ausgerufen werden (man versuche Marrakesch 3mal in 1 Sekunde zu sagen, klingt dann wie: Marrkch mit gerolltem R) über die Ausblicke auf marokkanische Lebensweise in den kleinen Orten oder nachts auf die Milchstraße, wenn man gerade durch den Antiatlas fährt. Einmalig ist, wenn ein Bus der Konkurrenz liegenbleibt und ein Mann mit einem Tafelmesser auf den Bus losgeht und sich sofort eine Traube von Menschen darum bildet. Man muss in dem Fall natürlich tolerant sein – also eine Abfahrtszeit von 8 Uhr heißt mit Sicherheit, es geht ungefähr 8.30 Uhr los. Wenn der Bus eine Macke hat, fährt man sicherheitshalber nochmal eine Stunde in die Werkstatt – mit allen Passagieren, ohne Hinweis. Und das schweißt zusammen – wir sind nie wie andere Menschen (besser oder schlechter) behandelt wurden.
  • Sprache / Hilfe: Primäre Sprachen in Marokko: Arabisch und Französisch. Französisch ist wirklich von Vorteil. Deutsch und Englisch hilft bei Straßenverkäufern weiter – die wollen ja auch was verkaufen, aber wenn man dann vor der Bediensteten im Riad steht, die wirklich nur Arabisch und Französisch spricht, wird es kompliziert.

2009 marokko marrakesch3Aber noch etwas zu unseren Erlebnissen in der Woche. Mit dem Hotel Argana hatten wir eine gute Wahl getroffen und ein richtig gutes Zimmer erwischt – Blick auf Pool und Meer, leider nur in der 3 Reihe (1. Reihe: direkt am Strand, 2. Reihe: Restaurants, Geschäfte, einige Hotels). Direkt dahinter die große zweispurige Straße wo man guten Anschluss Richtung Kasbah und Busbahnhof hat. Das Frühstücksangebot war etwas flau, aber dafür abends um so besser. Jeden Abend ein andere Thema, abwechslungsreich und für jeden Geschmack was dabei. Leider wurde uns nach 2 Tagen schon langweilig, also buchten wir die Busreise bei CTM nach Marrakesch und erkundigten uns, wie es mit Essaouira bzw. Taroudant aussieht, aber es gab keine freien Plätze mehr für Sonntag. Also fuhren wir Sonntag früh kurzerhand auf den Busbahnhof, vielleicht hat die Konkurrenz ja Angebote frei – nichts, die hatten nicht mal offen. Also machten wir noch einen ruhigen Tag und verlegten die Reise nach Essouira auf den Montag.

Die Reise war … interessant. Jede Menge Kurven, den ersten Teil am Meer lang mit schönen hohen Wellen, danach die Serpentinen hoch und runter. Auf der Heimfahrt hörte man mehrere Kinder husten und Tüten rascheln. Dafür war die Stadt ein Erlebnis… eine Küstenstadt mit historischer Substanz, strahlender Sonnenschein, nicht zu warm, keine Autos hinter den Stadtmauern. Mir hat es dort sehr gut gefallen – es war zwar touristisch erschlossen, aber nicht überlaufen und man wird nicht pausenlos von Händlern oder Kellnern angequatscht. Nachmittags ging es schon wieder heim, mit Sonnenuntergang während der Fahrt, auch sehr schön anzusehen.

2009 marokko essouiraGleich den nächsten Tag ging es früh auf unseren zweitägigen Trip nach Marrakesch. Die Fahrt war ruhig und problemlos, wenn man auf die Stunde in der Werkstatt absieht. Kaum angekommen, suchten wir unser Riad – ein Taxifahrer sollte uns helfen. Er fuhr uns bis an ein Tor der Stadt und meinte, wir sollten einfach durch das Tor laufen uns immer gerade aus. Problem: es fing einer an, uns zu begleiten und vollzulabern, dass er uns den Weg zeigen kann. Wir ließen ihn irgendwann stehen, irrten noch etwas rum und gingen dann zurück. Der Busbahnhof – keine Hilfe, also fragten wir jemanden der vor einem Hotel aufpasste – Volltreffer, der war wirklich hilfsbereit. Zuerst suchte er auf dem Stadtplan, dann rief er die Nummer des Riad an und fragte, wo es ist. Schließlich organisierte er ein Taxi und beschrieb ihm, wo es hinzufahren hat. Als das Taxi landete, fragte der Taxifahrer zwei Polizisten, die sich einen kleinen Jungen schnappten, der uns zum Riad führte. Hätten wir in Leben nicht gefunden und der erste Taxifahrer lag mit seiner Beschreibung schon sehr richtig. Die Dame im Riad nahm uns in Empfang und warf dem Jungen, der für seine Leistungen 50 Dirham haben wollte mit einem “Pardon” in unsere Richtung, die Tür vor der Nase zu. Diese Aktion hatte uns 2 Stunden gekostet.

Das Riad Amra war wirklich sehr schön, etwas ungewöhnlich durch das Fenster zum Bad und die fehlende Tür zu selbigem, aber für eine Nacht absolut perfekt – vielleicht durch die Hoflage etwas kühl. Zur Begrüßung gab es einen marrokanischen Tee, echt genial der Stoff, erinnert mich an meine Kindheit und meinen Großvater, der immer Pfefferminztee in der Laube getrocknet hat. Wir machten uns auf Entdeckungsreise – den Djemaa el Fna, der angeschlossene Souk mit seinem undurchschaubaren Netz an Gassen und Gässchen, voller Angebote an Taschen, Stoffen, Schuhen, Gläsern… alles in allen Farben, leuchtend bunt. Und zwischendrin der Duft von frisch gebratenen Sachen, seien es Fleischspieße, Pfannkuchen oder sonstige Leckereien. So verbrachten wir den Abend und dann ging es den nächsten Morgen durch den Rest der Stadt, die Kasbah, das Museum, die alte Koranschule Ben Youssef, in die Nähe des königlichen Palastes (Fotografieren verboten! Selbst wenn man weg vom Palast fotografiert!) und wieder zurück ins Zentrum.

2009 marokko marrakesch2Da die Haltestelle von CTM blöderweise nicht beim zentralen Busbahnhof liegt, mussten wir durch das gesamte Hotelviertel (außerhalb des Stadtzentrums von Marrakesch) laufen. Ein Taxi hätte es auch getan, aber wir hatten halt noch Zeit. Die Heimfahrt verlief im Dunklen, aber durch den klaren Himmel und die fehlende Beleuchtung im Antiatlas konnte ich die Milchstraße sehen. Abends im Hotel gab es nichts mehr zu essen, wir bestellten noch was zu trinken und fielen ins Bett. Der letzte Tag war mehr oder weniger durch Sonnen gekennzeichnet, ich holte mir noch einen schönen Sonnenbrand zum Abschluss.

Abschließend noch ein paar allgemeine Bemerkungen zu Marokko, die uns aufgefallen sind. Es regnet kaum in Marokko, aber es gibt viel Staub und der setzt sich überall fest. Vielleicht haben es die Marokkaner irgendwann aufgegeben zu putzen oder es einfach akzeptiert, dass es staubig ist, aber man muss sich im Klaren sein, dass es außer Staub, Sand und Steinen und herumfliegenden Plastiktüten nicht viel zu sehen gibt. Selbst die Palmen und Bäume haben eine staubige, im Gebirge die typische rostbraune Patina. Umweltschutz ist erst noch im Entstehen, aber die Wirkungen der Vernachlässigung sieht man überall, sämtliche Straßenränder sind von Plastiktüten gesäumt, die sich in den Ästen von Sträuchen verfangen haben und wie kleine Fähnchen dem Wind trotzen. Erwachsene wie auch Kinder lassen die Verpackungen von Snacks unmittelbar auf den Fußweg fallen, öffentliche Abfalleimer sind (bis auf Marrakesch) ein Fremdwort. Und man muss sich im Klaren sein, dass man Sachen sieht, die man eventuell nicht unbedingt sehen. Zum Beispiel, wie Tiere auf Märkten gehalten werden – man sollte sich nicht wundern, wenn sich eine Plastikplane, die auf einer Kiste zu liegen schein, sich plötzlich bewegt, weil sich Hühner darunter befinden. Von der Haltung der Schlangen und der Äffchen auf dem Djemaa el Fna ganz zu schweigen.

2009 marokko marrakesch1Was man überall an den Straßenrändern sieht, sind Mandarinen- bzw. Orangenbäume, die voll von Obst sind. Und genauso häufig sieht man Händler stehen, die Mandarinen und Orangen anbieten, die sehr lecker sind – nur auch mal einen Gedanken daran verschwenden, beides zu verbinden.

Wenn schon Marokko hört, denkt man vielleicht an 1001 Nacht, Märchen, und Sonne, aber trotzdem sollte man sich auch über eins im Klaren werden und darauf weisen einen Reiseführer auch direkt hin: man besucht ein islamisches Land. Ich kann natürlich nicht hinter die Kulissen blicken, aber ein gewisser liberaler Umgang mit einigen Glaubensregeln ist uns schon aufgefallen. Gerade in den Städten sieht man Frauen ohne Kopftuch, aber auch im Gegensatz auch Frauen, wo man gerade durch einen Schlitz die Augen ein wenig sieht und sonst keinen Millimeter Haut. Und natürlich gibt es auch alle möglichen Mischungen dazwischen, manche nach den Regeln des Hischab gekleidet, manche mit hautenger Jeans, aber mit Kopftuch, was aber der Aura widersprechen würde. Was natürlich auch zu sehen ist: Händchen halten. Pärchen schlendern am Ufer entlang, halten sich die Hände und gelegentlich sieht man sie auch küssen. Also sehr krasse Gegensätze und wir hatten den Eindruck, die Tradition bröckelt…

Die Bilderlegende:

  1. Sonnenuntergang am Strand von Agadir
  2. Blick von der Strandpromenade auf die Hotelketten von Agadir. Gemacht am letzten Tag, sonst waren da nie Wolken!
  3. Souk von Marrakesch in der Mittagszeit
  4. Blick auf Essouira
  5. In der Koranschule Ben Youssef
  6. Das Minarett der Koutoubia-Moschee (Marrakesch) im Sonnenuntergang
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Dezember 13, 2009 in Unterwegs